Paulskirche (Schwerin)

Paulskirche (Schwerin)
Paulskirche, Blick vom Schweriner Dom

Die Paulskirche ist eine neugotische Kirche in Schwerin.

Die Kirche wurde zwischen 1863 (Grundsteinlegung) und 1869 (Einweihung) erbaut. Sie ist ein Musterbau der Kirchbaugedanken des Eisenacher Regulativs, die unter maßgeblicher Mitwirkung des Schweriner Oberkirchenrats Theodor Kliefoth entstanden waren und nun vom Architekten Theodor Krüger (1818-1885) umgesetzt wurden. Der Bau, der hoch über dem Pfaffenteich auf einer für den Bau erweiterten Anhöhe liegt, wurde nach zu dieser Zeit modernsten Methoden konstruiert. Er besitzt einen Stahl-Dachstuhl und Maßwerk aus witterungsbeständigem Klinker.

Im Gegensatz zu vielen anderen neugotischen Kirchen ist in der Paulskirche die Ausstattung erhalten geblieben. Dazu gehören die Glasmalereien mit Darstellungen der Heilsgeschichte, die vermutlich auf ein Programm Kliefoths zurückgehen, die Kanzel und der Altar mit Gemälden von Karl Gottfried Pfannschmidt sowie die Fürstenloge.

Die Paulskirche enthält eine bedeutende Orgel von Friedrich Friese III.

Inhaltsverzeichnis

Die Kanzel

Innenraum

Die Kanzel ist bedeckt mit einer hohen aufwendigen Schnitzerei im gotischen Stil. Sechs Figuren, vom Künstler Sorge aus Hannover geschnitzt, zieren die Kanzel: die vier Evangelisten, sowie Moses und Paulus. Dies ist eine gängige Darstellung an Kanzeln. Gepredigt wird das Evangelium, die gute Botschaft vom Leben, der Lehre und dem Wirken Jesu Christi.

Der Altar

Das dreiteilige Altarbild von Carl Gottfried Pfannschmidt ist nicht zu trennen von der Gesamtidee der Chorraumes. Nach den Richtlinien für den Kirchenbau sollten Altargemälde nur die „Hauptthatsachen des Heils“ darstellen: Hier sind es die Menschwerdung Gottes in der Geburt Jesu von Nazareth, sein Opfertod am Kreuz und die Auferstehung, die drei Eckdaten des Kirchenjahres: Weihnachten, Karfreitag und Ostern. Pfannschmidt kommt aus der Tradition der Nazarener und hat stilistisch Anleihe bei den Malern der italienischen Renaissance genommen. Ende des 19. Jahrhunderts wurde das Abendmahl so gefeiert, dass die Kommunikanten um den Altar herum gingen. Auf der Südseite gingen sie an einer Engelfigur vorüber, die den Kelch trägt. Auf der anderen Seite trägt ein Engel das Buch mit den sieben Siegeln: Taufe und Abendmahl nehmen uns hinein in die Geschichte des Heils. Den Altar krönt ebenfalls ein Engel, der von dem Münchener Künstler Weiß gefertigt ist. Er trägt eine Siegesfahne, Symbol der Überwindung des Todes. Im Ostfenster sehen wir den Christus der Verklärung. Paulus schreibt: „Wie wir nach dem Bild des Irdischen gestaltet wurden, so werden wir auch nach dem Bild des Himmlischen gestaltet werden.“ Die Verklärung ist ein Hinweis auf die Veränderung, in die uns der Glauben führt.

Die Chorfenster

Das Bildprogramm der Chorfenster ist in seiner Art einzig. Hier spiegelt sich die ganze Weite der Geschichte des Heils vom Paradies bis hin zum Jüngsten Tag entsprechend der theologischen Sicht Theodor Kliefoths. Unter den Fenstern sind auf Gobelinmuster die Titel der Bildmotive verzeichnet. Die Kartons für die Glasmalerei, die noch im Landeshauptarchiv zu finden sind, hat der Düsseldorfer Maler Gustav Stever gefertigt. Die Glasfenster hat Ernst Gillmeister gefertigt.

Die Südfenster in der Vierung

Die beiden Darstellungen des Südfensters sind ein späterer Zusatz des 19. Jahrhunderts. Da ist zunächst die Darstellung des Abends vom Gründonnerstag. Jesus betet vor seiner Verhaftung: „Wenn es möglich ist, laß den Kelch des Leidens an mir vorübergehen!“ Der Engel weist auf das Kreuz, golden gefasst, denn es ist nicht nur das Symbol seines Sterbens, sondern auch der Auferstehung. Auch der Kelch des Leidens ist als Abendmahlskelch gedeutet: „Das ist das Blut des Neuen Bundes, das für euch vergossen wird zur Vergebung der Sünden.“ Auf dem zweiten Fenster ist Christus abgebildet, als er verspottet wurde. Ein Soldat kniet vor ihm wie vor einem König. Doch er ist für ihn nur der Spottkönig mit der Dornenkrone. Der Hohepriester, der durch das sogenannte Ephod an der Brust die zwölf Stämme des Volkes Gottes repräsentiert, verweist auf die erste Tafel der Gebote: Jesus hat Gott gelästert, er kann nicht Gottes Sohn sein. Diese Darstellung kontrastiert mit dem Glauben der Christen: Gott ist in diesem Jesus von Nazareth der wahre Herr der Welt. Die Leidensgeschichte Jesu schildert das Geschehen, das Johannes mit den Worten zusammenfasste: „Gott war in der Welt, und die Welt ist durch ihn geworden, aber die Welt erkannte ihn nicht. Er kam in sein Eigentum, aber die Seinen nahmen ihn nicht auf.“

Galerie

Literatur

  • Friedrich Schlie: Die Kunst- und Geschichts-Denkmäler des Grossherzogthums Mecklenburg-Schwerin. II. Band: Die Amtsgerichtsbezirke Wismar, Grevesmühlen, Rehna, Gadebusch und Schwerin. Schwerin 1898, Neudruck Schwerin 1992, S. 595 ff. ISBN 3910179061
  • Martin Grahl: Ein neugotischer Musterbau und die Geschichte des Heils: Theodor Kliefoth und die St. Paulskirche in Schwerin. In: Mecklenburg: Heimatzeitschrift für Landsleute und Freunde Mecklenburgs. - Schwerin: Stock & Stein, Bd. 43 (2001), 10, S. 10-11

Weblinks

 Commons: Paulskirche (Schwerin) – Sammlung von Bildern, Videos und Audiodateien
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