Platz der Republik (Berlin)


Platz der Republik (Berlin)
Der Platz der Republik, im Hintergrund das Reichstagsgebäude

Der Platz der Republik liegt im Berliner Ortsteil Tiergarten (Bezirk Mitte) im neuen Regierungsviertel direkt vor dem Reichstag. In unmittelbarer Nähe fließt die Spree. Der Platz ist fast vollständig mit Rasen begrünt und wurde mit kleinen Hecken verziert (sogenannte „Heckenbosquets“).

Inhaltsverzeichnis

Lage

Der Platz ist rund 36.900 Quadratmeter groß; er grenzt im Süden an die Scheidemannstraße, die nach Philipp Scheidemann benannt wurde, im Westen an die Heinrich-von-Gagern-Straße sowie an den Großen Tiergarten. Die östliche Grenze bildet das Reichstagsgebäude; die Paul-Löbe-Straße begrenzt den Platz im nördlichen Bereich.

In direkter Umgebung des Platzes befinden sich

Geschichte

Königsplatz mit dem Palais Raczynski, um 1880; Aufnahme von der Siegessäule aus nach Osten
Königsplatz um 1900; gleiche Perspektive

Der Platz am Rande des Tiergartens entstand um 1735 mit der nach Westen verlegten Berliner Zoll- und Akzisemauer und diente bereits unter König Friedrich Wilhelm I. als Exerzierplatz für die preußischen Soldaten; man nannte ihn „Exerzierplatz vor dem Brandenburger Tor“. Er wurde 1867 als Stadtplatz gestaltet und nun Königsplatz genannt. Bevor 1884 bis 1894 das Reichstagsgebäude errichtet wurde, stand an seiner Stelle das Palais des preußischen Grafen Atanazy Raczyński.

1873 errichtete man in der Mitte des Platzes zur Erinnerung an drei siegreiche Feldzüge die Siegessäule. Auf sie lief die unmittelbar vor Einweihung der Siegessäule angelegte Siegesallee von Süden her mittig zu; von Norden kam bereits die Alsenstraße.

Des Weiteren befand sich an der Westseite noch die Kroll-Oper, an der nordwestlichen Ecke das Generalstabsgebäude und im nördlichen Bereich standen die Palais des Alsenviertels, von denen eines heute noch existiert und als Schweizer Botschaft genutzt wird.

1901 wurde vor dem Reichstagsgebäude das von Reinhold Begas geschaffene Bismarck-Nationaldenkmal aufgestellt. Der Königsplatz wurde aus diesem Anlass neu gestaltet: Er erhielt ein Mosaikpflaster und ein Rasenrondell mit mehreren Wegen zur im Zentrum platzierten Siegessäule.

1904 wurde am Nordrand des Platzes ein Denkmal für den Kriegsminister Roon hinzugefügt, ausgeführt von Harro Magnussen. Dazu kam 1906 am Westrand des Platzes und damit auch vor dem Generalstabsgebäude ein weiteres, von Joseph Uphues hergestelltes, marmornes Denkmal, das den Generalfeldmarschall Moltke ehrte. Alle drei Denkmäler wurden 1938 an den nördlichen Rand des Großen Sterns versetzt, wo sie noch heute stehen – allerdings auf anderen Sockeln.

Während der Weimarer Republik – von 1926 bis 1933 – trug der Platz schon einmal seinen heutigen Namen, um die Abschaffung der Monarchie auch an diesem prominenten Ort zu dokumentieren. Mit Machtübernahme der Nationalsozialisten wurde er in Königsplatz zurückbenannt. Nachdem die Ära der NS-Diktatur beendet war, bekam er 1948 wieder den republikanischen Namen.

Die letzten Kämpfe des Zweiten Weltkrieges fanden in der Berliner Innenstadt statt, in deren Folge das Reichstagsgebäude und der davor liegende Platz der Republik stark geschädigt wurden. Bei der Beseitigung der Kriegstrümmer wurden die Bomben- und Granatentrichter auf dem Platz auch mit Ruinenteilen zugeschüttet.[1]

Die Berliner Mauer verlief wenige Meter hinter der Rückseite des Reichstagsgebäudes als unmittelbare Grenze zwischen Ost- und West-Berlin, überquerte dort die Spree in Form einer Anlage zur Kontrolle des grenzüberschreitenden Schiffsverkehrs, und setzte sich längs des Ostufers fort, wenngleich die Spree bis zum westlichen Ufer zu Ost-Berlin gehörte. Der dort kontrollierte Schiffsverkehr bestand keinesfalls aus Ausflugsschiffen, sondern vor allem aus polnischen Frachtschiffen und Schubverbänden mit polnischer Kohle für die Kraftwerke West-Berlins. Die Schiffe wurden auch unter Wasser von außen nach Flüchtlingen abgesucht. Wo die Mauer hinter dem Reichstag in diesen Schiffsgrenzübergang mündete, befand sich auf westlicher Seite am Ufer der Spree eine Tafel zum Andenken an Personen, die beim Versuch, in den Westen zu flüchten, erschossen worden waren. Diese Tafel wurde nach der Wende verlegt und befindet sich heute zwischen dem Reichstag und dem Brandenburger Tor.

