Phonendoskop


Phonendoskop
Modernes akustisches Stethoskop
Stethoskope aus dem 19. Jahrhundert
Krankenschwestern mit Stethoskopen

Das Stethoskop ist ein Diagnosewerkzeug zur Beurteilung von Schallphänomenen. Das mit der Erfindung des Gerätes im 19.Jh. neugebildete Wort Stethoskop leitet sich von griechisch στηθοσκόπιο[ν] (heutige Aussprache stithoskópio, altgriechische stethoskópion) von στήθος = „die Brust“ und ~σκόπιο[ν] = „das Betrachten“ ab, obwohl es sich ja eigentlich um ein "Stethophon" handelt und zeigt damit, wie die visuelle Komponente in der damaligen ärztlichen Untersuchungstechnik dominierte [1].

Der Vorgang des Abhörens wird in der medizinischen Terminologie Auskultation genannt. Im Maschinenbau wird das Stethoskop ebenfalls verwendet, um beispielsweise über Lagergeräusche einen beginnenden Maschinenschaden frühzeitig erkennen zu können.

In der Human- und Tiermedizin werden mit dem Stethoskop Töne und Geräusche beurteilt, die im Zusammenhang mit der Tätigkeit des Herzens, der Lungen und des Darmes entstehen. Zu jeder körperlichen Untersuchung gehört die Auskultation der Herzklappen und manchmal auch der Halsschlagadern zum Ausschluss krankhafter Strömungsgeräusche oder fortgeleiteter pathologischer Herzgeräusche. Bei der Blutdruckmessung verwendet man ein Stethoskop zum Hören der Korotkow-Strömungsgeräusche.

Ein binaurales Stethoskop mit einem Doppelmembran-Bruststück wird nach Nikolai Sergejewitsch Korotkow auch als Phonendoskop bezeichnet, ein heutzutage jedoch kaum noch verwendeter Begriff.

Inhaltsverzeichnis

Typen

Akustische Stethoskope

Die gebräuchlichsten Stethoskope sind heute akustische (oder klassische) Stethoskope, die durch einfache physikalische Phänomene Körpergeräusche besser hörbar machen. Sie bestehen aus den drei Grundelementen: Ohrbügel, Schlauch und Bruststück (oder „Kopf“).

Im Bruststück des Stethoskopes befindet sich eine Membran, die die akustischen Wellen aufnimmt, dadurch selbst in Schwingungen versetzt wird und diese an die Luftsäule im Stethoskop-Schlauch weitergibt. Über die Ohrbügel werden die Wellen an das Trommelfell des Untersuchenden geleitet. Die am Ende des Ohrbügels angebrachten „Oliven“ aus hartem oder (besser) weichem Kunststoff dichten die Gehörgänge ab.

Bei einigen Modellen kann das Bruststück gedreht werden, wo sich alternativ zur Membranseite ein Trichter ohne Membran befindet. Dieser Trichter ermöglicht eine bessere Darstellung des tieferen Frequenzspektrums. Insbesondere in der Kardiologie ist dies relevant.

Durch eine spezielle, patentierte Membrankonstruktion [2] können einige Stethoskope in Abhängigkeit vom Anpressdruck der Membran unterschiedliche Frequenzbereiche betonen. Bei geringem Anpressdruck werden, wie beim Trichter, die tiefen Frequenzen betont, bei höherem Anpressdruck die höherfrequenten Schallwellen.

Valide akustische Qualitätsunterschiede innerhalb der klassischen, rein mechanischen Stethoskope lassen sich in messtechnischen bzw. objektiven Vergleichen [3] nicht belegen. Ein möglichst kurzer, steifer Schlauch, sowie gut abdichtende Oliven zur Abschirmung von Störgeräuschen sind für die Auskultation von Vorteil, das belegen die aufwendigen Versuche von Sprague und Rappaport, die von ihnen in der ersten Hälfte des 20. Jahrhunderts durchgeführt wurden [4]. Nach Sprague, einem Bostoner Kardiologen und Rappaport, seinem technischen Ingenieur, sind die Stethoskope vom Typ Sprague-Rappaport benannt, die heute als Nachbau zahlreich angeboten werden. Die Preisspanne für mechanische Stethoskope ist generell sehr groß, Markenstethoskope kosten zum Teil weit über 100 EUR.

Elektronische Stethoskope

Verschiedene Stethoskop-Hersteller bieten mittlerweile auch elektronische Stethoskope an - die den Schall elektronisch verstärken, verschiedene Töne hervorheben und Störgeräusche eliminieren sollen. Töne können auch aufgezeichnet und wieder abgespielt bzw. an einen Computer übermittelt werden. Momentan ist diese Art von Stethoskopen noch kaum verbreitet.

Geschichte

Entwickelt wurde das Stethoskop im Jahre 1816 von René Théophile Hyacinthe Laënnec in Frankreich. Da er nicht, wie damals üblich, sein Ohr direkt auf die Brust eines Patienten legen wollte, verwendete er eine Papierrolle als Hörrohr. Nachdem er festgestellt hatte, dass er so nicht schlechter, sondern sogar besser hörte, trieb er die Entwicklung des Stethoskops, zunächst in Form des hölzernen Hörrohres, voran.

Die abgebildeten Hörrohre aus dem 19. Jahrhundert werden im Meyers Konversations-Lexikon wie folgt beschrieben:
„Das Stethoskop ist eine 26-31 cm lange Röhre aus Holz, die unten trichterförmig gestaltet, und an der oben eine runde Scheibe, die so genannte Ohrplatte, gewöhnlich aus Elfenbein, angebracht ist. Das untere Ende von etwa 2,6-3,9 cm Durchmesser muss abgerundet sein, damit es beim Aufsetzen auf die Körperhaut nicht schmerzhaft einschneidet. Beim Gebrauch ergreift man das Stethoskop am trichterförmigen Ende, setzt es genau auf die Oberfläche des Körperteils, welcher untersucht werden soll, so dass es rundum fest aufsitzt, und legt dann das Ohr auf die Ohrplatte.“

Die heutige Technik der Auskultation geht auf den österreichischen Mediziner Josef Skoda (1839) zurück.

Siehe auch

Einzelnachweise

  1. Werner E. GERABEK, Bernhard D. HAAGE, Gundolf KEIL, Wolfgang WEGNER et al., Enzyklopädie Medizingeschichte, Walter de Gruyter Verlag 2004, ISBN 9783110157147
  2. Dual Frequency Technologie
  3. DasStethoskop.de
  4. Maurice B. RAPPAPORT, Howard B. SPRAGUE, M.D. Physiologic an Physical Laws that Govern Auscultation, American Heart Journal, Volume 21, Issue 3, March 1941, Pages 257-318

Weblinks


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