Pieter Brueghel der Ältere


Pieter Brueghel der Ältere
Der Maler und sein Kritiker (Feder und Tusche, 1565-68)[1] Vermutliches Selbstporträt

Pieter Brueghel der Ältere [ˈbɾøːɣəl] (* um 1525/30 in Breda; † 5. September 1569 in Brüssel) genannt de Drol („der Drollige“) oder Bauernbrueghel, war ein Maler der niederländischen Renaissance. Er ist landläufig bekannt für seine Darstellungen des bäuerlichen Lebens im Flandern des 16. Jahrhunderts.

Inhaltsverzeichnis

Leben

Über Pieter Brueghels Leben ist nicht viel bekannt, nur einige Eckdaten lassen sich mit Sicherheit festmachen. Nach Carel van Manders Het Schilderboeck („Buch der Maler“), das 1604 in Amsterdam veröffentlicht wurde, war Brueghel Schüler des Antwerpener Künstlers Pieter Coecke van Aelst. Brueghel wurde dort 1551 Meister und arbeitet zunächst in der bedeutenden Kupferwerkstatt von Hieronymus Cock in Antwerpen. Während einer Italienreise zwischen 1552 und 1555, auf welcher sich schon die Landschaftsdarstellung als ein Schwerpunkt seines Schaffens abzeichnete, lebte er ab 1553 für einige Zeit in Rom, wo er für den Miniaturmaler Giulio Clovio arbeitete. Danach kehrte er nach Antwerpen in Cocks Kupferwerkstatt zurück. 1563 heiratete er Mayken Coecke, die Tochter seines ehemaligen Lehrmeisters, in der Kirche von Notre-Dame de la Chapelle in Brüssel, wo er sich schließlich niederließ. Brueghel starb am 5. September 1569 und wurde in der Kirche Notre-Dame de la Chapelle beigesetzt.

Werk

Brueghels eigenwilliger Stil ist nur unzureichend mit einem Stilbegriff, wie etwa Manierismus zu beschreiben. Eines seiner großen Vorbilder war Hieronymus Bosch, dessen Bildsprache er vor allem in seinen frühen Werken oft zitierte (so etwa in Die Dulle Griet oder dem Engelssturz). Er führte die flämische Landschaftsmalerei des 16. Jahrhunderts auf ihren Höhepunkt, begründete das niederländische Bauerngenre und schuf zahlreiche allegorische Werke, die sich auf Sprichwörter, Volkskultur und humanistische Kultur beziehen.

Die niederländischen Sprichwörter (1559)

Eines seiner berühmtesten Werke ist das Bild mit dem Titel Die niederländischen Sprichwörter (heute in der Gemäldegalerie in Berlin), auf dem über hundert niederländische Sprichwörter zum Teil grotesk in Szene gesetzt sind. Bilder wie dieses, mit 100 und mehr dargestellten Personen (auch Wimmelbilder genannt), finden sich häufig in seinem Oeuvre; durch geschickte Kompostition erscheinen auch solche Motive ausgewogen.

Besonders bekannt wurde Brueghel bereits sehr früh (zum Beispiel in Carel van Manders Urteil) für seine Darstellungen des bäuerlichen Lebens, wie sie sich in der Bauernhochzeit oder dem Bauerntanz finden. Jedoch kann Brueghels Oeuvre keineswegs darauf reduziert werden, tatsächlich besteht sein Gesamtwerk nur zu einem sehr geringen Teil aus solcherart Genremalerei. Brueghels Bildsprache ist äußerst komplex, jedes kleine Detail seiner Werke ist beabsichtigt und meist ein Bedeutungsträger. Symbole von Tod und Verderben, von Sünde (etwa in der Stichfolge Die Todsünden), aber auch von Lebensfreude und Tugenden (vgl. die Stichfolge Die Tugenden, Die Kinderspiele) ziehen sich durch sein gesamtes Oeuvre und wollen entdeckt und bedacht werden. Das Motiv der verkehrten Welt ist hierbei von zentraler Bedeutung und Schlüssel zum Verständnis vieler seiner Werke.

