Paul Simon


Paul Simon
Paul Simon im Jahr 2007

Paul Frederic Simon (* 13. Oktober 1941 in Newark, New Jersey[1]) ist ein US-amerikanischer Musiker und Schauspieler.

Zusammen mit seinem Freund Arthur Garfunkel, den er im Frühsommer 1953 bei den Proben zu dem Schauspiel „Alice im Wunderland“ kennenlernte, bildete er zunächst das Musiker-Duo Tom and Jerry (nach den gleichnamigen Zeichentrickfiguren). Später nannten sie sich schlicht „Simon and Garfunkel“, wobei Simon praktisch alle Songs komponierte. Der kommerzielle Durchbruch gelang ihnen im Jahre 1965 mit dem Lied The Sound of Silence.

Simon veröffentlichte auch unter den Namen „Jerry Landis“ und als Mitglied der Doo-Wop-Gruppe „Tico & The Triumphs“ Titel wie The Lone Teen Ranger (als Jerry Landis, 1963) und Motorcycle (Tico & The Triumphs, 1962), das als Motorbiene in Deutschland in der Fassung mit Benny Quick zum Hit wurde. Außerdem verwendete er als Komponist einige Male das Pseudonym „Paul Kane“.

Inhaltsverzeichnis

Leben

Paul Simon wurde in Newark (New Jersey) geboren und wuchs in Queens (New York) auf. Seine Vorfahren stammen aus Europa von ungarischen Juden ab. Seine Eltern Louis und Belle Simon haben noch einen jüngeren Sohn Eddie, der Paul sehr ähnlich sieht. Auch er ist Gitarrist.

1971 war Simon Jurymitglied eines Gesangswettbewerbs in Rio de Janeiro, hierbei erklärte er bereits vorab, der deutschen Teilnehmerin, Marianne Rosenberg, keine Punkte geben zu wollen, da diese aus Deutschland stamme.[2] Paul Simon war von 1969 bis 1975 mit Peggy Harper verheiratet. Mit ihr hat er einen Sohn: Harper (* 1972), der in drei Filmen auftrat und jetzt in der Band Menlo Park Akustikgitarre spielt. Harper wirkte ebenfalls als Gitarrist beim Album „Songs from the capeman[3] seines Vaters mit.

Von 1983 bis 1984 war Simon mit der Schauspielerin Carrie Fisher verheiratet.

Er ist seit 1992 mit der Sängerin Edie Brickell verheiratet; mit ihr hat er drei Kinder. Seit 2007 lebt Paul Simon in New Canaan, Connecticut.

Solokarriere

Vor 1965

Mit 12 Jahren bekam Simon von seinen Eltern eine Akustikgitarre geschenkt, mit 13 Jahren schrieb er seinen ersten Song (The Girl for Me).

Nach dem ersten mittleren Hit im Jahre 1957 (Hey, Schoolgirl) mit Garfunkel, bei dem immerhin ein Auftritt in einer berühmten Rock ’n’ Roll-Fernsehshow und 2.500 Dollar an Tantiemen heraussprangen, widmete Simon sein weiteres Leben ganz der Musik. Zunächst in dem erfolglosen Bemühen, mit Rock ’n’ Roll weitere Hits zu landen.

Ab dem Jahre 1963 folgte er dem Folk-Boom und schrieb anspruchsvolle Songs. Seine Texte waren weniger politisch (als z. B. die von Bob Dylan), sondern betrachteten mehr die Probleme des einzelnen Menschen.

Im Jahre 1964 nahm Simon gemeinsam mit Garfunkel das Album Wednesday Morning, 3 A.M. für Columbia Records auf, das sich aber nur bescheiden verkaufte. Er trennte sich von seinem Musiker-Partner und zog nach London. Dort wurde er in der Folk-Szene immer mehr zu einer beachteten Größe, zuletzt mit Gagen von 20 Pfund pro Abend, damals eine Menge Geld, von dem er gut leben konnte.

