Ostrava


Ostrava
Ostrava
Wappen von Ostrava
Ostrava (Tschechien)
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Basisdaten
Staat: Tschechien
Region: Moravskoslezský kraj
Bezirk: Ostrava-město
Fläche: 21.401 ha
Geographische Lage: 49° 50′ N, 18° 18′ O49.84138888888918.291666666667335Koordinaten: 49° 50′ 29″ N, 18° 17′ 30″ O
Höhe: 335 m n.m.
Einwohner: 303.609 (1. Jan. 2011) [1]
Postleitzahl: 700 00 – 720 00
Kfz-Kennzeichen: T
Verkehr
Nächster int. Flughafen: Flughafen Ostrava
Struktur
Status: Statutarstadt
Ortsteile: 23 Stadtbezirke
37 Stadtteile
Verwaltung
Oberbürgermeister: Petr Kajnar (Stand: 2006)
Adresse: Prokešovo náměstí 8
729 30 Ostrava
Gemeindenummer: 554821
Website: www.ostrava.cz
Luftbildaufnahme Mährisch-Ostraus aus dem Deutschen Bundesarchiv, ohne weitere Angaben

Ostrava ( Aussprache?/i; deutsch Ostrau) ist nach Einwohnerzahl und nach Fläche die drittgrößte Stadt Tschechiens. Es ist die Metropole des Moravskoslezský kraj (der Mährisch-Schlesischen Region). Die Stadt liegt an der Oder, zehn Kilometer südlich der Grenze zu Polen und 50 Kilometer westlich der Grenze zur Slowakei.

Inhaltsverzeichnis

Geografie

Ostrava liegt im Osten Tschechiens im Dreiländereck Tschechien, Polen und Slowakei, am Zusammenfluss der Flüsse Lučina, Oder (Odra), Oppa (Opava), Ostrawitza (Ostravice) zwischen den Sudeten und Beskiden am Nordausgang der Mährischen Pforte, an der historischen Landesgrenze Mährens und Schlesiens.

Ostrava
Klimadiagramm (Erklärung)
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Temperatur in °C,  Niederschlag in mm
Quelle: Czech Hydrometeorological Institute (ČHMÚ)
Monatliche Durchschnittstemperaturen und -niederschläge für Ostrava
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Max. Temperatur (°C) 0,4 2,8 7,7 13,5 18,9 21,9 23,6 23,4 19,4 14,0 6,7 2,0 Ø 12,9
Min. Temperatur (°C) -5,6 -4,1 -0,8 3,0 7,3 10,6 11,9 11,6 8,7 4,7 0,9 -3,2 Ø 3,8
Niederschlag (mm) 26,7 30,2 34,0 52,4 91,2 104,4 91,1 91,8 58,8 42,3 44,6 34,3 Σ 701,8
Regentage (d) 6,7 6,6 7,0 8,2 10,8 11,2 10,5 9,6 7,7 6,6 8,6 7,5 Σ 101
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Geschichte

Ostrava entstand aus alten Siedlungen an der Mündung der Ostravice in die Oder. Hier führte die Bernsteinstraße durch die Mährische Pforte. Seit dem 10. Jahrhundert ist das Ostrauer Becken als Siedlungsgebiet des slawischen Stammes der Hollasitzer (tschechisch Holasici) bekannt. Bis dahin war es germanisch, vorher keltisch besiedelt.

Der Stadtname scheint sich auf eine Landschaftsformation an der Flussmündung zu beziehen: Das slawische Wort „ostrov“ bedeutet „Insel“, das tschechische Wort „ostroh“ unter anderem „Landzunge“.

Oder und Ostravice bildeten hier jahrhundertelang die Grenze zwischen Mähren und Schlesien. An der Mündung der Ostravice in die Oder entstanden beiderseits des Nebenflusses zwei Dörfer mit Namen Ostrava. Polska Ostrawa (tschechisch: Polská Ostrava / deutsch: Polnisch Ostrau) wurde erstmals 1229 erwähnt. Moravská Ostrava (Mährisch Ostrau) erstmals 1267 genannt, erhielt 1279 Stadtrecht. 1297 entstand in Polska Ostrawa eine Burg der Piastenherzöge von Oppeln. Im Laufe des Mittelalters wanderten viele Deutsche ein.

