Olympische Spiele der Jugend


Olympische Spiele der Jugend
Olympische Flagge mit den fünf Ringen; erstmals verwendet bei den Olympischen Spielen 1920 in Antwerpen

Der Begriff Olympische Spiele (altgr. Olympia Ὀλύμπια ‚die Olympischen‘, neugr. olymbiaki agones ολυμπιακοί αγώνες ‚olympische Wettkämpfe‘, auch olymbiada ολυμπιάδα ‚Olympiade‘) ist gemäß der Olympischen Charta die Sammelbezeichnung für zwei regelmäßig ausgetragene Sportwettkampfveranstaltungen, die „Spiele der (jeweiligen) Olympiade“ („Sommerspiele“) und die „Olympischen Winterspiele“. Bei diesen treten Athleten und Mannschaften (nicht die Nationen) in den Olympischen Sportarten gegeneinander an. Dabei werden die Bestplatzierten mit Gold-, Silber- und Bronzemedaillen ausgezeichnet. „Olympiade“ ist entgegen einem weit verbreiteten Irrtum nicht synonym mit „Olympische Spiele“, sondern bezeichnet den Zeitraum von vier Jahren, der mit den Spielen beginnt.

Die Einführung der Olympischen Spiele der Neuzeit wurde 1894 als Wiederbegründung der antiken Festspiele in Olympia auf Anregung von Pierre de Coubertin beschlossen. Als „Treffen der Jugend der Welt“ sollten sie dem sportlichen Vergleich und der Völkerverständigung dienen. Seit 1896 finden alle vier Jahre Sommerspiele und seit 1924 Winterspiele statt. 1992 wurden Winter- und Sommerspiele letztmalig im selben Jahr veranstaltet, seitdem alternieren sie im zweijährigen Rhythmus (1994: Winterspiele).

Von 1912 bis 1948 fanden auch Olympische Kunstwettbewerbe statt. In den Jahren 1924, 1932 und 1936 wurde mit dem Prix olympique d'alpinisme auch ein Preis für herausragende Leistungen im Bereich des Bergsteigens vergeben. Seit 1960 folgen den Olympischen Sommerspielen und seit 1976 den Winterspielen die in denselben Wettkampforten ausgetragenen Paralympics als Wettkämpfe der behinderten Sportler. Jeweils ein Jahr nach den Olympischen Spielen werden die Sommerspiele und wiederum zwei Jahre darauf die Winterspiele der Deaflympics der Gehörlosen und die Special Olympics für Menschen mit geistiger Behinderung an jeweils anderen Wettkampforten durchgeführt.

Inhaltsverzeichnis

Olympische Spiele der Antike

Hauptartikel: Olympische Spiele der Antike

Der Ursprung der Olympischen Spiele der Antike liegt vermutlich im 2. Jahrtausend v. Chr. Der Überlieferung nach sollen die ersten regelmäßigen Spiele im griechischen Olympia im Jahre 776 v. Chr. stattgefunden haben. Dieser Zeitpunkt wurde im 4. Jahrhundert v. Chr. aus den Siegerlisten rekonstruiert. Die Periode zwischen zwei Spielen hieß Olympiade. Die Zählung nach Olympiaden wurde als Zeitmaß in der gesamten griechischen Antike verwendet.

In der Anfangszeit gab es nur einen Wettlauf über die Distanz des Stadions (192,27 Meter). Die Spiele erhielten mit der Zeit eine immer größere Bedeutung. Sie waren keine „Sportveranstaltung“ in unserem heutigen Sinne, sondern ein religiöses Fest, das zu Ehren des Göttervaters Zeus und des göttlichen Helden Pelops durchgeführt wurde. In ihrer Blütezeit dauerten die Spiele fünf Tage – der erste Tag war bestimmt von kultischen Zeremonien, wie Weihehandlungen und dem Einzug der Athleten, Schiedsrichter und Zuschauer in den heiligen Hain von Olympia. Neben den sportlichen Wettkämpfen waren die Wettkämpfe in musischen Wettbewerben ebenso wichtig. Anders als heute stand nicht der Sport als solcher im Mittelpunkt, sondern die religiöse Komponente: Teilnahme und Sieg waren religiöser Natur.

Die Olympischen Spiele fanden immer Mitte Juli statt. Die Sportler mussten einen Monat vorher anwesend sein, um den Oberschiedsrichtern ihr Können zu demonstrieren. Wer für geeignet befunden wurde, war für die Wettkämpfe qualifiziert.

Die eigentlichen Spiele begannen mit dem Umzug aller Beteiligten – Sportler, Betreuer, Schiedsrichter und Zuschauer -, der zum Tempel des Zeus führte. Hier schworen die Sportler, sich an die Regeln der Spiele zu halten. Die Wettkämpfe selbst wurden mit höchster Leidenschaft ausgetragen. Nur der Sieg zählte. Die Sieger erhielten einen Siegeskranz aus Olivenzweigen sowie ein Stirnband. Man sah sie als „von den Göttern begünstigt“ an und verewigte sie mit Gedichten und Statuen. Jede Niederlage – sogar schon ein zweiter oder dritter Platz – galt als untilgbare Schmach. Die Verlierer kehrten unglücklich und auf Schleichwegen in ihre Heimat zurück, um dem Spott zu entgehen, der sie erwartete. Als berühmtester Olympionike aller Zeiten galt der Ringer Milon von Kroton.

Mit der Zeit stieg die Anzahl der Wettbewerbe auf zwanzig an, unterteilt in Leichtathletik, Schwerathletik, Pentathlon und Reitwettbewerbe.

