Potsdamer Platz in Berlin


Potsdamer Platz in Berlin
Blick über den Potsdamer Platz von Norden in Richtung Süden im Jahr 2004.
Auf der begrünten Freifläche befand sich der oberirdische Potsdamer Bahnhof

Der Potsdamer Platz ist ein Verkehrsknoten im Berliner Ortsteil Tiergarten im Bezirk Mitte zwischen der alten Innenstadt im Osten und dem neuen Berliner Westen. Als Doppelplatzanlage schließt er sich westlich an den Leipziger Platz an und liegt direkt vor dem ehemaligen Potsdamer Stadttor und der damaligen Akzisemauer.

Bis zum Zweiten Weltkrieg war der Potsdamer Platz vor dem gleichnamigen Fernbahnhof mit seinen vielen sich kreuzenden Straßenbahn- und Omnibuslinien und der ersten Lichtzeichenanlage auf dem Kontinent einer der verkehrsreichsten Plätze Europas und ein beliebter Treffpunkt der politischen, sozialen und kulturellen Szene Berlins.

Das nach 1990 auf dem alten Stadtgrundriss größtenteils neu bebaute Terrain zählt zu den markantesten Orten der Stadt und wird von zahlreichen Touristen besucht.

Inhaltsverzeichnis

Geschichte

Leipziger Tor mit davorliegendem Potsdamer Platz, Zeichnung von Schinkel aus dem Jahr 1866

Geschichte bis 1945

Anfang des 18. Jahrhunderts lag der Potsdamer Platz unmittelbar vor der Stadtmauer am Potsdamer Tor. Er hatte die Funktion eines Verkehrsverteilers, da alle Straßen aus dem Westen und Südwesten auf das Tor zuliefen, und stellte eine fünfarmige Straßenkreuzung dar, aus der sich schnell ein Verkehrsknotenpunkt an der alten Reichsstraße 1 entwickelte, die Ostpreußen mit dem Rheinland verband. In den Jahren 1823 und 1824 wurde das zwischen Potsdamer und Leipziger Platz liegende Stadttor Richtung Potsdam (Leipziger Tor oder auch Potsdamer Tor genannt) von dem königlichen Baumeister Karl Friedrich Schinkel baulich ausgestaltet. Die von ihm gestalteten Torhäuschen (die sogenannten „Schinkel“) des Neuen Potsdamer Thores blieben auch nach dem Abriss der Akzisemauer 1867 stehen und prägten mit ihrer klassizistischen Architektur den Platz bis zum Ende des Zweiten Weltkriegs.

Palast Hotel am Potsdamer Platz, 1899

Durch die Errichtung des Potsdamer Fernbahnhofs im Jahr 1838 wandelte sich der Charakter des nahe dem alten Berliner Zentrum gelegenen Platzes Zug um Zug zu einem großstädtischen Umschlagplatz für Menschen und Waren. 1902 kam der westliche Endpunkt von Berlins erster U-Bahn-Linie hinzu. In rascher Folge entstanden Hotels und Gastronomiebetriebe: das „Grand-Hotel Bellevue“, das „Palast Hotel“, der „Fürstenhof“, das „Pschorr-Bräu“ sowie der Literaten- und Künstlertreffpunkt „Café Josty“.

Grand-Hotel Bellevue am Potsdamer Platz, 1903
Potsdamer Platz, 1914. Links das Grand-Hotel Bellevue, rechts das Palast Hotel

An der Stresemann- Ecke Köthener Straße wurde 1911/1912 von dem Architekten Franz Schwechten das für die damalige Zeit gewaltige, sechsstöckige „Haus Potsdam“ errichtet, eine Mischung aus Vergnügungspalast und Verwaltungshochhaus. Zu Beginn des Ersten Weltkriegs im Jahr 1914 wurde das darin gelegene „Café Piccadilly“ in „Kaffee Vaterland“ umbenannt. Im Haus war ein großes Kino untergebracht, außerdem besaß hier die Ufa Büroräume. In den Jahren 1926 bis 1928 wurde das Gebäude umgebaut und erweitert. Unter dem Namen „Haus Vaterland“ avancierte es unter Leitung der Gastronomenfamilie Kempinski zu Deutschlands größtem Amüsierpalast. Davor nordöstlich des Bahnhofes befand sich bis 1922 der winzige Friedhof der Dreifaltigkeitsgemeinde und „Mutter Michaelis’ Blumenhalle“.

