Pete Best


Pete Best
Pete Best 2005

Randolph Peter „Pete“ Best (* 24. November 1941 in Madras, Indien) war von 1960 bis 1962 der erste Schlagzeuger der Beatles. Nachdem er kurz vor deren Durchbruch im Jahr 1962 durch Ringo Starr ersetzt worden war und deshalb nicht am Erfolg der Beatles teilhaben konnte, profitierte er 1995 doch noch von der Band. Die Beatles-Veröffentlichung Anthology I, auf der Best auf zehn frühen Beatles-Tracks am Schlagzeug zu hören ist, verschaffte ihm mehrere Millionen US-Dollar Tantiemen.

Inhaltsverzeichnis

Kindheit 1941–1960

Peter Randolph Best wurde am 24. November 1941 in Madras (Indien) geboren. Seine Mutter Mona Best arbeitete zu dieser Zeit als Rot-Kreuz-Helferin bei der britischen Armee. John Best, sein Vater, diente zu dieser Zeit ebenfalls in der Armee. 1944 wurde sein Bruder Rory geboren. Nach Ende des Zweiten Weltkriegs kehrte die Familie 1945 nach England zurück und siedelte sich in Liverpool an.

Pete Best besuchte zunächst die Primary School in West Derby und wechselte anschließend zur Collegiate Grammar School in der Shaw Street. Nach dem Besuch dieser Schulen hatte er Ende der 1950er Jahre vor, Fremdsprachenlehrer zu werden. Seine Voraussetzungen hierfür waren gut, denn er sprach zu diesem Zeitpunkt fließend Französisch und Deutsch, Schulfranzösisch und Schuldeutsch, wie er später in einem Interview betonte.

Seit 1947 wohnte die Familie Best in der Haymans Green im West Derby District von Liverpool. In den 1950er Jahren gestaltete Mona Best die unteren Teile des Wohnhauses zum „Casbah Coffee Club“, kurz „Casbah“ genannt, um. Bei diesem Club handelte es sich um einen Treffpunkt für Jugendliche, die hier ihre Musik hören und spielen konnten. Pete Best und sein Bruder unterstützten ihre Mutter bei der Arbeit im Club.

Schlagzeuger der Beatles 1960–1962

Im August 1959 spielten die Quarrymen, die Vorläuferband der Beatles, zum ersten Mal im Casbah. Hier lernten sie auch Pete Best kennen. Die Gruppe um John Lennon gehörte zu diesem Zeitpunkt zu den zahlreichen Liverpooler Bands, die auf den großen Durchbruch warteten.

Im August 1960, kurz vor Reiseantritt nach Hamburg, wurde Pete Best Schlagzeuger der Lennon-Band, die sich inzwischen gerade von ihrem „Silver“ im Namen Beatles trennte und der neben Lennon auch Paul McCartney, George Harrison und Stuart Sutcliffe angehörten.

Am 17. August 1960 traten die Beatles zum ersten Mal in Hamburg auf. Sie spielten im Indra-Club. Hierbei handelte es sich um ein ehemaliges Striplokal, das kurz zuvor umgewidmet wurde, weshalb das Publikum anfangs irritiert auf die Band reagierte, denn man erwartete sich ausziehende Damen. Die Beatles verschafften sich in den folgenden Wochen Respekt und gewannen an Publikumsresonanz.

Am 4. Oktober 1960 wechselten die Beatles in den Kaiserkeller. Hier lernten sie eine andere Liverpooler Band, Rory Storm & the Hurricanes, kennen. Mitglied dieser Gruppe war Ringo Starr. Starr löste Pete Best zwei Jahre später als Schlagzeuger der Beatles ab.

Im November und Dezember 1960 verlor die Gruppe wegen der verheimlichten Minderjährigkeit George Harrisons ihre Engagements und wurde aus der Bundesrepublik ausgewiesen.

Nachdem George Harrison in der Zwischenzeit 18 Jahre alt geworden war, spielten die Beatles von April bis Juni 1961 jeden Abend im „Top Ten“-Club in Hamburg, ein Engagement, das bereits im November 1960, kurz vor der Ausweisung mit dem Clubchef schriftlich vereinbart worden war. Pete Best saß weiterhin am Schlagzeug und trat als Sänger des Liedes Boys in Erscheinung.

Im Mai 1961 suchte die Polydor eine Begleitgruppe für Tony Sheridan. Die Beatles erhielten, wohl auch durch Vermittlung von Sheridan, den Vertrag. Bert Kaempfert war der Produzent der ersten professionellen Aufnahmen der Gruppe.