Bis 1918 gehörte Mährisch Ostrau zur Markgrafschaft Mähren und Polnisch Ostrau zum Herzogtum Schlesien (Österreichisch Schlesien), zuletzt beide als Kronländer Teile von Cisleithanien, der westlichen Reichshälfte Österreich-Ungarns. Dann waren beide Städte bis 1939 Teil der Tschechoslowakischen Republik.

Mährisch Ostrau 1728

Die Bedeutung beider Orte blieb bis ins 18. Jahrhundert gering. 1578 Einwohner lebten im Jahre 1794 in Mährisch-Ostrau, 6.881 im Jahre 1869. Wirtschaftliche Bedeutung und Bevölkerungswachstum änderten sich rapide mit dem Beginn des intensiven Abbaus der Steinkohlelagerstätten im Jahr 1763. 1827 gründete Familie Rudolf die Rudolfs Eisenhüttenwerke. Diese wurden später von der Familie Rothschild erworben und in Witkowitzer Eisenhüttenwerke umbenannt. Ostrava wurde zu einem Zentrum der Kohle- und Stahlindustrie. Seit 1919 hieß die östliche Stadt Slezská Ostrava (Schlesisch Ostrau). 1924 wurden die Städte Mariánské Hory, Přívoz und Vítkovice nach Moravská Ostrava eingemeindet. Seit 1924 bestand eine enge Kooperation zwischen beiden Städten und 1941 wurden Mährisch Ostrau und Schlesisch Ostrau offiziell vereinigt.

Die durch den Zensus erfasste Bevölkerung wuchs von 13.448 (1880) 19.240 (1890), 30.116 (1900) und 36.754 (1910). Ein ähnlicher Anstieg ist für die Gesamtregion (d. h. inkl. dem Umland) zu verzeichnen: von 18.711 (1843) bis auf 186.613 (1910). Diese Wachstumsrate der Bevölkerung war nur durch eine Zuwanderung zu erreichen, welche nicht nur aus Mähren, sondern insbesondere auch aus Galizien erfolgte, was durch die gemeinsame staatliche Zugehörigkeit erleichtert wurde. Die massive Zuwanderung von ehemaliger Landbevölkerung in eine zunehmend industrialisierte Wirtschaftsregion brachte große soziale wie auch sozio-kulturelle Probleme mit sich.[2]

Zwischen 1939 und 1945 gehörte Mährisch Ostrau als Teil des Protektorats Böhmen und Mähren zum Großdeutschen Reich. Im Zweiten Weltkrieg wurde das Industriezentrum zum Ziel vieler alliierter Luftangriffe. Ab 1945 wurde der deutsche Bevölkerungsanteil der Stadt vertrieben. Bei einem Massaker in einem der Gefängnisse in Ostrau wurden 200 Deutsche getötet.[3]

Viele Neubürger aus Südmähren, der Slowakei, sogenannte "Repatrianten" und Roma siedelten sich in der Folgezeit an. Nach dem Zusammenbruch des RGW gerieten Schwerindustrie und chemische Industrie, welche mit erheblicher Umweltschädigung betrieben wurden, in eine Krise und der Kohleabbau wurde 1994 eingestellt.

Städtepartnerschaften

Wirtschaft

Der Raum zwischen Ostrava und Karviná ist ein großes Industriegebiet. Die Umwelt wurde infolge der Konzentration von Schwerindustrie – Kohlenförderung, Hüttenwerke, Schwermaschinenbau, Koksfabriken, Kraftwerke, Gaswerke, Chemieunternehmen – stark beeinflusst und in Mitleidenschaft gezogen. Außer Ostrava, dem Zentrum dieser Industrieregion, sind hier noch weitere Industriestädte – Karviná, Orlová, Bohumín – mit Stahl- und Drahtwerken, und weitere Kleinstädte, deren Beschäftigungsmöglichkeiten von diesen Industriezentren abhängig sind. An diesen Kern der Region knüpfen die umliegenden Gebiete an: das Hultschiner Ländchen, die Gebiete um Frýdek-Místek (Friedek-Mistek), Nový Jičín (Neu Titschein) und Třinec (Trzynietz).