Bekannt waren die „Rheinterrassen“ (mit einer stündlichen Gewittersimulation), das „Wiener Café“ und „Weinlokal Grinzing“ sowie die bayerische „Bierstube Löwenbräu“. Im Zweiten Weltkrieg wurde das Gebäude mehrfach schwer beschädigt. Die Räume des „Kaffee Vaterland“ im nördlichen Teil des Gebäudes konnten nach dem Krieg noch mit einfachen Mitteln als „HO-Gaststätte Haus Vaterland“ hergerichtet und weiter betrieben werden. Durch die Lage direkt an der Sektorengrenze geriet das große Gebäude in eine innerstädtische Randlage. Nach dem Mauerbau 1961 bis zu einem Gebietstausch 1972 war es nicht mehr zugänglich, verfiel zunehmend und wurde schließlich 1976 abgerissen. Ein weiteres bekanntes Gebäude am Potsdamer Platz war das Vox-Haus. Es wurde nach dem Ersten Weltkrieg zum Funkhaus umgebaut und war 1923 die Geburtsstätte des deutschen Rundfunks.

Blick über den Potsdamer Platz auf das Columbushaus, 1932

Als zentrumsnaher Dreh- und Angelpunkt entwickelte sich die Gegend um den Potsdamer Platz auch zu einem großstädtischen Amüsierviertel. Während hier tagsüber Angestellte, Sekretärinnen, Geschäftsleute und Touristen flanierten, bestimmten nachts Amüsierwillige, Varietébesucher und Prostituierte das Bild. Obwohl die Ausübung der Prostitution im kaiserlichen Berlin strengstens untersagt war, entstand seit Beginn des 20. Jahrhunderts rund um den Platz ein veritables Rotlichtmilieu. Verewigt wurde diese Seite des Potsdamer Platzes durch ein bekanntes Gemälde des expressionistischen Künstlers Ernst Ludwig Kirchner („Potsdamer Platz, 1914“), das zwei mondän gekleidete Frauen sowie eine Reihe weiterer Personen vor einem Nachtleben-Hintergrund inszeniert.

Die Verkehrsampel am Potsdamer Platz, Aufnahme vom November 1932

Der sogenannte „Verkehrsturm“ prägte ab 1924 das Bild des Platzes. Aufgrund des großen Verkehrsaufkommens ließ ihn die Berliner Stadtverwaltung 1924 in dessen Mitte mit der ersten Verkehrsampel Deutschlands aufstellen, deren drei Lichter noch horizontal und nicht, wie heute üblich, vertikal angeordnet waren. Mit dem Bau der unterirdischen verlaufenden S-Bahn endete die Zeit des Verkehrsturms, der in der Nacht vom 1. zum 2. Oktober 1937 demontiert wurde. Vervollständigt wurde die Reihe moderner, ehrgeiziger Gebäude rund um den pulsierenden Verkehrsknotenpunkt mit dem 1928/1929 nach den Entwürfen von Erich Mendelsohn erbauten Columbushaus.

Die Zeit von 1945 bis 1990

Der Potsdamer Platz 1945. Links das Columbushaus, rechts die Ruine des Hotels Fürstenhof

Bis in den Zweiten Weltkrieg hinein war der Potsdamer Platz einer der belebtesten Plätze Europas. Nach den Bombardements der Alliierten im Zweiten Weltkrieg lag er jedoch zur Hälfte in Trümmern. Nach Kriegsende wurde der Platz zunächst zum „Dreiländereck“ zwischen dem sowjetischen, dem britischen sowie dem amerikanischen Sektor, so dass sich schon bald ein blühender Schwarzmarkt herausbildete. Mit der Einführung der D-Mark in den westlichen Sektoren und dem Beginn der Berliner Blockade im Juni 1948 änderte sich das Bild jedoch bereits wieder und am 21. August des gleichen Jahres wurde erstmals der Grenzverlauf zwischen dem sowjetischen und den angrenzenden Westsektoren mit einem Strich im Asphalt markiert.

