Peter O´Reilly


Peter O´Reilly

Peter O’Reilly (* 27. März 1827; † 3. September 1905) war Verwaltungsangestellter, Sheriff, Richter und Commissioner für Gold und die Indianerreservate. Durch seine Ämter, Vermögen und Einheirat in die führenden Kreise der Provinz British Columbia erlangte er großen politischen Einfluss.

Inhaltsverzeichnis

Von Irland nach Victoria

Peter O’Reilly war der Sohn von Patrick O’Reilly und Mary Blundell. Seine Kindheit verbrachte er in Irland, wo er bis 1857 Lieutenant in der Irish Revenue Police war. Durch Lord Claud Hamilton, der Mitglied im Parlament war, und der ihm die im August 1858 gegründete britische Kolonie British Columbia wegen ihrer großen Möglichkeiten empfahl, kam er nach Nordamerika.

O’Reilly verließ Irland am 5. Februar 1859 und erreichte Victoria Anfang April. Zunächst wurde er im Langley District in der Verwaltung eingesetzt, wurde aber bereits im November in den anspruchsvolleren Hope District versetzt. Zugleich wurde er bis 1866 High Sheriff der Kolonie.

Gold Commissioner (ab 1860)

Schon 1860 wurde er zum Hilfs-Gold Commissioner für das Gebiet am Rock Creek in der Similkameen-Region und im Hope District. Damit war er für die Kriminalgerichtsbarkeit ebenso zuständig wie für die Zivilgerichtsbarkeit. Auch war er für die Vergabe und Registrierung von Grabungslizenzen, für Minenregulationen, für Wasserrechte und Grenzziehungen verantwortlich.

Im März 1862 wurde er Chief Gold Commissioner. Er zog in sein neues Hauptquartier in Richfield, verbrachte allerdings die Winter an der milderen Küste. Dabei litt er unter häufigen Kopfschmerzen, wohl Migräne. Dennoch besuchte er fast jeden Ort in der riesigen Provinz, sei es per Pferd, zu Fuß oder mit dem Kanu.

Am 15. Dezember 1863 heiratete er Caroline Agnes Trutch in Victoria. Mit ihr hatte er zwei Söhne und zwei Töchter.

1864 wurden beim heutigen Fort Steele in Ost-Kootenay in den Rocky Mountains erneut Goldfunde gemacht, 1866 am Columbia River beim heutigen Revelstoke. O’Reilly reiste den Goldfunden gewissermaßen hinterher.

Indian Agent und County Court Judge (ab 1871)

Das war auch 1871 so, als er für neun Monate in das nördliche British Columbia reiste, in die Omineca-Region. Hier wurde er erstmals als Indian Agent tätig, zog aber auch Steuern ein. Die Gegend war ungeheuer kalt, O’Reilly hatte vor allem mit Mosquitos zu kämpfen, war auch mehrfach in Lebensgefahr.

1866 waren Vancouver Island und British Columbia vereinigt worden. O’Reilly wurde nun zum County Court Judge erhoben. Schon seit 1864 hatte er informell beim Legislativrat (Legislative Council) mitgearbeitet. Zwar wurde er 1871 nochmals ernannt, doch im selben Jahr wurde die Provinz ein Teil Kanadas und der Rat aufgelöst. O’Relly war zu dieser Zeit am Omineca.

Fast zehn Jahre blieb O’Reilly County Court Judge für den Yale District. 1875 unternahm er eine Reise in die Cassiar-Region im Nordwesten. Mit dem Kanu befuhr er den Stikine River, hielt Gericht als Gold Commissioner und als Richter. Doch die Zeit der Laienrichter ging erkennbar zu Ende (endgültig 1883). So zog O’Reilly frühzeitig die Konsequenz, als er hörte, dass Gilbert Malcolm Sproat, der seit 1878 Indian Commissioner war, zurückgetreten war.

Indian Commissioner (ab 1879/80)

In Ottawa lernte er den Premierminister Sir John A. Macdonald kennen, der als Innenminister auch zuständig für „Indianerangelegenheiten“ war. O’Reilly wurden ein Jahresgehalt von 3.500 Dollar und seine Pensionsansprüche aus der britischen Zeit zugestanden. In den nächsten 18 Jahren bereiste er seinen riesigen Amtsbereich. Doch ab 1890 musste er zunehmend in Victoria bleiben und Arbeiten delegieren.