Als die Römer im Jahr 148 v. Chr. Griechenland eroberten, verloren die Olympischen Spiele ihren panhellenischen Charakter – von nun an war es auch „nicht-griechischen“ Athleten gestattet, teilzunehmen. Vermutlich zum letzten Mal fanden die Spiele im Jahr 393 n. Chr. statt, bevor der römische Kaiser Theodosius I. im Jahr 394 alle heidnischen Zeremonien verbieten ließ. Fest steht, dass die Spiele nicht nach 426 n. Chr. ausgetragen werden konnten, da in diesem Jahr ein Brand den Zeus-Tempel zerstörte. Eroberungsfeldzüge, Überschwemmungen, Erdrutsche und Erdbeben zerstörten die Anlagen weitgehend.

Wiedergeburt der Olympischen Idee

Pierre de Coubertin, der Begründer der modernen Olympischen Spiele

Die Olympische Idee ging nicht ganz verloren. So fanden in England während des 17. Jahrhunderts mehrmals „olympische“ Wettkämpfe statt, später auch in Frankreich und Griechenland. Sporthistoriker zählen 12 einjährig und mehrjährig durchgeführte Veranstaltungen zu den ersten Versuchen einer Erneuerung der Olympischen Spiele. Sie waren jedoch allesamt eher kleine Veranstaltungen mit bestenfalls überregionalem Charakter. Als einziger ernsthafter Vorläufer der modernen Olympischen Spiele gelten die Olympien, die zwischen 1859 und 1889 in Griechenland stattfanden. Sie wurden von Evangelos Zappas ins Leben gerufen und durch eine Königliche Verfügung von Otto I. als eine nationale Aufgabe von hohem Rang angesehen, die auch internationale Beachtung erfuhr.

Nachdem 1766 die Sport- und Tempelanlagen in Olympia wieder entdeckt worden waren, begannen 1875 groß angelegte archäologische Ausgrabungen unter Leitung des Deutschen Ernst Curtius. Um diese Zeit kam in Europa die romantisch-idealistische Antiken-Rezeption immer mehr in Mode; der Wunsch nach einer Wiedererweckung des olympischen Gedankens verbreitete sich. So sagte Baron Pierre de Coubertin damals: „Deutschland hatte das ausgegraben, was vom alten Olympia noch vorhanden war. Warum sollte Frankreich nicht die alte Herrlichkeit wiederherstellen?“

Nach de Coubertins Meinung war die mangelnde körperliche Ertüchtigung der Soldaten eine der Hauptursachen für die Niederlage der Franzosen im Deutsch-Französischen Krieg (1870–71). Er strebte danach, diesen Zustand durch die verbindliche Einführung von Sportunterricht an den Schulen zu verbessern. Gleichzeitig wollte er nationale Egoismen überwinden und zum Frieden und zur internationalen Verständigung beitragen. Die „Jugend der Welt“ sollte sich bei sportlichen Wettkämpfen messen und sich nicht auf dem Schlachtfeld bekämpfen. Die Wiederbelebung der Olympischen Spiele schien in seinen Augen die beste Lösung zu sein, um beide Ziele zu erreichen.

100-Meter-Lauf 1896 in Athen

An einem Kongress, der vom 16. bis 23. Juni 1894 in der Sorbonne-Universität von Paris stattfand, präsentierte er seine Ideen einer internationalen Zuhörerschaft. Am letzten Tag des Kongresses wurde beschlossen, dass die ersten Olympischen Spiele der Neuzeit 1896 in Athen stattfinden sollten, also im Ursprungsland. Um die Spiele zu organisieren, erfolgte die Gründung des Internationalen Olympischen Komitees (IOC). Erster Präsident war der Grieche Demetrius Vikelas, während de Coubertin zunächst als Generalsekretär amtierte.

Die ersten Spiele der Neuzeit erwiesen sich als großer Erfolg. Obwohl weniger als 250 Athleten teilnahmen, waren die Spiele das größte sportliche Ereignis, das je seit der Antike stattgefunden hatte. Die griechischen Offiziellen waren vom Erfolg derart begeistert, dass sie den Vorschlag machten, die Spiele zukünftig immer in Griechenland stattfinden zu lassen. Doch das IOC entschied sich für eine Rotation zwischen verschiedenen Ländern.

Olympische Spiele der Neuzeit

Siehe auch: Olympische Sommerspiele, Olympische Winterspiele

Nach dem Anfangserfolg geriet die olympische Bewegung in eine Krise. Die Spiele von 1900 in Paris und 1904 in St. Louis waren in die parallel stattfindenden Weltausstellungen integriert, die Wettkämpfe zogen sich über mehrere Monate hin und wurden kaum beachtet. Die Spiele von St. Louis waren wegen der eingeschränkten Erreichbarkeit eine fast rein US-amerikanische Angelegenheit. Bei den Olympischen Zwischenspielen 1906 in Athen standen die sportlichen Wettkämpfe wieder im Vordergrund. Das IOC stimmte der Austragung zwar widerstrebend zu, erkannte die Resultate der Zwischenspiele jedoch nie offiziell an. Von manchen Sporthistorikern werden diese Spiele als Rettung der olympischen Idee angesehen, da sie das Absinken in die Bedeutungslosigkeit verhinderten.

Wachstum

1896 hatten noch 262 Athleten aus 13 Ländern teilgenommen. Diese Zahl erhöhte sich mit der Zeit ständig, so nahmen beispielsweise bei den Sommerspielen 2008 in Peking über 11.000 Athleten aus 204 Ländern an 302 Wettbewerben teil. Die Anzahl der Teilnehmer bei den Winterspielen ist im Vergleich dazu bedeutend geringer, bei den Winterspielen 2006 in Turin waren 2633 Athleten aus 80 Ländern gemeldet, die in 84 Wettkämpfen an den Start gingen.

Neben den Fußball-Weltmeisterschaften und der Tour de France sind die Olympischen Spiele heute das größte Sportereignis der Welt. Bei den Sommerspielen 2000 in Sydney waren mehr als 16.000 Medienleute im Einsatz, die Wettkämpfe wurden weltweit von rund 3,8 Milliarden Fernsehzuschauern mitverfolgt. Dieses Wachstum stellt heute eines der größten Probleme dar, da für die Olympiastädte die Kosten für die Ausrichtung der Spiele immer höher werden.

