Omaijaden


Omaijaden

Die Umayyaden (arabischالأمويون‎ al-umawiyyūn oder ‏بنو أمية‎ banū umayya) auch Umajjaden, Omayyaden, Omajjaden, Omaijaden, Omajaden – sind eine Dynastie von Kalifen, die von 661 bis 750 Oberhäupter des sunnitischen Islam waren (siehe auch: Liste der Kalifen). Nach ihrer Vertreibung aus dem Orient gründeten sie 756 das Emirat von Córdoba. Sie waren die erste Dynastie von Kalifen, die nicht eng mit Mohammed verwandt waren. Wie dieser entstammen sie jedoch den Quraisch aus Mekka.

Inhaltsverzeichnis

Gründung der Dynastie durch Muawiya

Die Wahl Ali ibn Abi Talibs zum Kalifen wurde von den Muslimen nicht allgemein anerkannt. Als Anhänger des ermordeten Uthman ibn Affan ließ sich Muawiya, der Statthalter von Syrien, im Jahr 660 in Damaskus zum Kalifen ausrufen. Damit war die moslemische Gemeinschaft (Umma) erstmalig gespalten.

Zwar konnte Muawiya I. nach der Ermordung von Ali durch die Charidschiten (661) seine Herrschaft unter den Muslimen durchsetzen und die Dynastie der Umayyaden begründen, doch wurde er von den Anhängern Alis weiterhin nicht als rechtmäßiger Herrscher anerkannt. Es kam somit zum Schisma zwischen Sunniten und Schiiten, den Anhängern Ali ibn Abi Talibs. Letztere hatten ihren Schwerpunkt zunächst im Süden des heutigen Irak.

Zunächst verlegte Muawiya die Hauptstadt von Medina nach Damaskus, womit Arabien politisch schnell an Bedeutung verlor. Die Bedeutung für den Islam konnte es nur noch durch die Heiligen Stätten Mekka und Medina behaupten. Muawiya schaffte auch die Wahl des Kalifen ab und ersetzte sie durch die Erbfolge, nachdem er seinen Sohn Yazid I. öffentlich zum Nachfolger erklärt hatte. Der Ältestenrat musste nur noch formal dem neuen Kalifen seine Zustimmung erteilen. Unter den Umayyaden begann sich eine arabische Aristokratie herauszubilden.

Weitere Geschichte

Nach dem Tod Muawiyas brachen unter seinem Nachfolger Yazid I. (680683) mehrere Aufstände gegen die Umayyaden aus. Husain, der zweite Sohn Alis und Enkel Mohammeds, nutzte die Situation und zog gegen Yazid I. zu Felde. Er wurde jedoch in der Schlacht von Kerbela (680) getötet. Dieser Akt besiegelte die endgültige Trennung zwischen Sunniten und Schiiten und wurde Anlass für das schiitische Trauerfest Aschura. Trotz dieses umayyadischen Sieges konnte sich die Opposition vor allem im Hedschas um Mekka weiter behaupten.

Nach dem Tod von Yazid I. und seines Sohnes Muawiya II. war die Thronfolge unter den Umayyaden 684 völlig ungeklärt. Dies nutzte die Opposition und rief Abdallah ibn az-Zubair in Mekka zum Kalifen aus. Zeitweise wurde dieser sogar von der Mehrheit der Muslime anerkannt. Den nun folgenden Bürgerkrieg konnten die Umayyaden erst 692 unter Abd al-Malik (685705) für sich entscheiden.

Nach der Beendigung des Bürgerkriegs begann erneut eine Zeit großer Eroberungen. So wurden im Osten das Indusgebiet (711) und Transoxanien (712) besetzt. Im Westen wurde bis 709 der Widerstand der Berber gebrochen und der Maghreb unterworfen. Schon 711 wurde das Westgotenreich in Spanien erobert und erfolgten Raubzüge in das Frankenreich bis an die Loire und nach Burgund.

Die Vorstöße ins Frankenreich wurden aber 732 vom fränkischen Hausmeier, dem Karolinger Karl Martell, aufgehalten - was nicht zuletzt sicherlich auch an den großen Streitigkeiten bzgl. der Kalifenfrage innerhalb des muslimischen Lagers lag. In den nächsten Jahrzehnten wurden die Muslime über die Pyrenäen nach Süden abgedrängt. Auch Byzanz konnte trotz mehrerer Feldzüge und den Belagerungen von Konstantinopel (668–669, 674–678, 717–718) nicht entscheidend geschlagen werden. Ebenso blieben mehrere Feldzüge gegen die Chasaren nördlich des Kaukasus weitgehend erfolglos.