Am 7. März 1962 spielten die Beatles mit Best in dem Radioprogramm „Teenagers’s Turn“ der BBC. Am 6. Juni 1962 spielte die Gruppe bei der EMI vor. George Martin, der Produzent des EMI-Sublabels Parlophone, war von den Beatles durchaus angetan, ihm missfiel jedoch die Qualität von Bests Schlagzeugspiel. Dies teilte er Brian Epstein mit, der es jedoch nicht innerhalb der Gruppe offen diskutierte, sondern die Information Pete Best vorenthielt. Ohne es zu wollen, hatte George Martin mit seiner Bemerkung vielleicht den Ausschlag zur Beendigung von Bests Beatleskarriere gegeben.

Am 15. August 1962 spielten die Beatles zum letzten Mal gemeinsam mit Pete Best. Einen Tag später teilte Brian Epstein ihm mit, dass die anderen ihn nicht mehr in der Gruppe haben wollten. Die Beatles spielten einige Tage mit einem Ersatzschlagzeuger, ehe Ringo Starr zu ihnen stieß.

Die genauen Hintergründe des Hinauswurfs von Pete Best wurden niemals einwandfrei geklärt. Pete Best kennt angeblich bis heute nicht den wahren Grund für seine Entlassung. Die späteren Beatles haben sich nie konkret dazu geäußert, außer Paul McCartney, der in einem Interview 1987 klar äußerte, dass Bests musikalische Fähigkeiten am Schlagzeug einfach nicht ausgereicht hätten und man sich einstimmig für Ringo Starr entschieden habe.

Eigene Karriere 1962–1968

Best fand im August 1962 eine neue Stelle als Schlagzeuger bei „Lee Curtis & The All Stars“. Diese Gruppe war im Frühjahr 1962 um den Sänger Lee Curtis entstanden. Neben Curtis spielten in der Band Wayne Bickerton (Gitarre), Frank Bowen (Gitarre) und Tony Waddington. Pete Best kam als Ersatz für den ausgeschiedenen Schlagzeuger Bernie Rogers. Die Gruppe erlangte lokale Berühmtheit. Der erste Auftritt der Band fand am 10. September 1962 im Majestic Ballroom in Birkenhead statt. In der Folgezeit spielte man mit den Beatles mehrere gemeinsame Engagements. Ein Kontakt kam aber nicht zustande.

1963 vermittelte Pete Best der Gruppe ein Engagement im Hamburger Star-Club. Horst Fascher buchte die Band, ohne sie jemals gehört zu haben. Ihrem Manager Joe Flannery, Lee Curtis’ Bruder, gelang es zwischenzeitlich, die Gruppe bei Decca unterzubringen. Es ist strittig, ob die Gruppe auf der ersten Single Little Girl, die Anfang 1963 erschien, mitwirkte. Gleiches gilt für die beiden Aufnahmen Skinnie Minnie und Jezebel, die für die LP At The Cavern Recorded Live im Cavern eingespielt wurden. Erst bei Let’s Stomp, veröffentlicht im März 1963, war Pete Best nebst Band nachweisbar dabei.

Nach der Rückkehr der Gruppe nach England kam es durch Soloambitionen von Lee Curtis zum Bruch der Band. Während Lee Curtis eine neue Formation auf die Beine stellte, beschloss der Rest der Band, von nun an als „Pete Best And The All Stars“ weiter zu machen. Kurz darauf benannte man sich in „Pete Best Four“ um.

Decca gab der Gruppe einen Schallplattenvertrag. Mona Best übernahm das Management für die Gruppe und vermittelte ihr einige Auftritte in Großbritannien. Kurzzeitig kam es auch zu einer Rückkehr von Pete Best in den Star-Club nach Hamburg. Im August 1963 heiratete Pete Best seine langjährige Freundin Kathy.

Im Juni 1964 erschien die erste und einzige in Großbritannien veröffentlichte Single der Gruppe. Die Single I’m Gonna Knock on Your Door / Why Did I Fall In hatte jedoch keinerlei Erfolg, sodass Decca den Vertrag mit der Gruppe kündigte.

In den Jahren 1964 bis 1965 tourte die Gruppe unregelmäßig durch Nordamerika und England und gab auch Gastspiele in Deutschlands Star-Clubs (Bielefeld und Hamburg).

Für das kleine Label Happening nahm die Gruppe zwei Singles auf, der Erfolg blieb jedoch aus. Bereits vorher war die Single I’ll Try Anyway/I Wanna Be There auf einem Eigenlabel (Original Beatles Drummer Best 800) erschienen.

