Pollino-Nationalpark

Pollino-Nationalpark

Der Pollino-Nationalpark (italienisch: Parco Nazionale del Pollino) ist ein süditalienischer Nationalpark, der durch ein Dekret des Präsidenten Oscar Luigi Scalfaro vom 15. November 1993 eingerichtet wurde.

Inhaltsverzeichnis

Geographische Lage

Der Pollino Nationalpark bedeckt eine Fläche von 192.565 Hektar und ist damit der größte Naturpark Italiens. Gleichzeitig zählt er zu den größten Naturschutzgebieten in Europa. Er erstreckt sich über zwei italienische Regionen:

und drei italienische Provinzen:

Der Nationalpark umfasst die südlichsten Ausläufer der Appennin-Bergkette, das Pollino- und das Orsomarso-Massiv. Er reicht annähernd vom Thyrrenischen Meer im Osten bis zum Ionischen Meer im Westen. Auf dem Gebiet des Nationalparks befinden sich 56 Gemeinden mit ca. 172.500 Einwohnern.

Landschaft

Monte Pollino und Serra del Prete von einem Bergrücken westlich des Serra delle Ciavole gesehen

Die höchsten Berge des Pollino verlaufen in West-Ost-Richtung, wie etwa der Monte Cerviero (1443 m), die Montagna di Grasta (1465 m), die Coppola di Paola (1919 m), die Serra del Prete (2181 m), der Monte Pollino (2248 m), die Serra Dolcedorme (2267 m) und die Serra di Crispo (2053 m). Sie bilden mit ihren rauhen Gipfeln das Kerngebiet des Parks. Außerdem wird die Landschaft durch zahlreiche Flüsse und Bäche geprägt, z. B. der Torrente Raganello (32 km), der Torrente Peschiera (17 km) und der Fiume Lao (64 km), die über Klippen, Wasserfälle und entlang eines alten Baumbestandes durch den gesamten Nationalpark fließen. Durch Erosion entstanden im Laufe der Jahrtausende spektakuläre Schluchten, wie etwa die Grande Gola del Lao, die Gola della Garavina und die Gola del Barile. Die Wände der Gola del Raganello steigen bis zu 700 Metern steil in die Höhe. Das kalksteinreiche Gebiet verfügt über sehenswerte Höhlen wie z. B. die Grotta di Piezze, die Grotta di San Paolo und vor allem die 1961 wiederentdeckte Grotta del Romito. Berühmt wurde der 34 m lange Felsüberhang mit der daran anschließenden 25 m langen Höhle durch den Fund von steinzeitlichen Felsritzzeichnungen. Ausgrabungen in den 1960er Jahren förderten zwei detailgetreue Urrinder auf einem Felsblock zutage.

Berge und Flüsse

Berge Flüsse
Serra Dolcedorme (2267 m)
Monte Pollino (2248 m)
Serra del Prete (2181 m)
Serra delle Ciavole (2127 m)
Serra di Crispo (2053 m)
Cozzo del Pellegrino (1987 m)
La Mula (1935 m)
Monte Alpi (1900 m)
Monte Caramolo (1827 m)
La Montea (1825 m)
Monte La Caccia (1744 m)
Sinni (97 km)
Lao (64 km)
Coscile (49 km)
Esaro (44 km)
Sarmento (36 km)
Raganello (32 km)
Frido (25 km)
Abatemarco (20 km)
Rosa (19 km)
Argentino (19 km)
Peschiera (17 km)

Flora und Fauna

Der Nationalpark verfügt über ausgedehnte Buchenwälder, entlegene Hochweiden, Weißtannen und seltene Panzerföhren (Lateinisch: Pinus heldreichii). In den geschützten Felswänden der Canyons konnten Königsadler überleben. Im Gebiet des Timpa di San Lorenzo (1652 m) sind Geier und Uhu heimisch. In der Gegend der Falconara (1656 m) ist neben dem Wildschwein auch der Appenninwolf in der ganzen Basilikata verbreitet. Trotz starker Gefährdung (heute nur noch rund 30 Exemplare), ist er nie ganz aus dem Pollino-Gebirge verschwunden. Murmeltier, Steinmarder und europäischer Iltis halten sich in den Wäldchen aus Schlangenhaut-Kiefern (Lateinisch: Pinus leucodermis) auf. Die Silhouette dieser auffallenden Kiefernart bildet das Emblem des Pollino-Nationalparks. In den weitläufigen Buchen- und Weißtannenwälder, die sich von der Mitte des Parks Richtung Norden in 1000 bis 1900 Metern Höhe erstrecken, gibt es den Mauerspecht, den Schwarzspecht, den Kolkraben und das Berghuhn. In der bis zu 700 Meter hohen Schlucht des Raganello und im Gebiet der Timpa San Lorenzo nisten Steinadler, Geier und Uhu. Die zahlreichen Wasserläufe des Pollino bieten ideale Lebensbedingungen für Bergforelle, Fischotter und Brillensalamander.

Waldbrände 2007

Ende Juli 2007 fielen größere Teile des Pollino-Nationalparks massiver Brandstiftung zum Opfer [1]. Etwa 2.000 Hektar Pinienwälder wurden zerstört. Hinter der Brandstiftung wurde organisierte Kriminalität vermutet [2]. Der Leiter des Parkes, Domenico Pappaterra, sagte: „Der Nationalpark ist verwüstet und in eine Mondlandschaft verwandelt worden. Wir erleben hier eine Umweltkatastrophe. Die Flammen haben den schönsten Teil des Parks zerstört“ [3].

Adresse der Parkbehörde

Ente Parco Nazionale del Pollino
Via delle Frecce Tricolori, 6
85048 Rotonda (PZ)
Italia

Literatur

  • Braschi, Giorgio: Pollino: viaggio interiore in una realta irreale: la wilderness del Pollino / immagini, testi e grafica di Giorgio Braschi; presentazione di Giorgio Saponaro e Franco Tassi. - 2. Aufl. - 251 S. - Martina Franca: Edizioni pugliesi, 2002. - ISBN 88-8348-016-3
  • Bernardo, Liliana: Fiori e piante del Parco del Pollino. - 3. Aufl. - 264 S. - Castrovillari : Prometeo, 2001
  • La Gamma, Tiziana: Parco nazionale del Pollino : da vincolo a risorsa . - 227, VIII S. - (Diplomarbeit an der Universität Bologna, Fakultät für Politikwissenschaften, 1996/1997)
  • Solito, Carlos: Basilicata. Parco nazionale del Pollino. - 87 S. - Martina Franca: Edizioni Pugliesi, 2004

Quellen

  1. Incendi, l'emergenza resta in Calabria, Corriere della Sera, 26. Juli 2007
  2. Brände: Rom ruft für Süditalien Katastrophenzustand aus, Die Presse, 27. Juli 2007
  3. Brände in Italien: Österreicher heimgekehrt, Wiener Zeitung Online, 26. Juli 2007

Weblinks

39.926588516.1114501666677Koordinaten: 39° 55′ 35,7″ N, 16° 6′ 41,2″ O


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