Philippe de Rothschild


Philippe de Rothschild
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Büste des Barons

Baron Philippe de Rothschild (* 13. April 1902 in Paris; † 20. Januar 1988 in Paris) war der Patron des berühmten Weingutes Château Mouton-Rothschild in Pauillac bei Bordeaux.

Der aus dem Londoner Zweig stammende Baron Nathaniel de Rothschild erwarb 1853 das Château Brane Mouton, das er fortan „Château Mouton-Rothschild“ nannte. Dessen Ur-Enkel, Baron Philippe de Rothschild, machte aus Mouton-Rothschild durch rigoroses Qualitätsstreben und gekonnte Marketingmaßnahmen eines der besten Weingüter der Welt.

Inhaltsverzeichnis

Herkunft

Philippe war das jüngste Kind des Baron Henri de Rothschild (1872–1946) und dessen Frau Mathilde Sophie Henriette von Weissweiller (1872–1926), die aus einer Frankfurter Bankiersfamilie stammte. Er wuchs gemeinsam mit seinen Geschwistern, James-Henri (1896–1984) und Nadine Charlotte Thérèse (1898–1958), in Paris und London auf.

Heirat und Nachkommen

In erster Ehe heiratete er 1935 Elisabeth (Lilli) Pelletier de Chambre (1902–1945, im KZ Ravensbrück ermordet), geschiedene Baronin de Becker-Rémy. Aus der Ehe gingen zwei Kinder hervor:

1954 ging er eine weitere Ehe mit seiner langjährigen Geliebten Pauline Fairfax-Potter (1908–1976), geschiedene Fulton Leser und ehemalige Geliebte des Filmemachers John Huston, ein.

Leben

Barriquelager in einer französischen Weinkellerei

Während der 1920er Jahre lebte Philippe das Leben eines Playboys. Von seinem Vater übernahm er auch die Liebe schneller Autos, bei Rennen startete er unter dem Pseudonym „Georges Philippe“. 1928 fuhr er sein erstes Grand-Prix-Rennen unter anderem beim Grand Prix Paris-Nizza, 24 Stunden von Le Mans und das erste ausgetragene Autorennen auf dem Stadtkurs Circuit de Monaco in Monte Carlo (Großer Preis von Monaco), wo er den vierten Platz belegte.

1922 übernahm der erst zwanzigjährige Philippe das Weingut von seinem Vater, Baron Henri de Rothschild. Zwei Jahre später „erfand“ er die Château-Abfüllung und lieferte seine kostbaren Weine nicht mehr, wie bis dahin üblich, in Fässern an die Großhändler aus, die „Négociants“, sondern ausschließlich in Flaschen – zu jener Zeit eine revolutionäre Maßnahme, die im Weingeschäft von Bordeaux für viel Ärger sorgte, da sie die Zahlungsströme der Kunden weg von den Großhändlern und hin zum Weingut lenkte.

Die Premiers Crus wie Château Lafite, Latour, Haut-Brion und Château Margaux mussten nachziehen. Die „Schloss-Abfüllung“ (Mis en bouteille au château), welche vor der Abfüllung eine etwa anderthalb- bis zweijährige Lagerung des Weines in Barriques mit sich brachte, verlangte die Erstellung neuer und größerer Kellerei-Einrichtungen, welche in den Jahren 1924 bis 1927 mit der Errichtung des „Grand Chai“ durch den Pariser Architekten Charles Siclis (1889–1942) vollzogen wurde.

Ende der 1920er Jahre hatte es in Bordeaux einige schlechte Jahrgänge gegeben, und Baron Philippe de Rothschild machte aus der Not eine Tugend. Er kreierte 1927 einen einfachen Wein, den er „Carruades de Mouton“ nannte, aber dieser war ein Flop. Im Jahre 1930 wurde mit dem Nachfolger „Mouton Cadet“ ein zweiter Versuch gestartet. Der Namensteil „Cadet“ bedeutet auf deutsch „Junior“ oder „Jüngster“ und wurde nach ihm, dem jüngsten Spross der Familie, benannt. Der Name hatte eine zweifache Bedeutung, denn der Baron wollte damit auch die einfachere Qualität ausdrücken. Mouton verzichtete auf den „Carruades“, aber das Premier-Cru-Nachbargut der Vetternfamilie, Château Lafite-Rothschild, hat seit Jahrzehnten seinen ZweitweinCarruades de Lafite“ benannt – Wein, der die Steuerung der Qualität des Großen Weines, des „Grand Vin“ erst ermöglicht. Der Zweitwein war eine der vielen Ideen des Barons zur Qualitätsverbesserung des Weines.