1965 tourte die Gruppe durch Kanada und nahm für das Independent-Label Mr Maestro eine LP auf. Frank Bowen hatte die Gruppe verlassen und wurde durch Tommy McGurk ersetzt. Die LP wurde unter dem missverständlichen Namen Best of The Beatles im Dezember 1965 veröffentlicht. Auf der LP befinden sich sechs Rock-’n’-Roll-Standards und sechs Eigenkompositionen der Bandmitglieder Waddington/Bickerton. Die Platte hatte trotz oder wegen des irreführenden Titels und eines alten Fotos, das von Astrid Kirchherr in Hamburg aufgenommen worden war und die Beatles mit Pete Best zeigt, keinerlei Erfolg in den US-amerikanischen Hitparaden. Bei der Produktion der LP wurden mehr Titel aufgenommen, als zunächst veröffentlicht wurden. Diese Stücke erschienen erst fünfzehn Jahre später auf kleinen amerikanischen und europäischen Labels.

Eine weitere Chance zur Aufnahme einer Platte erhielt die Gruppe 1965. Auf der Single Boys / Kansas City singt jedoch nicht wie auf dem Plattencover angegeben Pete Best, sondern ein Mitglied seiner Band. Die Platte wurde auf dem Kleinlabel Cameo veröffentlicht. Auf den Bandnamen wurde diesmal verzichtet, um Pete Best allein ins Rampenlicht zu rücken. Unter seinem Namen steht die Bemerkung „Formerly of the Beatles“. Im Grunde wurde aber auch hier wieder eine ‚Mogelpackung‘ verkauft. All dies half der Gruppe jedoch nicht. Ebenso wie Best of The Beatles hatte auch diese Single keinen Erfolg.

Wayne Bickerton und Tony Waddington kehrten ebenso wie Best nach Großbritannien zurück. Beide fanden einen Job im Musikgeschäft und schrieben in den 1970er Jahren einige Hits für die Rubettes. Für Best hingegen war das Leben als Musiker zunächst einmal beendet.

Nach der Musikerkarriere 1966–1982

Pete Best verfiel immer tiefer in eine depressive Stimmung. Erst nach einem versuchten Selbstmord, den sein Bruder verhinderte, gelang es Pete Best, sich aus dieser Situation zu befreien. Später sagte er, dass es keine Depression gewesen sei, sondern nur einfach eine „dumme Idee“. Seitdem glaubt er an Karma: „Es war noch nicht meine Zeit.“[1] Bei der Suche nach einer beruflichen Alternative nahm er zunächst eine Arbeit in einer Liverpooler Bäckerei an. Ab 1969 war er beim Arbeitsamt Liverpool angestellt.

1978 trat er mit verschiedenen anderen Musikern aus Liverpool in der Dick Clarke’s Variety Show auf. Bei der Produktion des umstrittenen Fernsehfilms The Birth of The Beatles war er als Berater tätig.

1982 veröffentlichte er gemeinsam mit Patrick Doncaster das Buch Beatle! The Pete Best Story. Später folgten weitere Bücher und DVDs.

Anteil an Beatles-Nostalgie 1982–1996

Pete Best während eines Auftritts 2006 in Maryland

1988 entschloss Best sich, musikalisch wieder tätig zu werden. Zur Band gehörten Bill Kinsley (Bass/Gesang), der zuvor ein ehemaliges Mitglied bei den Merseybeats war, Kenny Parry (Leadgitarre/Gesang) und sein Bruder Roag, der ebenfalls Schlagzeug spielt. Die „Pete Best Band“ war unter neuer Besetzung auferstanden. 1988 spielte die Gruppe auf einer Beatles-Convention ihre CD Live at the Adelphi ein.

Eine weitere CD erschien 1994. Kurz vorher hatte Pete Best die Gruppe umgestaltet. Die Band bestand jetzt aus Vince Hagen (Leadgitarre), Paul Davies (Keyboard), Andrew Cawley (Gesang), Pete und Roag Best (Schlagzeug) und Andrew Kirk (Bass). Auch dieses Mal wurde die CD live eingespielt. Back to the Beat hieß das Ergebnis, und der Club, in dem die Band die CD aufnahm, ist der wiedereröffnete Cavern Club in Liverpool.

Während sich auf der ersten CD keine Beatles-Titel befanden, spielte die Pete Best Band im Cavern-Club zwei Stücke der Beatles. Auf einer weiteren CD, 1996 unter dem Titel … once a beatle, always … erschienen, spielte die Pete Best Band acht Beatlesstücke, darunter auch Titel aus dem Spätwerk der Beatles wie Revolution oder Back in the USSR.

Neben der regelmäßigen Veröffentlichung von CDs tourte die Gruppe, die aus dem Freundeskreis von Pete Bests jüngerem Bruder Roag besteht, weiterhin durch Großbritannien.