Mitgliedschaft

Heute nehmen bis zu 205 verschiedene Länder an Olympischen Spielen teil (vgl. Liste im Artikel Nationales Olympisches Komitee). Diese Zahl ist höher als jene der Länder, die von den Vereinten Nationen anerkannt werden (momentan 192), d.h. es gibt 13 weitere IOC-Mitglieder. Der Grund dafür ist, dass das IOC auch Nationen zu den Wettkämpfen zulässt, die nicht die strikten Anforderungen für politische Souveränität erfüllen, wie dies von den meisten anderen internationalen Organisationen verlangt wird. Als Folge davon besitzen zahlreiche Kolonien und abhängige Gebiete eigene Delegationen, die getrennt von ihren Mutterländern teilnehmen. Beispiele dafür sind Puerto Rico, Bermuda und Hongkong. Seit 1980 nimmt Taiwan an den Spielen teil, und zwar unter der Bezeichnung Chinese Taipei und mit einer vom IOC eigens für diesen Zweck gestalteten Flagge. Zuvor hatte die Volksrepublik China die Teilnahme verweigert, weil die taiwanische Mannschaft unter der Bezeichnung Republik China teilgenommen hatte.

Krisen

Entgegen den Hoffnungen de Coubertins verhinderten die Olympischen Spiele nicht den Ausbruch von Kriegen. Tatsächlich konnten drei Veranstaltungen nicht durchgeführt werden: Jene von 1916 entfielen wegen des Ersten Weltkriegs, jene von 1940 und 1944 wegen des Zweiten Weltkriegs.

Die Nationalsozialisten missbrauchten erfolgreich die Sommerspiele 1936 in Berlin als Propagandaforum, um das Image Deutschlands im Ausland zu verbessern. Kurzfristig wurden antisemitische Parolen entfernt und sogar die Judenverfolgung vorübergehend eingestellt. Das antisemitische Hetzblatt Der Stürmer durfte in Berlin für die Dauer der Spiele nicht öffentlich im Kiosk ausliegen.

1963 und 1967 führten mehrere kürzlich unabhängig gewordene (meist sozialistische) Staaten eine Gegenveranstaltung zu den Olympischen Spielen durch. Sie trug den Namen GANEFO (Games of the New Emerging Forces) und war klar politisch geprägt, was den Statuten des IOC widersprach. Das IOC erklärte die Teilnehmer der GANEFO-Spiele zu „unerwünschten Personen“.

Massaker von Tlatelolco: Bei der Niederschlagung von gegen die Spiele gerichteten Studentenunruhen starben zehn Tage vor der Eröffnung der Sommerspiele 1968 in Mexiko-Stadt etwa 500 Studenten. Ein demgegenüber vergleichsweise kleinerer politischer Zwischenfall ereignete sich bei diesen Spielen, als die zwei afroamerikanischen Leichtathleten Tommie Smith und John Carlos während der Siegerehrung des 200-Meter-Laufs ihre Fäuste mit schwarzen Handschuhen in die Höhe streckten. Dies war damals das Symbol der Bewegung Black Power, die sich gegen die Diskriminierung der afroamerikanischen Bevölkerung in den USA richtete. Das IOC stellte das Olympische Komitee der USA (USOC) vor die Wahl, entweder die beiden Athleten nach Hause zu schicken oder die ganze Leichtathletik-Mannschaft zurückzuziehen. Das USOC entschied sich für ersteres.

Münchner Olympiastadion

Während der Sommerspiele 1972 in München nahmen palästinensische Terroristen elf Mitglieder der israelischen Mannschaft gefangen. Eine missglückte Befreiungsaktion auf dem Flugplatz von Fürstenfeldbruck führte zum Tod aller Geiseln sowie von fünf Terroristen und einem Polizeibeamten. Die Geiselnahme von München blieb weltweit als „München-Massaker“ in Erinnerung. IOC-Präsident Avery Brundage setzte sich für die Fortführung der Spiele ein, berühmt geworden ist sein Ausspruch „The games must go on“ („Die Spiele müssen weitergehen“). Das Ereignis wurde mehrmals verfilmt, so z. B. durch Arthur Cohn (Ein Tag im September, 1999) und Steven Spielberg (München, 2006).

Im Centennial Olympic Park von Atlanta explodierte während der Sommerspiele 1996 eine Bombe. Dabei starben zwei Menschen und 111 wurden verletzt. Die Bombe war von Eric Robert Rudolph gelegt worden, der der Christian-Identity-Bewegung nahe steht. Nach einer fünfjährigen Flucht konnte er 2003 verhaftet werden.

Boykotte

Karte zu den Olympiaboykotten 1976, 1980 und 1984

Mit dem Schlagwort Olympiaboykott bezeichnet man die Entscheidung einzelner Länder oder Ländergruppen, nicht an den Olympischen Spielen teilzunehmen. Die Olympischen Spiele der Neuzeit wurden mehrmals aus meist politischen Gründen von einem oder mehreren Staaten boykottiert. Die größten Boykotte fanden bei den Olympischen Spielen 1972, 1976, 1980 und 1984 statt.

Den ersten Versuch eines Olympiaboykotts gab es bereits im Vorfeld der Spiele von 1896. Unter dem Motto „Olympiateilnahme ist Vaterlandsverrat“ versuchten nationalistische Kreise eine deutsche Olympiateilnahme zu verhindern, was jedoch scheiterte. Gegenstand war die Person Coubertins, der ja Franzose war, sowie die damals noch ungewohnte Idee internationaler Sportveranstaltungen.[1]

Die britischen Sportlerinnen lehnten die Teilnahme an den erstmals mit Frauenwettbewerben für Leichtathleten versehenen Sommerspielen 1928 in Amsterdam ab: Die Internationale Leichtathletik-Föderation IAAF hatte zunächst die Durchführung von zehn Frauenwettbewerben zugesagt, das IOC führte aber tatsächlich nur fünf durch.

