Parforcejagd


Parforcejagd
Traditionelle Fuchsjagd
The Run von S.W.Fores

Die Parforcejagd (von französisch par force = mit Gewalt) ist eine Form der Hetzjagd, die bereits bei den Kelten bekannt war und die sich vornehmlich im 17. und 18. Jahrhundert an den europäischen Fürstenhäusern großer Beliebtheit erfreute.

Hierbei wird eine Hundemeute (Bracken) auf die Fährte von Hirschen, oder auch von Füchsen, Wölfen oder Wildsauen angesetzt, die Jäger (Pikör) reiten auf Pferden mit und verständigen sich über Trompe de Chasse, bis das Wild gestellt ist. Da die Hunde das Wild nicht reißen, ist die Parforcejagd keine eigentliche Hetze; die Hunde sind langsamer als das Wild, haben aber eine überlegene Ausdauer und ermüden es somit.

Die hohen Kosten dieser Jagdart ließen sie schon bald wieder ungebräuchlich werden. Allerdings wird sie auch heute noch betrieben, beispielsweise in Frankreich, den USA und Australien. In Deutschland wurde die Parforcejagd auf lebendes Wild auf Initiative von Hermann Göring am 3. Juli 1934 verboten. 1939 wurde nach der Annexion das Verbot auf Österreich ausgedehnt. Bernd Ergert, Direktor des Deutschen Jagd- und Fischereimuseums in München, sagt zu dem Verbot: "Die Adligen waren sehr erbost, aber sie konnten wegen des totalitären Regimes nichts dagegen unternehmen." [1]

Heute in Deutschland durchgeführte Parforcejagden werden auf einer Kunstschleppe (künstlich gelegte Wildfährte, auf die die Hundemeute angesetzt wird) ausgeführt. In dieser Form stellt die Reitjagd für Reiter und Pferde oft eine sportliche Herausforderung dar und zieht Zuschauer an.

Inhaltsverzeichnis

Parforcejagd auf den Fuchs

Während eines geplanten Stopps bei einer Schleppjagd hält die vierköpfige Equipage die Meute im Kreis zusammen.
Eine Reiterin als „Fuchs“ mit Kanister für Duftstofflösung legt eine Schleppe für die Hundemeute bei einer Reitjagd. Sie wird von einem ortskundigen Führer begleitet.

Eine Hundemeute sucht, verfolgt und tötet den Fuchs; die Jagdteilnehmer folgen der Meute zu Pferde. In Deutschland ist die Parforcejagd auch auf den Fuchs seit 1934 verboten, in Großbritannien seit 2005.

Die Fuchsjagd hat beim Pferderennen eine Entsprechung im Jagdrennen gefunden. Im Pferdesport wird das Jagdreiten mit Hunden Schleppjagd genannt, ohne Hunde heißt es Fuchsjagd. Eine Reitjagd in Deutschland ist in erster Linie ein sportliches Ereignis und mit einem schnellen, langen Ausritt in einer großen Gruppe auf einer vorbereiteten Jagdstrecke mit Sprüngen zu vergleichen. Meistens wird die Jagd von Jagdhornbläsern, welche die Jagdsignale blasen, begleitet, Zuschauer werden an die schönsten Stellen, an denen man die Jagdstrecke mit Sprüngen einsehen kann, geführt.

Eine große Anhängerschaft hat die Parforcejagd auf den Fuchs in Großbritannien. Hier hat sie eine lange Tradition und auch heute noch große gesellschaftliche Bedeutung. Neben Tierschutzfragen hat die Auseinandersetzung um ein Verbot dieser Fuchsjagd immer auch einen gesellschaftspolitischen Hintergrund, da mit der Fuchsjagd auch viele Arbeitsplätze in Verbindung stehen.

Der Versuch, die Parforcejagd auf Füchse in Großbritannien gesetzlich zu verbieten, hat zu erhitzten Debatten und wissenschaftlichen Untersuchungen geführt. So wurde sie in Großbritannien zeitweise nur in bestimmten Gegenden und unter Auflagen erlaubt.

Am 15. September 2004 stimmte die Mehrheit des britischen Unterhauses für das vollständige Verbot der Fuchsjagd zu Pferde (Hunting Act 2004). Vorausgegangen war mit der „Burns Inquiry“ eine Untersuchung, inwieweit die Jagd tierschutzrechtlichen Bestimmungen entspricht. Sie befasste sich nicht nur mit der Hetzjagd auf Füchse sondern auch mit der Hasenhetze. Trotz mehrerer Demonstrationen (z. B. Countryside Alliance March in London), bei denen sich große Teile der Landbevölkerung gegen ein Verbot stark machten, wurde am 18. November 2004 vom Unterhaus durch die Verwendung eines Parliament Acts ein Gesetz verabschiedet, das die Hunde-Treibjagd ab 18. Februar 2005 in England und Wales verbietet. Die Countryside Alliance reichte allerdings sofort eine Klage gegen dieses Gesetz ein.

