Otto-Brenner-Preis für kritischen Journalismus


Otto-Brenner-Preis für kritischen Journalismus

Der Otto-Brenner-Preis für kritischen Journalismus ist ein 2005 erstmals verliehener, jährlicher deutscher Journalistenpreis, den die Otto-Brenner-Stiftung, die Wissenschaftsstiftung der IG Metall, im Andenken an Otto Brenner auslobt. Er ist mit insgesamt 45.000 Euro Preisgeld dotiert, das an mehrere Ausgezeichnete aufgeteilt wird: 10.000 an den Ersten Preis, 5.000 dem Zweiten, 3.000 den Drittplatzierten, 2.000 dem Newcomer-Preisträger. Hinzu kommen drei Recherche-Stipendien mit je 5.000 Euro. Erstmalig im Jahr 2007 verliehen wird der Otto Brenner Preis "Spezial" für die beste Analyse (Leitartikel, Kommentar, Essay), er ist mit 10.000 Euro dotiert.

Inhaltsverzeichnis

Ziele (Zitat von der Preis-Homepage)

"Ziel des Wettbewerbs zur Förderung eines kritischen Journalismus ist es:

  • gesellschaftlich relevante aber gemessen an deren Bedeutung nicht ausreichend behandelte Themen in das Blickfeld der Öffentlichkeit zu rücken. Beispiele hierfür könnten sein "unternehmerische Verantwortung", "Macht- oder Amtsmissbrauch", "Diskriminierung", "Fremdenfeindlichkeit", "Manipulation der öffentlichen Meinung", "soziale Kälte" usw.
  • Journalistinnen und Journalisten zu ermutigen, ungeachtet möglicher Konsequenzen unbequeme Fragen zu stellen und Missstände klar zu benennen. Dies schließt eine kritische Neubewertung vermeintlich bekannter Entwicklungen ausdrücklich mit ein.
  • Beiträge zu prämieren, die sich von der breiten Masse durch eine eigenständige und vor allem gründliche Recherche-Leistung positiv absetzen und in Sprache, Stil und Darstellungsweise Maßstäbe setzen."
  • Kritischen Journalismus – "Gründliche Recherche statt bestellter Wahrheiten" zu fördern

Für das Vermächtnis Brenners steht ein Einstehen für Zivilcourage und den aufrechten Gang.

„Nicht Ruhe und Unterwürfigkeit gegenüber der Obrigkeit ist die erste Bürgerpflicht, sondern Kritik und ständige demokratische Wachsamkeit.“

Otto Brenner 1968

Formale Anforderungen für Bewerber

Gefordert wird seitens der Vorauswahl, dass Medien den preiswürdigen Text in deutscher Sprache nachweisbar in dem Jahreszeitraum publizierten. Die Zugehörigkeit zum Mediensegment, Ressort oder Genre spielt ebenso keine Rolle wie die Länge oder das spezielle Thema des Textes. Um genau gleiche Bedingungen zu gewährleisten, muss der offizielle Bewerbungsbogen verwendet sprich ausgefüllt werden. Dies ist auch online auf der offiziellen Website des Brenner Preises möglich. Vorschläge darf jedermann machen, nur der Stichtag 15. August muss eingehalten sein.

Die drei Recherche-Stipendien in Höhe von je 5000 Euro werden für überzeugende Beschreibung der geplanten Arbeit in gutachterlicher Zusammenarbeit mit Netzwerk Recherche vergeben. Die öffentliche Vergabe findet statt im Rahmen der Jahrestagung der Otto-Brenner-Stiftung im Dezember 2007 (z.B.) in Berlin.

Bedeutung

Der Otto-Brenner-Preis strebt an, für den qualitätsbetonten, investigativen Journalismus das zu sein, was in den USA der Pulitzer-Preis und im Fernsehbereich Deutschlands der Adolf-Grimme-Preis leistet.

Von den sechs Juroren zählen fünf zu den angesehensten Journalisten Deutschlands: Sonia Mikich (WDR), Heribert Prantl (SZ), Harald Schumann (Der Tagesspiegel), Volker Lilienthal (epd) und Thomas Leif (SWF, Netzwerk Recherche). Der sechste, Jürgen Peters, vertritt für die hinter der Otto-Brenner-Stiftung stehende IG Metall als deren Vorsitzender gewerkschaftliche anstatt genuin journalistische Qualitätsaspekte.

Preisträger

2007

  • 1. Preis: Michaela Schießl für »Not für die Welt« (Spiegel 19/2007)
  • 2. Preis: Ingolf Gritschneder für »Profit um jeden Preis – Markt ohne Moral« (ARD, 28. Februar 2007)
  • 3. Preis: Markus Grill (Der Stern). Die Jury würdigt Markus Grills Gesamtwerk an pharmakritischer Berichterstattung
  • Otto Brenner Preis Spezial: Tom Schimmeck (freier Autor)
  • Recherche-Stipendien: Thomas Schuler, Martin Sehmisch, und Katrin Blum

2006

  • 1. Preis: Redaktion „Der Tag“ – hr2 für Ihre Radiobeträge „Der Tag“ – hr2
  • 2. Preis: Frank Jansen Der Tagesspiegel Berlin. Die Jury würdigt Frank Jansens Gesamtwerk.
  • 3. Preis: ZAPP–NDR-Medienmagazin für ihren TV-Beitrag »Verdeckt, versteckt, verboten – Schleichwerbung und PR in den Medien« Gesendet am 2. November 2005 im NDR
  • Newcomer-Preis: Lutz Mükke für seinen Beitrag »Der Parlaments-Broker« (Medienmagazin Message)
  • Recherche-Stipendien: Boris Kartheuser und Melanie Zerahn

2005

  • 1. Preis: Marcus Rohwetter für »Ihr Wort wird Gesetz« (Die Zeit vom 6. Oktober 2005)
  • 2. Preis: Nikola Sellmair für »Kollege Angst« (Der Stern vom 31. März 2005)
  • 3. Preis: Brigitte Baetz für ihren Hörfunkbeitrag »Meinung für Millionen - Wie Interessengruppen die öffentliche Meinung beeinflussen« (Deutschlandfunk, 26. August 2005)
  • Newcomer-Preise: Maximilian Popp für »Passauer Neue Mitte« (Schülerzeitung Rückenwind März 2005), sowie Andreas Hamann und Gudrun Giese für »Schwarzbuch Lidl«
  • Recherche-Stipendien: Astrid Geisler und Golineh Atai

Siehe auch

Weblinks


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