Es folgten Radiosendungen, ein Fernseh-Auftritt, sowie sein erstes Soloalbum (Songbook) in Zusammenarbeit mit der BBC, das allerdings auch kein bahnbrechender Erfolg wurde. Jedoch wurde die Elektro-Folk-Rock-Bearbeitung des Titels The Sound of Silence von Tom Wilson urplötzlich zum Hit (vgl. Simon and Garfunkel).

Nach 1970

Nachdem sich Simon und Garfunkel im Jahre 1970 endgültig trennten, ging Simon eigene Wege. 1972 veröffentlichte er das Album Paul Simon, aus dem drei Singles ausgekoppelt wurden. Die erfolgreichste (Mother and Child Reunion) wurde sowohl in den USA als auch in Großbritannien ein Top-10-Hit. Das Album lässt sich am besten im Folkrock-Genre einordnen, allerdings deuten Lieder wie der Titelsong Mother and Child Reunion und Me and Julio Down By the Schoolyard bereits auf Simons Faszination für Weltmusik hin, die er später vor allem auf den Alben Graceland und Rhythm of the Saints stärker auslebte.

Während der 70er Jahre veröffentlichte er zwei weitere Alben (There Goes Rhymin’ Simon und Still Crazy After All These Years) und hatte bis zum Jahre 1977 fünf Singles in den US-Top-10, davon wurden drei zu Millionen-Sellern (Loves Me Like Rock, 50 Ways to Leave Your Lover und Slip Slidin’ Away). Still Crazy After All These Years wurde außerdem 1976 mit dem Grammy Award als Album des Jahres ausgezeichnet.

Nach 1975

Nachdem Simon bereits im Jahre 1977 einen Kurzauftritt in Woody Allens Film „Der Stadtneurotiker“ hatte,[4] kam im Jahre 1980 der Film „One Trick Pony“ in die Kinos. Für diesen Film schrieb er das Drehbuch und den Soundtrack und spielte außerdem die Hauptrolle. Der Film floppte allerdings.[5][6] Auch das dazugehörige Album erreichte trotz des Top-10-Hits Late in the Evening nur den Goldstatus und nicht die früheren Verkaufszahlen mit Platin (jeweils mehr als 1 Million Verkäufe allein in USA).

Den kommerziellen Tiefpunkt seiner Karriere erreichte Simon im Jahre 1983 mit dem Album Hearts and Bones. Ursprünglich als „Simon and Garfunkel“-Album geplant, brachte es Simon wegen Meinungsverschiedenheiten mit Garfunkel alleine heraus. Obwohl alle Aufnahmen mit Garfunkel fertig waren, nahm Simon das Album nochmals solo auf und veröffentlichte es, ohne weitere Werbung dafür zu machen.[6][5]

Nach 1985

Im Jahre 1986 kehrte Simon wieder zurück. Für das südafrikanisch beeinflusste Album Graceland, an der neben Ladysmith Black Mambazo, Los Lobos und Stimela auch Youssou N’Dour (an den Percussions bei Diamonds on the Soles of Her Shoes) und Morris Goldberg mitwirkte, bekam Simon einen Grammy. Die Platte war ein voller Erfolg und erreichte Platz 3 in den US-Album-Charts. Allerdings wurde Simon beschuldigt, den kulturellen Boykott gegen das Apartheidsregime Südafrikas missachtet zu haben. Das Anti-Apartheid-Komitee der Vereinten Nationen teilte diese Meinung jedoch nicht, da das Album das Talent schwarzer Künstler repräsentierte. Außerdem warfen ihm einige Schwarze vor, ihre Kultur zu missbrauchen, um damit Geld zu machen. Bei einem Konzert in Südafrika gab es sogar Morddrohungen, falls er auftreten sollte, doch das Konzert fand trotzdem statt.

Nach 1990

Im Jahre 1990 wurde das Nachfolgealbum The Rhythm of the Saints veröffentlicht, für das sich Simon in Brasilien aufhielt. Das Album spiegelte dies wider; so wirkt bei der Hit-Auskopplung The Obvious Child die „Grupo Cultural Olodum“, auf mehreren anderen Liedern Naná Vasconcelos mit.

Am 15. August 1991 gab Simon ein Gratiskonzert im New Yorker Central Park vor ca. 750.000 Besuchern.