In der Erwartung eines baldigen Wiederaufbaus wurde – wie auch in anderen Teilen der Stadt – am Potsdamer Platz zunächst ein Teil der Bebauung notdürftig wiederhergerichtet, freilich in verringerten Formen und ohne den Pomp und Gloria der 1920er-Jahre. So wurde zum Beispiel in dem ehemaligen Vergnügungspalast Haus Vaterland wieder eine Gaststätte eingerichtet. Auch in den unteren Stockwerken des ausgebrannten, zehnstöckigen Columbushauses wurde eines der ersten HO-Kaufhäuser eingerichtet. Bei dem Volksaufstand am 17. Juni 1953 brannten das genau an der Grenze des Sowjetsektors gelegene Geschäftshaus, das Haus Vaterland und weitere Gebäude jedoch erneut nieder. In den folgenden Jahren machte sich recht bald in praktisch allen Gebäuden rund um den Potsdamer Platz, die die Zerstörungen des Krieges halbwegs überstanden hatten, Leerstand breit, da das gesamte Areal über Jahrzehnte hinweg für Investoren jegliches Interesse verloren hatte.

Blick vom Potsdamer Platz in die Stresemannstraße im Jahre 1952 mit den Resten des Hotels Fürstenhof und dem Haus Vaterland
Blick vom Potsdamer Platz 1975. Im Hintergrund rechts Haus Vaterland

Diese Entwicklung verstärkte sich noch im Jahr 1961, als der Platz durch die Berliner Mauer geteilt und somit de facto zum Grenzgebiet wurde. Bis Mitte der 1970er-Jahre wurden nahezu alle übriggebliebenen Gebäude abgerissen. Auf der Ostseite des Platzes war hierfür das übersteigerte Sicherheitsbedürfnis der DDR verantwortlich: An keiner anderen Stelle der Berliner Mauer waren die eigentliche Mauer und die sogenannte „Hinterlandmauer“ durch einen derart breiten Todesstreifen voneinander getrennt wie am Potsdamer Platz. Alle Gebäude, die innerhalb des Streifens lagen, mussten verschwinden, darunter fast alle Häuser an der Zimmerstraße sowie die Reste des Kaufhauses Wertheim am Leipziger Platz. Auf der Westseite kaufte der Senat von Berlin nach und nach die ungenutzten Ruinengrundstücke auf, um die Gebäudereste abzureißen, da diese auch eine Gefahrenquelle darstellten. So wurden unter anderem die Reste des Anhalter Bahnhofs, das Prinz-Albrecht-Palais und das Völkerkundemuseum geopfert. Im Jahre 1976 wurden die noch recht beachtlichen Reste des Hauses Vaterland abgetragen. Zu jener Zeit plante man noch, das Gelände für den Bau einer Stadtautobahn zu nutzen, die allerdings niemals gebaut wurde. Ein langsamer Meinungswechsel setzte im Westen aber im Jahr 1981 mit der Wiederherstellung des Martin-Gropius-Baus, des ehemaligen Kunstgewerbemuseums, ein.

Bis zum Fall der Mauer im Jahr 1989 fristete der Platz auf diese Weise ein recht randständiges Dasein als innerstädtische Brache. Abseits der üblichen Touristenströme, aber auch unbeachtet von den meisten West-Berlinern besiedelten den auf der Westseite der Mauer gelegene Teil des Areals eine Handvoll von Imbissbuden, Souvenirgeschäften für Touristen sowie Podeste, von denen aus man einen Blick in den östlichen Teil der Stadt erhalten konnte. In dem 1987 gedrehten Film Der Himmel über Berlin von Wim Wenders spielen einige Szenen auf dem westlichen Teil des Geländes.

Nach dem Fall der Berliner Mauer am 9. November 1989 stellte sich nach Jahrzehnten der Vernachlässigung fast über Nacht eine völlig neue Situation ein. Schon wenige Tage später wurde am Potsdamer Platz ein Stück der Mauer abgebrochen, ein aufgegrabenes Straßenstück asphaltiert und am 12. November 1989 ein provisorischer Grenzübergang geschaffen.

