Paillard-Bolex


Paillard-Bolex
Bolex-Kamera, Modell H16

Paillard-Bolex war ein schweizerisches Feinmechanikunternehmen, das unter anderem Uhren, federgesteuerte Schmalfilm- und 16-Millimeter-Film-Kameras herstellte. Sitz des ursprünglichen Familienunternehmens ist Yverdon in der Romandie.

Das Unternehmen wurde 1814 von dem Uhrmacher, Mechaniker und Erfinder Moïse Paillard als Uhrenmanufaktur gegründet. Angeregt durch die Musikapparate Thomas Alva Edisons begann der junge Tüftler alsbald selbst Phonographen, Tongeräte und Grammophone zu entwickeln. Es sollte nicht lange dauern und aus dem Einmannbetrieb wurde eine Firma mit über 50 Mitarbeitern. Getrieben durch die Wirtschaftskrise entwickelte Paillard stets neue Apparaturen und Geräte. Anfang des 20. Jahrhunderts produzierte das aufstrebende Unternehmen - noch unter dem Namen Paillard - Bleistiftspitzgeräte, Rechenmaschinen, Metrome und weitere tontechnische Geräte (Musikmaschinen). Nach dem Tod des Firmengründers Moïse Paillard wurde die Firma in E. Paillard & Cie umbenannt, blieb aber ein Familienunternehmen.

Die meist jungen und innovationsfreudigen Ingenieure der Firma entwickelten bereits 1914 Schreibmaschinen, die unter dem Markennamen HERMES produziert wurden; ein internationaler Durchbruch für die mittlerweile 1000 Angestellte zählende Firma. Das nächste feinmechanische Wunder aus den Paillard-Werken sollte die tragbare HERMES Baby werden. Anfang der 1930er war sie eine der kleinsten Schreibmaschinen der Welt und bald geschätzt bei Literaten und Drehbuchautoren, womit sich der Bogenschlag der Firma Paillard zur Filmindustrie ergab: 1930 begann das schweizerische Unternehmen seine legendären Federwerk-Filmkameras unter dem Namen Bolex zu entwickeln. Bolex ist eine seit 1924 eingetragene Handelsmarke. Sie gehörte Jacques Bogopolsky und Charles Haccius.

1937 stiess der Ingenieur Hermann Thorens, dem der legendäre Thorens-Schallplattenspieler seinen Namen zu verdanken hat, zu Paillard und modernisierte die Produktpalette der Firma. Es erfolgte eine Koinzidenz der Werke von Paillard in Yverdon und Thorens in Sainte-Croix. So traten im Laufe der Jahre sowohl die akustischen als auch die optischen Wunderwerke aus der Schweiz ihren gemeinsamen Siegeszug um die Welt an: Dokumentarfilmer schätzten die handliche und robuste Bolex. Alsbald entwickelte sich das 16-mm-Film-Format zu einem Standard der professionellen Filmer, denn das Filmmaterial war günstiger als der übliche Normalfilm. Indes blieben den Amateuren und Hobbyfilmern die Formate 9,5 mm und Doppel-8; später auch Super-8-Film.

1960 zählte Paillard-Bolex zu den renommiertesten Firmen im technischen „High-End”-Sektor. Das Unternehmen beschäftigte inzwischen über 6000 Mitarbeiter in Yverdon und Sainte-Croix. Weltweit arbeiteten schätzungsweise sogar 10'000 Personen für Paillard. Somit zählte Paillard-Bolex zu den grössten Industrie-Unternehmen der damaligen französischsprachigen Schweiz. Allerdings stiess der patriarchische Führungsstil der Chefetage bald auf wenig Gegenliebe bei den Angestellten.

Der Einbruch von Paillard-Bolex begann Ende der 1960er mit der 1965 auf den Markt gebrachten Super-8-Filmkassette des „gelben Riesen” Kodak. Das revolutionäre Einwegprinzip des amerikanischen Filmherstellers und die in diesem Zuge neuentwickelten Kameras anderer Hersteller zwangen Paillard langsam, aber kontinuierlich in die Knie: Die Firma verpasste den Anschluss. 1974 wurde Paillard-Bolex schlussendlich liquidiert und von dem österreichischen Filmgerätehersteller Eumig aufgekauft.

Nach dem Konkurs von Eumig 1982 kam es zu einem Management-Buy-out des 16 mm-Sektors, der als Bolex International, S. A., firmiert. Eine kleine Gruppe von Technikern montiert nach wie vor Kameras aus Teilen vorhandener Lagerbestände.

Anmerkung

Auf dem Gebrauchtmarkt werden noch heute zahlreiche Bolex-Kameras (bevorzugt die Modelle H 16 sowie die B 8 und B 8 L) angeboten und von Liebhabern und Sammlern aufgekauft. An einigen amerikanischen Hochschulen sind Bolex-Kameras verbindliches Ausbildungsmittel in den Einstiegskursen der Filmklassen. Bolex-Kameras sind bei Trickfilm-Herstellern, die sich der Stop-Motion-Technik bedienen, wegen ihres guten Bildstandes und ihres vergleichsweise niedrigen Preises sehr beliebt. Für eine kommerzielle Auswertung werden heute vornehmlich Modelle für Super-16-Film eingesetzt.

Literatur

  • Andrew Vivian Alden: Bolex Bible: Everything You Ever Wanted to Know But Were Afraid to Ask - An Essential Guide to Buying and Using Bolex H16 Cameras; ISBN 0953307514 (englisch)
  • Andrew Vivian Alden: A Bolex History; ISBN 0953307506 (englisch)
  • Andrew Vivian Alden: Time-Lapse and Stop-Motion Animation using the Bolex H16; ISBN 0953307522 (englisch)
  • Heinrich Freytag: Schmalfilmen mit Bolex 8 (1962); Verlag „Die Schönen Bücher Strache” als Neuauflage; ISBN B0000BI8A5 (deutsch)
  • Gerald Reynolds Sharp: Bolex 8mm. Guide (1962); nur gebraucht als Taschenbuch erhältlich; ISBN 0240447220 (englisch)

Weblinks


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