Planespotter


Planespotter

Ein Spotter ist eine Person, die sich mit dem gezielten Beobachten von Objekten oder Phänomenen, dem sogenannten Spotting (von engl. to spot, beobachten, ausmachen, erkennen bzw. orten, lokalisieren), beschäftigt.

Darüber hinaus werden der Begriff Spotting und die Bezeichnung Spotter in einer Vielzahl anderer Bedeutungen – vor allem im englischsprachigen Raum – verwendet, so bei der digitalen Filmbearbeitung, beim Klettern und Gewichtheben. Als Spotter werden in den USA aber auch Detektive, Streckenspione im Motorsport und Assistenten von Scharfschützen bezeichnet.

Inhaltsverzeichnis

Spotting als Hobby

Eisenbahn

Hobby der so genannten Trainspotter ist das Sammeln von Lokomotiven- und Waggonkennzeichen. Wichtig ist es dabei, diese auch selbst gesehen und möglichst auch fotografiert zu haben. Es reicht nicht aus, die Kennzeichen von anderen zu kopieren.

Ein Trainspotter benutzt als Hilfsmittel vor Ort in der Regel Prismenfernglas, Notizblock/PDA und Fotoapparat. Bei der häuslichen Nachbereitung werden die gemachten Beobachtungen und Fotos dann mit Datensammlungen (wie Produktionslisten und Fahrplänen) abgeglichen und in Datenbanken organisiert und archiviert. Heute dienen häufig spezielle Internet-Foren und Community-Websites als Medium zum Austausch mit anderen Spottern und zur Veröffentlichung der eigenen Fotos und Beobachtung.

Durch den Roman Trainspotting – Neue Helden und dessen Verfilmung ist die Bezeichnung Mitte der 1990er in Deutschland bekannter geworden, auch wenn sich die Eisenbahn-Spotter hierzulande selbst eher als Fuzzies bezeichnen und ihre Tätigkeit fuzzen nennen.

Flugzeuge

Spotter am Flughafen Zürich
Planespotter in Frankfurt am Main

Das Beobachten und Fotografieren von Flugzeugen (Planespotting) wird überwiegend in unmittelbarer Nähe eines Flughafens betrieben. Meistens wird versucht, landende oder startende Flugzeuge zu fotografieren, was fotografisch entsprechend anspruchsvoll ist. Der Planespotter muss für eine gute Sicht auf die Start- und Landebahn oft kilometerweit gehen. Für die Wahl des Standortes ist aber auch die Lichtsituation und Tageszeit ausschlaggebend, da Gegenlichtaufnahmen fliegender Flugzeuge selten gute Ergebnisse liefern. Auch das Wetter ist ein wichtiger Faktor, da meist auf größere Entfernung fotografiert werden muss und so auch der geringste Dunst zu einer Beeinträchtigung der Bildqualität führt. Flugzeugfotos werden oft auf Webseiten hochgeladen und dort in Datenbanken archiviert. Bei den größten Flugzeugbilderdatenbanken werden allerdings nur qualitativ hochwertige Bilder akzeptiert, wobei die Standards je nach Seite unterschiedlich hoch liegen. Dazu wird jedes Bild von einem sogenannten "Screener" begutachtet und dann entweder in die Datenbank aufgenommen oder abgelehnt.

Viele Planespotter konzentrieren sich darauf, möglichst viele verschiedene Flugzeuge zu fotografieren. Oft benutzen sie dazu Verzeichnisse der Flugzeuge einer Airline und ihrer Registrierungen, um dann die bereits fotografierten Maschinen anzukreuzen. So werden nach und nach möglichst alle Flugzeuge einer Flotte aufgenommen - dies ist nicht einfach, da die Flugzeuge oft an unterschiedlichen Orten stationiert sind und deren konkreter Einsatz nicht veröffentlicht wird. Ältere Flugzeugtypen sind bei vielen Spottern, besonders in Europa, begehrt, genauso wie seltene Sonderlackierungen, die von Airlines zu besonderen Anlässen, wie zum Beispiel Jubiläen oder den Olympischen Spielen, entworfen werden. Die Anfänge des Hobbys findet man im Krieg: Hier wurde der Flugverkehr besonders intensiv beobachtet und die einzelnen Flugzeuge notiert. Auch heute noch findet man Spotter, die Flugbewegungen nur mit Fernglas und Notizblock festhalten.