Der österreichische und der schweizerische Skiverband boykottierten 1936 die Teilnahme an den Bewerben im alpinen Skisport, weil das IOC im Gegensatz zur FIS Skilehrer als Profis ansah und nicht zu den Wettbewerben zuließ.

Die Niederlande, Spanien und die Schweiz boykottierten die Sommerspiele 1956 in Melbourne aus Protest gegen die Niederschlagung des Ungarischen Volksaufstands durch die Sowjetunion. Wegen der Sueskrise blieben Ägypten, der Irak, Kambodscha und der Libanon der Veranstaltung fern.

1968, 1972 und 1976 drohte jeweils eine große Anzahl afrikanischer Staaten mit einem Boykott, falls das IOC sich weigern sollte, Südafrika, Rhodesien und Neuseeland von den Spielen auszuschließen. Das IOC gab in den ersten beiden Fällen nach, um damit ein Zeichen gegen die Rassendiskriminierung zu setzen. Im Falle Neuseelands weigerte es sich jedoch: Die All Blacks, die neuseeländische Rugby-Union-Nationalmannschaft, hatten in Südafrika gespielt und damit den Sportbann gegen das Apartheid-Regime gebrochen. Weil jedoch Rugby Union seit 1924 keine olympische Sportart mehr ist, verzichtete das IOC auf eine Sperre aller neuseeländischen Sportler. Die afrikanischen Staaten zogen ihre Mannschaften zurück, nachdem die Spiele in Montréal bereits begonnen hatten (einige Athleten waren bereits im Einsatz gewesen). Außerhalb Afrikas gab es nur wenig Verständnis für diese drastische Maßnahme. Lediglich Guyana solidarisierte sich mit den 21 afrikanischen Staaten. Ebenfalls 1976 teilte Kanada der Mannschaft Taiwans mit, dass sie nicht unter dem Namen Republik China antreten dürfe. Auf den Kompromissvorschlag Taiwan ging das Land aber nicht ein und verzichtete ebenfalls auf eine Teilnahme.

1980 und 1984 boykottierten die Supermächte des Kalten Kriegs gegenseitig die Spiele im Land des jeweiligen Gegners. Die USA und 64 weitere westliche Staaten weigerten sich, an den Sommerspielen 1980 in Moskau teilzunehmen; Grund war die sowjetische Invasion Afghanistans ein Jahr zuvor. 16 westliche Staaten beteiligten sich jedoch nicht am Boykott (darunter Großbritannien, Italien, die Schweiz und Österreich) oder überließen die Entscheidung über Teilnahme oder Nichtteilnahme den einzelnen Sportverbänden. Die Sowjetunion und 14 weitere Ostblockstaaten wiederum nahmen nicht an den Sommerspielen 1984 in Los Angeles teil, angeblich weil die Sicherheit ihrer Athleten nicht gewährleistet werden konnte. Die kommunistisch regierten Länder Jugoslawien und Rumänien nahmen jedoch teil, ebenso erstmals überhaupt die Volksrepublik China. 1986 wurden die Goodwill Games gegründet, in erster Linie um die Athleten der USA und der Sowjetunion nach den Boykotten wieder zusammenzubringen.

Nordkorea boykottierte die Sommerspiele 1988 in der südkoreanischen Stadt Seoul, weil das Land nicht als Co-Gastgeber berücksichtigt worden war. Die drei Staaten Äthiopien, Kuba und Nicaragua blieben aus Solidarität ebenso fern; diesen Schritt bezeichneten sie offiziell aber nicht als Boykott, um Sanktionen des IOC abzuwenden.

Vor den Olympischen Sommerspielen 2008 in der Volksrepublik China wurde in verschiedenen Ländern ein Boykott wegen der damaligen Tibet-Politik Chinas diskutiert.

Olympische Bewegung

Eine Reihe verschiedener Organisationen sind bei der Planung und Ausführung der Olympischen Spiele beteiligt. Zusammen bilden sie die so genannte Olympische Bewegung. Die Regeln und Richtlinien der Zusammenarbeit sind in der Olympischen Charta festgehalten.

Im Zentrum der Olympischen Bewegung steht das Internationale Olympische Komitee (IOC), das von Jacques Rogge präsidiert wird. Es hält die Schirmherrschaft über die olympische Bewegung und beansprucht alle Rechte an den olympischen Symbolen, Fahnen, Mottos und Hymnen sowie den Spielen selbst. Seine Hauptverantwortung liegt in der Betreuung und Mitorganisation der Sommer- und Winterspiele, der Auswahl der Austragungsorte und der beteiligten Sportarten.

Drei Arten von Organisationen sind auf einer spezialisierten Ebene tätig:

  • Internationale Sportverbände wie z. B. die FIFA, die FIS oder die UCI sind für die Einhaltung der Regeln in ihren jeweiligen Sportarten zuständig
  • Nationale Olympische Komitees vertreten das IOC in den einzelnen Mitgliedsländern und selektieren die Athleten, die an den Spielen teilnehmen
  • Organisationskomitees der Olympischen Spiele planen und überwachen die Durchführung der Veranstaltungen in den einzelnen Olympiastädten

Zurzeit gehörten 202 nationale olympische Komitees und 35 internationale Sportverbände der Olympischen Bewegung an. Die Organisationskomitees bestehen nur ein paar Jahre und werden jeweils nach Ende der Veranstaltung aufgelöst, sobald alle administrativen Arbeiten erledigt sind. Manchmal wird die Bezeichnung „Olympische Bewegung“ auch viel allgemeiner verwendet und es werden auch nationale Sportverbände, Athleten, Medien und Sponsoren dazugerechnet.