MacDonald (1993)[2] untersuchte in den 1970ern / 1980ern 81 Jagdreviere in England und schreibt: „In einer siebenmonatigen Saison jagt eine Meute von Foxhounds im Schnitt an 2,5 Tagen pro Woche. Zu einer Jagd gehören durchschnittlich 120 zahlende, berittene Mitglieder, und an einem Jagdtag können 50 Reiter und 20 bis 100 Autos der Jagd folgen. Die Meute jagt auf Farmgelände (etwa ein Drittel der Bauern ist selbst aktiv beteiligt, während 2,2 Prozent die Hunde nicht gern auf ihrem Land sehen oder es sogar für die Jagd sperren). (…) Zu traditionellen Meuten kann ein „Baustopfer“ gehören, der im Morgengrauen die Fuchslöcher der Umgebung verschließt, damit die Füchse den Tag nicht unter der Erde verbringen können. Die rund 40 Hunde durchstöbern nun die Umgebung und „stoßen den Fuchs heraus“ (sie scheuchen ihn auf). Ein bis vier Füchse werden an einem Durchschnittstag herausgestoßen, und einige davon werden dann gejagt. Die Verfolgungsjagd dauert im Allgemeinen weniger als eine Stunde.“ Manchmal wechselt die Meute auch von einem Fuchs zum anderen, oder ein Fuchs wird mehrmals hintereinander gejagt. „Etwa die Hälfte der erbeuteten Füchse kommt durch Hunde zu Tode, die andere Hälfte wird geschossen, nachdem Terrier sie aus dem Bau „gesprengt“ haben.“

Jagdschlösser und Schneisen

Sababurg mit Tierpark Sababurg, Zeichnung aus der frühen Neuzeit

Diese Jagdform erforderte neue Jagdanlagen, da die Reiter für den schnellen Ritt möglichst ebene und offene Gelände mit vielen Schneisen (Gestellen) benötigten. Wälder wurden speziell zu diesem Zweck hergerichtet, wie beispielsweise die Parforceheide in Brandenburg zwischen Berlin und Potsdam mit dem Jagdschloss Stern, das vom Soldatenkönig Friedrich Wilhelm I. in Auftrag gegeben und zwischen 1730 und 1732 errichtet wurde. Bereits einige Jahre zuvor, zwischen 1722 und 1724, hatte Landgraf Ernst Ludwig in Langen, ca. 15 Kilometer südlich von Frankfurt am Main, das Schloss Wolfsgarten bauen lassen. Es entsprach dem damals gängigen Muster für Jagdschlösser, die durch die von Ernst Ludwig 1709 eingeführte Parforcejagd Hochkonjunktur hatten. Wegen der hohen Kosten gab es in Deutschland im 18.Jahrhundert nur ca. 10 solcher Parforce-Jagdausrüstungen. Neben den oben genannten u.a. auch am Hofe der mecklenburgischen Herzöge in Ludwigslust.

Unterhalb der nordhessischen Sababurg wurde im Tierpark Sababurg 1779 nach den Wünschen des Landgrafen Friedrich II. ein Rondell (Jagdstern) für die Parforcejagd angelegt. Auf ihn führten sternförmig Schneisen zu, die noch heute als Eichenalleen zu erkennen sind. Der südliche Teil des Naturparks Rheinland, westlich der Großstädte Köln und Bonn in Nordrhein-Westfalen gelegen, ist von einem spinnenartigen Wegenetz durchzogen, das auf das ehemalige Schloss Herzogsfreude in Röttgen ausgerichtet ist. Diese Schneisen ließ im 18. Jahrhundert Kurfürst Clemens August zum Zwecke der Parforcejagd anlegen.

