Präsidentschaftswahl in den Vereinigten Staaten 1988


Präsidentschaftswahl in den Vereinigten Staaten 1988
Wahlmännerstimmen nach Bundesstaaten:
  • Mehrheit für die Republikaner (Bush)
  • Mehrheit für die Demokraten (Dukakis)

Die 51. Wahl des Präsidenten der Vereinigten Staaten von Amerika fand am 8. November 1988 statt. Präsident Ronald Reagan konnte nach zwei Amtsperioden nicht mehr antreten. Gewählt wurde der damalige Vizepräsident George Bush, der sich gegen den Gouverneur von Massachusetts Michael Dukakis durchsetzte und damit der 41. Präsident der Vereinigten Staaten wurde.

Inhaltsverzeichnis

Ausgangslage

Die Präsidentenwahlen 1988 galten als die offensten seit 20 Jahren, da zum ersten Mal seit 1968 kein amtierender Präsident zur (Wieder-)wahl stand. Die Republikaner vertrauten auf die starke weltpolitische Stellung der USA (ohne in einen Krieg verwickelt zu sein) und die robuste Wirtschaftslage. Außerdem hofften sie, dass die nach wie vor hohen Popularitätswerte für Präsident Reagan auch dem republikanischen Kandidaten zugute kommen würden. Die Demokraten sahen sich durch die Rückgewinnung der Senatsmehrheit bei den Kongresswahlen 1986 im Aufwind und hofften, dass die Iran-Contra-Affäre den Republikanern insgesamt geschadet hatte.

Republikaner

Als Favorit bei den Republikanern galt Vizepräsident George Bush, der zwar 1980 Ronald Reagan innerparteilich unterlegen war, seither jedoch das Amt des Stellvertreters zu weit gehender Zufriedenheit ausgeübt hatte. Allerdings war es seit mehr als 150 Jahren keinem amtierenden Vizepräsidenten mehr gelungen, durch einen Wahlsieg die Präsidentschaft zu erlangen. Als schärfster Konkurrent wurde Senator Bob Dole aus Kansas angesehen, der nach zwei gescheiterten Versuchen 1976 (Niederlage als Vizepräsidentschaftskandidat zusammen mit Gerald Ford) und 1980 ( frühzeitig in den Vorwahlen ausgeschieden) einen dritten Anlauf Richtung Weißes Haus unternahm. Dem Kongressabgeordneten Jack Kemp und dem Fernsehprediger Pat Robertson wurden nur geringe Außenseiterchancen eingeräumt.

Die erste Vorwahl in Iowa gewann Dole, die eigentliche Überraschung war jedoch, dass Bush hinter Robertson nur Platz drei belegen konnte. Dole hoffte nun mit einem weiteren Sieg in New Hampshire eine Vorentscheidung erzwingen zu können, musste jedoch eine deutliche Niederlage hinnehmen. Er führte dies auf die Wahlwerbung von Bush zurück, welche ihm fälschlicherweise unterstellt hätte, er wäre als Präsident unter Umständen bereit, Steuererhöhungen zuzustimmen. Dies wurde von Dole nicht nur vehement bestritten, er forderte den Vizepräsidenten auch auf, in Hinkunft "keine Lügen“ mehr über ihn zu verbreiten, eine Wortwahl, die innerparteilich beträchtlichen Unmut auslöste. Dole konnte zwar noch die Vorwahlen in South Dakota und Minnesota gewinnen, er verlor jedoch in South Carolina und am darauf folgenden „Super Dienstag“ auch bei allen weiteren Vorwahlen im Süden gegen Bush. Sein Wahlkampf geriet nun in eine ernste – auch finanzielle - Krise und er war gezwungen einen Teil seines Wahlkampfteams zu entlassen. Allerdings hoffte er noch auf ein Comeback in den Industriestaaten des Nordens. Als dieses jedoch ausblieb und er auch die Vorwahlen in Illinois gegen Bush verlor, beendete er seine Kampagne. Da auch Kemp und der im Süden überraschend schwache Robertson gegen Bush chancenlos waren, stand dessen Nominierung als republikanischer Präsidentschaftskandidat bereits frühzeitig fest.

Kurz vor dem Beginn des Parteitages entschied sich Bush für den relativ jungen, konservativen Senator Dan Quayle als Vizepräsidentschaftskandidaten, in der Hoffnung, damit auch den rechten Parteiflügel, der Bush immer mit einer gewissen Distanz gegenüberstand, für sich gewinnen zu können. In der Presse wurde jedoch Quayles politische Unerfahrenheit bemängelt sowie der Umstand, dass er unter Ausnutzung familiärer Beziehungen durch seine Einberufung zur Nationalgarde dem Kampfeinsatz im Vietnamkrieg entgangen war.