Der Potsdamer Platz heute

Baustelle am Platz, 1999: Kollhoff-Tower
Blick auf die Gebäude: links das Quartier Daimler mit debis-Haus und Kollhoff-Tower, in der Mitte der BahnTower, rechts das Sony Center, im Vordergrund das Beisheim-Center
Skyline des Potsdamer Platz bei Nacht von Norden gesehen

Im Jahr 1990, kurz nach der Öffnung der Mauer, führte Roger Waters das Konzert The Wall auf dem Niemandsland zwischen Potsdamer Platz und Pariser Platz auf. Es wurde das bislang größte Konzert in der Geschichte der Rockmusik. In Hinblick auf die Stadtentwicklung stellte sich spätestens seit der Wiedervereinigung die Frage, wie die traditionelle Klammer zwischen dem östlichen und dem westlichen Zentrum Berlins in Zukunft aussehen sollte. Die Veräußerung der Grundstücke an den damaligen Automobilkonzern Daimler-Benz AG (1998–2007 DaimlerChrysler AG, seit 2007 Daimler AG) seitens des Berliner Senats erfolgte sehr rasch. Senatsbaudirektor Hans Stimmann versuchte, eine an den traditionellen Traufhöhen und Blockstrukturen Berlins orientierte städtebauliche Anlage durchzusetzen, die im Stil der Postmodernen Architektur gehalten sein sollte. Sie sollte der von Stimmann so bezeichneten „Europäischen Stadt“ und dem Begriff einer „kritischen Rekonstruktion“ entsprechen. Dem entsprach das Projekt der Architekten Hilmer und Sattler mit seiner weitgehend einheitlichen Traufhöhe von 35 Metern. Die unzufriedenen Investoren lancierten allerdings ein Alternativprojekt des internationalen Stararchitekten Richard Rogers, und setzten sich mit ihrem stark verdichteten Konzept einer „(Hochhaus-)City für das 21. Jahrhundert“ durch. Die realisierte Lösung fand nicht nur Zustimmung, sondern zog auch Kritik auf sich. Kritisiert wurde zum einen die Schnelle der Veräußerung, zum zweiten die Aufgabe eigenen städtischen Planungswillens und zum dritten die Tatsache, dass die Investoren die Straßen und Plätze nicht nur errichteten, sondern durch den Eigentumserwerb auch das Hausrecht in einem öffentlich zugänglichen Stadtgelände erwarben. Der Architekt Rem Koolhaas, als einer der Juroren des Potsdamer-Platz-Wettbewerbs, geißelte die Pläne als einem „dilettantischen Bild der Stadt“ entspringend und verließ 1991 die Jury.[1] Befürworter hingegen wiesen auf die angespannte Berliner Finanzlage hin und argumentierten, dass die Neugestaltung der riesigen Brachfläche letztlich nur durch einen kühnen Wurf aus einem Guss möglich sei.

Während der 1990er-Jahre wurde der Potsdamer Platz zur „größten Baustelle Europas“. Von einem als „Infobox“ bezeichneten Aussichts-Container auf dem gegenüber liegenden Leipziger Platz konnten Berliner und Touristen den Fortschritt der Bauarbeiten beobachten und Modelle der zukünftigen Bauten betrachten. Grob eingeteilt entstanden auf der an den ehemaligen Potsdamer Platz angrenzenden Brache vier unterschiedliche Komplexe. Das nordwestliche, zwischen der neuerbauten Entlastungsstraße und dem (neuen) Potsdamer Platz liegende, 27.000 m² umfassende Sony Center wurde vom dem US-Amerikaner Helmut Jahn gestaltet. Untergebracht sind in dem dreieckigen Areal Cafés, das Filmmuseum Berlin mit der „Deutschen Kinemathek“, Appartements, Büros sowie die europäische Zentrale von Sony. Richtung (neuer) Potsdamer Platz endet das Sony-Areal mit dem Sitz der Holding der Deutschen Bahn in Berlin, dem BahnTower.

Theater am Potsdamer Platz. Musicaltheater und jedes Jahr im Februar Hauptspielstätte der Berlinale: Berlinale Palast

Südlich daran schließt sich das Gelände von Daimler an, mit rund 70.000 m² der beherrschende Gebäudekomplex am heutigen Potsdamer Platz. Unter anderem steht hier das von dem italienischen Stararchitekten Renzo Piano entworfene debis-Haus, ehemaliger Hauptsitz der Daimler-Dienstleistungstochter debis und erkennbar an dem markanten grünen Würfel auf seiner Spitze. Heute hat dort die Daimler Financial Services ihren Firmensitz.

Direkt gegenüber dem BahnTower befindet sich ein weiteres markantes Hochhaus: der von Hans Kollhoff im New Yorker Backsteinstil entworfene, 103 Meter hohe Kollhoff-Tower. Laut Eigenaussage enthält er den schnellsten Aufzug Europas und ermöglicht von der oben liegenden Dachterrasse einen guten Überblick über den Potsdamer Platz und seine Umgebung.

