Otto-Brenner-Preis


Otto-Brenner-Preis

Der Otto-Brenner-Preis (in eigener Schreibweise: Otto Brenner Preis) ist ein deutscher Journalistenpreis, der seit 2005 jährlich von der Wissenschaftsstiftung der IG Metall vergeben wird. Sowohl Wissenschaftsstiftung als auch Journalistenpreis sind im Andenken an den langjährigen Gewerkschaftsvorsitzenden Otto Brenner benannt.

Inhaltsverzeichnis

Ziele des Wettbewerbs

Nach eigenen Angaben der Otto Brenner Stiftung ist das Ziel des Wettbewerbs die „Förderung eines kritischen Journalismus“ durch:

  • gesellschaftlich relevante aber gemessen an deren Bedeutung nicht ausreichend behandelte Themen in das Blickfeld der Öffentlichkeit zu rücken.
  • Journalistinnen und Journalisten zu ermutigen, ungeachtet möglicher Konsequenzen unbequeme Fragen zu stellen und Missstände klar zu benennen. Dies schließt eine kritische Neubewertung vermeintlich bekannter Entwicklungen ausdrücklich mit ein.
  • Beiträge zu prämieren, die sich von der breiten Masse durch eine eigenständige und vor allem gründliche Recherche-Leistung positiv absetzen und in Sprache, Stil und Darstellungsweise Maßstäbe setzen.
  • Kritischen Journalismus – "Gründliche Recherche statt bestellter Wahrheiten" zu fördern

Für das Vermächtnis Brenners steht ein Einstehen für Zivilcourage und den aufrechten Gang.

„Nicht Ruhe und Unterwürfigkeit gegenüber der Obrigkeit ist die erste Bürgerpflicht, sondern Kritik und ständige demokratische Wachsamkeit.“

Otto Brenner 1968

Formale Anforderungen für Bewerber

Gefordert wird, dass Medien den preiswürdigen Text in deutscher Sprache nachweisbar in dem Jahreszeitraum publizierten. Die Zugehörigkeit zum Mediensegment, Ressort oder Genre spielt ebenso keine Rolle wie die Länge oder das spezielle Thema des Textes. Um genau gleiche Bedingungen zu gewährleisten, muss der offizielle Bewerbungsbogen ausgefüllt werden. Dies ist nur online auf der offiziellen Website des Brenner Preises möglich. Vorschläge darf jedermann machen, nur der Stichtag muss eingehalten sein.

Die drei Recherche-Stipendien in Höhe von je 5000 Euro werden für überzeugende Beschreibungen der geplanten Arbeit in gutachterlicher Zusammenarbeit mit Netzwerk Recherche vergeben.

Jury und Dotierung

Unter den sechs Juroren sind einige bekannte Journalisten in Deutschland: Sonia Mikich (WDR), Heribert Prantl (SZ), Harald Schumann (Der Tagesspiegel), Volker Lilienthal (Universität Hamburg) und Thomas Leif (SWR, 2+Leif). Das sechste Jurymitglied, Berthold Huber, vertritt die hinter der Otto-Brenner-Stiftung stehende IG Metall.

Der Preis ist mit insgesamt 45.000 Euro Preisgeld dotiert, das an mehrere Preisträger aufgeteilt wird: 10.000 an den Ersten Preis, 5.000 an den Zweiten, 3.000 an den Drittplatzierten, 2.000 an den Newcomer-Preisträger und/oder für ein "Medienprojekt". Hinzu kommen drei Recherche-Stipendien mit je 5.000 Euro. Im Jahr 2007 wurde zum ersten mal der Otto Brenner Preis "Spezial" für die beste Analyse (Leitartikel, Kommentar, Essay) verliehen. Er ist mit 10.000 Euro dotiert.

Preisträger

2011

Preisverleihung am 22. November 2011 in Berlin.[1]

  • 1. Preis: Volker ter Haseborg und Lars-Marten Nagel (Hamburger Abendblatt) für ihre Artikelserie über den „Gagfah-Skandal“ [2]
  • 2. Preis: Jürgen Dahlkamp, Gunther Latsch und Jörg Schmitt (Der Spiegel) für ihre Artikelserie zur „HSH Nordbank-Affäre“ [3]
  • 3. Preis: Ursel Sieber, freie Autorin, für ihr Buch „Gesunder Zweifel“ [4]
  • Den Otto-Brenner-Preis Spezial erhält Katja Thimm für ihren Spiegel-Artikel „Vaters Zeit“ [5]
  • Der Medienprojektpreis geht an Sebastian Pantel (Südkurier), für seine Artikelserie „Jugend und Kriminalität“
  • Den Newcomerpreis erhält Jonathan Stock für seinen in der Frankfurter Allgemeine Sonntagszeitung erschienenen Artikel „Peters Traum“
  • Recherche-Stipendien: Matthias Dell (Der Freitag) und Urs Spindler (freier Journalist)

2010

Preisverleihung am 2. November 2010 in Berlin.[6]