Umwelt

Ostrava gilt als Zentrum der Schwerindustrie im Mährisch-schlesischen Landkreis und seiner polnischen Nachbarregion, der Woiwodschaft Schlesien, als eine der schmutzigsten Städte der EU. So herrscht besonders im Winter Smog-Alarm aufgrund des Anfalls an Feinstaub. Der Nachbar Polen muss die Grenzwerte für Feinstaub an EU-Normen anpassen; in Tschechien sind die Grenzwerte dreimal niederiger wie in Polen.[4][5][6]

Verkehr

Ostrava-Přívoz ist ein Eisenbahnknotenpunkt mit Rangierbahnhof. Er befindet sich an der ehem. Kaiser-Ferdinands-Nordbahn von Wien nach Kattowitz und Krakau.

Der Ostrava Leos Janacek Flughafen in Mošnov ist ein wichtiger regionaler Flughafen mit planmäßigen Linienverbindungen nach Prag und Wien sowie touristischen Charterflügen nach Hurghada und Sharm el Sheikh. Die Lufthansa-Flüge Ostrava-München wurden zwar wieder eingestellt, jedoch gibt es ab dem Winterflugplan 2009/10 eine regelmäßige Verbindung durch die Central Connect Airlines.

Ostrava ist Zentrum des Netzes der Esko Mährisch-Schlesien, eines S-Bahn-ähnlichen Systems von Vorortzügen.

Bildung und Kultur

Ostrava ist ein national bedeutendes Zentrum des Handels, der Wissenschaft und Kunst und beheimatet folgende Institutionen:

sowie

  • die Janáček-Philharmonie,
  • das Mährisch-Schlesische Nationaltheater,
  • das Ostrava Center For New Music (OCNM) sowie mehrere Theater und Museen.

Seit 2002 findet in der Stadt ein Open-Air Festival "Colours of Ostrava" statt.

Sehenswürdigkeiten

Als drittgrößte Stadt der Tschechischen Republik besitzt Ostrava zahlreiche architektonische und technische Sehenswürdigkeiten.

  • Im Norden der Stadt gibt es ein Bergbaumuseum (Hornické muzeum), das die Arbeit unter Tage veranschaulicht.
  • Im Stadtteil Vítkovice befindet sich das Industriedenkmal Witkowitzer Eisenwerke.
  • Auf einem Felsen über der Ostravice befindet sich die Schlesisch-Ostrauer Burg aus dem 13. Jahrhundert. Heute ist die Burg Museum und Kulturzentrum.[7]
  • Westlich des Stadtteils Petřkovice gibt es auf der östlichsten Erhebung der Sudeten die Reste der Přemyslidenburg Landek u Petřkovic. Das umgebende Naturschutzgebiet ist international als steinzeitliche Fundstätte bekannt.
  • Ein Wahrzeichen der Stadt ist das im Jahre 1897 im Stil des Neobarock umgestaltete Rathaus von Schlesisch Ostrau.
  • Ostrava besitzt den zweitgrößten Zoo der Tschechischen Republik. Darüber hinaus besitzt die Stadt auch einen botanischen Garten.

Stodolní-Straße (Stodolní ulice)

Die Stodolní-Straße (dt. Scheunenstraße) ist eines der größten Amüsierviertel der Tschechischen Republik. Unter der Woche ist die Straße eine Fußgängerzone mit Restaurants, Kaffeehäusern und Hotels, am Wochenende ein Vergnügungsviertel vieler partyhungriger Menschen aus Ostrava und Umgebung. Auf dem kleinen Raum der Stodolní-Straße befinden sich über 60 Klubs.[8] Besonders bekannt sind z.B. das Café "Černá Hvězda" (dt. Schwarzer Stern) und das Irish Pub "Dublin".

weitere Sehenswürdigkeiten

[9]

  • Miniuni (malerische Welt der Miniaturen von europäischen Sehenswürdigkeiten)
  • Märchenkeller der Gespenster
  • Meeresaquarium Ostrava
  • Aussichtsturm des Neuen Rathauses
  • Grube Michal
  • Johann Palisa Sternwarte und Planetarium
  • Stadtmuseum Ostrava
  • Feuerwehrmuseum
  • Brauereimuseum
  • Zithermuseum
  • Museum Keltička Schmiedewerkstatt
  • Reste des Jüdischen Friedhofs