1939–1945

Während des Krieges wurden die Weingüter durch die pro-deutsche Vichy-Regierung annektiert. Ein deutscher „Weinführer“ wurde mit der Leitung beauftragt. Während der Kriegsjahre kämpfte Baron Philippe de Rothschild bei den alliierten Truppen in England, während seine Frau und seine Tochter in Frankreich blieben. 1941 wurden sie von der Gestapo ins Konzentrationslager Ravensbrück deportiert, von wo nur die Tochter zurückkehrte.

Die Nachkriegsjahre waren der Beseitigung von Kriegsschäden sowie dem Ausbau und der Perfektionierung des Familienunternehmens gewidmet. 1945 rief Philippe die „étiquette d’artiste“ ins Leben, die Idee hatte er schon 1924 mit dem Künstler Jean Carlu (1900–1997). Jedes Jahr soll ein Etikett des Château Mouton-Rothschild durch einen anderen zeitgenössischen Künstler gestaltet werden. Dies jährlich wechselnde Etikett gab ihnen damit bis zum heutigen Tag ihr unverwechselbares Gesicht. Den Auftakt machte der französische Maler und Freund Philippe Jullian (1921–1977). Anlässlich des Sieges über Nazi-Deutschland und auf Anweisung von Baron Philippe de Rothschild entwarf der junge Maler ein Etikett mit dem Aufdruck „1945, année de la grand victoire“ (1945, Jahr des großen Sieges).

Seit 1945 wird das Etikett des Château Mouton-Rothschild in jedem Jahr von einem zeitgenössischen Künstler gestaltet. Salvador Dalí (1958), Joan Miró (1969), Marc Chagall (1970), Pablo Picasso (1973) und Georg Baselitz (1989, das „Mauerfall“-Etikett) sind nur einige der berühmten Namen, die ein kunstvolles Werk diesem großen Wein widmeten. Durch diesen genialen Promotion-Einfall wurde die Nachfrage nach dem Wein gesteigert; die Etiketten gelten heute als Sammlerobjekte. Die Künstler von 1945 bis 1953 waren persönliche Freunde des Barons. Die Bezahlung der Künstler geschieht bis heute in Naturalien, in edlem Wein.

Erhebung in den „Wein-Adel“

Anlässlich der Weltausstellung in Paris 1855 wurde Mouton Rothschild in die Deuxièmes Crus verwiesen – ein Umstand, welchen Baron Philippe nicht mehr länger hinnehmen wollte, denn der Mouton Rothschild wurde jahrelang als Premier Cru bewertet – die ursprüngliche Klassifikation von 1855 basierte lediglich auf langjährigen Handels-Durchschnittspreisen. Allerdings hat diese Einstufung durch das Edikt des Kaisers Napoléon III. zur Weltausstellung in Paris Gesetzescharakter.

Am 21. Juni 1973 wurde vom damaligen Landwirtschafts-Minister Jacques Chirac das Dekret unterzeichnet, welches Château Mouton Rothschild gesetzlich zum Premier Cru klassifizierte. In Frankreich unterliegen zum Beispiel eventuelle Verkäufe eines Premier-Cru-Weingutes speziellen Bedingungen – unter anderem muss der Erwerber naturalisierter Franzose sein, da ein solches Weingut als „nationales Kulturgut“ gilt. Diese Umstufung ist die einzige, die jemals seit 1855 bis heute (2008) an der Weinklassifikation der Médoc-Halbinsel vorgenommen wurde. Jahr um Jahr kommt zwar formaliter ein Gremium zu edlem Speis und Trank zusammen, um anstehende Umstufungen zu bereden, jedoch entschied man sich immer dafür, alles beim Alten zu belassen – bis auf dieses einzige Mal. Zur Feier entwarf der spanische Maler und Freund der Familie, Pablo Picasso (1881–1973), das Etikett dieses Jahrgangs – mit Komplikationen siehe unten.

