Operation Uranus


Operation Uranus
Operation Uranus
Teil von: Zweiter Weltkrieg, Ostfront
Geländegewinne der Roten Armee vom November 1942 bis März 1943. Gelbe Abschnitte zeigen die Erfolge der Operation Kolzo. Rote Abschnitte im Süden die Gebietsverluste der Wehrmacht durch die Operation Uranus.
Geländegewinne der Roten Armee vom November 1942 bis März 1943. Gelbe Abschnitte zeigen die Erfolge der Operation Kolzo. Rote Abschnitte im Süden die Gebietsverluste der Wehrmacht durch die Operation Uranus.
Datum 19. November 1942
Ort Sowjetunion
Ausgang Niederlage der Achsenmächte
Konfliktparteien
Sowjetunion 1923UdSSR
Sowjetunion
Rumänien KonigreichRumänien
Rumänien
Befehlshaber
Andrei Jeremenko
(Stalingrader Front)
Konstantin Rokossowski
(Donfront)
Nikolai Watutin
(Südwestfront)
Maximilian Freiherr von Weichs
(Heeresgruppe B)
Erich von Manstein
(Heeresgruppe Don)
Friedrich Paulus
(6. Armee)
Hermann Hoth
(4. Panzerarmee)
Italo Gariboldi
(8. Italienische Armee)
Petre Dumitrescu
(3. Rumänische Armee)
Constantin Constantinescu-Claps
(4. Rumänische Armee)
Truppenstärke
1.000.500 Soldaten
894 Panzer
13.540 Geschütze
1414 Flugzeuge
1.011.500
675 Panzer
10.300 Geschütze
1216 Flugzeuge
Verluste
unbekannt unbekannt

Operation Uranus war die Bezeichnung des sowjetischen Oberkommandos für eine im November 1942 begonnene militärische Gegenoffensive gegen die deutschen Truppen, die in schwerste Kämpfe gegen die Rote Armee bei dem deutschen Angriff auf Stalingrad involviert waren und gegen die rumänischen Truppen, die die Flanken der deutschen 6. Armee und 4. Panzerarmee deckten. Sie führte zur Einkesselung von 330.000 deutschen Soldaten und gilt als Wendepunkt des Zweiten Weltkriegs.

Inhaltsverzeichnis

Zielstellungen

Ziele der sowjetischen Streitkräfte waren im Näheren die Einkesselung und Vernichtung der deutschen Truppen in und bei Stalingrad und der damit verbundene Entsatz der eigenen Truppen am westlichen Wolga-Ufer unter dem Kommando von Schukow, dem späteren Sieger der Schlacht um Berlin. Dazu wurden im Norden und Süden von Stalingrad Brückenköpfe über die Wolga gebildet und zäh verteidigt als Ausgangsbasis für die Operation. Der Operationsplan wurde unter Leitung des Generalstabschefs Alexander Wassilewski ausgearbeitet.

Ferner sah die Operation das Abschneiden der deutschen Heeresverbände im Kaukasus vor, und zwar durch die Einnahme von Rostow am Don, kurz vor dessen Mündung in das Asowsche Meer gelegen. Von den Plänen betroffen waren nicht nur die Deutsche 6. Armee unter Paulus und die 4. Panzerarmee unter Hoth, von denen die Erstgenannte später in Stalingrad eingekesselt wurde, sondern die ganze Heeresgruppe Süd (bzw. deren aufgegliederte Heeresgruppen A und B), die aufgelöst und in Heeresgruppe Don umbenannt wurde.

Beteiligte Truppen

Rumänischer Soldat an der Front in Südrussland

Truppenverbände der Sowjetunion

Beteiligt in der Schlacht um Stalingrad waren auf sowjetischer Seite die Donfront unter Rokossowski, sowie die Stalingrader Front von Jeremenko und die Südwestfront unter Nikolai Watutin. Detailliert waren die 21., die 24., die 28., die 51., die 57., die 62., die 64., die 65. und 66. Armee sowie die 1. Gardearmee und die 5. Panzerarmee an den Kämpfen um Stalingrad beteiligt. An Luftgefechten nahmen die 2., 8., 16. und 17. Luftarmee teil.

Truppenverbände der Achsenmächte

Auf deutscher Seite standen im Kampf um Stalingrad die 6. Armee und die 4. Panzerarmee, sowie die 3. rumänische Armee nordwestlich von Stalingrad und die 4. rumänische Armee südlich von Stalingrad.

Am mittleren Don, wo die sowjetischen Truppen letztendlich in Richtung Rostow durchbrachen, stand die 8. italienische Armee.

