Pessimismus


Pessimismus

Der Pessimismus (lat.: pessimum – das Schlechteste, Böseste) ist die Lebensanschauung von der unverbesserlich schlechten Welt. Pessimisten erwarten ein böses Ende. Die unheilvolle Zukunft vor Augen, halten sie jeden gegenwärtigen und vergangenen Stand der Dinge für unheilschwanger, mag er auch noch so gutartig erscheinen. Die dem Pessimismus entgegengesetzte Weltanschauung ist der Optimismus.

Inhaltsverzeichnis

Erscheinungen des Pessimismus

Im Wirtschaftsleben pflegen sich optimistische und pessimistische Stimmungslagen (Geschäftsklimata) abzuwechseln, etwa in Abhängigkeit von Konjunkturzyklen. An der Börse kommt grundsätzlich jeder Handel mit Wertpapieren dadurch zustande, dass ein optimistischer Haussier („Bulle“) und ein pessimistischer Baissier („Bär“) miteinander ins Geschäft kommen.

In den Religionen wird die pessimistische Stimmung meist durch die optimistische dominiert. Zu den Ausnahmen gehörte der Parsismus, der außer dem göttlichen Prinzip ein gleich ursprüngliches und mächtiges Gegenprinzip annahm (Dualismus), so dass der Ausgang des Kampfes zwischen Gut und Böse bis an das Ende aller Zeiten völlig offen ist.

Pessimismus in der Philosophie

Mit seinem Hauptwerk Die Welt als Wille und Vorstellung von 1819 begründete Arthur Schopenhauer einen radikalen metaphysischen Pessimismus. In seinem Grundsatz „Alles Leben ist Leiden“ sah er sich durch östliche Weisheitslehren, besonders im Buddhismus, bestätigt.

Ferdinand Tönnies' 1887er Voraussicht in Gemeinschaft und Gesellschaft, dass die abendländische Neuzeit sich mental zur „Gesellschaft“ transformiere, von der kein Weg mehr zu „Gemeinschaft“ oder Individualismus zurück führe, also als Kultur in absehbaren Jahrhunderten enden werde, trug ihm früh den Vorwurf des „Pessimismus“ ein (so von Harald Höffding) - dem der stets reformerisch gesinnte Tönnies oft (vergeblich) widersprach.

Im philosophischen Denken des 20. Jahrhunderts erhielt dann der Geschichtspessimismus ein großes Gewicht.

Kurz nach dem Ende des Ersten Weltkriegs sorgte Oswald Spengler mit der Schrift „Der Untergang des Abendlandes“ für Aufsehen. Spengler sah in der Weltgeschichte vergleichbare Schicksale der großen Kulturen: Wie ein Lebewesen durchläuft jede dieser Kulturen eine Phase der Entwicklung, eine Phase der Reife und eine Phase des Niedergangs. Nach rund einem Jahrtausend versinkt jede Kultur wieder in der Bedeutungslosigkeit, aus der sie einst hervorkam. Die tausend Jahre der europäisch-westlichen Kultur sah Spengler in seinem Jahrhundert sich ihrem Ende nähern – vor allem wegen dieser Prognose wurde „Der Untergang des Abendlandes“ besonders zur Zeit der Weimarer Republik als pessimistisch empfunden (anders, als er selber sich sah) und kontrovers diskutiert.

Weitere Geschichtspessimisten waren Theodor Lessing, Walter Benjamin und die „kritischen Theoretiker“ der Frankfurter Schule. Bedeutende Dokumente dieses Pessimismus von linksintellektueller Seite sind die „Dialektik der Aufklärung“ von Max Horkheimer und Theodor W. Adorno sowie „Die Antiquiertheit des Menschen“ von Günther Anders.

Weitere Vertreter des Pessimismus

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  • Pessimismus — Pessimismus: Die seit dem 18. Jh. bezeugte Bezeichnung für eine negative Grundhaltung gegenüber den Erwartungen des Lebens ist eine nlat. Bildung zu lat. pessimus »der schlechteste, sehr schlecht«, und zwar als Gegenbildung zu ↑ Optimismus. –… …   Das Herkunftswörterbuch

  • Pessimismus — (v. lat. pessimus, der Schlechteste) ist als Gegenteil des Optimismus (s. d.) im allgemeinen die Neigung, Dinge und Verhältnisse als schlecht vorauszusetzen. Entspringt diese aus bloß subjektiven Motiven (angebornem melancholischen Temperament,… …   Meyers Großes Konversations-Lexikon

  • Pessimismus — Pessimismus, die philos. Weltanschauung, die im Gegensatz zum Optimismus (s.d.) die Welt ihrem innern Wesen nach für schlecht hält; Pessimíst, Vertreter, Anhänger dieser Anschauung. – Vgl. Golther (1878), Caro (1878), Plümacher (1884) …   Kleines Konversations-Lexikon

  • Pessimismus — Pessimismus, s. Optimismus …   Herders Conversations-Lexikon

  • Pessimismus — Sm std. (18. Jh.) Neoklassische Bildung. Neubildung zu l. pessimus der Schlechteste , dem suppletiven Superlativ von l. malus schlecht . Gebildet als Gegenbegriff zu Optimismus. Adjektiv: pessimistisch; Täterbezeichnung: Pessimist.    Ebenso nndl …   Etymologisches Wörterbuch der deutschen sprache

  • Pessimismus — Schwarzseherei; Defaitismus (schweiz.); Miesmacherei; Untergangsstimmung; Defätismus; Lebensverneinung; Schwarzmalerei; Hoffnungslosigkeit * * * Pes|si|mis|mus [pɛsi mɪsmʊs], der; …   Universal-Lexikon

  • Pessimismus — An den Pessimismus gewöhnt man sich zuletzt wie an ein zu enges Sakko, das sich nicht mehr ändern läßt. «Andrй Gide [1869 1951]; franz. Schriftsteller» Pessimismus hat auf der Erde kein Recht. Wer freiwillig am Leben bleibt, erklärt sich… …   Zitate - Herkunft und Themen

  • Pessimismus — der Pessimismus (Aufbaustufe) Lebensanschauung von einer unverbesserlich schlechten Welt, Gegenteil zu Optimismus Synonyme: Lebensverneinung, Weltuntergangsstimmung, Schwarzmalerei (ugs.), Unkerei (ugs.) Beispiel: Sie neigt zu Pessimismus und… …   Extremes Deutsch

  • Pessimismus — Lebensverneinung, Mutlosigkeit, Skeptizismus, Weltuntergangsstimmung; (bildungsspr.): Nihilismus; (ugs.): Schwarzmalerei, Schwarzseherei, Unkerei; (bildungsspr. abwertend): Defätismus. * * * Pessimismus,der:Schwarzseherei·Schwarzmalerei·Schwarzfär… …   Das Wörterbuch der Synonyme

  • Pessimismus — pesimizmas statusas T sritis Kūno kultūra ir sportas apibrėžtis Nusivylimas, netikėjimas ateitimi, polinkis viską vertinti neigiamai. kilmė lot. pessimus – prasčiausias; blogiausias atitikmenys: angl. pessimism vok. Pessimismus, m rus. пессимизм …   Sporto terminų žodynas