Besonders beliebt ist in Europa der Flughafen Amsterdam, da es dort fast keine Zäune gibt und man sehr nahe an die landenden und startenden Flugzeuge herankommt. Aber auch an vielen anderen Flugplätzen findet man Aussichtspunkte, die teilweise sogar für Aviatikbegeisterte angelegt wurden. Der Flughafen von Philipsburg/St. Maarten auf den niederländischen Antillen hat sich aufgrund seiner spektakulären Anflüge über den Strand mit der Zeit zum Mekka der Planespotter entwickelt. Seit den Terroranschlägen 2001 in den USA werden Spotter vielerorts kritisch beäugt; an manchen Flughäfen herrscht mittlerweile sogar ein generelles Fotografierverbot. So ist beispielsweise am Pariser Flughafen Charles de Gaulle seit letztem Jahr verboten, ohne einen entsprechenden Ausweis Flugzeuge zu fotografieren.

Am Flughafen Leipzig/Halle, wo jeder vierte Passagier ein US-Soldat sein soll, werden von Pazifisten im 24-Stunden-Rhythmus sämtliche Flüge aufgezeichnet, um dort stattfindende Militärtransporte zu dokumentieren.[1]

Autos

Auch Autos werden immer beliebter bei Spottern. Bevorzugterweise Marken wie Ferrari, Maserati, Porsche oder Mercedes werden auf öffentlichen Straßen fotografiert oder gefilmt, oftmals werden die Fotos und Filme dann auf dafür angelegten Websites hochgeladen und dort gleichgesinnten präsentiert. Meistens können die dann über ein einfaches Verfahren das Foto mit Punkten, Sternen oder ähnlichem bewerten. Doch so wie es Menschen gibt die solche Supersportwagen im normalen Zustand fotografieren, gibt es auch schon Websites, auf denen Unfälle mit solchen Autos publiziert werden.

Vögel

Insbesondere in Großbritannien werden Vogelbeobachter (Birdwatcher) zugleich auch als Spotter bezeichnet, die eine möglichst große Anzahl verschiedenartiger Vogelarten in der freien Natur mit Kamera, Fernglas oder Spektiv beobachten wollen. Wird zusätzlich eine Digitalkamera zur Dokumentation benutzt, nennt sich dies Digiscoping, deutsch Digiskopie. Zur Beobachtung seltener Arten werden dabei von den Spottern auch lange Anreisewege in Kauf genommen. Viele Birdwatcher engagieren sich im Vogelschutz und sind Mitglieder in der Royal Society for the Protection of Birds (RSPB) und/oder im British Trust for Ornithology (BTO). Besonders enthusiastische Spotter werden als Twitcher bezeichnet, die auf ihrer persönlichen Beobachtungsliste jede neue beobachtete Art ticken. UK-Rekordhalter ist Ron Johns, der bisher 563 verschiedene Vogelspezies in UK gesichtet hat.

Spotting als Ehrenamt

Wetterbeobachter bei Skywarn

Spotter nennt man in der Wetterbeobachtung eine Person, die sich mit dem Aufspüren, Verfolgen und Melden von Extremwetterlagen beschäftigt.

Für präzise Warnungen vor Extremwetterereignissen reichen normale Beobachtungen des Wetters (durch Wetter-/Niederschlagsradar, Blitzortung, Satellitenbilder, Wetterstationen, usw.) nicht aus. Man kann aus diesen Daten bisweilen nur relativ grob die jeweilige Situation abschätzen. Daher sind Augenbeobachtungen, in einem Netzwerk ähnlich dem der Wetterstationen, eines der wichtigsten Instrumente bei Skywarn. Dazu gibt es in jedem einzelnen Bundesland ein Beobachtungsnetzwerk.

Genau diese Augenbeobachtungen macht ein Spotter (bei Skywarn auch Stormspotter genannt). Er hat stets ein Auge auf das Wettergeschehen rund um seinen Standort und/oder in seiner Region. Er steht bei potentiell zu extremen Erscheinungen neigenden Wetterlagen in Kontakt mit den Koordinatoren in den jeweiligen Bundesländern.

Bei Auftreten einer extremen Wettererscheinung meldet er dies unter Berücksichtigung bestimmter Meldekriterien entweder dem jeweiligen Koordinator in seinem Bundesland, oder direkt zentral an Skywarn. Die Meldungen werden dabei telefonisch abgesetzt. Die Koordinatoren geben dann nach Überprüfung auf Stichhaltigkeit diese Meldungen zentral an Skywarn weiter. Auch bei einem gesichteten Schaden durch Extremwetter hat dies der jeweilige Spotter an seinen zuständigen Koordinator zu melden, wobei er die Ursache nicht direkt beobachtet haben muss. Gegebenenfalls sollte der Schaden auch von dem Spotter per Fotos usw. dokumentiert werden.

