Olomouc


Olomouc
Olomouc
Wappen von Olomouc
Olmütz (Tschechien)
DEC
Basisdaten
Staat: Tschechien
Region: Olomoucký kraj
Bezirk: Olomouc
Fläche: 10336 ha
Geographische Lage: 49° 36′ N, 17° 16′ O49.59611111111117.260277777778219Koordinaten: 49° 35′ 46″ N, 17° 15′ 37″ O
Höhe: 219 m n.m.
Einwohner: 100.168 (2006)
Postleitzahl: 771 00 - 779 00
Kfz-Kennzeichen: M (alt: OL, OC, OM)
Struktur
Status: Statutarstadt
Ortsteile: 26
Verwaltung (Stand: 2007)
Oberbürgermeister: Martin Novotný
Adresse: Horní náměstí 1
771 27 Olomouc
Website: www.olomouc.eu

Olmütz (tschechisch Olomouc; [ˈɔlɔmɔuʦ]) ist die fünftgrößte Stadt Tschechiens, Verwaltungssitz des Olomoucký kraj, Bezirksstadt, Sitz eines Erzbistums, der zweitältesten tschechischen Universität und eines der beiden tschechischen Obergerichte. Die Stadt war bis ins 17. Jahrhundert historisches Zentrum Mährens und hat auch heute eine bedeutende Stellung als starkes Handels-, Kultur- und Verwaltungszentrum.

Inhaltsverzeichnis

Geographie

Olomouc

Klima und Geographie

Olmütz liegt im östlichen Teil Tschechiens in der Flussaue der March an der Stelle der Einmündung der Feistritz. Die Stadt liegt in einer nach Nordwesten und Südosten geöffneten Ebene, welche von Westen und insbesondere von Osten von höheren geomorphologischen Formationen umgeben ist. Die Stadtmitte befindet sich in einer Höhe von 219 m ü. M.

Die Jahresdurchschnittstemperatur beträgt 8,7 °C, der durchschnittliche Jahresniederschlag um 570 mm. Die durchschnittliche Sonnenscheindauer beträgt 1616,7 Stunden im Jahr.[1]

Bevölkerung

Olomouc ist die fünftgrößte Stadt Tschechiens. Im Jahr 2006 hatte Olomouc 100 168 Einwohner.

Jahr 2001 2002 2003 2004 2005 2006
Einwohnerzahl[2] 102 246 101 624 101 268 100 752 100 381 100 168

Geschichte

Stadtansicht von Olomouc, 1593
Altstadt
Rathaus und Dreifaltigkeitssäule
Wenzelsdom
Moritzkirche
Caesar-Brunnen

Im Jahr 1017 wurde Mähren an den böhmischen Staat der Přemysliden angegliedert. In Olomouc entstand eine Verwaltungsburg. Herzog Vratislav II. errichtete 1063 in Olomouc ein Bistum. 15 Jahre später wurde das Kloster Hradisko gegründet. 1126 wurde Heinrich Zdik zum Bischof. Am Anfang des 13. Jahrhunderts starb der letzte Olmützer Fürst, Mähren wurde vereint und einem Markgrafen unterstellt. Zum Jahr 1248 wird erstmals die Königsstadt erwähnt. 1306 hielt sich König Wenzel III. während eines Feldzuges nach Polen in Olomouc auf und wurde hier ermordet. Die Stadt entwickelte sich wirtschaftlich sehr schnell und wurde zur Hauptstadt Mährens.

In den Hussitenkriegen war Olomouc fester Bestandteil der katholischen Seite. Im 16. Jahrhundert entstanden zahlreiche Paläste im Renaissancestil. 1566 kamen die Jesuiten nach Olomouc. Diese gründeten eine Schule welche 1573 zur Universität erhoben wurde. Im Dreißigjährigen Krieg wurde die Stadt 1642 von den Schweden eingenommen und acht Jahre okkupiert. Nach dem Dreißigjährigen Krieg verlor die großteils zerstörte und entvölkerte Stadt den Status der mährischen Hauptstadt und trat diesen an Brünn ab.

