Peter Mandelson


Peter Mandelson
Peter Mandelson auf dem Annual Meeting of the New Champions des Weltwirtschaftsforums in Tianjin im September 2008

Peter Benjamin Mandelson, Baron Mandelson [ˈpiːtə ˈbɛndʒəmɪn ˈmændəlsən] (* 21. Oktober 1953 in London) ist ein britischer Politiker der Labour Party. Er gilt als einer der Hauptarchitekten beim Wandel der Partei zu New Labour.

Inhaltsverzeichnis

Werdegang

Geboren wurde Mandelson als zweiter Sohn von George Tony Mandelson und Mary Mandelson, der Tochter von Herbert Morrison (1888–1965). Herbert Morrison war ein bekannter Politiker der Labour Party und mehrfach Minister in Labour-Regierungen, zuletzt als Außenminister. Die Abstammung von diesem Großvater begleitete ihn durch sein politisches Leben und ebnete gelegentlich den Boden für seine politische Laufbahn.[1]

Aus Protest gegen den die Unterstützung der Labour Party für den Vietnamkrieg schloss sich Mandelson eine Zeitlang der britischen Young Communist League der Kommunistischen Partei Großbritanniens an.[2] Nach dem Besuch der Hendon County Grammar School von 1965 bis 1972 hielt sich Mandelson in den Jahren 1972/73 in Tansania auf, wo er u. a. in einer Dorfschule unterrichtete und in einem kleinen Krankenhaus aushalf.[3]

Karriere im Vereinigten Königreich

Von 1973 bis 1976 studierte er am St. Catherine's College in Oxford Philosophie, Politik und Volkswirtschaftslehre. 1977 schloss er sich dem British Youth Council an, dessen Vorsitzender er von 1977 bis 1980 war. [4]. In dieser Funktion nahm er 1978 als Mitglied der britischen Delegation zusammen mit Arthur Scargill und mehreren späteren Ministerkollegen am Weltjugendfestival in Havanna teil.[5] [6]

Von 1979 bis 1982 gehörte Mandelson dem Rat des Londoner Stadtbezirks Lambeth an. Anschließend war er bis 1985 als Fernsehjournalist für London Weekend Television tätig.[7] Am 24. September 1985 wurde er Pressesprecher und Wahlkampfleiter (Director of Campaigns and Communications) der Labour Party. Zu dieser Zeit war Neil Kinnock Vorsitzender der Labour Party. Diese Position hatte er inne, bis er 1990 als Kandidat der Labour Party für den Wahlkreis Hartlepool aufgestellt wurde. Diesen Sitz erhielt er dann auch bei den Parlamentswahlen von 1992.In der Zwischenzeit war er für eine Beraterfirma tätig.[8]

Mandelson war einer der Verbündeten Tony Blairs bei dessen Wahl zum Parteivorsitzenden 1994. Er wurde Wahlkampfleiter der Labour Party bei den Parlamentswahlen von 1997. Danach wurde er Minister ohne Geschäftsbereich in der Regierung Blair, wo er die Verantwortung für den Millennium Dome hatte.

1998 wurde er Minister für Handel und Industrie, musste aber wegen eines Skandals um einen geheimen Kredit zurücktreten.

Gemeinsam mit dem deutschen Kanzleramtsminister Bodo Hombach erarbeitete Mandelson das Blair-Schröder-Papier, mit dem der Kurs der britischen Labour-Party bekräftigt wurde. Das Papier wurde am 8. Juni 1999 veröffentlicht.

Im Oktober 1999 kehrte er als Nachfolger für Mo Mowlam als Minister für Nordirland ins Kabinett zurück, musste jedoch im Jahre 2001 erneut wegen einer Affäre um die britische Staatsbürgerschaft eines Inders, dessen Familie bei der Finanzierung des Millennium Dome eine wichtige Rolle gespielt hatte, zurücktreten.

Am 3. Oktober 2008 kehrte Mandelson im Rahmen der Kabinettsumbildung von Premierminister Gordon Brown als Wirtschaftsminister (Secretary of State for Business, Innovation and Skills) in die Regierung zurück. Am 13. Oktober 2008 wurde Mandelson auf Vorschlag des Premierministers als Life Peer geadelt, wodurch er den Titel Baron Mandelson erhielt und Mitglied des House of Lords wurde.

