Paulusbriefe


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Paulusbriefe, paulinische Briefe oder Corpus Paulinum werden vierzehn Briefe bzw. Episteln des Neuen Testaments genannt, welche nach traditioneller Auffassung den Apostel Paulus zum Urheber haben. Diese Briefe stehen am Anfang der neutestamentlichen Briefliteratur und bilden vom Umfang her den Hauptteil.

Inhaltsverzeichnis

Verfasserschaft

Corpus Paulinum Schriften
Protopaulinen
  • der Brief an die Römer
  • der erste Brief an die Korinther
  • der zweite Brief an die Korinther
  • der Brief an die Galater
  • der Brief an die Philipper
  • der erste Brief an die Thessalonicher
  • der Brief an Philemon
Deuteropaulinen
  • der Brief an die Epheser
  • der Brief an die Kolosser
  • der zweite Brief an die Thessalonicher
Tritopaulinen
die Pastoralbriefe:
  • der erste Brief an Timotheus
  • der zweite Brief an Timotheus
  • der Brief an Titus
fälschlicherweise Paulus

zugeschrieben

  • der Brief an die Hebräer

Nach der historisch-kritischen Wissenschaft gilt aber nur ein Teil davon als unbestritten von Paulus selbst verfasst. Diese sieben Briefe werden protopaulinische Briefe oder Protopaulinen genannt.

Deuteropaulinische Briefe oder Deuteropaulinen nennt man jene Schriften des Neuen Testaments, die laut Briefpräskript vom Apostel Paulus an christliche Gemeinden geschrieben worden sind, nach den Erkenntnissen der historisch-kritischen Exegese aber aus stilistischen und inhaltlichen Gründen nicht von Paulus selbst stammen dürften. Sie gelten bis auf den Hebräerbrief als Pseudepigraphen.

Die Nennung des Apostels als Absender stellt den betreffenden Brief unter seine Autorität und in seine Lehrtradition. Als Verfasser kommen Mitarbeiter oder Schüler des Paulus in Frage. Meist werden der Epheserbrief, der Kolosserbrief und der zweite Thessalonicherbrief als deuteropaulinisch angesehen. Diese Einschätzung ist allerdings umstritten.

Auch die Pastoralbriefe werden von der historisch-kritischen Exegese als pseudepigraph betrachtet. Wegen ihres deutlich anderen Charakters als Briefe an Einzelpersonen, ihrer (noch) späteren Entstehungszeit und des Umstandes, dass sie vermutlich das bereits weitgehend vollständige Corpus Paulinum voraussetzen, werden sie aber meist nicht als deuteropaulinisch, sondern als tritopaulinische Briefe oder Tritopaulinen bezeichnet.

Der Hebräerbrief galt zwischenzeitlich als Brief des Apostels Paulus und wurde daher in das Corpus Paulinum aufgenommen. Der Brief hat aber keine Verfasserangabe; schon die Kirchenväter haben sich davon überzeugt, dass er einen anderen, anonymen Verfasser hat.

Der Brief an die Epheser, der Brief an die Philipper, der Brief an die Kolosser und der Brief an Philemon werden als Gefangenschaftsbriefe genannt, die Paulus als Gefangener (in Rom, Caesarea oder Ephesus) geschrieben haben soll.

Geschichtliches

Die Protopaulinen sind die ältesten Teile des Neuen Testaments, sie sind noch vor den Evangelien geschrieben worden. Sehr früh sind Sammlungen dieser Briefe entstanden und in den frühen Christengemeinden im Gottesdienst benutzt worden. Spuren von Redaktion weisen darauf hin, dass einige der Protopaulinen bereits selbst eine Zusammenfassung mehrerer Briefe sein könnten. Die Sammlung und Zusammenstellung der Paulusbriefe im Corpus Paulinum ist eine frühe Form der Kanonisierung.

Siehe auch

Literatur

Weblinks


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