Paul (Russland)


Paul (Russland)
Zar Paul als Kaiser und Großmeister des Malteser-Ordens, Ölgemälde des russischen Malers Wladimir Borowikowski
Zar Paul
Zar Paul, Ölgemälde des russischen Malers Wladimir Borowikowski
Zar Paul, Ölgemälde des russischen Malers Stepan Schtschukin, 1797
Zar Paul

Paul I. (eigentl. Pawel Petrowitsch bzw. russisch Павел Петрович); * 20. Septemberjul./ 1. Oktober 1754greg. in Sankt Petersburg; † 12. Märzjul./ 24. März 1801greg. ebd.); aus der Familie Romanow-Holstein-Gottorp stammender Zar von Russland (1796 bis 1801) sowie Herzog von Schleswig-Holstein-Gottorp (1762 bis 1773).

Inhaltsverzeichnis

Leben

Als Sohn der Großfürstin Katharina, später Zarin Katharina II., wurde er von ihrem Gemahl Großfürst Peter, später Peter III., als legitimer Nachkomme anerkannt. Wahrscheinlich war er aber der Sohn von Graf Saltykow, einem Liebhaber seiner Mutter. Er wurde sofort nach der Geburt von seiner Mutter getrennt. Paul wuchs am Hof seiner Großtante, der Zarin Elisabeth Petrowna auf. Sie beabsichtigte ihn zum Erben anstelle Peters zu machen.

Nach dem Sturz Peters III. lebte Paul mit seiner Familie im Gattschina-Palast mit eigenem Hofstaat und einer kleinen Armee, einem Geschenk seiner Mutter. Erlittene Gewalt in seiner Kindheit und die Entfremdung von der Mutter machten ihn reizbar und misstrauisch gegen seine Umgebung.

Politik

1796 am Todestag Katharinas der Großen erklärte sich der 42-jährige Paul zum Zaren und erließ, wohl aus Hass auf seine Mutter, die ihn zeitlebens gedemütigt hatte, am 5. April ein Dekret, das nur männliche Nachkommen zur Thronfolge zuließ. Darauf folgte seine Krönung 17. April 1797.

Wie von einer fixen Idee besessen, verfügte er in allen Dingen das genaue Gegenteil dessen, was zur Zeit seiner Mutter angeordnet worden war. Er amnestierte die durch den Geheimen Staatsrat Verurteilten, befreite die polnischen Gefangenen und schaffte die Wehrpflicht ab. Er schränkte die Macht der Grundbesitzer über die Leibeigenen ein und begrenzte ihre Pflichtarbeit für die Landbesitzer auf drei Tage die Woche. In der Armee ließ der als Bewunderer preußischer Bräuche bekannte Paul wieder die Soldatenzöpfe einführen, die zuvor von Grigori Potjomkin abgeschafft worden waren.

In der Außenpolitik löste er sich überraschend aus dem Bündnis mit Österreich, Großbritannien, Neapel und dem Osmanischen Reich gegen Frankreich und schlug sich durch seine Politik der bewaffneten Neutralität auf die Seite des letzteren. Dieser Schritt war vermutlich ein Hauptgrund für seine Ermordung.

Aus Dankbarkeit für die Zuflucht in Russland setzten 1798 die Ritter des Malteserordens ihren Großmeister Hompesch ab und erklärten den Zaren Paul zum Großmeister (de facto, nicht de jure); nach dessen Ermordung (1801) wurde 1803 wieder ein römisch-katholischer Großmeister ordnungsgemäß gewählt.

Vor seinem Schloss befahl Paul das Reiterstandbild Peters des Großen aufzustellen mit der Inschrift: „Dem Urgroßvater vom Urgroßenkel“. Aufgrund der vielen Morddrohungen ließ sich Paul zur eigenen Sicherheit ein massives Hochsicherheitsschloss bauen (das heutige Michaels-Schloss beim Platz der Künste). Es befand sich auf einer kleinen Kanal-Insel, die sich aus den Flüssen Fontanka, Moika und zwei Kanälen bildete.

Nach 6 Jahren Bauzeit wurde der Palast am 1. November 1800 der offizielle Wohnsitz der Familie des Zaren. Das moderne Schloss mit seinen Zugbrücken, Wachen, den vielen Räumen, Gängen, Ebenen und jeder Menge Sicherheitsanlagen, half Paul nicht. In der Nacht des 24. März (12. März julianisch) 1801 wurde er bei einem Attentat durch Verschwörer aus Kreisen des Adels (Mörder Subow, von der Pahlen) stranguliert, nachdem er sich geweigert hatte seine Abdankung zu unterschreiben. Die Absetzung, nicht jedoch der Mord, soll mit dem stillen Einverständnis seines Sohnes Alexander geschehen sein, der nach der Tat als Alexander I. auf den Thron kam. Nach der Ermordung des Zaren zog seine Familie in den Winterpalast zurück.

Pauls Beisetzung erfolgte in der Peter-und-Pauls-Kathedrale zu Sankt Petersburg.

Ehe und Nachkommen

1773 schloss er seine erste Ehe mit der deutschen Prinzessin Wilhelmina Luisa von Hessen-Darmstadt, die nach der Annahme des russisch-orthodoxen Glaubens Natalja Alexejewna hieß. Sie starb bereits am 26. April 1776, zwei Tage nach der Geburt ihres ersten Kindes.

Im September 1776 heiratete er die deutsche Prinzessin Sophia Dorothea von Württemberg (1759-1828), die nach der Annahme des russisch-orthodoxen Glaubens Maria Fjodorowna hieß. Sie brachte 10 Kinder zur Welt, 4 Söhne und 6 Töchter, unter ihnen die zukünftigen Zaren Alexander I. und Nikolaus I.:

Literatur

  • Valentin Zubov: Zar Paul I. Mensch und Schicksal, Koehler, Stuttgart 1963.

Weblinks


Vorgänger Amt Nachfolger
Katharina II. Zar von Russland
1796–1801
Alexander I.
Karl Peter Ulrich Herzog von Holstein-Gottorf
1762–1773
fällt durch den Vertrag von Zarskoje Selo an Dänemark
Ferdinand von Hompesch zu Bolheim Großmeister des Malteserordens
1799–1801
Giovanni Battista Tommasi

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