Sport

Stadtgliederung

Gliederung

Die Stadt ist in 23 Stadtbezirke mit 37 Stadtteilen aufgeteilt:

  • Hošťálkovice (Hoschialkowitz)
  • Hrabová (Grabau)
  • Krásné Pole (Schönfeld)
  • Lhotka (Ellgoth-Hultschin)
  • Mariánské Hory a Hulváky, bestehend aus Mariánské Hory (Marienberg) und Hulváky (Hulwaken)
  • Martinov (Martinau)
  • Michálkovice (Michalkowitz)
  • Moravská Ostrava a Přívoz, bestehend aus Moravská Ostrava (Mährisch Ostrau) und Přívoz (Priwoz)
  • Nová Běla (Neu Biela)
  • Nová Ves (Neudorf)
  • Ostrava-Jih („Ostrava-Süd“), bestehend aus Bělský Les, Dubina, Hrabůvka (Klein Grabau), Výškovice (Wischkowitz) und Zábřeh (Zabrzech)
  • Petřkovice (Petrzkowitz)
  • Plesná, bestehend aus Nová Plesná (Neu Pleßna) und Stará Plesná (Alt Pleßna)
  • Polanka nad Odrou (Polanka an der Oder)
  • Poruba, bestehend aus Poruba und Poruba-sever
  • Proskovice (Proskowitz)
  • Pustkovec (Puskowetz)
  • Radvanice a Bartovice, bestehend aus Bartovice (Bartelsdorf) und Radvanice (Radwanitz)
  • Slezská Ostrava, bestehend aus Antošovice (Antoschowitz), Heřmanice (Herschmanitz), Hrušov (Hruschau), Koblov (Koblau), Kunčice (Großkunzendorf), Kunčičky (Kleinkunzendorf), Muglinov (Muglinau) und Slezská Ostrava (Schlesisch Ostrau)
  • Stará Běla (Altbiela)
  • Svinov (Schönbrunn)
  • Třebovice (Strzebowitz)
  • Vítkovice, bestehend aus Vítkovice (Witkowitz) und Zábřeh-

Persönlichkeiten

Prominente Bewohner und Söhne und Töchter der Stadt sind in der Liste der Persönlichkeiten der Stadt Ostrava aufgeführt.

Sonstiges

Im Jahr 2009 war Ostrava der Austragungsort der Feuerwehrolympiade, die alle vier Jahre vom CTIF, dem internationalen Feuerwehrverband, jeweils an unterschiedlichen Orten veranstaltet wird.

Einzelnachweise

  1. Český statistický úřad – Die Einwohnerzahlen der tschechischen Gemeinden vom 1. Januar 2011 (XLS, 1,3 MB)
  2. Hana Šústková: The Influence of Galicians on Life in Moravian Ostrava/Ostrau and its Surroundings during the Era of Industrialization. In: Prager wirtschafts- und sozialhistorische Mitteilungen / Prague economic and social history papers. Bd. 8, 2007/2008. Institut für Wirtschafts- und Sozialgeschichte, Karlsuniversität, Philosophische Fakultät. ISBN 978-80-7308-232-1. S. 185-193.
  3. Ermittlungen in Ostrau eingestellt. Frankfurter Allgemeine Zeitung (dpa), 26. November 2010
  4. Lothar Martin: „Nordmähren im Kampf gegen Smog und neue Müllverbrennungsanlage“, Radio CZ, 10. Februar 2010
  5. „People in heavily polluted Ostrava have big immunity“, Czech News Agency, 10. November 2011
  6. Martina Schneibergová: „Weg mit dem Smog! Tschechien und Polen wollen Emissionen reduzieren“, Radio CZ, 30. September 2011
  7. Šmehlík, Vladimír: Ostrava. Stadtführer. Praha 2009, S. 18.
  8. Šmehlík, Vladimír: Ostrava. Stadtführer. Praha 2009, S. 86.
  9. Šmehlík, Vladimír: Ostrava. Stadtführer. Praha 2009, S. 16-33.

Weblinks

 Commons: Ostrava – Sammlung von Bildern, Videos und Audiodateien

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