Mit Brueghel erreichte die flämische Malerei ihren Höhepunkt, die meisterhafte Ausführung und Tiefsinnigkeit seiner Werke wurde weder vor noch nach seinen Lebzeiten erreicht. Zusammen mit seinen Söhnen, Pieter Brueghel dem Jüngeren und Jan Brueghel dem Älteren (genannt „Höllenbrueghel“und „Blumenbrueghel“), begründete er die Künstler-Dynastie Brueghel. Pieter Brueghel der Jüngere übernahm das Werkstattmaterial seines Vaters und produzierte fast serienmäßig Kopien der Kompositionen seines Vaters. Jan Brueghel der Ältere kopierte nur einige der Bilder seines Vaters, aber schon in seinen eigenen, miniaturhaften Stil und entwickelte sich dann höchst eigenständig zu dem bedeutendsten Kabinettbildmaler Antwerpens im frühen 17. Jahrhundert.

Zu den Förderern Brueghels zählten Kardinal Antoine Perrenot de Granvelle, Minister des Königs Philipp II. von Spanien und Berater der Statthalterin in den Niederlanden, Margarethe von Parma; Niclaes Jonghelinck, reicher Antwerpener Sammler und Bruder des Bildhauers Jacques Jonghelinck; Abraham Ortelius bzw. Ortel, Antwerpener Geo- und Kartograph, Buchhändler.

Zur Schreibweise des Namens

Im Gegensatz zu seinen Nachfahren, die sich durchgängig „Brueghel“ schrieben, existieren für seinen Namen die unterschiedlichsten Schreibweisen. Auf Stichen nach seinen Werken findet man neben „Brueghel“, „Breugel“ und „Breughel“ auch solche Schreibweisen wie „Brügel“, Brügl“, „Brögel“ und sogar „Briegel“, welche die tatsächliche oder vermeintliche Aussprache in deutscher Schreibweise festhalten. Er selbst signierte seine Werke anfangs mit „Brueghel“, änderte diese Schreibweise dann aber ab 1559 bewusst in „Bruegel“ um − Der Grund dafür ist jedoch unbekannt. In der Folgezeit existierten beide Namensformen in der Kunstwissenschaft einträglich nebeneinander, wobei sich die meisten Autoren für die Schreibweise ohne das „h“ entschieden. Ab dem 20. Jahrhundert wurde die Schreibweise mit „h“ immer seltener verwendet und ist heute kaum noch anzutreffen. Selbst die meisten Museen nutzen in ihren Publikationen die Schreibweise „Bruegel“, die mittlerweile auch vom Rijksbureau voor Kunsthistorische Documentatie als die bevorzugte Schreibweise angegeben wird.

Galerie

Werke in Auswahl

Literatur

  • Roger H. Marijnissen: Bruegel. Das vollständige Werk, Köln 2003, ISBN 3-89340-046-X.
  • Rainald Grosshans: Pieter Bruegel d. Ä.: Die niederländischen Sprichwörter. Berlin: Gemäldegalerie 2003, ISBN 3-88609-484-7.
  • Martin Missfeldt: Pieter Bruegel d. Ä.: Die niederländischen Sprichwörter. CD-ROM, DUPLICON, 1998, ISBN 3-936697-02-7.
  • Robert L. Delevoy: Brueghel. Biographisch-Kritische Studie. Aus dem Französischen von Karl Georg Hemmerich (umfangreiche Bibliographie). In: Albert Skira (Hrsg): Der Geschmack unserer Zeit, Genève 1959.
  • John Vermeulen: Die Elster auf dem Galgen. Ein Roman aus der Zeit Pieter Bruegels, Zürich 1995. ISBN 3-257-22830-9
  • Felix Timmermans: Pieter Bruegel. Eine Romanbiographie, Leipzig 1928
  • Jürgen Müller: Das Paradox als Bildform. Studien zur Ikonologie Pieter Bruegels d.Ä., München 1999.
  • Walter Laufenberg: Die Frauen des Malers. Die Romanbiographie, München 2007. ISBN 978-3-939321-09-5

Belege

  1. Rose-Marie und Rainer Hagen –- Bruegel. Sämtliche Gemälde, Köln: Benedikt Taschen Verlag GmbH 1999 S. 4

Weblinks


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