Umweltschäden

Da die Parforcejagd möglichst große (zum Teil mehrere Tausend Hektar pro Wildgarten) und geschlossene Terrains erfordert, setzte mit der Anlage von Wildgärten und Jagdgebieten ein erheblicher Land- und (mit der Umgestaltung der Natur verbunden) Landschaftsverbrauch ein. Zudem führte die intensive Haltung von Hochwild zu großen Flur- und insbesondere Waldschäden durch Wildverbiss, sodass die angelegten Wildgärten, in denen nicht nur Wege eingerichtet, sondern vor Allem auch Anpflanzungen in erheblichem Umfang durchgeführt wurden, in relativ kurzer Zeit ökologisch beeinträchtigt wurden. Dem begegnete man in Frankreich mit dem verstärkten Anbau der Buche, da an ihr kein Verbiss stattfand. Dies wiederum führte zu einer Monokultur und zu den damit verbundenen negativen Folgen für den Naturhaushalt. Ein weiteres großes Problem stellte oftmals die Wasserversorgung der Gebiete dar. Gerade wenn sie künstlich bepflanzt wurden, mussten vielfach Flüsse umgeleitet werden, um den großen Bedarf an Wasser seitens der Anpflanzungen aber auch seitens des Wildes zu decken. Auch wurden, um die Wildgärten mit ausreichend Wild zu besetzen, große Mengen an Tieren in anderen Gebieten gefangen und in die Wildgärten verbracht. Da dazu auch auf nichtheimische Arten aus zum Teil weit entfernten Gebieten zurückgegriffen werden musste, entwickelte sich in Europa ein reger Transport von Wildtieren. Der Einsatz nichtheimischer Arten führte indes zu weiteren Belastungen der Ökosysteme. Insgesamt waren insbesondere in Frankreich zahlreiche Landschaftsgärtner und Förster mit der Unterhaltung der Wildgärten befasst. Die Wildgärten wurden teilweise mit kilometerlangen Wällen umgeben (siehe noch heute die Mauer um den Park von Schloss Chambord, um das Wechseln des Wildes in fremde Jagdgebiete zu verhindern und Flurschäden zu vermeiden.

Die Folgen dieser ex- und intensiven Nutzung der Natur konnten in Frankreich teilweise erst im 19. Jahrhundert gänzlich beseitigt werden.

Literarisches Thema der radikalen Aufklärung

Die Parforcejagd konnte der Bauernschaft aber auch anderen adligen Grundbesitzern vielfach große Schäden verursachen, ohne dass ausreichende Kompensation gewährt wurde. Insbesondere der Feldschaden, der durch das Wild auf den die Wildgärten umgebenden Gebieten angerichtet wurde, konnte verheerende Ausmaße erreichen. Daher wurde das Thema während der Aufklärung immer wieder als drastische Sozialkritik aufgegriffen. Das Gedicht des Lyrikers Gottfried August Bürger (1747-1794) ist exemplarisch dafür:

Der Bauer
An seinen Durchlauchtigen Tyrannen
Juli 1775.

Parforceheide in Brandenburg, Historische Karte von 1780

Wer bist du, Fürst, daß ohne Scheu
Zerrollen mich dein Wagenrad,
Zerschlagen darf dein Roß?

Wer bist du, Fürst, daß in mein Fleisch
Dein Freund, dein Jagdhund, ungebleut
Darf Klau' und Rachen hau'n?

Wer bist du, daß, durch Saat und Forst
Das Hurra deiner Jagd mich treibt,
Entatmet, wie das Wild? -

Die Saat, so deine Jagd zertritt,
Was Roß, und Hund, und du verschlingst,
Das Brot, du Fürst, ist mein.

Du Fürst hast nicht bei Egg' und Pflug,
Hast nicht den Erntetag durchschwitzt.
Mein, mein ist Fleiß und Brot! -

Ha! du wärst Obrigkeit von Gott?
Gott spendet Segen aus; du raubst!
Du nicht von Gott, Tyrann!

Es bleibt allerdings zu bemerken, dass auch im 17. und 18. Jahrhundert die waidgerechte Ausübung der Parforcejagd tunlichst unter Schonung der noch auf dem Halm befindlichen Frucht, d.h. in der Regel erst nach der Ernte zu erfolgen hatte. Von einer solchen waidgerechten Ausübung der Jagd kann man in den meisten Fällen auch ausgehen, denn die Jagd wurde als streng reglementierter Sport betrieben. Ein Gutteil der ausbleibenden Kompensationen dürfte auch auf der naturgemäß schwierigen Beweislage und der andererseits hohen Kostenbelastung durch die zu führenden Gerichtsprozesse liegen, die auch weniger begüterte Adlige von der Geltendmachung etwaiger Schadensersatzansprüche abhielt.

Sonstiges

Jagdliche Parforcehornbläser

Ursprünglich diente das Parforcehorn als Signalinstrument für die Parforcejagd.

Literatur

  • Caroline Blackwood: Tally-Ho. Über die englische Fuchsjagd, Rio Verlag, Zürich 1992, ISBN 3-952-00592-4
  • Beiträge von A. Corvol, J Buridant und I. Trivisani-Moreau in XVIIe Siècle Nr. 226, 57. Jahrgang 2005, Seiten 3 - 40

Weblinks

Einzelnachweise

  1. Thanks to Hitler, hunting with hounds is still verboten, The Telegraph. 22. September 2002. Abgerufen am 19. Mai 2010. 
  2. MacDonald, D. (1993): Unter Füchsen – Eine Verhaltensstudie. Knesebeck-Verlag München, 253 S.

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