Philemon und Baucis


Philemon und Baucis
Philemon und Baucis, Adam Elsheimer, 1608

Philemon (griechisch Φιλήμων) und Baukis (griechisch Βαυκίς, latinisiert Baucis) sind Gestalten der griechischen Mythologie.

Inhaltsverzeichnis

Mythos

Ovid beschreibt in den Metamorphosen[1] den Besuch des verkleideten Gottes Zeus und seines Sohnes Hermes in einer Stadt der Menschen. Diese gewähren den beiden Wanderern jedoch keinen Einlass.

Allein Philemon und seine Frau Baucis, ein altes Ehepaar, das in einer ärmlichen Hütte am Stadtrand lebt, übt Gastfreundschaft, nimmt die beiden auf und bewirtet sie mit allem, was es hat. Erst durch einen Zufall erkennen sie die Götter und entschuldigen sich für das karge Mahl. Die Götter jedoch belohnen Philemon und Baucis für ihre Großzügigkeit und Gastfreundschaft, indem sie ihre Hütte in einen goldenen Tempel verwandeln und beide zu Priestern bestellen. Weiterhin gewähren sie dem Paar, das immer noch in tiefer Liebe verbunden ist, den Wunsch, sich nie trennen zu müssen, sodass beide gleichzeitig sterben; darum verwandeln die Götter sie am Ende ihres Lebens in zwei Bäume. Philemon wird in eine Eiche und Baucis in eine Linde verwandelt.

Die Stadt mit den hartherzigen Menschen jedoch verwandelt Zeus in einen See.

Literarische Wiederaufnahme

Jean de la Fontaine bearbeitet den Stoff des Mythos in seiner Fabel Philémon et Baucis, 'christianisiert' diesen aber darüber hinaus, indem er Analogien zur neutestamentlichen Episode setzt, in der Jesus von Nazaret in Emmaus Unterkunft findet und erst später von seinen Jüngern erkannt wird.

Goethe lässt im 5. Akt seines Faust II "Philemon" und "Baucis" als greises Paar auftreten, das der Zwangsumsiedelung durch Faust widerstrebt und deshalb umgebracht wird.

Kurt Tucholsky benutzt Philemon und Baucis in seinem 1930 erschienen Gedicht "Stationen" als Bild für ein alterndes Paar

Max Frisch benutzt in seinem Roman Mein Name sei Gantenbein ebenfalls die Figuren "Philemon" und "Baucis". Sie treten als Vorstellung von Lila und Gantenbein auf und festigen auf diese Weise die Gantenbeinrolle.

Bertolt Brecht nutzt den Mythos als Grundlage für sein Werk Der gute Mensch von Sezuan.

Leopold Ahlsen verlegte die Handlung in seinem gleichnamigen Hörspiel von 1956 in die Welt der griechischen Partisanen des Zweiten Weltkrieges. Weil das alte Ehepaar aus humaner Überzeugung einen verletzten deutschen Soldaten pflegte und versteckte, lässt ein gnadenloser Partisanenführer die beiden töten. Nach ihrem letzten Wunsch sterben sie miteinander. Sie werden gleichzeitig am selben Baum erhängt und mit einander begraben.

Patrick Süskind vergleicht ein altes Ehepaar, das trotz eines Altersunterschiedes von 17 Jahren ernsthaft ineinander verliebt scheint, in seinem Essay Über Liebe und Tod mit Philemon und Baucis.

Georg Schützler bietet eine Interpretation (2010) der Erzählung von Philemon und Baucis, in der die psychologischen und spirituellen Fragen reflektiert sind. Unter dem Titel „Liebe grünt in grauen Zeiten“- Über die Kunst, als Paar zu leben, am Beispiel von „Philemon und Baucis“ - soll die Erzählung für die Gegenwart wieder gewonnen werden.

Musikalische Rezeption

Joseph Haydn verarbeitete den Mythos in seinem gleichnamigen Singspiel aus dem Jahre 1777 (Hob. XXIXb:2)[2]

Reinhard Mey erwähnt in seinem Lied Mein Testament aus dem Jahr 1974 diese historischen Gestalten: „So bedaur‘ ich eins in jener Stunde nur, dass offenbar uns das Los von Philemon und Baucis nicht beschieden war.

Bildliche Darstellungen

  • Adam Elsheimer verwendet Philemon und Baucis als Vorlage für sein Gemälde.
  • Peter Paul Rubens stellt die Szene dar, in der gerade die Stadt zerstört wird, 1625, Kunsthistorisches Museum Wien
  • Wolfgang Hildesheimer schuf die Collagen Philemon (1983) und Baukis (1989)

Literatur

Weblinks

Einzelnachweise

  1. Ovid: Metamorphosen 8, 611-724.
  2. http://www.classical-composers.org/piece/10131

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