Im Jahr 1740 wurde die Stadt von den Preußen eingenommen. Nach diesem Zwischenfall wurden die Festungsanlagen umfangreich ausgebaut. Einer zweiten Belagerung durch die Preußen im Jahre 1758 hielt die neue Festungsanlage stand. 1777 wurde das Bistum zum Erzbistum erhoben. 1841 erhielt die Stadt einen Eisenbahnanschluss.

Im Jahr 1848 beherbergte das Schloss des Erzbischofs den wegen der Revolution in Wien hierher geflohenen kaiserlichen Hof. Kaiser Ferdinand I. übertrug hier am 2. Dezember 1848 dem achtzehnjährigen Franz Joseph I. die Regierung. Am 29. November 1850 wurde in Olmütz die Olmützer Punktation oder auch "Olmützer Vertrag" zwischen Preußen, Österreich und Russland abgeschlossen. In den Jahren 1850 bis 1866 wurden erneut die Befestigungsanlagen erweitert. 1886 wurde dann der Festungsstatus aufgehoben. 1899 fuhr in der Stadt die erste Straßenbahn.

Geschichte der Jüdischen Gemeinde

Die jüdische Gemeinde Olmütz geht von jüdischem Leben in Olmütz seit mindestens dem 11. Jahrhundert aus.

Die Synagoge von Olomouc wurde 1895–1897 erbaut. In der Nacht vom 15. auf den 16. März 1939 wurde sie nach dem Einmarsch der Wehrmacht von den hiesigen Nationalsozialisten niedergebrannt. Einige Sitzbänke wurden ausgebaut, dienten lange als Kirchenbänke in einer Dorfkirche bei Prostějov und wurden schließlich 2004 in der renovierten Synagoge in Krnov aufgestellt. Einige davon stehen heute in der Synagoge von Loštice und erinnern an die in den Konzentrationslagern ermordeten jüdischen Bürger. Der Ehrensitz ist Berthold Oppenheim gewidmet, dem Rabbi von Olomouc und Loštice.[3] Während der Zeit des Nationalsozialismus wurden 3489 Menschen in fünf Transporten, am 26. und 30. Juni 1942, am 4. Juli 1942 und am 7. März 1945 in das Ghetto Theresienstadt und später weiter in Vernichtungslager im besetzten Polen deportiert.[4] Damit erlosch das jüdische Leben in Olomouc.

Seit 1989 gibt es eine Belebung des jüdischen Kultuslebens in Olmütz. 1991 wurde eine selbständige jüdische Gemeinde mit einem Wirkungskreis für die Bezirke Olmütz, Mährisch Schönberg, Freiwaldau, Freudenthal und Prerau wiederbegründet.

Stadtgliederung

Die Stadt Olomouc besteht aus den Stadtteilen Bělidla (Bleich), Černovír (Tschernowier), Chomoutov (Komotau), Chválkovice (Chwalkowitz), Droždín (Droschdein), Hejčín (Hatschein), Hodolany (Hodolein), Holice (Holitz), Klášterní Hradisko (Kloster Radisch), Lazce (Laske), Lošov (Loschau), Nedvězí u Olomouce (Nedweiß), Nemilany (Nimlau), Neředín (Neretein), Nová Ulice (Neugasse), Nové Sady u Olomouce (Neustift), Nový Svět (Salzergut), Olomouc-město (Olmütz-Stadt), Pavlovičky (Paulowitz), Povel (Powel), Radíkov (Radikau), Řepčín (Repschein), Slavonín (Schnobolin), Svatý Kopeček (Heiligenberg, früher Mariendorf), Topolany (Topolan) und Týneček (Klein Teinitz).

Politik

Liste der Oberbürgermeister (seit 1989)

  • Břetislav Baran, 1989–1990
  • Milan Hořínek, 1990–1994
  • Ivan Kosatík (ODS), 1994–1998
  • Martin Tesařík (ČSSD),1998–2006
  • Martin Novotný (ODS), seit 2006

Städtepartnerschaften

Olomouc unterhält Städtepartnerschaften mit folgenden Städten [5]:

Wirtschaft und Infrastruktur

ehemalige Universität mit Michaelskirche, heute Priesterseminar

Olmütz ist neben Ostrava das wichtigste Wirtschafts- und Verkehrszentrum in Nordmähren.