Kritik

In der jüngeren Vergangenheit geriet das IOC verstärkt unter Druck. Es wurde als unbewegliche, unflexible Organisation kritisiert. Zahlreiche Mitglieder des IOC waren in sehr fortgeschrittenem Alter und blieben teilweise bis zu ihrem Tod im Amt. Besonders die Präsidentschaft des Spaniers Juan Antonio Samaranch wurde heftig kritisiert. Zwar waren unter seiner Führung einige Fortschritte erzielt worden, doch das IOC galt als autokratisch und korrupt. Auch Samaranchs enge Beziehungen zum Franco-Regime und seine lange Amtszeit von 21 Jahren (er trat erst im Alter von 81 Jahren zurück) gaben zu reden.

1998 wurde bekannt, dass mehrere IOC-Mitglieder vom Organisationskomitee der Winterspiele 2002 bestochen wurden, um als Gegenleistung bei der Wahl des Austragungsortes ihre Stimme der Stadt Salt Lake City zu geben. Das IOC führte eine Untersuchung durch, in deren Folge vier Mitglieder zurücktraten und sechs ausgeschlossen wurden. Der Skandal führte zu weiteren Reformen. Unter anderem wurde das Auswahlverfahren geändert, um weitere Bestechungen zu vermeiden. Das IOC ernannte zahlreiche aktive und ehemalige Athleten zu Mitgliedern und beschränkte die Amtszeit.

Im August 2004 strahlte der britische Fernsehsender BBC eine Dokumentation mit dem Titel Buying the Games („Wie die Spiele gekauft werden“) aus. Sie untersuchte dabei Korruptionsvorwürfe im Zusammenhang mit der Vergabe der Sommerspiele 2012 und wies nach, dass es noch immer möglich sei, IOC-Mitglieder zu bestechen, damit sie sich für eine bestimmte Stadt entscheiden.

Olympische Spiele der Jugend

Logo der Kandidatur Innsbrucks

Die Olympischen Spiele der Jugend sollen ein Sportereignis für Jugendliche im Alter von 14 bis 18 Jahren werden. Die Idee dazu entwickelte IOC-Präsident Jacques Rogge. Am 6. Juli 2007 beschloss das Internationale Olympische Komitee die Einführung. 2010 sollen in Singapur zum ersten Mal Olympische Sommerspiele der Jugend ausgetragen werden, die Olympischen Winterspiele der Jugend 2012 in Innsbruck. Damit die Veranstaltung nicht in Gigantismus ausartet, wird es eine Begrenzung der Teilnehmerzahl von 3000 Athleten bei Sommerspielen und 1000 Athleten bei Winterspielen geben.

Olympische Symbole

Der Höhepunkt der Eröffnungsfeier ist jeweils das Entzünden des Olympischen Feuers, hier 2002 in Salt Lake City

Die Olympische Bewegung verwendet mehrere weltweit, in Deutschland durch das Olympiaschutzgesetz geschützte Symbole, die meisten davon entsprechen den Ideen und Idealen von Pierre de Coubertin. Das bekannteste ist wohl die Olympische Flagge mit den fünf verschiedenfarbigen, verschlungenen Ringen auf einem weißen Feld. Die sechs Farben Weiß, Rot, Blau, Grün, Gelb und Schwarz wurden deshalb gewählt, weil die Flagge jedes Landes der Welt mindestens eine dieser Farben aufweist. Weiterhin steht die Anzahl der Ringe für die fünf Erdteile (klassische Zählweise). Die Flagge wurde 1913 entworfen und wird seit den Sommerspielen 1920 in Antwerpen gehisst.

Das offizielle Motto der Olympischen Bewegung lautet citius, altius, fortius (Latein für „schneller, höher, stärker“). De Coubertins Ideale spiegeln sich am besten im Olympischen Credo wider: „Das Wichtigste an den Olympischen Spielen ist nicht der Sieg, sondern die Teilnahme, wie auch das Wichtigste im Leben nicht der Sieg, sondern das Streben nach einem Ziel ist. Das Wichtigste ist nicht, erobert zu haben, sondern gut gekämpft zu haben.“

Die Olympische Fackel wird an historischer Stätte in Olympia entzündet und in einem Staffellauf zum Austragungsort getragen. Das erste Mal wurde bei den Sommerspielen 1928 in Amsterdam ein Olympisches Feuer entzündet. Es gab jedoch damals weder einen Fackellauf vor der Eröffnungsfeier, noch wurde das Feuer von einer bestimmten Person entzündet. Nach einer Idee von Carl Diem wurde der erste Fackellauf bei den Sommerspielen 1936 in Berlin veranstaltet. Der erste Fackellauf anlässlich von Winterspielen fand 1952 statt.

Eröffnungsfeiern

Die Eröffnungsfeiern der Olympischen Spiele umfassen eine Reihe von traditionellen Elementen. Die Feier beginnt üblicherweise mit dem Abspielen der Nationalhymne des Gastgeberlandes. Nach verschiedenen kulturellen Darbietungen beginnt der Einmarsch der teilnehmenden Athleten ins Stadion, jeweils ein Athlet geht einige Schritte vor dem Rest seiner Mannschaft und trägt dabei die Flagge seines Landes. Seit 1928 marschiert stets die Mannschaft Griechenlands als erste ins Stadion (um an die antike Tradition zu erinnern). Danach folgen die weiteren teilnehmenden Nationen in alphabetischer Reihenfolge der Hauptsprache des Gastgeberlandes. Falls die Sprache des Gastgeberlandes kein Alphabet kennt, erfolgt der Einmarsch gemäß dem englischen Alphabet. Bei den Sommerspielen 2008 in China war die Zahl der Striche im chinesischen Schriftzeichen am Anfang des Ländernamens maßgeblich[2]. Den Abschluss des Einmarschs bildet die Mannschaft des Gastgeberlandes.

