Pfannhaus


Pfannhaus

Das Gebäude, in dem eine „Pfanne“ zur Salzgewinnung installiert war, wurde im österreichischen Salzkammergut als Pfannhaus bezeichnet. Gegen Ende des 19. Jhs. wurde dieser Fachbegriff durch die Bezeichnung Sudhaus verdrängt.

Arbeitsprozess

Um aus der in den Laugwerken des Salzbergbaues gewonnenen Kochsalzlösung, der Sole oder Sulze, Salz zu gewinnen, ist es notwendig, deren Wasseranteil von etwa 75 Gewichtsprozenten zu verdampfen und damit das Salz zum Kristallisieren zu bringen. In Anbetracht der erforderlichen Gerätschaften, der Arbeitsteilung und der Vielfalt der Aufgaben wird die Verdampfung der Sole den industriellen Tätigkeiten zugerechnet. Dieser Verdampfungsprozess erfolgte in flachen offenen Becken, den Pfannen, deren Bodenfläche leicht geneigt war, sodass die Salzkristalle zum Pfannenrand hingezogen und aus der Mutterlauge herausgehoben werden konnten. Das Salz wurde in regelmäßigen Zwischenräumen von zwei bis drei Stunden mit Krücken, das waren Holzgeräte, bestehend aus einem Stiel und einem daran befestigten Brett, zusammengezogen und aus der Mutterlauge, der Lab „ausgepehrt“. Zur Erzeugung von 150 Kilogramm Siedesalz musste in den Pfannhäusern des Salzkammerguts ein Raummeter Holz verfeuert werden. Bis zur Wende des 19. zum 20. Jh. wurde in den österreichischen Pfannhäusern ausschließlich Formsalz erzeugt.

Pfanne

Die zentrale produktionstechnische Einrichtung im Pfannhaus war die eiserne Pfanne, in welcher die Sulze (Gesättigte Kochsalzlösung) gesotten wurde. Die Größe der Pfannen wuchs im Laufe der Entwicklung beträchtlich: In Hallstatt von 32 m² zu Beginn des 14. Jahrhunderts auf 361m² im Jahr 1697. Die großen Pfannen wurde aus etwa zwei Dutzend „Stücken“ zusammengesetzt, welche jeweils wiederum aus 220 bis 390 vernieteten, etwa 26 x 52 cm großen Blechen bestanden. Da die handwerklich gefertigten Bleche unregelmäßig stark waren, mussten deren Verbindungsstellen zusätzlich noch mit einem Gemenge aus Kalk und Lehm abgedichtet werden, womit das Ausrinnen der Sulze unterbunden werden sollte. Um die Blechteile vor allzu großer Hitze zu schützen und ein Durchschmelzen des Metalls zu verhindern waren die Stücke auch an der Feuerseite mit Lehm beschichtet. Der umgerechnet 0,5 m hohe Pfannenrand lag auf einer Umfassungsmauer auf, während die Unterstützung des Pfannbodens durch etwa 250 bis 300 massive Steinpfeiler erfolgte, welche Pfannsteher hießen, „deren zweÿerleÿ Sorten sÿnt: nemblich Rott: und weisse Stain“ dabei waren die roten, eisenoxidhaltigen Steine so feuerbständig, dass sie etliche Wochen der starken Hitze unter der Pfanne standhielten, während die weißen Steine im Feuer nicht beständig waren, zu Stückkalk (CaO) brannten, und „dahero, und sonderlich die Jenige, so voran am Feuer stehen, vast alle 8. Tag mit weiss oder anderen frischen Stehern“ ausgewechselt werden mussten. Unter der Wirkung der Heizgase wurden also die Pfeiler zu Kalk gebrannt, büßten ihre Tragkraft ein und mussten häufig ausgewechselt werden. Die Einführung dauerhafterer „Pfannsteher“ aus zylindrischen Ziegeltrommeln erfolgte in Hallstatt ab der Mitte des 18. Jhs. Die extreme Hitzebelastung schädigte aber auch die Pfanne derartig stark, dass etwa alle fünf bis sieben Wochen der Sudbetrieb eingestellt werden musste, damit durch das, durchschnittlich eine Woche dauernden, „Pfannbraithen“ die Pfanne wieder instand gesetzt werden konnte.

Quellen

  • Erich, Rudolf: Die Baudenkmäler des Salinenwesens in Österreich, Diss. TH Wien, 1972, Bd. 1.
  • Fellner, A., Bergmännisches Handwörterbuch, Wien 1999.
  • Hocquet, Jean-Claude, Weißes Gold. Das Salz und die Macht in Europa von 800 bis 1800, Stuttgart 1993.
  • Hofkammerarchiv Wien, Handschriftensammlung Nr. 329 Graf Caraffische Salzkammerguts Visitations Commisions Relation 1697, fol. 42.
  • Hofkammerarchiv Wien, Obderennsisches Salzkammer Gut, Fonds 6, Salinen zu Hallstatt, rote Nummer 47, Handschriften aus den Jahren 1494 - 1710, Inventierung der Hallsieden zu Hallstatt, 1540, fol. 108v.
  • Hofkammerarchiv Wien, Oberösterreichische gemischte Gegenstände, rote Nummer 73, Unterschiedliche relationes von fremder Salczsiedung, fol. 1833r.
  • Patocka, Franz: Das österreichische Salzwesen, Eine Untersuchung zur historischen Terminologie, Wien 1987.
  • Scheuchenstuel, Carl: Idioticon der österreichischen Berg- und Hüttensprache, Wien 1856.
  • Schraml, Carl: Alte Sudhäuser im Salzkammergut. in: Heimatgaue, Zeitschrift für oberösterreichische Geschichte, Landes- und Volkskunde, 9. Jg., Linz 1928.
  • Schraml, Carl: Die Salinen der Ostmark, ihre Geschichte und technische Entwicklung, in: Kali verwandte Salze und Erdöl. Zeitschrift für Kali-, Steinsalz- und Erdölindustrie sowie *Salinenwesen, 38. Jg., Heft 1 (1944).
  • Stadler, Franz: Das Salinenwesen im steirischen Salzkammergut von 1760 bis 1850, in: Das Salz in der Rechts- und Handelsgeschichte, Schwaz 1991.
  • idam.at

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