Verkehr

Öffentlicher Personennahverkehr

Der innenstädtische Verkehr wird von sechs Straßenbahnlinien und 22 Buslinien gewährleistet (Stand 2006). 2007 wurde eine der Straßenbahnlinien eingestellt.

Eisenbahn

Der Hauptbahnhof Olomouc liegt an der Hauptstrecke PragČeská Třebová–Olomouc–Ostrava/ŽilinaKošice. Weitere Strecken führen in nördlicher Richtung nach Šumperk und Krnov und westlich nach Senice na Hané. In Richtung Süden führen Strecken nach Brünn und über Otrokovice(/Zlín) nach Břeclav und weiter nach Wien.

Flugverbindung

Die nächstgelegenen Flughäfen für Fernreisende sind Prag (drei Stunden mit Auto), Wien (drei Stunden) und Bratislava (zwei Stunden). Näher gelegen sind die kleineren Flughäfen Ostrava (eine Stunde, 45 Minuten) und Brünn (eine Stunde). Der öffentliche internationale Flugplatz Olomouc-Neředín (IATA-Code OLO, ICAO-Code LKOL) befindet sich 3,8 Kilometer westlich vom Stadtzentrum im Stadtteil Neředín. Er wird im VFR-Regime (bei Tag) betrieben und verfügt über zwei 520x30 und 560x30 Meter lange asphaltierte Start- und Landebahnen für Ultraleichtflugzeuge und zwei 760x30 Meter lange Grasbahnen. Auf dem Flugplatz ist der Flugrettungsdienst der Region stationiert.

Gesundheitswesen

Die größte Einrichtung ist das Universitätsklinikum (Fakultní nemocnice Olomouc) mit 1433 Betten und 50 Abteilungen und Kliniken (Stand 2006). Von 1992 bis 2004 wurde das Klinikum umfangreich erweitert und modernisiert und ist so derzeit eines der modernsten Krankenhäuser in Tschechien. Das Olmützer Militärkrankenhaus (Vojenská nemocnice Olomouc) ist das älteste Militärkrankenhaus in Tschechien. Es wurde 1748 gegründet und siedelt seit 1802 in dem als nationales Kulturdenkmal geschützten Kloster Hradisko. In der Stadt befinden sich weiter zwei private Polikliniken.

Ortsansässige Unternehmen

Zu den traditionellen in Olomouc angesiedelten Wirtschaftszweigen gehört die Lebensmittelindustrie und Maschinenbau, vertreten u. a. durch die 1970 gegründete Molkerei OLMA, den 1899 gegründete Schokoladenhersteller ZORA (heute Teil von Nestlé), die Pumpentechnikhersteller ISH und Sigma (heute in Lutín bei Olomouc), das Hüttenwerk Moravské železárny, den Salzverarbeiter Solné mlýny Olomouc oder das 1934 gegründete Chemie- und Pharmazieunternehmen FARMAK.

Bildung

Merkur-Brunnen

In Olmütz befindet sich die Palacký-Universität mit 21.277 (WS 2007) Studenten. Die Universität besteht aus 8 Fakultäten und einem Universitätsklinikum. Sie wurde im Jahre 1573 ursprünglich als Jesuiten-Hochschule gegründet und ist die zweitälteste Universität in Tschechien.

Erzbistum

Hauptartikel: Erzbistum Olmütz

Das Bistum wurde 1063 erstmals urkundlich erwähnt, es unterstand bis ins 18. Jahrhundert dem Erzbistum Prag. 1777 wurde Olmütz zur Erzdiözese erhoben. Gleichzeitig wurde das Bistum Brünn als Suffragan der Erzdiözese Olmütz errichtet. Heute umfasst das Erzbistum im die Region Nord- und Mittelmährens. Erzbischof und Metropolit ist Jan Graubner.