Infolge seiner damaligen Nähe zur Berliner Mauer befand sich der Platz der Republik von verkehrsreichen Straßen entfernt in ruhiger Lage. Die große Wiese war wie der Tiergarten an Wochenenden als Naherholungsgebiet und vor allem bei türkischstämmigen Berlinern als Grillplatz beliebt, und die Parkplätze an seinem Rand wurden werktags als Übungsgelände von Fahrschulen genutzt. Erst nach dem Mauerfall am 9. November 1989 verlor der Platz seine Randlage im geteilten Berlin. Heute wie zu Zeiten des Kalten Krieges ist er eine Touristenattraktion.

In der Nacht vom 2. zum 3. Oktober 1990 um Mitternacht wurde anlässlich der Deutschen Wiedervereinigung auf dem Platz der Republik die „Fahne der Einheit“ gehisst, die bis heute Tag und Nacht weht (nachts wird sie angestrahlt) und mit sechs mal zehn Metern wahrscheinlich die größte Bundesflagge ist.

In den Jahren 1996 und 1997 wurde in Zuge der Umgestaltung des gesamten Umgriffs des heutigen Regierungsviertels ein international ausgeschriebener Wettbewerb zur Neugestaltung der Freiflächen im Regierungsviertel durchgeführt. Nachdem mehr als 300 eingereichte Konzepte in zwei Phasen beurteilt waren, erhielten je ein Landschaftsarchitekturbüro aus Berlin (Platz der Republik) und aus Solothurn (Spreebogenpark) einen ersten Preis. Die zugrunde liegenden Konzepte werden von 1998 bis ca. 2009 realisiert.

Der Platz der Republik ist Teil des Entwurfes der Berliner Landschaftsarchitekten, der die Teilflächen des Ebertplatzes mit Spreetreppe, das Bürgerforum zwischen Kanzleramt und Haus der Parlamentarier, die Skulpturenwiese sowie den Hafenplatz in der Umgebung des Hauses der Kulturen der Welt umfasst.

Der Entwurfsgedanke zu den Freianlagen, Plätzen und Promenaden zwischen Ebertplatz und Haus der Kulturen der Welt ist, dem Ort des Souverän, des Volkes, durch einen angemessen und vielseitig nutzbaren grünen Platz, in formaler Strenge aufgespannt zwischen dem Reichstagsgebäude als Sitz des Deutschen Bundestages und der Kongresshalle als Repräsentanz der Kulturen der Welt, Ausdruck zu verleihen. Die Solitärbäume des Tiergartens „springen“ gleichsam auf die freie Platzfläche und „stören“, gemischt in Sorten und Habitus, Pluralität symbolisierend die auf das Parlament ausgerichtete Strenge der Komposition.

Ereignisse

Auf dem Platz der Republik fand im Herbst 1948 eine Protestkundgebung mit rund 300.000 Teilnehmern gegen die Berlin-Blockade statt, auf der Oberbürgermeister Ernst Reuter eine eindringliche Rede hielt.

1988 gab Michael Jackson während seiner Bad World Tour ein Freiluftkonzert auf dem Platz der Republik.

Am 22. Juli 2005 stürzte hier ein Ultraleichtflugzeug vom Typ Platzer Kiebitz, das von einer Privatperson gesteuert wurde, nur wenige Meter vom Reichstagsgebäude entfernt ab. Dabei kam der aus einem Berliner Vorort stammende Pilot ums Leben. Ein Terroranschlag wurde ausgeschlossen. Die Polizei ging nach Abschluss der Ermittlungen von einem Suizid aus. Die Sicherheit wurde daraufhin innenpolitisch heftig diskutiert. Kurze Zeit galt innerhalb des Berliner S-Bahn-Ringes ein komplettes Flugverbot, das aber nach großem Protest aus der Bevölkerung aufgelockert wurde. So wurde es sogar dem Fesselballon am Potsdamer Platz verboten, aufzusteigen, ebenso waren Rundflüge mit historischen Maschinen ausgeschlossen.

Adidas Arena auf dem Platz der Republik im Jahr 2006

Im Vorfeld der Fußball-Weltmeisterschaft 2006 wurde im April 2006 damit begonnen, den Platz der Republik teilweise (mit Kiesunterlage) zu asphaltieren, um auf ihm die Adidas World of Football, eine Miniaturausgabe des Berliner Olympiastadions zu errichten. Nach dem Ende der Weltmeisterschaft und der Demontage des Stadions wurde die Grünfläche auf Kosten des Sportbekleidungsherstellers wieder in ihren vorherigen Zustand versetzt. Zu diesem Zweck wurden unter anderem im gesamten Bundesgebiet Bäume gesucht, die nach Art, Größe und Aussehen den gefällten entsprachen. Am 21. November 2006 wurde der wiederhergestellte Platz der Republik der Stadt Berlin übergeben. Über die genauen Gesamtkosten der Instandsetzung machte Adidas keine Angaben.

Literatur

Weblinks

Einzelnachweise

  1. Angela M. Arnold: Trümmer, Bahnen und Bezirke, Eigenverlag, Berlin 2002, Seiten 135-145, ISBN 3-00-009839-9
52.51861111111113.3725

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