Wenn ein Spotter direkt an Skywarn melden will, muss man als Spotter zertifiziert sein, da diese Meldungen direkt an die mit Skywarn kooperierenden Partner weitergereicht werden, welche dann diese Meldungen in ihr jeweiliges Warnsystem mit einbeziehen. So sollen Warnungen vor extremen Wetterereignissen in Zukunft auf Landkreisebene und fast in Echtzeit möglich sein. Diese mit Skywarn kooperierenden Partner sind staatliche Wetterämter, Wetterunternehmen, Medienanstalten (Rundfunk, Fernsehen) sowie auch Katastrophenschutzeinrichtungen.

Die Zertifizierungen dienen dazu, den kooperierenden Partnern von Skywarn die Gewissheit zu geben, dass die jeweiligen Spotter die entsprechenden Kenntnisse über Vorgänge und Ursachen von Extremwetter und über das Meldeverfahren besitzen. Dazu werden in regelmäßigen Abständen Schulungen und Kurse mit abschließenden Prüfungen durchgeführt. Die Inhalte sind meteorologische Grundlagen, Grundlagen der Gewitterkunde sowie auch das Meldeverfahren. Danach erhält ein Spotter ein Zertifikat und eine Spotter ID. Dieses Verfahren soll die kooperierenden Partner von Skywarn vor Falschmeldungen schützen.

Die Tätigkeit als Spotter bei Skywarn ist zurzeit noch ehrenamtlich und an keine festen Arbeitszeiten gebunden. Es sollte lediglich das Interesse an dieser interessanten Tätigkeit, an der Meteorologie und ausreichend Zeit vorhanden sein, um das Wetter um sich herum bei entsprechenden Wetterlagen im Auge zu behalten. Das Mindestalter beträgt 15 Jahre.

Einen Stormspotter ist nicht mit einem Stormchaser zu verwechseln. Er tut zwar fast das gleiche, aber ein Stormchaser folgt dem Extremwetter und ist selten lange an einem Ort. Ein Spotter beobachtet meist das Geschehen von einem festen Standpunkt aus. Man kann die Tätigkeit aber auch kombinieren, dann ist aber darauf zu achten, dass man genau weiß, wo man sich befindet um auch eine eventuelle Meldung präzise abzusetzen.

Spotter sind der wichtigste Bestandteil von Skywarn. Damit Skywarn möglichst wenige schadensbringende und lebensbedrohliche Wetterereignisse entgehen ist ein dichtes Spotternetzwerk nötig. Ohne diese Beobachter kann Skywarn das selbst gesteckte Ziel nicht erreichen: die Warnung der Bevölkerung vor der Bedrohung von Leben und Sachwerten durch die Unbilden des Wetters.

Spotting im Motorsport

In den USA versteht man unter den so genannten Spotter auch Mitglieder des jeweiligen Teams, die in den namhaften Serien, wie zum Beispiel der IndyCar Series oder den Serien der NASCAR ihren jeweiligen Piloten über Funk die jeweiligen Streckenverhältnisse, die eigene Position und die ihrer Kontrahenten mitteilen sollen. Dabei sitzen die Spotter zum Teil auf den Tribünen der jeweiligen Highspeed-Ovalkurse, um ihnen etwaige Unfälle oder Überholmanöver rechtzeitig mitteilen zu können. Einige Piloten verlassen sich dabei blindlings auf die Anweisungen ihrer Spotter, obwohl gerade in den überhöhten Banks, sprich Steilkurven, die Irrwege eines verunfallten Rennwagens kaum einzuschätzen sind. Die meisten der Spotter können auf langjährige Erfahrung zurückblicken, was das gegenseitige Vertrauen erhöhen kann, zumal von ihnen aufgrund der Zeitnot dann vielleicht nur ein „Up, up, up in turn three“ oder „yellow flags in turn four“ zu hören ist. Strategische oder grundlegende taktische Anweisungen während des Rennen werden jedoch nur vom Teamchef selbst oder dem Teammanager gegeben.

Selbst in der Formel 1 versuchen einige wenige Piloten wie beispielsweise Jarno Trulli oder Takuma Sato über Funk durch ihren persönlichen Mechaniker in der unübersichtlichen Startphase so den Überblick über alle sie umgebenden Fahrzeuge zu behalten. Dies wird jedoch von den meisten Experten abgelehnt, da es letztlich immer in der Verantwortung des Fahrers liegen würde, wie man sich in derartigen Situationen, bei denen es sehr leicht zu Unfällen kommen kann, verhält.

Durch den tödlichen Unfall des US-Amerikaners Paul Dana am 26. März 2006, der vermutlich den Hinweisen seines Spotters nicht die notwendige Aufmerksamkeit schenkte, wurde diese Rennsporttaktik auch überregional bekannt.

Einzelnachweise

  1. Truppentransporte für den Aufbau Ost, DLF 17.2.09

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