Kultur und Sehenswürdigkeiten

Rathaus mit astronomischer Uhr

Museen

Im Olomouc gibt es das Museum für Kunst, dessen Teil das Erzdiözesemuseum im romanischen Zdíks Palast ist. Das Volkskundemuseum beherbergt Ausstellungen über Geologie und Mineralogie, Zoologie, die Vorgeschichte der Region und über die Geschichte und Entwicklung der Uhren.

Theater

In der Stadt befindet sich das Mährische Theater Olmütz, die Mährische Philharmonie Olmütz, das Musiktheater Olmütz und die kleine unabhängige Bühne Theater Tramtarie.

Architektur

Das dominanteste Bauwerk der Stadt ist der Wenzelsdom. Dort ist König Wenzel III. beigesetzt. Die Kirche wurde 1107 bis 1131 als Basilika im romanischen Stil erbaut und im 14. Jahrhundert gotisch und im 19. Jahrhundert neugotisch umgebaut. In unmittelbarer Nachbarschaft befindet sich der romanische Zdíks-Palast. Die Moritzkirche gehört zu den wichtigsten gotischen Bauwerken der Stadt. Das Rathaus aus den 14. Jahrhundert mit einem 78 Meter hohen Turm und einer astronomischen Uhr hat einen gotischen Baukern. Zu den Renaissancegebäuden gehört der Hauenschild-Palast am unteren Platz. In diesem Haus wohnte Wolfgang Amadeus Mozart, der hier 1767 seine 6. Sinfonie komponierte. Zum barocken Architekturerbe in Olmütz gehören die 35 Meter hohe und als UNESCO-Welterbe geschützte Pestsäule der heiligen Dreifaltigkeit, der Palast der Erzbischofs und die Klosteranlage Hradisko. Die Plätze und Straßen zieren einige Springbrunnen. Nennenswert sind weiter in der Altstadt sowie in den Vorstädten erhaltene Teile der Olmützer Festungsanlage und das Zeughaus, in dem sich heute die Universitätsbibliothek befindet.
Neben zahlreichen Hausfassaden und Brunnen sind viele historische Portale besonders sehenswerte Fassadenobjekte innerhalb des Stadtbildes von Olmütz.

Kulinarische Spezialitäten

Von hier stammt der berühmte Olmützer Quargel, ein beliebter Käse mit strengem Geruch.

Persönlichkeiten

Prominente Bewohner und Söhne und Töchter der Stadt sind in der Liste der Persönlichkeiten der Stadt Olomouc aufgeführt. Mit Olomouc verbundene und siedelnde Bischöfe und Erzbischöfe sind in der Liste der Bischöfe und Erzbischöfe von Olmütz aufgeführt.

Stadtoberhäupter seit 1851

  • 1851–1865 Franz Kreilm
  • 1865–1866 Franz Hein
  • 1866–1872 Karl Boromäus Johann Nepomuk Alois Schrötter
  • 1872–1896 Josef von Engel
  • 1896–1918 Karl Brandhuber
  • 1918–1919 Vakanz
  • 1919–1923 Karel Mareš
  • 1923–1939 Richard Fischer
  • 1939–1941 Fritz Czermak
  • 1942–1945 Julius Schreitter
  • 1945–1947 Václav Stibor-Kladenský
  • 1947–1949 Jan Kučera
  • 1949–1950 Ladislav Bernatský
  • 1950–1956 Antonín Eliáš
  • 1957–1960 Josef Drmola
  • 1960–1970 František Řeháček
  • 1970–1986 Jan Tencian
  • 1986–1989 Josef Votoček
  • 1989–1990 Břetislav Baran
  • 1990–1994 Milan Hořínek
  • 1994–1998 Ivan Kosatík
  • 1998–2006 Martin Tesařík
  • seit 2006 Martin Novotný

Siehe auch

Weblinks

Quellen

  1. Český hydrometeorologický ústav: Long-Term Climatological Normals for the Period 1961–1990
  2. Český statistický úřad [1]
  3. Synagogue benches - symbolic memorial for victims of holocaust
  4. Jüdische Gemeinde Olmütz: Zur Geschichte der jüdischen Kommunität in Olmütz.
  5. Informační server statutárního města Olomouce: Partnerská města

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