Demokraten

Der demokratische Vorwahlkampf war anfangs vom Nichtantreten bzw. der frühzeitigen Aufgabe mehrerer als chancenreich angesehener Kandidaten geprägt. So erklärte Senator Edward Kennedy schon Ende 1985 kein Präsidentschaftskandidat für 1988 zu sein. Auch der New Yorker Gouverneur Mario Cuomo, dessen Rede auf dem Parteitag 1984 viele Delegierte begeistert hatte, lehnte eine Kandidatur ab. Als Favorit galt somit der bereits 1984 überraschend starke Ex Senator aus Colorado Gary Hart, der jedoch schon kurz nach der offiziellen Bekanntgabe seiner Kandidatur im April 1987 wegen eines Sexskandales aufgeben musste. Schließlich sah sich auch noch Senator Joe Biden gezwungen, seine Kampagne wegen Plagiatsvorwürfen vorzeitig zu beenden. Es war bekanntgeworden, dass seine Standardrede fast wortwörtlich einer Rede des britischen Labour Parteivorsitzenden Neil Kinnock entsprach. Da der Rest des demokratischen Kandidatenfeldes (die Senatoren Al Gore (Tennessee) und Paul Simon (Illinois), Gouverneur Michael Dukakis (Massachusetts), der Kongressabgeordnete Dick Gephardt (Missouri), der Ex-Handelsminister Bruce Babbitt und der afroamerikanische Bürgerrechtskämpfer Jesse Jackson) als eher schwach angesehen wurde, begannen in den Medien bald Spekulationen darüber, ob möglicherweise ein prominenter demokratischer Senator oder Gouverneur noch spät in den Vorwahlkampf einsteigen würde. Dabei fiel unter anderem auch der Name des Gouverneurs von Arkansas Bill Clinton, der jedoch – wie alle anderen Genannten – eine Kandidatur ablehnte.

Die erste Vorwahl in Iowa gewann Gephardt, der sich für eine protektionistische Handelspolitik aussprach und von einigen Gewerkschaften unterstützt wurde. In New Hampshire war hingegen Dukakis erfolgreich, der auch am „Super Dienstag“ im Süden Stärke zeigte, während Gephardt hier weitgehend erfolglos blieb. Nachdem die Gewerkschaften daraufhin ihre Unterstützung für Gephardt einstellten und ein Comebackversuch in Michigan scheiterte, sah sich dieser zur Aufgabe gezwungen. Dukakis hingegen erwuchsen im Süden zwei neue Gegner, die erst hier ihren Wahlkampf ernsthaft begonnen hatten und am „Super Dienstag“ ebenfalls respektable Erfolge feiern konnten: Senator Al Gore und Jesse Jackson. Während es Gore aber in der Folge nicht gelang ein klares Profil zu gewinnen und er nach einer schweren Niederlage in New York aufgeben musste, konnte Jackson soviele Wähler – vor allem aus der Arbeiterschaft – für sich gewinnen, dass er nach einem überraschenden Sieg in Michigan kurzzeitig zu einer ernsthaften Konkurrenz für Dukakis wurde und ein afroamerikanischer Präsidentschaftskandidat erstmals in den Bereich des Möglichen rückte. Allerdings interessierten sich nun auch die Medien verstärkt für das linksgerichtete politische Programm Jacksons, was viele Demokraten fürchten ließ, mit ihm als Kandidaten ein ähnliches Debakel wie 1972 mit George McGovern zu erleiden und somit auf die dritte schwere Wahlniederlage in Folge hinzusteuern. Dies führte dazu, dass bei den letzten Vorwahlen viele Unentschlossene ihre Stimme Dukakis gaben und diesem nach einem klaren Sieg in Kalifornien die Nominierung nicht mehr zu nehmen war.

Bei der Auswahl des Vizepräsidentschaftskandidaten überging Dukakis Jackson und entschied sich stattdessen für den texanischen Senator Lloyd Bentsen, in der Hoffnung damit einerseits Stimmen im Süden zu gewinnen und andererseits Reminiszenzen an das erfolgreiche Kandidatenteam John F. Kennedy/Lyndon B. Johnson zu wecken, das ebenfalls aus Massachusetts bzw. Texas stammte.

Wahlkampf

Der eigentliche Präsidentschaftswahlkampf begann mit dem demokratischen Parteitag in Atlanta, von welchem weniger die Rede des nominierten Kandidaten Dukakis in Erinnerung blieb als jene der texanischen Gouverneurin Ann Richards, die meinte, George Bush sei mit „einem goldenen Löffel im Mund geboren“ und könne daher gar kein Verständnis für die sozial Schwachen aufbringen, denen der Staat helfen müsse. Dem entgegnete Bush auf dem republikanischen Parteitag in Miami mit der Aussage „Lest meine Lippen – keine neuen Steuern“, womit er sich gegen die Ausweitung staatlicher Leistungen aber auch gegen zusätzliche Belastungen der Steuerzahler aussprach.