Nach 1995

Das 1997/98 erschienene Musical The Capeman war kein kommerzieller Erfolg. Das dazugehörige Album Songs from the Capeman erreichte in der US-Albumhitparade des Billboard-Magazins Platz 42.

Nach 2000

Im Jahre 2000 wurde das Album You’re the One veröffentlicht. Das Pariser Konzert der dazugehörigen Tournee wurde gefilmt und ist auf DVD erhältlich.

Im Herbst 2003 vereinigten sich Paul Simon und Art Garfunkel erneut und starteten die erfolgreiche Old-Friends-Tournee durch Nordamerika. Im Sommer 2004 wurde diese auch nach Europa ausgedehnt. Im Juli 2004 fand in Rom vor 600.000 Zuschauern das große Gratis-Abschlusskonzert statt.

Im Mai 2006 erschien Simons Album Surprise bei Warner Music. Es enthielt elf neue Lieder, unter anderen den bereits 2002 auf einem Soundtrack erschienenen Titel Father and Daughter. Die Lieder wurden zwischen den Jahren 2002 und 2005 geschrieben und zusammen mit Brian Eno produziert.

Paul Simon gab im April 2008 mehrere Konzerte in Brooklyn unter dem Titel Love In Hard Times: The Music of Paul Simon. Im Juli 2008 war er auf Europatour. Zusammen mit Art Garfunkel ging Simon 2009 (Mai) als Simon & Garfunkel auf Tour durch Australien, Neuseeland und Japan. Im April 2011 kam sein aktuelles Album "So Beautiful or So What" auf den Markt. Es folgt von April bis Juli eine Welttournee durch Nordamerika und Europa.

Ehrungen und Einfluss

Im Jahre 2001 wurde Simon auch solo in die Rock and Roll Hall of Fame aufgenommen,[7] obwohl das Duo Simon and Garfunkel schon vertreten war.

Im Jahre 2003 wurde er sowohl für den Oscar als auch für den Golden Globe mit dem Song „Father and daughter“ aus dem Kinderfilm „Die Abenteuer der Familie Stachelbeere“ nominiert.

Insgesamt bekam er 12 Grammys, davon dreimal den wichtigsten Grammy für das Album des Jahres („Bridge over troubled water“, 1970 mit Garfunkel, „Still crazy after all these years“, 1975 und „Graceland“, 1986), sowie ebenfalls dreimal den nächstwichtigen Grammy für die Single des Jahres („Mrs. Robinson“, 1968 mit Garfunkel, „Bridge Over Troubled Water“, 1970 mit Garfunkel, sowie „Graceland“, 1987). Er bekam auch zwei Brit Awards, den einen 1977 für das Album Bridge Over Troubled Water mit Art Garfunkel, ausgezeichnet als Best international album, den anderen 1987 für Graceland, ausgezeichnet als Best international solo artist.

Im Mai 2006 wurde Simon vom amerikanischen Time Magazine zu einer der diesjährigen 100 wichtigsten lebenden Persönlichkeiten der Welt gewählt.

Im Mai 2007 wurde er von der Library of Congress zum ersten Träger des neuen Gershwin-Preises gewählt und geehrt. Zur Preisverleihung am 23. Mai 2007 in Washington spielten unter anderem Stevie Wonder, James Taylor und Alison Krauss.

Markenzeichen

Simon ist Linkshänder, spielt seine Gitarre aber genau wie Mark Knopfler mit rechts. Der Gitarrenhersteller Martin Guitar hat Paul Simons Namen in zwei Gitarrenmodellen verewigt[8] (Martin PS2 Paul Simon und Martin OM-42PS Paul Simon). Paul Simon spielt fast ausschließlich Martin-Gitarren, während er zum Begleiten der Band fast immer eine schwarze Yamaha-Gitarre benutzt (zum Beispiel im Central Park 1981, 1991, Graceland Africa Concert usw.), die mittlerweile zu seinen Erkennungsmerkmalen gehört.