Auch die restliche Architektur weist teilweise mediterrane Stilzitate auf. Mittelpunkt des Quartiers Daimler ist der im Westen gelegene Marlene-Dietrich-Platz. Um ihn herum angesiedelt sind das Theater am Potsdamer Platz (ehemals Musical-Theater Berlin), das BlueMax (Theater der Blue Man Group, ehemaliges IMAX-Kino), ein Spielcasino, das Luxushotel Grand Hyatt Berlin sowie Varietébühnen und Restaurants. Durch die Lage zwischen zwei Gebäudereihen im südlichen Block und der Überdachung bilden die Potsdamer Platz Arkaden eine überdachte Einkaufsstraße.

Den südlichen Abschluss der Hochhaus-Triade am Platz bildet ein von Renzo Piano entworfenes Gebäude, in dem heute PricewaterhouseCoopers seine Berlin-Niederlassung hat. Es hat, wie der benachbarte Kollhoff-Tower – einen dreieckigen Grundriss und ist im hinteren Bereich treppenartig gestaltet – sodass es zur nachfolgenden Bebauung überleitet. Der obere senkrechte Teil hat aber im Gegensatz zum Kollhoff-Tower eine verglaste Fassade. In die beiden neuen Gesamtkomplexe integriert sind auch die beiden einzigen übrig gebliebenen Altbauten:

  • Das ehemalige Weinhaus Huth im Quartier Daimler ist mittlerweile ein Restaurant.
  • Die Überreste des alten Hotels Esplanade wurden in das Sony Center integriert. Hierzu war eine spektakuläre und aufwendige Versetzung des „Kaisersaals“ notwendig: Er wurde um 75 Meter verschoben.

Zwei kleinere Baueinheiten komplettieren die Neubebauung der ehemaligen Brache: im Norden das zwischen Sony Center und Tiergarten gelegene, unter anderem von Otto Beisheim errichtete Beisheim-Center mit mehreren Hotels wie dem Marriott und dem Ritz-Carlton, und weiter im Süden die Park Kolonnaden – fünf vorwiegend mit Büroraum verplante Gebäude. Am östlichen Ende des Potsdamer Platzes steht das von Hans Kollhoff entworfene Delbrück-Hochhaus, auch bekannt als P5.[2] Ebenso wie im Kollhoff-Tower finden sich im Delbrück-Hochhaus renommierte Rechtsanwalts-, Steuerberater-, Wirtschaftsprüfer- und Unternehmensberaterbüros. Unterirdische Tunnel ermöglichen eine Verbindung zwischen den Appartementhochhäusern und dem Bahntower.[3]

Das Beisheim-Center
Blick von Norden auf das Sony Center

Mit dem Tilla-Durieux-Park und dem Henriette-Herz-Park wurden auch zwei Parkanlagen realisiert. Der Tilla-Durieux-Park grenzt über eine schräge, sich der Länge nach um die eigene Achse drehende Wiesenfläche das Quartier Daimler von den Park Kolonnaden ab. Er befindet sich an der Stelle des ehemaligen Potsdamer Bahnhofs. Unter ihm verlaufen die vier Bahnröhren des Tiergartentunnels. In der Mitte der rechteckigen, 450 Meter langen Grundfläche ist die Rasenfläche unterbrochen. Fünf überdimensional lange Edelstahlwippen sind dort von den Architekten des Parks angeordnet worden. Sie erfüllten damit auf eine etwas andere Art und Weise die Forderung der Politik nach einem Spielplatz. Zwischen Sony Center und Beisheim-Center liegt der vom gleichen Architektenteam entworfene Henriette-Herz-Park. Besonderes Merkmal dieser zweiten, in Richtung des Tiergartens gelegenen Parkfläche ist die in Schollen gegliederte Höhenmodellierung sowie die aus finnischem Granit bestehende Einfassung der Rasenflächen. Sowohl der Tilla-Durieux-Park als auch der kleinere Henriette-Herz-Park ergänzen die Geschäftigkeit des restlichen Areals durch Räume für Ruhe und Entspannung. Beide Parkanlagen erfreuen sich breiter Akzeptanz und werden – vor allem im Sommer – gerne auch als Liegewiesen zur Erholung genutzt.