Sind alle Athleten eingetroffen, hält der Vorsitzende des Organisationskomitees eine kurze Rede. Auf diesen folgt der Präsident des IOC, der am Ende seiner Rede das Staatsoberhaupt des Gastgeberlandes vorstellt. Dieser wiederum eröffnet formell die Spiele. Als nächstes wird die Olympische Hymne gespielt, während die Olympische Flagge ins Stadion getragen wird. Danach versammeln sich die Flaggenträger aller teilnehmenden Länder um ein Podium. Auf diesem sprechen ein Athlet (seit 1920) und ein Schiedsrichter (seit 1972) den Olympischen Eid, mit dem sie das Einhalten der Regeln versprechen.

Zuletzt trägt der vorletzte Läufer des Staffellaufs die Olympische Fackel ins Stadion und übergibt diese an den letzten Läufer. Der letzte Läufer, oftmals ein sehr bekannter und erfolgreicher Sportler des Gastgeberlandes, entzündet dann mit der Fackel das Feuer in einer großen Schale (das Entzünden des Feuers wurde erstmals 1928 durchgeführt, der Staffellauf 1936). Ab 1920 wurden auch Friedenstauben freigelassen; dies wurde jedoch wieder aufgegeben, nachdem 1988 in Seoul einige Tauben im olympischen Feuer verbrannt waren.

Schlussfeiern

Seit 1956 sind die Schlussfeiern weit weniger formell und strukturiert als die Eröffnungsfeiern. Erneut marschieren die Athleten ins Stadion ein, diesmal jedoch nicht nach Ländern geordnet, sondern bunt gemischt. Damit wird die Verbundenheit der Athleten nach Ende der Wettkämpfe symbolisiert. Der IOC-Präsident hält eine Rede, in der er den Erfolg der Spiele betont. Danach übergibt er den Olympischen Orden an die Mitglieder des Organisationskomitees und erklärt die Spiele für beendet; gleichzeitig ruft er „die Jugend der Welt“ auf, sich in vier Jahren erneut zu versammeln.

Danach wird der Gastgeber der nächsten Olympischen Spiele vorgestellt. Traditionell werden drei Flaggen gehisst, die Flagge Griechenlands, die Flagge des aktuellen Gastgeberlandes und die Flagge des nächsten Gastgeberlandes. Darüber hinaus wird dem Bürgermeister der nächsten Olympiastadt eine Olympische Flagge übergeben. Zuletzt wird die Olympische Hymne gespielt und das Olympische Feuer gelöscht. In den letzten Jahren hat es sich eingebürgert, dass anschließend ein Rock- und Popkonzert stattfindet; dieses gehört aber nicht mehr zum offiziellen Teil.

Maskottchen

Seit den Winterspielen 1968 in Grenoble gibt es zu Promotionszwecken ein offizielles olympisches Maskottchen, üblicherweise eine heimische Tierart der Austragungsregion, seltener auch eine menschliche Figur, die das kulturelle Erbe repräsentiert.

Olympische Sportarten

Siehe auch: Olympische Sportarten

Bei den Sommerspielen 2004 fanden Wettbewerbe in 28 verschiedenen Sportarten statt (gemäß Zählung des IOC). Wenn man die Wassersportarten weiter aufteilt, kommt man sogar auf 37. Im Jahr 1896 standen neun Sportarten auf dem Programm: Leichtathletik, Radsport, Fechten, Kunstturnen, Gewichtheben, Sportschießen, Schwimmen und Ringen. Damals waren auch Wettkämpfe im Rudern vorgesehen, diese mussten jedoch wegen schlechten Wetters abgesagt werden.

Bei den Winterspielen 2006 wurden Wettkämpfe in 7 Sportarten ausgetragen (oder 15 bei genauerer Aufteilung). Seit der ersten Austragung im Jahr 1924 waren Skilanglauf, Eiskunstlauf, Eishockey, Nordische Kombination, Skispringen und Eisschnelllauf jedes Mal im Programm. Zwei dieser Sportarten waren schon zuvor bei Sommerspielen ausgetragen worden (Eiskunstlauf 1908 und 1920, Eishockey 1920).

In jüngster Vergangenheit hat das IOC einige neue Sportarten ins Programm aufgenommen, um die Attraktivität der Spiele für ein jüngeres Publikum zu steigern. Beispiele dafür sind Snowboarden und Beachvolleyball. Das Wachstum der Olympischen Spiele hat zur Folge, dass weniger beliebte Sportarten wie Moderner Fünfkampf und teure Sportarten wie Kanuslalom darum kämpfen müssen, im Wettkampfprogramm zu verbleiben. Bei der Session des IOC im Juli 2005 in Singapur sind – mit Wirkung von 2012 an – mit Baseball und Softball erstmals seit 1924 (Rugby Union) wieder Sportarten aus dem Olympischen Programm gestrichen worden. Die Anträge anderer Sportarten, wie z. B. Rugby und Karate, in den Wettbewerbsplan aufgenommen zu werden, fanden nicht die notwendige Mehrheit unter den IOC-Mitgliedern.

Bis 1992 wurden oft auch Wettkämpfe in so genannten Demonstrationssportarten durchgeführt. Die Absicht war, dass diese Sportarten ein größeres Publikum erreichen sollten; die Gewinner dieser Wettbewerbe gelten nicht als offizielle Olympiasieger. Manche Sportarten waren nur in den jeweiligen Gastgeberländern populär, andere hingegen werden weltweit betrieben. Einige dieser Demonstrationssportarten wie Baseball (vorübergehend), Curling und Taekwondo wurden schließlich ins offizielle Programm aufgenommen.

Amateurstatus und Profisport

In de Coubertins Vision waren Athleten auch Ehrenmänner. Nur Amateure wurden als solche angesehen, während man den Profis die Teilnahme an Olympischen Spielen verweigerte. Eine Ausnahme bildeten die Fechttrainer, die als Inbegriff für Ehrenhaftigkeit galten. Der Ausschluss von Profis hatte während der gesamten modernen Geschichte der Olympischen Spiele zahlreiche Kontroversen zur Folge.