Der Angriff

Hauptartikel: Schlacht um Stalingrad

Am 19. November um 7:30 Uhr begann der Angriff im Norden von Stalingrad mit einem 80-minütigen Artillerieschlag aus 3500 Rohren (70 Rohre pro Kilometer) auf die Stellungen der 3. rumänischen Armee. Um 8:50 Uhr trat aus dem Brückenkopf von Kletskaja die Südwestfront (Watutin) und aus dem Brückenkopf von Serafimowitsch die Donfront (Rokossowski) an. Gegen Mitte des ersten Angriffstages brach der rumänische Widerstand schnell zusammen und die Einheiten lösten sich auf und flüchteten in Panik. Einen Tag später um 9:30 Uhr begann der Angriff im Süden durch die Stalingrader Front (Jeremenko). Schlechtes Wetter machte den Einsatz der Luftwaffe auf beiden Seiten unmöglich. Erst am Nachmittag des 20. November begriff Paulus den Ernst der Lage. Die einzige operative Reserve der Wehrmacht im Raum Stalingrad, das XXXXVIII. Panzerkorps unter General Heim wurde dem sowjetischen Vorstoß entgegengeworfen, wurde aber schnell überrannt. Bereits am 23. November um 16:00 Uhr vereinigten sich die beiden Stoßkeile (das 4. Panzerkorps (Krawtschenko) der Südwestfront und das 4. Mechanisierte Korps (Wolski) der Stalingrader Front) am Chutor Sowjetski bei Kalatsch am Don und schnitten die deutschen Truppen in Stalingrad ab. Im Kessel befanden sich die 6. Armee und Teile der 4. Panzerarmee mit insgesamt 22 Divisionen und 330.000 Soldaten.

General Friedrich Paulus, Kommandeur der deutschen 6. Armee

Hauptartikel: Unternehmen Wintergewitter

Am 12. Dezember versuchte Hoth mit dem Großteil seiner 4. Panzerarmee – der Rest wurde in Stalingrad mit eingekesselt – Stalingrad zu entsetzen. Der Angriff musste aber endgültig eingestellt werden, als sich für Manstein – der am 21. November den Oberbefehl über die neugeschaffene Heeresgruppe Don erhielt – abzeichnete, dass nicht nur die Truppen in Stalingrad auf dem Spiel standen, sondern der ganze Heeresapparat vom Don bis zum Kaukasus hinunter in Gefahr war.

Am 16. Dezember stürmten drei sowjetische Armeen gegen den mittleren Don, den die 8. italienische Armee hielt. Am 17. bzw. 18. Dezember durchbrachen die Truppen der Roten Armee die Linien der Italiener und stürmten westwärts, mit dem Ziel Rostow am Don bzw. Asowsches Meer.

Wichtige gepanzerte Truppen wurden aus dem hothschen Verband, der den Entsatzversuch bei Stalingrad führte, herausgelöst und gegen die heranstürmenden sowjetischen Truppen geworfen, darunter die 6. Panzerdivision.

Die 6. Panzerdivision nahm zwischen den Flüssen Tschir und Don Aufstellung und wehrte die ersten sowjetischen Angriffe ab, bis die Heeresgruppe Don weitere Verteidigungsmaßnahmen ergreifen konnte. Dazu gehörten nicht nur der Abzug der Truppen vom Kessel von Stalingrad, sondern auch das Offenhalten des Korridors, bis die Heeresgruppe A – die nur noch aus den Überresten der 17. Armee bestand – den Kaukasus räumen und sich auf die Krim absetzen konnte.

Folgen

Grenadiere der Waffen-SS in Südrussland, im Dezember 1942

Die Niederlagen im Kaukasus und in Stalingrad zerstörten den Mythos der Unbesiegbarkeit der deutschen Wehrmacht, den sie sich durch ihre Erfolge vom Kriegsbeginn an bis in die Anfangsphase des Kriegs gegen die Sowjetunion erworben hatte. Der Roten Armee gelang es hier zum ersten Mal, erfolgreich eine große Kesselschlacht zu schlagen. Der Sieg führte zu einem großen Schub für das Selbstbewusstsein der Roten Armee.

Der Verlust an Menschen und Material während der ganzen Sommeroffensive waren für das Deutsche Reich schwerer zu verkraften als für die Sowjetunion, die trotz erheblicher Verluste nach und nach den deutschen Truppen das Heft des Handelns aus der Hand nahm und immer häufiger in die Offensive ging.

Die Operation Uranus kam für das deutsche OKW völlig unvorbereitet, da die Abteilung Fremde Heere Ost meldete, dass die Rote Armee über keinerlei operative Reserven mehr verfüge. Hitler hatte schon verkündet, dass die Rote Armee geschlagen sei und nur noch vor den deutschen Truppen fliehen würde, obwohl General Paulus ihn bereits vor der drohenden Gefahr einer sowjetischen Großoffensive gegen Stalingrad gewarnt hatte.

Literatur

  • David Jordan, Andrew Wiest: Atlas des Zweiten Weltkriegs. Vom Polenfeldzug bis zur Schlacht um Berlin. Tosa, Wien 2005, ISBN 3-85492-972-2.
  • Verlagsgruppe Weltbild (Hrsg.): Faksimile Edition Zweiter Weltkrieg – Stalingrad – Rußland IV.
  • Reader’s Digest (Hrsg.): Der Zweite Weltkrieg. Band 2: Von Pearl Harbor bis Stalingrad.
  • Autorenkollektiv unter Leitung von Wolfgang Schumann: Deutschland im zweiten Weltkrieg. Band 3. Berlin 1982.

Weblinks

 Commons: Operation Uranus – Sammlung von Bildern, Videos und Audiodateien

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