O’Reilly, der immer gute Kontakte zu den Ranchern und Siedlern pflegte, war die Vorstellung eines Landanspruchs der Indianer fremd. So waren seine Reservatszuweisungen oft ungünstig, kollidierten mit lokalen Traditionen, und zudem waren sie spärlich ausgestattet. 1884 überprüfte eine Kommission die Landzuweisungen, doch anerkannte sie die Tatsache als rechtens, dass bereits entfremdetes Land nicht zurückgegeben worden war. Ansonsten habe O’Reilly immer unter Berücksichtigung der indianischen Ansprüche gehandelt. Schon mit der Tatsache, dass er sich die Wünsche und Forderungen anhörte, wagte er sich in der damaligen Zeit weit vor, dass er sie häufig akzeptierte und ihre Rechte auf lebensnotwendige Ressourcen anerkannte, war ebenfalls nicht selbstverständlich.

Rücktritt von allen Ämtern (1898)

1898 trat O’Reilly von seinen Ämtern zurück. Doch er verarmte dadurch keineswegs. Er hatte immer für „Nebeneinkünfte“ Sorge getragen. So hatte er von Anfang an Kredite vergeben, mit Vieh und Grundstücken gehandelt (z.B. in Vancouver ein wichtiges Grundstück an die Canadian Pacific Railway verkauft), auch Goldclaims beansprucht, was durchaus zu Interessenkonflikten mit seiner offiziellen Funktion führte. Außerdem war er in Victoria in verschiedenen Geschäften tätig.

Seine Söhne ließ er in England ausbilden, und kaufte bereits 1868 ein großes Haus in Victoria, das heutige Point Ellice House[1] , wo er bis zu seinem Tod wohnte.

Sein Schwager Joseph William Trutch, der Bruder seiner Frau Carolin Agnes (1831-1899), war der erste Vizegouverneur der Provinz, auch seine Nachfolger waren Freunde der Familie, so dass O’Reilly immer Zugang zu den höchsten Regierungsstellen hatte. Als gläubiger Anglikaner besuchte er häufig die Kirche, verrichtete auch auf seinen langen Reisen den Gottesdienst.

Am 3. September 1905 starb er an einer Herzkrankheit, seine Frau war bereits 1899 verstorben. Er liegt auf dem Ross Bay Cemetery, einem Friedhof, der seit 1873 bestand und an der 1516 Fairfield Road liegt.

Anmerkungen

  1. Sein Wohnhaus mitsamt Garten, das Point Ellice House im Upper Harbour von Victoria, kann heute besichtigt werden (2616 Pleasant Street).

Quellen

Peter O’Reilly führte von 1858 bis 1905 durchgängig Tagebuch. Es findet sich neben zahlreichen anderen Relikten in der O’Reilly-Sammlung im British Columbia Archives unter A/E/Or3. Korrespondenz und Petitionen im Zusammenhang mit Indianerland in British Columbia findet sich unter GR 504, dazu die Korrespondenz der Indianerreservatskommission unter NA, RG 10, 1274.

Literatur

Bisher ist O’Reillys Biographie nicht wissenschaftlich untersucht worden.

  • R. E. Cail: Land, man and the law: the disposal of crown lands in British Columbia, 1871–1913, Vancouver 1974 ISBN 0774800291
  • D. M. L. Farr: The organization of the judicial system of the colonies of Vancouver Island and British Columbia, 1849–1871, BA thesis, University of British Columbia, Vancouver, 1944
  • R. [A.] Fisher: Contact and conflict: Indian-European relations in British Columbia, 1774–1890, Vancouver, 1977
  • S. W. Jackman: The men at Cary Castle; a series of portrait sketches of the lieutenant-governors of British Columbia from 1871 to 1971, Victoria 1972 - ASIN B0006CMAQ4
  • M. A. Ormsby: Some Irish figures in colonial days, in: British Columbia Historical Quarterly 14 (1950) 61–82
  • David Ricardo Williams: The man for a new country: Sir Matthew Baillie Begbie, Sidney, British Columbia, 1977

Siehe auch

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