  • 1. Preis: Carolin Emcke, Publizistin und Reporterin, für Ihren Text „Liberaler Rassismus“[7]
  • 2. Preis: Christoph Lütgert und das NDR-Team Panorama – Die Reporter für die Reportage „Die KiK-Story“[8]
  • 3. Preis: Autorenteam Markus Metz und Georg Seeßlen (Bayerischer Rundfunk) für den Hörfunkbeitrag „Von der Demokratie zur Postdemokratie. Eine Gesellschaftsform in der Krise“ [9]
  • Den Otto-Brenner-Preis Spezial erhält der Autor und Gesellschaftskritiker Willi Winkler
  • Der Medienprojektpreis geht an den freien Journalisten Alfons Pieper für Wir in NRW - Das Blog
  • Den Newcomerpreis erhalten Karin Prummer und Dominik Stawski, Volontäre der Süddeutschen Zeitung, für ihre Artikelserie über den Umgang der Katholischen Kirche mit sexuellem Missbrauch
  • Recherche-Stipendien: Frank Brunner (freier Journalist) und Gordon Repinski (die tageszeitung)

2009

Die Preisverleihung fand am 17. November 2009 in Berlin statt.[10]

  • 1. Preis: Marc Thörner vom Deutschlandfunk für seine Hörfunk-Reportage „Wir respektieren die Kultur – Im deutsch kontrollierten Norden Afghanistans“
  • 2. Preis: ZDF-Autoren Ulrike Brödermann und Michael Strompen für ihre Dokumentation „Der gläserne Deutsche – wie wir Bürger ausgespäht werden“[11]
  • 3. Preis: Simone Sälzer von der Passauer Neuen Presse mit ihrer 14-teiligen Serie „Leben in Würde“ über Einzelschicksale aus Deggendorf, die mit Problemen der gesellschaftlichen Isolation kämpfen
  • Otto-Brenner-Preis Spezial: Essayist und Kommentator Christian Semler (freier Autor, taz-Journalist)
  • Der Medienprojektpreis geht an die Macher des Attac-Plagiats einer „ZEIT“-Ausgabe.
  • Recherche-Stipendium: Sandro Mattioli (freier Reporter), Tina Groll (ZEIT online), Marianne Wendt und Maren-Kea Freese.

2008

  • 1. Preis: Anita Blasberg und Marian Blasberg für „Abschiebeflug FHE 6842“ (Die ZeitMagazin Leben)
  • 2. Preis: Jürgen Döschner für „Fire and Forget – Krieg als Geschäft“ (WDR 5)
  • 3. Preis: Steffen Judzikowski und Hans Koberstein für „Das Kartell – Deutschland im Griff der Energiekonzerne“ (ZDF, Frontal21)
  • Otto-Brenner-Preis Spezial: Christian Bommarius (Berliner Zeitung)
  • Newcomer-/Medienprojektpreis: Andrea Röpke
  • Recherche-Stipendien: Veronica Frenzel (freie Journalistin), Clemens Hoffmann, Günter Bartsch

2007

  • 1. Preis: Michaela Schießl für »Not für die Welt« (Der Spiegel 19/2007)
  • 2. Preis: Ingolf Gritschneder für „Profit um jeden Preis – Markt ohne Moral“ (ARD, 28. Februar 2007)
  • 3. Preis: Markus Grill (Der Stern). Die Jury würdigt Markus Grills Gesamtwerk an pharmakritischer Berichterstattung
  • Otto-Brenner-Preis Spezial: Tom Schimmeck (freier Autor)
  • Recherche-Stipendien: Thomas Schuler, Martin Sehmisch, Katrin Blum

2006

2005

  • 1. Preis: Marcus Rohwetter für »Ihr Wort wird Gesetz« (Die Zeit vom 6. Oktober 2005)
  • 2. Preis: Nikola Sellmair für „Kollege Angst“ (Der Stern vom 31. März 2005)
  • 3. Preis: Brigitte Baetz für ihren Hörfunkbeitrag „Meinung für Millionen - Wie Interessengruppen die öffentliche Meinung beeinflussen“ (Deutschlandfunk, 26. August 2005)
  • Newcomerpreise: Maximilian Popp für „Passauer Neue Mitte“ (Schülerzeitung Rückenwind März 2005), sowie Andreas Hamann und Gudrun Giese für „Schwarzbuch Lidl“
  • Recherche-Stipendien: Astrid Geisler und Golineh Atai

Weblinks

Einzelnachweise

  1. http://www.otto-brenner-preis.de/presse/pressearchiv/pressedetail//1//preistraeger-otto-brenner-preis-2011-1.html
  2. http://www.abendblatt.de/hamburg/kommunales/article1883744/Der-Gagfah-laufen-die-Geldgeber-weg.html
  3. http://www.spiegel.de/spiegel/print/d-73479900.html
  4. http://www.berlinverlag.de/bucher/bucherDetails.asp?isbn=9783827009760
  5. http://www.spiegel.de/spiegel/print/d-77962976.html
  6. http://www.otto-brenner-preis.de/presse/pressearchiv/pressedetail//1//otto-brenner-preis-2010-die-preistraeger.html
  7. http://www.carolin-emcke.de/de/article/91.liberaler-rassismus.html
  8. http://daserste.ndr.de/panorama/archiv/panoramadiereporter134.html
  9. http://www.br-online.de/bayern2/zuendfunk/zuendfunk-wochenende-generator-ID1280919987361.xml
  10. Pressemitteilung vom 20. Oktober 2009
  11. Video-Beitrag

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