Puebla de Zaragoza


Puebla de Zaragoza
Zócalo von Puebla
Straße im Zentrum von Puebla während des Unabhängigkeitstages („Día de la Independencia“)

Heroica Puebla de Zaragoza ist die Hauptstadt des gleichnamigen zentralmexikanischen Bundesstaates Puebla mit 1.485.941 Einwohnern.[1] Die Stadt Puebla ist auch unter den Namen Puebla de los Ángeles bekannt. Der Großraum Puebla-Tlaxcala steht nach Bevölkerungszahl an vierter Stelle hinter den Großräumen Mexiko-Stadt, Guadalajara und Monterrey.[1] Es ist eine für ihre Schönheit berühmte Stadt, in der das alte und das neue Mexiko aufeinandertreffen: die Werkstätten der Talavera-Keramik und anderer kunsthandwerklichen Erzeugnisse, die Wolkenkratzer und die vier Jahrhunderte alten Gebäude der Kolonialzeit.

Inhaltsverzeichnis

Geografie

Puebla liegt in einem zentralmexikanischen Tal auf 2.175 m Höhe und ist von Vulkanen und Bergen der Sierra Nevada umgeben. Im Westen wird das Tal von den ca. 40 km von Puebla entfernten Vulkanen Popocatépetl und Iztaccíhuatl begrenzt. Im Norden befindet sich der inaktive Vulkan La Malinche und im Osten des Tals ragt der 5.747 m hohe Pico de Orizaba empor. Puebla liegt im Bewässerungsgebiet des Flusses Atoyac, der durch nördliche, östliche und südliche Teile des Stadtbezirks fließt und mit dem See Valsequillo verbunden ist.

Stadtbild

Die Backsteinhäuser mit Patio haben oft eine in türkis oder blau gehaltene Kachelfassade mit floralen Ornamenten und barocke Elemente. 1535 wurde das Kloster Santo Domingo fertiggestellt. Die dazugehörige Kapelle Capilla del Rosario ist überschwänglich im barocken Stil mit Stuckornamenten und Gold ausgestattet. Die Kathedrale der Stadt mit prächtigem Chorgestühl wurde 1588 geweiht und ist die höchste und zweitgrößte Kirche Mexicos. Außerdem erhielt die Stadt bei der Gründung die erste Universität Mexicos. Daneben ist noch die bischöfliche Residenz mit der großen Bibliothek von Bischof Juan de Palafox erwähnenswert. Die Stadt erstreckt sich - anders als europäische Städte - über eine relativ große Fläche, was durch das Fehlen von höheren mehrstöckigen Häusern zu erklären ist. Seit 1987 ist die Altstadt bei der UNESCO als Weltkulturerbe anerkannt. Zu den wichtigsten Gebäuden der Kolonialzeit gehören die üppig ausgeschmückte Kathedrale aus dem 16. Jahrhundert, sowie die Kirchen Santo Domingo, San Cristobal und San Felipe Neri, sowie das Teatro Principal aus dem 18. Jahrhundert, das als das älteste von Nordamerika gilt.

Geschichte

Die Stadt wurde 1531 als Puebla de los Ángeles zwischen Veracruz und Mexiko-Stadt gegründet, um die Handelsstraße zu kontrollieren. Sie liegt im Cuetlaxcoapontal. Spanier und indianische Hilfskräfte errichteten gemäß einem vorgegebenen Grundplan Wohngebäude im Kolonialstil.

Nach der Unabhängigkeit (1810) verwandelte sich Puebla in ein kulturelles Zentrum, in dem sich eine Gruppe von außergewöhnlichen Gelehrten herausbildete: unter ihnen der später als Verkörperung der mexikanischen Volksseele geltende Francisco Javier Clavijero. In Puebla residiert Ramos Arizpe bis zu seinem Lebensende, der Vater des Bundesstaatsgedankens. Ignacio Comonfort setzt die ersten Reformgesetze durch.

Die Bedeutung der Stadt ist besonders ersichtlich während der zweiten französischen Intervention, als am 5. Mai 1862 die mexikanischen Streitkräfte unter der Führung von General Ignacio Zaragoza (auf dem hügeligen Gelände von Loreto und Guadalupe), das französische Heer besiegten. Der 5. Mai ist aus diesem Grund ein Nationalfeiertag (Cinco de mayo). Die Einnahme der Stadt durch General Pofirio Diaz am 2. April 1867 war der Auftakt zum Ende der Herrschaft Maximilians.

Während des Porfiriats bewahrte die Stadt ihren Ruf und wandelte sich zu einem Zentrum der Erholung und der Bildung, aber auch zu einem wichtigen Zentrum der wirtschaftlichen Entwicklung, da hier eine blühende Textilindustrie entstand.

Zur selben Zeit verstärkte sich die Einwanderung aus Europa, wobei sich in Puebla hauptsächlich Spanier, Italiener, Deutsche Franzosen und Libanesen niederließen. Die Spanier stellen unter ihnen die größte Gruppe dar, ihr Einfluss wird in der Architektur und der Gastronomie deutlich. Sie stammen hauptsächlich von Kastilien, Aragon y Galizien, was auch oft noch an ihrer Aussprache des Spanischen zu erkennen ist.

