Otto Ritschl


Otto Ritschl

Otto Ritschl (* 9. August 1885 in Erfurt; † 1. Juli 1976 in Wiesbaden) war ein Wiesbadener Maler.

Inhaltsverzeichnis

Leben

Otto Ritschl wird in Erfurt als Sohn eines Kaufmanns geboren. Von 1908 lebt und arbeitet er in Wiesbaden. Von 1939 bis 1942 ist er dienstverpflichtet beim Finanzamt Wiesbaden. Ritschl stirbt, 91 Jahre alt, 1976 in Wiesbaden.

Werk

Ritschl beginnt seine berufliche Laufbahn als Schriftsteller. 1915 wird sein erstes Theaterstück „Der Rechnungsdirektor. Komödie in drei Akten“ am Hamburger Thalia-Theater uraufgeführt. Von 1918 an wendet er sich jedoch von seiner Tätigkeit als Schriftsteller ab und beginnt zu malen. Ritschl praktiziert in dieser ersten malerischen Schaffensphase expressionistische Werke, die unter dem Einfluss von Oskar Kokoschka stehen. Nach einem sozialkritischen Intermezzo im Stile der Neuen Sachlichkeit wendet er sich Mitte der 1920er Jahre dem zeitgenössischen Kunstgeschehen in Frankreich zu und unternimmt mehrere Reisen nach Paris. Es kommt zu Begegnungen mit Pablo Picasso und Max Ernst. 1925 zerstört er seine bis dahin gemalten Werke und setzt sich mit dem Surrealismus ebenso wie mit dem Kubismus auseinander, insbesondere mit dem von Georges Braque.[1] Ritschl malt nun nichtgegenständlich, beeinflusst von den Formen und Symbolen des Surrealismus wie des Kubismus. Ritschl gründete 1925 die Freie Künstlerschaft Wiesbaden. Spätestens ab 1929 ist er mit Alexej Jawlensky bekannt.

Die Ausstellung im Folkwang-Museum von 1933, an der Ritschl mit eigenen Werken teilnimmt, wird von den Nationalsozialisten geschlossen. Er zählt jetzt zu den entarteten Künstlern und malt von nun an nur noch heimlich.

Nach dem Kriege entstehen ab 1945 Gemälde und Zeichnungen, die nachhaltig beeinflusst sind von Picasso und der Moderne der 1930er Jahre. Diese Vorbilder kann er zunehmend überwinden und findet in den 1950er Jahren einen persönlichen abstrakten Malstil, dem strengere geometrische konstruktivistische Formen zugrunde liegen. Ritschl lernt um 1950 Ernst Wilhelm Nay kennen und gewinnt dessen Freundschaft, gleichzeitig steht er in Kontakt mit Max Ackermann.

Gegen Ende der 1950er Jahre löst sich Otto Ritschl von der Strenge und Klarheit seines Malens. Die Formen werden weicher, farblich fein gestufte Übergänge und Differenzierungen halten Einzug in seine Bilder. Ab ca. 1960 entstehen aus den seine Gemälde dominierenden scheinbar schwebenden Farbscheiben einfarbige „Meditationsbilder“. Doch Ritschl malt auch weiterhin Bilder mit Farbfeldern, unscharfe weiche wolkenartige Formen, die im Spätwerk Mitte der 1960er oft eine leuchtende Farbigkeit besitzen.

Otto Ritschls Schüler war Wolff Mirus.

Ausstellungen (Auswahl)

Auszeichnungen (Auswahl)

Literatur

  • Carl Emde, „Kunst steht zwischen goldenen Kälbern und Kreuzen“, Zum 35. Geburtstag von Otto Ritschl, Wiesbadener Leben, Jg. 19, 9/1970, S. 10 f
  • Alexander Hildebrand, Das Porträt, Otto Ritschl, Wiesbaden International, 1/1971, S. 35 ff
  • Otto Ritschl: Das Gesamtwerk 1919-1972, Einführung: Kurt Leonhard, Stuttgart: Kohlhammer 1973.
  • Alexander Hildebrand, Ritschl und die reine Malerei, Wiesbaden International, 1/1974, S. 25 ff
  • Alexander Hildebrand, Der Maler Otto Ritschl (1885-1976), Im internationalen Kräftespiel, Wiesbaden International, 3/1983, S. 31 ff

Einzelnachweise

  1. ch., Von Künstlern und Gelehrten, Wiesbaden, Der Cicerone, Jg. XVIII, 1926, S. 683

Weblinks


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