Propertius


Propertius

Sextus Propertius, eingedeutscht Properz, gehörte gemeinsam mit Gallus, Tibull und Ovid zu den Vertretern der römischen Liebeselegie, die im Augusteischen Rom ihre kurze Blüte hatte.

Inhaltsverzeichnis

Leben

Das genaue Geburtsdatum von Sextus Propertius ist nicht überliefert. Es wird etwa in der Mitte des 1. Jahrhunderts v. Chr. gelegen haben. Er wurde wahrscheinlich in Umbrien (Perugia oder Assisi) geboren. Vermutlich gehörte seine Familie dem Ritterstand an und verfügte über Landbesitz. Durch diesen wird er sich vermutlich auch finanziert haben. Im Jahre 41 v. Chr. verlor er einen Teil des Besitzes durch die Ackerverteilung der Triumvirn. Properz verzichtete auf eine öffentliche Ämterlaufbahn, wie auch Tibull und Ovid. Schon durch sein erstes Buch erregte Properz solche Aufmerksamkeit, dass er in den Dichterkreis des Maecenas aufgenommen wurde. Die Forschung ist heute der Meinung, dass das Elegischen-Ich dem Dichter nicht gleichgesetzt werden darf und sowohl Personen als auch Inhalt der Elegien fiktiven Charakters sind. Durch das Werk darf also nur mit großer Vorsicht auf das Leben des Autors geschlossen werden. Das Todesdatum des Properz ist ebenfalls nicht überliefert. Durch die Erwähnung seines Namens in einem Katalog von Dichtern bei Ovid wird es vor Christi Geburt datiert, da eine solche Erwähnung nach antiker Praxis den Tod des Dichters voraussetzte.

Überlieferung

Während die Zeitgenossen den Stil des Properz als genauso elegant und flüssig empfanden wie den des Tibull oder Ovids, ist der heute überlieferte Text an vielen Stellen nur schwer verständlich. Durch offensichtliche Brüche sowohl in der Sprache aber auch im Gedankengang der Elegien, ist die Forschung heute von einer großen Verunreinigung des ursprünglichen Textes überzeugt. Die Heilung des Textes wurde schon von vielen Gelehrten versucht, einige sehen die Tilgung ganzer Verse als unumgänglich. Diese Verse sollen durch die Kommentare, die Leser auf ihren Handschriften machten, beim weiteren Abschreiben in den eigentlichen Text eingefügt worden sein. Es gibt aber auch immer noch Stimmen, die soweit wie nur irgend möglich am überlieferten Text festhalten wollen.

Werk

Von Properz sind uns ausschließlich Elegien überliefert. Das erste seiner vier Bücher, das auch die Monobiblos genannt wird, ist wohl vor 28 v. Chr. veröffentlicht worden. In den 22 Elegien wird hauptsächlich die Liebe des Elegischen-Ichs zu einem Mädchen Namens Cynthia thematisiert. Schon in der ersten Elegie wird Cynthia als Herrin dargestellt, die den armen Liebenden durch ihre lieblichen Augen gefangen genommen hat. Hinter dem Pseudonym der Cynthia soll sich nach Apuleius Hostia verbergen. Cynthia ist auch Hauptperson des zweiten Buches, das kurz nach dem Tod des Gallus, etwa 26 v. Chr. erschienen ist. Mit seinen 35 Elegien ist es das längste Buch, jedoch sind die Grenzen der überlieferten Elegien strittig. Es gibt Einteilungen zwischen 34 und 49 Elegien. Das Dichten selbst wird stärker thematisiert als im ersten Buch. Das dritte Buch wurde etwa um 23 v. Chr. veröffentlicht. Im ersten Gedicht wird das Werk direkt in die Folge der hellenistischen Dichter Kallimachos und Philetas gestellt. Cynthia ist nur noch in fünf Elegien zentrales Thema. Häufig greift Properz auf die recusatio-Form zurück (recusatio: latein. Ablehnung), die eine Ablehnung eines preisenden Epos auf Augustus zugunsten einer kleineren poetischen Gattung (hier der Liebeselegie) darstellt. Durchaus umstritten in der Forschung ist die Interpretation dieser recusationes. Im Allgemeinen wird heute zumeist die recusatio als raffinierte Form der praeteritio (latein. Übergehen) verstanden, in welcher der genannte Gegenstand zwar genannt und dann übergangen, aber dadurch indirekt gepriesen werde. Das vierte und letzte Buch, bestehend aus elf Elegien, erschien etwa 16 v. Chr. Es wechseln sich erotische und aitiologische Elegien, die Ursprungssagen zum Beispiel von bestimmten Bräuchen, Namen oder ähnliches betreffen,ab. Nur noch zwei Elegien (7 und 8) sind an Cynthia gerichtet, eine Elegie auf die Schlacht von Aktium bildet den Mittelpunkt des Buches (6), die abschließende Elegie ist eine Rede der verstorbenen Cornelia, einer Tochter der ersten Frau des Augustus. Wie unter anderem die beiden letztgenannten Elegien zeigen, stellt sich Properz im vierten Buch als ein augusteischer Dichter dar, der nicht mehr nur die Liebe (wie im besonders im Frühwerk), sondern auch historische und mythologische Stoffe in größerem Umfang zu Themen seiner Werke macht.

Vorbilder

Als Vorbilder nennt Properz die hellenistischen Dichter Kallimachos und Philetas von Kos, außerdem Mimnermos. Durch Parallelen zu Tibull und der zehnten Ekloge Vergils, wird auch Gallus als Vorbild angenommen. Von ihm im zweiten Buch selbst genannt werden Catull, Calvus und Varro Atacinus. Durch Parallelen ist auch der Einfluss der griechischen Epigramme erkenntlich, wie etwa der Sammlung "Der Kranz des Meleager".

Literatur

  • Michael von Albrecht: Geschichte der römischen Literatur. dtv, München 2004
  • Jean-Paul Boucher: Études sur Properce. 2. Auflage. De Boccard, Paris 1980
  • Francis Cairns: Sextus Propertius. The Augustan Elegist. Cambridge University Press, Cambridge 2006, ISBN 0-521-86457-7 (Sehr gute Aufarbeitung des Einflusses von Gallus sowie der Beziehungen zu Maecenas und Augustus.)
  • Paolo Fedeli, Paola Pinotti: Bibliografia Properziana 1946-1983. Accad. Properziana del Subasio, Assisi 1985
  • Bernhard Georg: Exegetische und schmückende Eindichtungen im ersten Properzbuch. Schöningh, Paderborn u. a. 2001, ISBN 3-506-79067-6
  • Hans-Christian Günther (Hrsg.): Brill's Companion to Propertius. Brill, Leiden 2006.
  • Margaret Hubbard: Propertius. Duckworth, London 1974
  • John P. Sullivan: Propertius. A critical introduction. Cambridge University Press, Cambridge 1976
  • Niklas Holzberg: Die römische Liebeselegie. Eine Einführung. 2., völlig überarbeitete Auflage. Wiss. Buchgesellschaft, Darmstadt 2001, ISBN 3-534-15041-4
  • Übersetzung des Properz von Franz Robert Otto Hoffmann, (geb. 17 November 1822 in Oschatz, gest. 19 April 1896 in Dresden) im August des Jahres 1891 an Verleger und Buchhändler Hendel in Halle für seine Collection in- und ausländischer Klassiker gegeben.

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