Ende der Dynastie

Seit 718 hatten sich unterdessen schiitische, persische und andere muslimische Gruppen um die Abbasiden geschart, die Nachfahren von Muhammads Onkel Abbas. Diese vertraten die These, dass nur Männer aus dem Zweig dieses Onkels das Amt des Kalifen ausüben konnten. Da die Umayyaden diese verwandtschaftliche Legitimation nicht besaßen, versuchten sie die abbasidische Propaganda zu unterbinden. Dennoch gelang in den vierziger Jahren des 8. Jahrhunderts die Unterwanderung des Kalifats durch die Anhänger der Abbasiden, als unter den Umayyaden heftige Machtkämpfe ausbrachen. Außerdem wurde die herrschende Dynastie zunehmend durch heftige Rivalitäten zwischen den arabischen Stammesfraktionen geschwächt. Der 747 im Ostiran ausbrechenden Aufstand des Abu Muslim konnte von den Umayyaden deshalb nicht mehr erfolgreich bekämpft werden. 750 wurden diese unter Marwan II. von den Abbasiden im Nordirak am Großen Zab vernichtend geschlagen. In der Folgezeit wurde die Sippe der Umayyaden von den Abbasiden ausgerottet.

Emirat und Kalifat von Córdoba

Einem Umayyadenprinzen gelang aber die Flucht in den Maghreb und nach Andalusien, wo er 756 als Abd ar-Rahman I. das Emirat von Córdoba errichtet. 929 erhob sich Abd ar-Rahman III. zum Kalifen. Das Kalifat von Córdoba hatte bis zum Jahr 1031 Bestand. Mit dessen Ende erlosch die Dynastie der Umayyaden endgültig.

Herrscher der Umayyaden

Die umayyadischen Kalifen von Damaskus
661–750
Name von bis
Mu'awiya I. 661 680
Yazid I. 680 683
Mu'awiya II. 683 684
Marwan I. 684 685
Abd al-Malik 685 705
al-Walid I. 705 715
Sulayman 715 717
Umar Ibn Abd al-Aziz 717 720
Yazid II. 720 724
Hischam 724 743
al-Walid II. 743 744
Yazid III. 744
Ibrahim 744
Marwan II. 744 750
Die umayyadischen Emire von Córdoba
756–929
Name von bis
Abd ar-Rahman I. 756 788
Hischam I. 788 796
al-Hakam I. 796 822
Abd ar-Rahman II. 822 852
Muhammad I. 852 886
al-Mundir 886 888
Abdallah ibn Muhammad 888 912
Abd ar-Rahman III. 912 929
Das umayyadische Kalifat von Córdoba
929–1031
Name von bis
Abd ar-Rahman III. 912 961 ab 929 Kalif
al-Hakam II. 961 976
Hischam II. 976 1009
Muhammad II. al-Mahdi 1009
Sulaiman al-Mustain 1009 1010
Muhammad II. al-Mahdi 1010 erneut
Hischam II. 1010 1013 erneut
Sulaiman al-Mustain 1013 1016 erneut
Ali Ibn Hammud al-Nasir 1016 1018
Abd ar-Rahman IV. 1018
al-Qasim al-Mamun 1018 1021
Yahya al-Mutali 1021 1023
Abd ar-Rahman V. 1023 1024
Muhammad III. 1024 1025
Yahya al-Mutali 1025 1026 erneut
Hischam III. 1026 1031

Literatur

  • Claude Cahen: Der Islam I. Fischer Weltgeschichte, Band 14, Fischer Verlag, Frankfurt a.M. 1968.
  • Ulrich Haarmann (Hrsg.): Geschichte der arabischen Welt. C.H. Beck, München 2001.
  • Hugh Kennedy: The Prophet and the Age of the Caliphates. 2. Aufl. Longman, London 2004
  • Mohamed Meouak: Pouvoir souverain, administration centrale et élites politiques dans l'Espagne umayyad. Academia Scientiarum Fennica, Helsinki 1999, ISBN 951-41-0851-5
  • Gernot Rotter: Die Umayyaden und der zweite Bürgerkrieg. Wiesbaden 1982
  • John Joseph Saunders: A history of Medieval Islam. Routledge, London 1965 (ND 2002), ISBN 0-415-05914-3.
  • Julius Wellhausen: Das arabische Reich und sein Sturz. 1902; ND Berlin 1960.

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