Politik

Paul Simon ist Mitglied der Demokratischen Partei der Vereinigten Staaten.[9] Seit längerer Zeit spielt er auf verschiedenen Wahlkampfveranstaltungen demokratischer Politiker. Er stand unter anderem mit seinem Namensvetter Paul Simon und Al Gore auf der Bühne.
Im Oktober 2007 bezeichnete er George W. Bushs Weigerung, für die Organisation SCHIP Gelder zur dringenden Unterstützung von Kindern zur Verfügung zu stellen, als „herzlose Tat“.[10]

Chartplatzierungen (Solo)

Singles (Liste unvollständig)

Jahr Single DE AT CH UK US
1972 Mother and Child Reunion 23 50 45 5 4
1972 Me and Julio Down by the Schoolyard - - - 15 22
1972 Duncan - - - - 58
1973 Kodachrome - - - - 2
1973 Take Me to the Mardi Gras - - - 7 -
1973 Loves Me Like a Rock - - - 39 2
1973 American Tune - - - - 35
1975 Gone At Last - - - - 23
1976 50 Ways to Leave Your Lover 42 - - 23 1
1977 Slip Slidin' Away - - - 36 5
1977 Stranded in a Limousine - - - - -
1980 Late in the Evening' - - - 58 6
1983 Allergies - - - - 44
1983 Think Too Much (b) - - - - -
1986 You Can Call Me Al - - - 4 23
1987 The Boy in the Bubble - - - 26 86
1987 Graceland 57 * - - - 81
1990 The Obvious Child - - - 15 92
1990 Proof - - - - -
1990 Born at the Right Time - - - - -
1993 Thelma - - - - -
1997 Bernadette - - - - -
2000 Old - - - - -
2000 You're the One - - - - -
2002 Father and Daughter - - - 31 -

* 2008 als Download-Single in den Charts

Alben

Jahr Alben DE AT CH UK US
1965 Songbook - - - - -
1972 Paul Simon 37 - - 1 4
1973 There Goes Rhymin' Simon - - - 4 2
1974 Live Rhymin' - Paul Simon in Concert - - - - -
1975 Still Crazy After All These Years - - - 6 1
1977 Greatest Hits, Etc. - - - 6 18
1980 One-Trick Pony (Soundtrack) - - - 17 11
1983 Hearts and Bones 5 - 25 34 35
1986 Graceland 2 3 1 1 3
1988 Negotiations And Love Songs 1971-1986 27 - - 17 110
1990 The Rhythm Of The Saints 11 4 3 1 4
1992 Paul Simon's Concert In The Park - - - - 74
1993 1964/1993 (3-CD-Box) - - - - 173
1997 Songs From The Capeman 26 - 49 - 42
2000 Greatest Hits - Shining Like A National Guitar 59 13 23 6 -
2000 You're The One 17 30 40 20 19
2002 The Collection - On my Way, Don't know where I'm goin' 71 - - - -
2006 Paul Simon Recorded as Jerry Landis - - - - 14
2006 Surprise 37 72 55 4 14
2007 The Essential Paul Simon - - - 12 42
2011 So Beautiful or So What 20 13 21 6 4

Quellen

  1. Das neue Rocklexikon Band 2; Rowohlt Taschenbuch Verlag GmbH; Reinbek bei Hamburg 1998
  2. Vom Schlagersternchen zum Szenestar Die Welt, 13. September 2006
  3. Paul Simon: Songs from the Capeman (CD-Cover), Credits
  4. Der Stadtneurotiker auf IMDb.com. Abgerufen am 14. Oktober 2009.
  5. a b Rolling Stone - Paul Simon Biography. Abgerufen am 14. Oktober 2009.
  6. a b Rolling Stone: Paul Simon - Hearts and Bones. Abgerufen am 14. Oktober 2009.
  7. Rock and Roll Hall of Fame Paul Simon in der Rock and Roll Hall of Fame
  8. Martin Guitar - Official Website
  9. Paul Simon Tour mit Dodd
  10. Paul Simon blasts Bush over "Heartless" Veto of Kids' Health Care

Weblinks

 Commons: Paul Simon – Sammlung von Bildern, Videos und Audiodateien

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