Seit einer Kabinettsumbildung am 5. Juni 2009 war Mandelson Lord President of the Council und trägt den Ehrentitel des First Secretary of State.

Karriere in der EU

2004 wurde Mandelson von Tony Blair in die Europäische Kommission entsandt. José Manuel Durão Barroso, der Kommissionspräsident, ernannte ihn zum Handelskommissar; in dieser Funktion war er bis zu seiner Rückkehr in die britische Regierung 2008 für die Europäische Handelspolitik zuständig.

Politische Positionen

Innerhalb der EU-Institutionen setzt sich Mandelson gegen Protektionismus und für Freihandel ein. Hierdurch geriet unter anderem in Streit mit Nicolas Sarkozy, als dieser den Vorsitz im Rat der Europäischen Union innehatte.[2]

Mandelson gilt als Befürworter der Praxis der Three strikes und einer härteren Bestrafung gegenüber illegalem Filesharing.[9][10]

Privates

Im Jahr 2000 bekannte sich Mandelson öffentlich zu seiner Beziehung mit Reinaldo Avila da Silva, indem er Fotos von ihnen erlaubte.[11] Er gehörte nach einer Umfrage in Großbritannien 2005 zu den einflussreichsten homosexuellen Männern in Europa.[12]

In den Jahren 1999 und 2009 hat Mandelson auf Einladung an Bilderberg-Konferenzen teilgenommen.[13][14]

Im Juli 2010 veröffentlichte Mandelson seine Memoiren mit dem Namen Der dritte Mann, die in der Labour Party erhebliche Aufregung und Ärger verursachten.[15]

Mandelson gilt als erfolgreicher Spin-Doctor und übte hinter den Kulissen großen Einfluss auf die Politik der Labour-Partei aus. Seine Rolle im Hintergrund und sein Talent für politische Manöver brachten ihm den Spitznamen The Prince of Darkness (Der Fürst der Finsternis) ein, seit seiner Erhebung in den Adelsstand wird er auch The Dark Lord (Der dunkle Lord) genannt. [16]

Einzelnachweise

  1. Donald Macintyre, Mandelson and the Making of New Labour, S. 520, u.v.a..
  2. a b Webseite der BBC News: Profile: Peter Mandelson (3. Oktober 2008, englisch), zuletzt abgerufen am 30. September 2010
  3. Macintyre, S. 31-39
  4. Macintyre, S. xvii
  5. Macintyre, S. 58-61
  6. Wilson, Brian (28. August 2003)."Revolution revisited (http://www.guardian.co.uk/politics/2003/aug/28/cuba.world)". The Guardian.http://www.guardian.co.uk/politics/2003/aug/8/cuba.world.
  7. Macintyre, S. 77 ff.
  8. Macintyre, S. 248
  9. Daniel Martin: Mandelson goes to war on teenagers downloading their music and movies... just days after dining with anti-piracy billionaire; in: dailymail.co.uk vom 17. August 2009
  10. Lord Mandelson Piraterie ist falsch - Three-Strikes-Gesetz die Lösung, in: Gully.com (vom 31. August 2009, abgerufen am 31. August 2009)
  11. The Mail on Sunday, 23. April 2000
  12. http://www.pinknews.co.uk/news/articles/2005-1863.html Pinknews Ian McKellen ranked most influential gay man
  13. British House of Commons - Register of Journalists' Interests
  14. The Guardian: "Our man at Bilderberg": "Mandelson's office has confirmed his attendance at this year's meeting: 'Yes, Lord Mandelson attended Bilberberg. He found it a valuable conference.'" (vom 19. Mai 2009)
  15. Der dritte Mann rechnet ab, Frankfurter Rundschau, 21. Juli 2010
  16. The Spectator: The Return of the Dark Lord

Literatur

  • Donald Macintyre, Mandelson and the Making of New Labour, HarperCollinsPublishers, London 2000 (1999), ISBN 0-00-65-3062-1.

Weblinks

 Commons: Peter Mandelson – Sammlung von Bildern, Videos und Audiodateien

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