Pariser Kolonialausstellung

Pariser Kolonialausstellung
Indischer Tempel
Werbeplakat der Pariser Kolonialausstellung

Die Pariser Kolonialausstellung (frz.: „Exposition coloniale internationale“) war eine 1931 in Paris, Frankreich, veranstaltete sechsmonatige Kolonialausstellung, die die vielfältigen Kulturen und gewaltigen Ressourcen des französischen Kolonialreiches zu präsentieren suchte. Sie wurde am 6. Mai 1931 in Bois de Vincennes am östlichen Stadtrand von Paris eröffnet.[1] Angesichts ihrer gewaltigen Dimensionen[2] sprach die Bildhauerin Elizabeth Prophet von der „spektakulärsten kolonialen Darbietung, die der Westen jemals erlebt habe.“[3] Die Ausstellung verzeichnete 33 Millionen Besucher aus aller Welt.[2] Die französische Regierung holte Bewohner aus den Kolonien nach Paris, wo sie ihre traditionelle Kunst und Handarbeit ausübten und die Vielfalt ihrer Architekturstile in Gestalt von Hütten oder Tempeln präsentieren sollten.[4] Auch andere Nationen wie Belgien, Niederlande, Italien, Japan, Portugal, das Vereinigte Königreich und die Vereinigten Staaten beteiligten sich an der Veranstaltung.[2] Die Ausstellung umfasste eine in senegalesischen Siedlungen präsentierte „Völkerschau“ .[5].

Frankreich verband mit der Ausstellung die politische Hoffnung, sein Kolonialreich in ein humanitäres Licht zu rücken, indem es den gegenseitigen Austausch der Kulturen und den von Frankreich bewirkten Nutzen in Übersee beleuchtete. Damit suchte es der deutschen Kritik zuvorzukommen, Frankreich sei ein „Ausbeuter der Kolonien [und] Verursacher von Rassenschande und Dekadenz“. Die Ausstellung strich die Rolle der einheimischen Kulturen in den Kolonien heraus und spielte die französischen Wirkungen bei der Verbreitung der eigenen Sprache und Kultur herunter, so dass sich die Meinung verbreitete, Frankreich sei mit den Kolonien verbunden, würde diese jedoch nicht assimilieren und damit überfremden.[4]

Die Kolonialausstellung bot ein Diskussionsforum des Kolonialismus im Allgemeinen und der französischen Kolonien im Besonderen. Französische Fachleute veröffentlichten während des sechsmonatigen Ereignisses über 3.000 Artikel und veranstalteten über 100 Kongresse. Schriftsteller des Kolonialismus nutzten sie als willkommene Gelegenheit zur Verbreitung ihrer Werke und in Paris entstand ein Markt für diverse exotische Küchen fremder Länder, besonders die Nordafrikas und Vietnams. Filmschaffende machten die französischen Kolonien zum Gegenstand ihrer Werke. Das Ständige Kolonialmuseum (1960 in Musée des Arts Africains et Océaniens umbenannt und seit 2003 Musée nationale de l'Histoire de l'Immigration) wurde im Rahmen der Ausstellung im Palais de la Porte Dorée eröffnet. Das koloniale Geschäft erfuhr eine allgemeine Erweiterung.[4]

Die Surrealisten protestierten in einem Pamphlet gegen die Kolonialausstellung, denunzierten die Massaker in den Kolonien und bekräftigten ihren radikalen Antikolonialismus. "Auch wenn es der skandalösen Sozialistischen Partei und der jesuitischen Liga für Menschenrechte nicht gefallen mag, es wäre doch zu viel wenn wir zwischen einer guten und einer schlechten Art zu kolonisieren unterscheiden würden."[6]

Eine kleinere von der PCF organisierte Gegenausstellung unter dem Titel Die Wahrheit über die Kolonien zeigte unter anderem Albert Londres' und André Gides kritische Darstellungen der Zwangsarbeit in den Kolonien.

Inhaltsverzeichnis

Galerie

Quellenangaben

  1. Leininger-Miller 54–5.
  2. a b c Leininger-Miller 54.
  3. Tagebuch, 14. Juli 1931, zit. in Leininger-Miller 55.
  4. a b c Leininger-Miller 55.
  5. On the 1931 Colonial Exposition in Paris
  6. «Ne visitez pas L'exposition coloniale» in: Maurice Nadeau, Histoire du surréalisme suvie de documents surréalistes, Paris 1970, pp. 325-327, Zitat S. 327

Siehe auch

Literatur

  • Theresa A. Leininger-Miller: New Negro artists in Paris, African American painters and sculptors in the city of light, 1922-1934. Rutgers University Press, New Brunswick NJ 2001. ISBN 0-8135-2810-0
  • Alexander C. T. Geppert: Fleeting Cities. Imperial Expositions in Fin-de-Siècle Europe. Palgrave Macmillan, Basingstoke 2010. ISBN 9780230221642

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