Rothschild ließ seinen Wein auf dem Etikett zuvor mit dem Spruch aussagen: „Erster darf ich nicht sein; zweiter mag ich nicht sein; ich bin Mouton.“ Nach der Umklassierung erschien der Wein dann mit dem provokanten Spruch: „Zweiter war ich, erster bin ich – ich bleibe Mouton.“

Eine besondere Freundschaft pflegte Philippe mit dem kalifornischen Weinbau-Pionier Robert Mondavi (1913–2008). Gemeinsam starteten sie im Jahre 1979 im Napa Valley das Joint Venture Opus One Vineyard, bei dem der hervorragende Rotwein „Opus One“ kreiert wurde. Weitere Beteiligungen bzw. Zusammenarbeit gibt es unter anderem mit Leonardo di Frescobaldi (* 1916) auf den Weingütern Ornellaia (Italien) und Errázuriz (Chile).

Château Mouton-Rothschild ist heute ein Mythos in der Weinbranche. Die Gruppe wird seit 1989 von der Tochter des Barons, der Baronin Philippine de Rothschild-Sereys geleitet. Sie kümmert sich auch um das kalifornische Weinimperium „Opus One“.

Museum

Das von der Baronin Pauline und einer Cousine Diana Vreeland (1906–1989) im Jahr 1962 gegründete Museum des Weines in der Kunst zeigt eine beeindruckende Sammlung von Wandteppichen, Karaffen, Gläsern und Bildern in Zusammenhang mit dem Wein sowie die von Picasso, Cocteau und anderen seit 1945 kreierten Etiketten. Das Museum ist heute ein Touristenmagnet.

Bei den Führungen auf Mouton wird nach einer Diaschau über die Bedeutung und die Geschichte des Gutes und seines eigentlichen „Machers“, des Barons Philippe, auch der Gärkeller und anschließend die Cathedrale du vin betreten, das Fasslager mit über 3.000 Fässern („barriques“) gelagerten Weines, die einen Wert von mehreren hundert Millionen Euro repräsentieren.

Weinauktion

Der teuerste Wein des Gutes trägt das Etikett „Mouton Rothschild 1945“. Bei einer Versteigerung des Auktionshauses Christie's in Los Angeles Ende September 2006 bot ein anonymer Käufer 28.750 US-Dollar für eine Flasche. Gelegentlich sind allerdings einzelne Flaschen dieses „Ultra-Weines“ auch für etwa 3.500 Euro zu ersteigern. Auch andere Weine des Gutes erreichten Spitzenbewertungen (wie zum Beispiel die Parker-Punkte) mit vollen 100 Punkten als „perfekter Wein“, so zum Beispiel die Jahrgänge 1982 und 1986, jedoch gilt der 1945er (guter Lagerung vorausgesetzt) in Kennerkreisen als einer der zehn besten jemals gewachsenen Rotweine.

Zitat

Weine sind wie eine Frau – unbeständig, zurückhaltend und schwer zufriedenzustellen. Wann immer man sie öffnet, riskiert man enttäuscht zu werden, sind sie aber in Form – und das sind sie bei guter Pflege meistens – welche Wonnen!

Baron Philippe de Rothschild

Sonstiges

1993 Château Mouton-Rothschild, Premier Grand Cru Classé

Von dem 1993er Mouton-Rothschild Premier Grand Cru Classé gibt es zwei Etiketten-Versionen. In den USA wurde die kindliche Darstellung der Figur einer Nymphe von Balthus als „Pädophilie“ interpretiert. Die Geschäftsführung von Mouton entschied deshalb, in die USA nur Flaschen ohne die Nymphengrafik zu verkaufen.

Le-Mans-Ergebnisse

Jahr Team Fahrzeug Teamkollege Platzierung Ausfallgrund
1929 FrankreichFrankreich Stutz Paris Stutz DV32 FrankreichFrankreich Guy Bouriat Rang 5

Literatur

  • Baron Philippe de Rothschild: Vivre la vigne: Du ghetto de Francfort à Mouton Rothschild, 1744–1981. Presses de la Cité, Paris 1981.
  • Joachim Kurz: Die Rothschilds und der Wein. Eine Erfolgsgeschichte aus Bordeaux. Econ Verlag, Berlin 2006, ISBN 3430300053.

Weblinks


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