Jim Thorpe, 1912 der Olympiasieger im Fünfkampf und im Zehnkampf, wurde ausgeschlossen, nachdem man herausgefunden hatte, dass er vor dem Gewinn der Medaillen auf halbprofessioneller Basis Baseball gespielt hatte; erst 1983 rehabilitierte ihn das IOC. Skiläufer aus der Schweiz und Österreich boykottierten die Winterspiele 1936, um damit ihre Solidarität mit den Skilehrern zu bekunden, die das IOC als Profisportler betrachtete. 1972 wurde Karl Schranz nach einem Verstoß gegen das damalige Amateurgesetz durch IOC-Präsident Avery Brundage von den Olympischen Winterspielen in Sapporo ausgeschlossen. Als er nach Wien zurückkehrte, bereiteten ihm mehrere tausend Menschen einen heroischen Empfang.

Mit der Zeit wurde vielen klar, dass die Amateurregeln nicht mehr der Zeit entsprachen. Beispielsweise waren die meisten Athleten aus kommunistisch regierten Ländern eigentlich Staatsangestellte („Staatsamateure“). Sie erhielten somit effektiv die Möglichkeit, den ganzen Tag lang zu trainieren und waren deshalb nur dem Namen nach Amateure. Trotzdem hielt das IOC weiterhin unbeirrt am Amateurstatus fest.

Während der 1980er wurden die Amateurregeln gelockert und während der 1990er schließlich ganz aufgehoben. Das sichtbarste Zeichen für diesen Sinneswandel war die Zulassung des Dream Team. Es war gänzlich aus gut bezahlten NBA-Stars zusammengesetzt und gewann 1992 überlegen die Basketball-Goldmedaille. Im Jahr 2004 war Boxen die einzige Sportart, in der keine Profis zugelassen waren. Im Fußballturnier der Männer (jedoch nicht in jenem der Frauen) ist die Anzahl der über 23-jährigen Spieler auf drei pro Mannschaft begrenzt.

Regelungen, welche die Werbung betreffen, sind noch immer sehr strikt, wenigstens auf dem eigentlichen Wettkampfgelände. Jedoch gelten für „offizielle olympische Sponsoren“ zahlreiche begünstigende Sonderregelungen. Die Logos von nichtoffiziellen Sponsoren (z. B. auf der Ausrüstung der Athleten) dürfen eine bestimmte Größe nicht überschreiten.

Doping

Eines der Hauptprobleme bei den Olympischen Spielen (und im internationalen Sport im Allgemeinen) ist die unerlaubte Leistungssteigerung durch Doping. Zu Beginn des 20. Jahrhunderts nahmen viele Athleten Drogen zu sich; so war die Verwendung von Kokain weit verbreitet. Thomas Hicks, der Gewinner des Marathonlaufs bei den Sommerspielen 1904, erhielt beispielsweise von seinem Trainer selbst während des Rennens Brandy, der mit Strychnin angereichert war. Hartnäckig hält sich das Gerücht, dass das Trinken von Wasser damals verboten war, das ist aber nachweislich falsch.[3]

Als die Athleten und Betreuer zu immer extremeren Methoden griffen, wurde den Verantwortlichen allmählich bewusst, dass dies nicht mehr mit dem Ideal von „Gesundheit durch Sport“ zu vereinbaren war. Der erste durch Doping verursachte Todesfall an Olympischen Spielen ereignete sich 1960 in Rom, als der Däne Knut Enemark Jensen von seinem Fahrrad fiel und starb. Später stellte sich heraus, dass er mit Amphetaminen gedopt gewesen war.

Mitte der 1960er erließen mehrere Sportverbände ein Dopingverbot, das IOC folgte 1967 diesem Beispiel. Der erste Athlet, der positiv auf verbotene Substanzen getestet wurde, war 1968 der Schwede Hans-Gunnar Liljenwall; er musste seine Bronzemedaille im modernen Fünfkampf wegen der Einnahme von Alkohol zurückgeben. Seither wurden mehr als fünfzig Athleten überführt, darunter mehrere Medaillengewinner. Für den größten Skandal sorgte der Kanadier Ben Johnson; er war 1988 mit neuem Weltrekord Olympiasieger im 100-Meter-Lauf geworden, wurde dann jedoch positiv auf Stanozolol getestet.

Trotz der Tests verwendeten viele Athleten Doping, ohne je überführt zu werden. Im Jahr 1990 aufgetauchte Dokumente zeigten, dass zahlreiche Athleten aus der DDR (insbesondere Frauen) gezielt von ihren Betreuern mit anabolen Steroiden und anderen Mitteln gedopt wurden, dies auf Anweisung der Regierung.

Ende der 1990er begann das IOC, den Kampf gegen das Doping besser zu organisieren; 1999 nahm die WADA (Welt-Anti-Doping-Agentur) ihre Arbeit auf. Die strengeren Kontrollen führten ab 2000 dazu, dass deutlich mehr Sportler überführt werden konnten, insbesondere im Gewichtheben und im Skilanglauf.

Olympiasieger und Medaillengewinner

siehe auch: Ewiger Medaillenspiegel der Olympischen Spiele

Silbermedaille von 1896 (sie wurde damals dem Sieger verliehen)

Bei sämtlichen Wettkämpfen an Olympischen Spielen wird eine Rangliste erstellt. Die Athleten (oder Mannschaften), die sich an erster, zweiter oder dritter Stelle klassieren, erhalten Medaillen als Auszeichnung. Der Gewinner erhält eine Medaille, die als „Goldmedaille“ bezeichnet wird (eigentlich sind es Silbermedaillen mit einem goldenen Überzug). Der Zweite erhält eine Medaille aus Silber, der Dritte eine Medaille aus Bronze. In einigen Wettbewerben, die im K.-o.-System ausgetragen werden (insbesondere Boxen, Judo und Taekwondo), werden zwei Bronzemedaillen vergeben.