Im November 1995 veröffentlicht die EMI eine Doppel-CD mit dem Titel Anthology 1. Es ist die erste CD einer dreiteiligen Reihe, die die Karriere der Beatles darstellt. Auf den CDs befinden sich unbekannte Stücke, Liveaufnahmen und Outtakes. War die 1994 veröffentlichte Doppel-CD Live at the BBC aufgrund verfügbaren Materials noch ohne Stücke, bei denen Pete Best mitwirkte, ausgekommen, war dies bei der Anthology-Veröffentlichung nicht möglich. Anthology 1 enthielt insgesamt zehn Stücke, an denen Pete Best mit seinem Schlagzeugspiel beteiligt war. Best wurde entsprechend am Erlös der CD beteiligt, was ihn mit einem Schlag zum Millionär machte. Eine seiner ersten geschäftlichen Transaktionen war die Wiedereröffnung des legendären Clubs seiner Mutter. Heute gibt es in Liverpool wieder den Casbah Coffee Club, kurz Casbah genannt.

Der unerwartete Reichtum hatte jedoch noch andere Folgen. Pete Best gab seinen Beruf auf, und gründete mit seinem Bruder die eigene Firma Splash Promotion.

1996 stellte Pete Best auf seinem eigenen Plattenlabel eine Zusammenstellung seiner musikalischen Aktivitäten der Jahre 1964 bis 1966 unter dem Titel The Pete Best Combo, Beyond the Beatles 1964–66 zusammen. Die CD ist eine Werkschau über seine Aktivitäten nach den Beatles.

Nachtrag

Zum Gedenken an den 29. August 1959, den Tag, an dem die Beatles zum ersten Mal im Casbah Coffee Club spielten, dem Ort, den Pete Best als ‚Birthplace of The Beatles‘ bezeichnet, erschien 1999 das letzte Werk der Pete Best Band, die CD Casbah Coffee Club. Auf der CD befinden sich 15 klassische Rock-’n’-Roll Stücke, die sich in der Musikbox von Mona Bests Club befanden und dort gerne gespielt wurden.

2005 erschien unter dem Titel „Best of The Beatles“ eine DVD mit Bonusmaterial über die Jahre, die Pete Best mit den Beatles verbrachte.

2008 erschien die CD Haymans Green, benannt nach der Adresse des Casbah Clubs. Es befinden sich ausschließlich eigene Kompositionen der Band auf diesem Album.

Aufgrund seiner engen Zusammenarbeit mit den Beatles wurde er mitunter auch als „fünfter Beatle“ bezeichnet.

Best hat zwei Töchter.

Diskografie

Singles

  • The Pete Best Four: I’m Gonna Knock on Your Door / Why Did I Fall in Love with You (1964)
  • Pete Best: (I’ll Try) Anyway / I Wanna Be There (1964)
  • Pete Best: Kansas City / Boys (1965)
  • Pete Best: I Can’t Do Without You Now / Keys to My Heart (1965)
  • Pete Best: Don’t Play with Me (Little Girl) / If You Can’t Get Her (1965)
  • Pete Best: If You Can’t Get Her / The Way I Feel About You (1965)
  • Pete Best: I’ll Try Anyway / I Wanna Be There (1965)
  • Pete Best: Casting My Spell / I’m Blue(1965)
  • Pete Best: Boys / Kansas City (1966)
  • Kinsley & Best: Heaven / Fool In Love (1990)
  • The Pete Best Band: 4-Track Sampler (2000)

Alben

  • The Pete Best Combo: Best Of The Beatles (1965)
  • The Pete Best Combo: The Beatle That Time Forgot (1981)
  • The Pete Best Band: Rebirth (1981)
  • Pete Best: My Three Years as a Beatle (Spoken Word, 1981)
  • The Pete Best Band: Live at the Adelphi Liverpool 1988 (1988)
  • The Pete Best Band: Back to the Beat(1995)
  • The Pete Best Band: Once a Beatle, Always a Beatle (1996)
  • The Pete Best Band: Casbah Coffee Club 40th Anniversary Limited Edition (1999)
  • The Pete Best Band: Haymans Green (2008)

Kompilationen

  • Silver Beatles: Like Dreamers Do (1982)
  • The Beatles: Anthology 1 (1995)
  • The Beatles: Best of The Beatles (DVD, 2005)
  • The Pete Best Combo: Beyond the Beatles 1964–1966 (1996)
  • The Pete Best Combo: Best (1998)
  • Tony Sheridan & The Beatles: Hamburg Days (2001)

Gastauftritte

  • Jackie Lomax & Undertakers – Unearthed (1996)

Literatur

  • Thorsten Knublauch, Axel Korinth: Komm, Gib Mir Deine Hand. Die Beatles in Deutschland 1960–1970. Books on Demand, Norderstedt 2008, ISBN 978-3-8334-8530-5.

Weblinks

Einzelnachweise

  1. Jörg Thomann: Pete, mach Schau! – Der Mann, der kurz vorm Ruhm rausflog: Ein Treffen mit dem einstigen Beatle Pete Best. Frankfurter Allgemeine Sonntagszeitung vom 18. April 2010.

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