Deutlich zeigt sich aber auch der französische Einfluss, beispielsweise an seinem Monument, einem Geschenk der französischen Gemeinde, aber auch an der Küche, besonders dem Brot.

Die Italiener ließen sich Ende des 19. Jahrhunderts im nahegelegenen Chipilo nieder: Mehr als 600 Venetos von Norditalien wanderten ein, was die Besonderheiten der Architektur und der Küche erklärt, zu der auch heute noch die Polenta gehört. Auch der italienische Dialekt des Herkunftsorts ist heute noch in der Umgebung von Chipilo zu hören. Ebenso sind Bräuche und Traditionen Italiens immer noch lebendig.

Die Deutschen ließen sich zunächst in der Humboldt-Kolonie nieder, wobei sie Häuser im für Bayern typischen Stil errichteten. Eindrucksvollstes Bauwerk dieser Zeit ist die Lutherische Kirche. Dazu gehört die Gründung der deutschen Schule Colegio Alemán Alexander von Humboldt, die der Pflege der deutschen Sprache und Kultur diente. Nach dem zweiten Weltkrieg wurde sie wieder eröffnet und ist heute eine internationale Begegnungsschule mit einem hohen Anteil von Schülern mexikanischer Abstammung. Das Oktoberfest Pueblas, an dem 2005 mehr als 4.000 Poblaner teilnahmen, ist wahrscheinlich das größte nach Mexiko-Stadt. Auch in der Architektur von Nuevo Necaxa zeigen sich deutliche deutsche Einflüsse. Durch die Ansiedlung des Volkswagenwerks im Norden der Stadt verstärkte sich der Zuzug von Deutschen weiter.

Zu den seit Generationen ansässigen Einwanderern gehören außerdem die libanesischen und jüdischen Händler. Die arabischen Tacos sind dadurch zu einer Spezialität der Gastronomie geworden.

Auch das Ende des Porfiriats ist ohne Puebla nicht denkbar. Es waren die Brüder Aquiles, Carmen y Máximo Serdán , die als erste an der Verschwörung gegen das Regime teilnahmen. Sie wurden am 18. November 1910 zu den ersten Märtyrern der Revolution.

Anfang 1979 fand in Puebla die III. Generalkonferenz des Lateinamerikanischen Episkopats statt, auf der die Römisch-katholische Kirche von Lateinamerika entgegen andersgerichteten Bemühungen die in Medellin beschlossene 'Option für die Armen' bestätigte. Die Konferenz war die erste große internationale Versammlung, an der der neu gewählte Papst Johannes Paul II. teilnahm.

1987 erklärte die UNESCO Puebla zum Weltkulturerbe.

Wirtschaft

Puebla ist ein Zentrum der Landwirtschaft, des Handels, der Industrie und des Tourismus im zentralen Hochland von Mexiko. Die wichtigsten Erzeugnisse sind Textilien, Glaswaren, Keramik, Kacheln, Lebensmittel und Kraftfahrzeuge und Fahrzeugteile.

Größter Arbeitgeber in der Stadt ist Volkswagen de Mexico, wo bis 2003 der VW Käfer gebaut wurde. Derzeit werden dort der Jetta, der Bora, der New Beetle sowie der Golf Variant gefertigt.[2] Der New Beetle wird für den gesamten Konzern ausschließlich in Puebla gefertigt. In Puebla ist neben der Volkswagen-Fabrik auch die VW-Verwaltung für den gesamten nordamerikanischen Markt angesiedelt. In der Stadt sind auch noch weitere deutsche und französische Unternehmen angesiedelt, die Autoteile herstellen oder Logistikdienstleistungen für die Automobilindustrie anbieten.

Bildung

In Puebla befinden sich mehr als 20 Hochschulen, was landesweit nur noch von Mexiko-Stadt übertroffen wird. Unter anderem sind dies die Benemérita Universidad Autónoma de Puebla (BUAP, 1937 gegründet), die Universidad de las Américas (UDLA, 1940 gegründet), die Universidad Iberoamericana (UIA), die Universidad Popular Autónoma del Estado de Puebla (UPAEP), das Instituto Tecnológico de Puebla (ITP), das Instituto Tecnológico y de Estudios Superiores de Monterrey (ITESM), die Universidad del Valle de México (UVM) und die Universidad Anáhuac de Puebla. Auch eine deutsche Schule, das Colegio Humboldt, existiert in Puebla.

Quellen

  1. a b Instituto Nacional de Estadística, Geografía e Informática (INEGI): II Conteo de población y vivienda 2005 (Volkszählung)
  2. Volkswagen de México: Datos Estadísticos, Stand: 22. Januar 2009

Literatur

  • Thomas Veser: Schätze der Menschheit. Bertelsmann, Gütersloh 1995.

Siehe auch

Weblinks

Eintrag in der Welterbeliste der UNESCO auf Englisch und auf Französisch

19.046944444444-98.2094444444447Koordinaten: 19° 3′ N, 98° 13′ W


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