Die Vergabe von Medaillen als Anerkennung für die drei Erstplatzierten wurde 1904 eingeführt. 1896 und 1900 erhielten lediglich die zwei Besten eine Medaille (Silber für den Ersten und Bronze für den Zweiten). Außerdem erhielten beide einen Ölzweig. Einige Literaturstellen sprechen bei der Ehrung des Zweitplatzierten allerdings auch von einer Kupfermedaille und einem Lorbeerzweig. 1904 erhielt erstmals der Sieger eine Goldmedaille, die anderen Medaillen wurden um einen Platz nach unten versetzt. Seit 1948 erhalten die Athleten auf den Plätzen 4, 5 und 6 olympische Diplome; seit 1976 werden diese auch zusätzlich den drei Medaillengewinnern überreicht. Seit 1984 erhalten auch die Siebt- und Achtplatzierten Diplome. Damit sollten nicht nur alle Teilnehmer eines Viertelfinales gewürdigt werden, es entfiel auch die Notwendigkeit, in Wettkämpfen mit K.-o.-System Platzierungskämpfe um die Plätze 5 bis 8 durchzuführen (interessanterweise werden diese in einigen Sportarten jedoch noch immer ausgetragen).

Weil die Olympischen Spiele nur alle vier Jahre ausgetragen werden, genießen sie bei Zuschauern und Athleten ein höheres Prestige als Weltmeisterschaften, die oft im jährlichen oder zweijährigen Rhythmus stattfinden. Viele Athleten wurden nach einem Olympiasieg zu Prominenten (oder gar Helden) in ihren jeweiligen Ländern, manche sogar weltweit.

Ein Vergleich der Leistungen von Athleten in verschiedenen Sportarten und zu verschiedenen Zeiten ist zwar von begrenzter Aussagekraft. Legt man jedoch die Anzahl der Goldmedaillen zugrunde, so können die folgenden Athleten als die erfolgreichsten angesehen werden (die Olympischen Zwischenspiele von 1906 werden dabei nicht berücksichtigt):

Athlet (Land) Sportart Zeitraum Gold Silber Bronze Total
Michael Phelps (USA) Schwimmen seit 2004 14 0 2 16
Larissa Latynina (UdSSR) Kunstturnen 1956–1964 9 5 4 18
Paavo Nurmi (Finnland) Leichtathletik 1920–1928 9 3 0 12
Mark Spitz (USA) Schwimmen 1968–1972 9 1 1 11
Carl Lewis (USA) Leichtathletik 1984–1996 9 1 0 10
Bjørn Dæhlie (Norwegen) Skilanglauf 1992–1998 8 4 0 12
Birgit Fischer (Deutschland) Kanusport 1980–2004 8 4 0 12
Sawao Kato (Japan) Kunstturnen 1968–1976 8 3 1 12
Jenny Thompson (USA) Schwimmen 1992–2004 8 3 1 12
Matt Biondi (USA) Schwimmen 1984–1992 8 2 1 11

Die erfolgreichste deutsche Athletin ist Birgit Fischer, die zwischen 1980 und 2004 acht Gold- und vier Silbermedaillen im Kanufahren gewann. Der erfolgreichste Österreicher ist Toni Sailer (drei Goldmedaillen 1956 im alpinen Skisport). Georges Miez gewann die meisten Medaillen für die Schweiz (4 Gold, 3 Silber, 1 Bronze im Geräteturnen zwischen 1924 und 1936). Hanni Wenzel ist die erfolgreichste Athletin aus Liechtenstein (2 Gold, 1 Silber, 1 Bronze im alpinen Skisport an den Spielen 1976 und 1980).

Siehe auch

Portal
 Portal: Olympische Spiele – Übersicht zu Wikipedia-Inhalten zum Thema Olympische Spiele

Belege

  1. Knaurs Sportspiegel 1981. Droemer Knaur, München 1982. ISBN 3-426-07623-3
  2. [1]
  3. Eileen P. Duggan: The Marathon From Hell - Marathon and beyond, 2004.

Literatur

  • Die Chronik der Olympischen Spiele. Chronik Verlag, Gütersloh – München 2004, ISBN 357714632X (Resultate und Medaillengewinner von 1896 bis heute)
  • Horst Callies: Über Olympia, die Olympischen Spiele und die Politik im Altertum. In: Sportpädagogik. Hrsg. v. Gerhard Hecker. Diesterweg, Frankfurt am Main 1996, S. 5ff. ISBN 3-425-05129-6
  • Vyv Simson, Andrew Jennings: Geld, Macht und Doping. Das Ende der olympischen Idee. A.-Knaus-Verlag, München 1992, ISBN 381350445X (kritische, enthüllungsjournalistische Auseinandersetzung mit den Machenschaften des IOC)
  • Judith Swaddling: Die Olympischen Spiele der Antike. Reclam, Ditzingen 2004, ISBN 315018293X (Beschreibung der antiken Spiele, der Bauten und Anlagen von Olympia, der Wettkämpfe und vieles mehr)
  • Leni Riefenstahl: Olympia. Taschen Verlag, Köln 2002, ISBN 382281945X (Bildband mit Fotos der umstrittenen Regisseurin von den Sommerspielen 1936 in Berlin)
  • Das Olympia-Buch. Delius Klasing Verlag, Bielefeld 2004, ISBN 3768815455 (ausführliche Geschichte der modernen Olympischen Spiele)
  • The Economics of staging the Olympics. A comparison of the Games 1972–2008. Edward Elgar Publishing, Glos 2005, ISBN 1843768933 (ausführliche Geschichte zur Ökonomie der Olympischen Spiele)

Weblinks


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