Obwohl Firmenhochhäuser, Geschäfts- und Bürobauten das Bild am neuen Potsdamer Platz bestimmen, ist langfristig eine Wohnfläche von 20 % vorgesehen. Hochgerechnet heißt dies, dass hier einmal 20.000 Menschen wohnen sollen. Aufgrund des Reißbrettentwurfs befürchten Kritiker, dass hier letztlich eine „Stadt in der Stadt“ entsteht. Angemerkt wird bei aller Geschäftigkeit, dass sonst zum metropolitanen Straßenbild dazugehörende Personengruppen wie etwa Obdachlose, Punks oder auch Straßenmusiker am Potsdamer Platz nicht anzutreffen sind und das Ganze so einen sehr synthetischen, künstlichen Charakter aufweise.

Zögerlichen Einzug in die lange verödete Berliner Mitte hält mittlerweile auch die Kultur. Ein wesentlicher Meilenstein war die Eröffnung der Berlinale im Jahr 2000 im Sony Center. Der Innenhof des Sony Centers, die Sony Plaza, war zur Fußball-Weltmeisterschaft 2006 als sportliches Sendezentrum des ZDF umgebaut worden. Zumindest Teile des Areals werden mittlerweile von Einheimischen wie Touristen rege frequentiert. Der Komplex hat sich zur fünftwichtigsten Kaufadresse der Hauptstadt entwickelt. Sogar Skeptiker räumen mittlerweile ein, dass durch die Neubebauung zumindest das Leben wieder an den Potsdamer Platz zurückgekehrt ist. 2008 fand in den Parkkolonnaden erstmalig die Expressionale mit Kunst des Expressionismus und der Neuen Sachlichkeit statt.

Anfang Oktober 2007 wurde bekannt, dass die Großkonzerne Daimler und Sony ihre Areale zum Verkauf anbieten. Am 13. Dezember 2007 wurde das Daimler-Areal an die Immobilientochter des Finanzdienstleistungskonzerns SEB zu einem unveröffentlichten Preis verkauft, der gewünschte Mindestpreis wurde mit 1,2 Mrd. Euro angegeben.[4] Hierzu gehören unter anderem die Potsdamer Platz Arkaden. Daimler bleibt bis 2012 mit 50 % Hauptmieter in den Gebäuden.[5]

Die rote „Infobox“ wurde nach dem Ende der Neubebauung im Jahr 2001 demontiert. Ein ähnliches Bebauungskonzept ist auch für den östlich an den Potsdamer Platz anschließenden und inzwischen weitgehend bebauten Leipziger Platz vorgesehen.

Verkehrsanbindung

Schienenverkehr

Hauptartikel: Bahnhof Berlin Potsdamer Platz

Südlicher Bahnhofseingang

Anders als der im Ortsteil Mitte gelegene Bahnhof Friedrichstraße ist der Potsdamer Platz zwar kein zentraler Schnittpunkt für eine Reihe von U- und S-Bahn-Linien. Aufgrund seiner nahen Lage zu weiteren wichtigen Knotenpunkten wie zum Beispiel dem neuen Hauptbahnhof in der Lehrter Straße wurde die Verkehrsanbindung flankierend zum oberirdischen Ausbau jedoch ebenfalls ausgebaut. Aktuell halten am Potsdamer Platz unterirdisch Regionalverkehrszüge der DB und der Fernverkehrszug Interconnex von Veolia, die S-Bahn (Nord-Süd-Tunnel) sowie die U-Bahnlinie U2. Über zahlreiche Buslinien ist der Platz ebenfalls zu erreichen. Mittelfristig ist eine Straßenbahnanbindung durch die Leipziger Straße geplant, die über die langfristig vorausgeplante U-Bahnlinie U10 ergänzt oder gar ersetzt werden kann. In Nord-Südrichtung soll langfristig eine weitere S-Bahnlinie (Linie S21, siehe Nord-Süd-Tunnel), vor allem zur besseren ÖPNV-Erschließung des Hauptbahnhofes, gebaut werden.

In dem Abschnitt zwischen Fernbahnhof und Einkaufspassage wurden u. a. die Büroszenen für den Film Equilibrium gedreht.

Motorisierter Individualverkehr (MIV)

Der Individualverkehr wird über die – den Platz sternförmig – zulaufenden Straßen und die zentral den Platz durchquerende Neue Potsdamer Straße, die hier als Bundesstraße 1 verläuft, geführt. Kleinere Straßen innerhalb der einzelnen Quartiere sorgen für die Zu- und Abfahrten zu den unterirdischen Parkhäusern am Potsdamer Platz. Darüber hinaus wurde im Jahr 2006 eine unterirdische Verbindung zwischen dem Landwehrkanal und dem Hauptbahnhof in Betrieb genommen: Der Tiergartentunnel bildet hier einen Teilabschnitt der Bundesstraße 96.