Neben der Budgetpolitik wurde die Frage der Kriminalitätsbekämpfung zum zweiten zentralen Wahlkampfthema, ausgelöst durch den von den Republikanern stark thematisierten Fall Willie Horton, eines wegen Raubmordes zu lebenslänglicher Haft verurteilten Afroamerikaners, der – während Dukakis Amtszeit als Gouverneur – einen ihm gewährten Hafturlaub zur Flucht benutzte und in weiterer Folge eine Frau vergewaltigte sowie deren Mann schwer misshandelte, ehe er gefasst werden konnte. Zwar waren derartige Hafturlaube schon von einem republikanischen Vorgänger Dukakis eingeführt worden und auch in zahlreichen anderen Bundesstaaten üblich, jedoch hatte sich Dukakis dafür eingesetzt, das entsprechende Programm auch auf Schwerverbrecher (inklusive Mörder) auszuweiten. Das Thema belastete Dukakis Wahlkampf zusehends, vor allem nach der zweiten Fernsehdebatte, wo er – als deklarierter Gegner der Todesstrafe – gefragt wurde, ob er seine diesbezügliche Meinung ändern würde, wenn seine Frau Opfer von Vergewaltigung und Mord würde. Dukakis verneinte diese sehr persönliche (und deshalb später auch kritisierte) Frage ohne ein Zeichen persönlicher Betroffenheit mit dem Hinweis auf diverse Kriminalstatistiken, was ihn vor einem Millionenpublikum kalt und gefühllos erscheinen ließ.

Im Gegensatz dazu konnte der demokratische Vizepräsidentschaftskandidat Lyoid Bentsen in der TV-Debatte mit seinem republikanischen Gegenüber Dan Quayle punkten. Als dieser seine politische Erfahrung mit jener von Präsident John F. (Jack) Kennedy bei dessen Amtsantritt verglich, antwortete Bentsen kühl: „Ich kannte Jack Kennedy, er war ein Freund von mir. Senator, sie sind kein Jack Kennedy“, was vom Publikum mit donnerndem Applaus bedacht wurde. Der Erfolg von Bentsen nützte Dukakis jedoch kaum, bei manchen Wählern verfestigte sich vielmehr der Eindruck, dass Bentsen womöglich der bessere Präsidentschaftskandidat gewesen wäre, da er insgesamt „präsidentieller“ als Dukakis wirkte. Zu diesem Eindruck trugen möglicherweise auch mehrere – unglückliche – Fotos bei, die Dukakis schwer behelmt auf einem Schützenpanzer zeigten. Er hoffte dadurch offensichtlich den Eindruck eines starken Oberbefehlshabers zu erwecken, die entsprechenden Bilder wurden jedoch vielfach als aufgesetzt, zum Teil sogar als lächerlich empfunden.

Kurz vor dem Wahltag sagten sämtliche Meinungsforschungsinstitute einen klaren Wahlsieg der Republikaner voraus, nachdem zu Beginn des Wahlkampfes noch Dukakis in Führung gelegen war und nach den Parteitagen in etwa Gleichstand geherrscht hatte.

Ergebnis

George Bush konnte die Wahl mit einer absoluten Mehrheit der gesamten Stimmen für sich entscheiden. Er erhielt 48.886.597 (53,37%) der insgesamt 91.594.686 abgegebenen Stimmen, während Dukakis insgesamt nur 41.809.476 (45,6%) Stimmen bekam. Im wahlentscheidenden Wahlmännerkollegium fiel die Wahl deutlicher aus. Bush erhielt 426 Stimmen, Dukakis erhielt lediglich 111 Stimmen. Ein demokratisches Mitglied des Kollegiums aus West Virginia stimmte für Dukakis' Vizepräsidentschaftskandidaten Lloyd Bentsen als Präsident, um so gegen das Wahlprozedere zu protestieren.

Wie genauere Analysen des Wahlergebnisses zeigten, verdankte Bush seinen deutlichen Sieg vor allem den guten Ergebnissen in den Vorstädten (wo möglicherweise die Frage der Kriminalitätsbekämpfung eine entscheidende Rolle spielte), den großen Erfolgen im Nordosten und dem – knappen – Sieg in Kalifornien. Hingegen blieb er in den Agrarstaaten des mittleren Westens hinter den Erwartungen zurück, unter Umständen eine Folge der Landwirtschaftskrise der 80er Jahre, die offensichtlich den Republikanern angelastet wurde.


Kandidat Partei Stimmen Wahlmänner
Anzahl Prozent
George Bush Republikaner 48.886.597 53,37 % 426
Michael Dukakis Demokrat 41.809.476 45,67 % 111
Lloyd Bentsen Demokrat 0,0 % 1
Ron Paul Libertarian 431.750 0,47 % -
Lenora Fulani New Alliance 0,24 % -

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