Nicht-motorisierter Individualverkehr

Bei der Neugestaltung des Potsdamer Platzes wurde auch der umweltverträgliche und lärmfreie nicht-motorisierte Individualverkehr berücksichtigt und alle großen Straßen erhielten gut sichtbare Fahrradwege. Bisher fehlt noch der Lückenschluss entlang der Leipziger Straße vom Potsdamer Platz zum Alexanderplatz.

Umgebung

Potsdamer Platz während der Fußball-Weltmeisterschaft 2006

Im Westen liegt der Bereich des Kulturforums Berlin mit einigen der wichtigsten Berliner Museen, darunter die Neue Nationalgalerie und die Gemäldegalerie. Außerdem befinden sich hier die Berliner Philharmonie, das Ibero-Amerikanische Institut und die zur Staatsbibliothek zu Berlin gehörige „Neue Staatsbibliothek“ (StaBi). Der Verlauf der Berliner Mauer wird seit einigen Jahren durch in den Boden eingelassene Pflastersteine gekennzeichnet. Östlich des Potsdamer Platzes liegt das Oktogon des Leipziger Platzes. Nördlich befindet sich der Große Tiergarten.

In der näheren Umgebung befinden sich das Gebäude des Bundesrats, das Areal des Denkmals für die ermordeten Juden Europas (Holocaust-Mahnmal), das Brandenburger Tor, das Musikinstrumentenmuseum, das Daimler Contemporary sowie der Martin-Gropius-Bau.

Bis zum April 2005 gab es in der Nähe des Potsdamer Platzes die Möglichkeit, die Diskotheken Tresor sowie bis 1997 das E-Werk, beides Geburtsstätten des Techno in Deutschland, zu besuchen.

Literatur

  • Joachim Fischer/Michael Makropoulos (Hrsg.): Potsdamer Platz – Soziologische Theorien zu einem Ort der Moderne, Wilhelm Fink Verlag, München 2004, ISBN 3-7705-3708-4
  • Andreas Muhs/Heinrich Wefing: Der Neue Potsdamer Platz – Ein Kunststück Stadt, be.bra verlag, Berlin-Brandenburg 1998, ISBN 3-930863-42-1
  • Info Box – Der Katalog, Nishen, 4. Aufl., Berlin 1998, 287 Seiten, ISBN 3-88940-333-6
  • Wolf Thieme: Das letzte Haus am Potsdamer Platz – Eine Berliner Chronik, Rasch und Röhring Verlag, Hamburg 1988
  • Geowissenschaften und Geotechnik auf einer Großbaustelle: Berlin, Potsdamer Platz und Spreebogen. Sonderheft der Zeitschrift „Geowissenschaften“, (3/4) 1996, ISSN 0933-0704


Die folgenden Titel sind Reiseführer, die ganz Berlin behandeln, jedoch auch Informationen zum Potsdamer Platz enthalten:

  • Gudrun Maurer: Berlin & Umgebung, Michael Müller Verlag, Erlangen, 520 Seiten, ISBN 3-923278-85-3
  • Hinnerk Dreppenstadt, Klaus Esche (Hrsg.): Ganz Berlin – Spaziergänge durch die Hauptstadt, Nicolaische Verlagsbuchhandlung, Berlin 2004, 512 Seiten, ISBN 3-89479-139-X
  • Kristine Jaath: Hauptstadt Berlin – Stadtführer, Reise Know-How Verlag Peter Rump, Bielefeld 2001, 390 Seiten, ISBN 3-89416-888-9

Weblinks

Einzelnachweise

  1. Die Baumeister des neuen Berlin, Nicolai Verlag 2001, S. 207
  2. Potsdamer Platz 5
  3. Stern Nr. 9/2009, S. 56
  4. „Schweden kaufen Immobilien am Potsdamer Platz“, Tagesspiegel, 14. Dezember 2007
  5. „Ein Millionengeschäft – auch für Berlin“, Tagesspiegel, 15. Dezember 2007

52.50944444444413.3758333333337Koordinaten: 52° 30′ 34″ N, 13° 22′ 33″ O


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