Qabus bin Said bin Taimur Al Said

Qabus bin Said bin Taimur Al Said

Qabus ibn Sa'id Al Sa'id (arabischقابوس بن سعيد آل سعيد‎, DMG Qābūs b. Saʿīd Āl Saʿīd; * 18. November 1940 in Salala) ist seit dem 23. Juli 1970 Sultan von Oman.

Inhaltsverzeichnis

Jugend und Ausbildung

Sultan Qabus wurde als einziger Sohn von Sultan Sayyid Sa'id bin Taimur Al Sa'id und seiner 2. Frau Prinzessin Mazun geboren. Er ist in direkter Linie der achte Nachkomme der 1741 von Iman Ahmad ibn Sa'id begründeten Al-Bu-Sa'id-Dynastie. Seine Kindheit verbrachte der Sultan in Salala, wo er von einem alten arabischen Gelehrten unterrichtet wurde. Mit 17 Jahren wurde er im September 1958 von seinem Vater auf eine Privatschule nach Bury Saint Edmunds, Suffolk, England geschickt. 1960 trat er als Kadett in die Königliche Militärakademie in Sandhurst (Großbritannien) ein. Danach wurde er 1962 als Second Lieutenant in ein britisches Infanterie-Bataillon der „Rheinarmee“ beordert und tat sieben Monate lang Dienst in Minden (Deutschland).[1] Damit war die Hoffnung verknüpft, Erfahrungen für den Aufbau einer modernen omanischen Armee zu sammeln.[2]

Nach seiner Dienstzeit wurde er in England in administrativen und wirtschaftlichen Dingen geschult, um später im Oman eine moderne Verwaltung aufbauen zu können. Danach ging er in Begleitung des britischen Majors Leslie Chauncey auf eine dreimonatige Weltreise.[3] 1964 kehrte Sultan Qabus in den Oman zurück und verbrachte auf Wunsch seines Vaters die nächsten sechs Jahre in Salala. Nach offiziellen Angaben beschäftigte er sich während dieser Zeit mit dem Studium des Islam und der kulturellen und historischen Vergangenheit seines Landes.[4] Dabei blieb ihm nicht verborgen, dass sein Land von seinem Vater im tiefsten Mittelalter gehalten wurde.[5]

Machtergreifung

Am 23. Juli 1970 setzte er seinen Vater mit Hilfe des jungen Scheichs Buraik ibn Hamud al-Ghafiri[6] durch einen Staatsstreich ab. Die ganze Sache sollte unblutig ablaufen, doch war der alte Sultan Sa'id nicht ohne weiteres bereit aufzugeben. Obwohl er von den meisten seiner Gefolgsleute verlassen war, versuchte er einen letzten verzweifelten Widerstandsversuch. Er zückte seine automatische Pistole der Marke Mauser und schoss wild um sich. Dabei wurde Buraik in den Schenkel getroffen. Nachdem Sa'id sein Magazin leergeschossen hatte, versuchte er nachzuladen. In einem Zustand der Aufregung schoss er sich dabei selbst in den Fuß und beendete so die Auseinandersetzung. Danach fügte er sich seinem Schicksal und unterzeichnete die Abdankungsurkunde. Nach einer ersten ärztlichen Versorgung wurde er nach London ins Exil geflogen, wo er zwei Jahre später im Dorchester Hotel verstarb.[7]

Herrschaft

Zunächst war Qabus mit der Sicherung seiner Herrschaft beschäftigt. Erst mit der Absetzung von Premier Tariq konnte er persönlich die Regierung übernehmen. In der Folgezeit war die Bekämpfung der vom Südjemen unterstützten sozialistisch orientierten Guerillabewegung in Dhofar das wichtigste Ziel der Innenpolitik. Nachdem die Guerillabewegung bei Regierungsantritt große Teile von Dhofar kontrolliert hatte, gelang der Regierung mit britischer und iranischer Unterstützung die Zurückdrängung der Aufständischen, die 1972 bei Mirbat eine schwere Niederlage erlitten. Mit Hilfe einer Amnestie konnte Dhofar bis 1975 wieder befriedet werden.

Seit der Regierungsübernahme war Qabus um eine Öffnung und Modernisierung des Landes bemüht. Neben der Aufhebung von Ein- und Ausreisebeschränkungen trat Oman noch 1971 der UNO und der Arabischen Liga bei. Durch die Ölkrise von 1973 und die steigenden Preise für Erdöl konnte Oman hohe Einnahmen erzielen, die in die Modernisierung der Infrastruktur, des Bildungs- und Gesundheitswesens investiert wurden. Für diese Ziele wurde mit Hilfe des IWF ein erster Fünfjahresplan für 1976 bis 1980 aufgestellt. Seit den achtziger Jahren liegt der Schwerpunkt der Investitionen mehr im Bereich der industriellen Entwicklung und der Modernisierung der Landwirtschaft. Allerdings ist Oman weiterhin stark von Erdölexporten abhängig.

Jedenfalls gelang es unter Qabus, die Feudalgesellschaft Omans in wenigen Jahrzehnten unter Beibehaltung der Traditionen in eine moderne Industriegesellschaft umzuwandeln. Seit 1981 wird im Rahmen des Golf-Kooperations-Rates eine verstärkte wirtschaftliche Zusammenarbeit mit den Nachbarstaaten angestrebt.

Trotz der weitreichenden Modernisierung der Gesellschaft hat eine Liberalisierung des politischen Lebens bisher nicht stattgefunden. Weiterhin ist Qabus Premier-, Verteidigungs-, Finanz- und Außenminister. Seit 1991 besteht ein beratender Staatsrat, dessen Mitglieder auf der lokalen Ebene bestimmt werden.

Qabus rief 1976 ein Projekt ins Leben, um die im Oman 1972 ausgerotteten schneeweißen arabischen Oryx-Antilopen (Oryx leucoryx) wieder in der omanischen Wüste anzusiedeln. Außerdem stiftete er den „Sultan Qaboos Environment Prize“, der alle zwei Jahre von der UNESCO für Verdienste um den Umweltschutz verliehen wird.

Persönliches

Sultan Qabus gilt als liberaler Muslim der ibaditischen Richtung. Die Ibaditen stellen im Oman traditionell die Herrscher. Durch die starke Zuwanderung von sunnitischen Einwandereren ist heute jedoch unklar, ob die Ibaditen noch die Mehrheit im Oman stellen. Sultan Qabus hat den Bau zahlreicher Moscheen (u. a. der Sultan Qaboos Grand Mosque), aber auch den von Versammlungsstätten anderer Religionsgemeinschaften finanziert.

Sultan Qabus heiratete am 22. März 1976 in Maskat Prinzessin Sayyida Kamila bint Tariq Al Sa'id (* 20. November 1951). Die Ehe wurde nach kurzer Zeit wieder geschieden und aus ihr gingen keine Kinder hervor. Die Nachfolge und damit der Fortbestand der Sa'id-Dynastie und der Monarchie für die Zukunft sind jedoch in der omanischen Verfassung von 1996 geregelt.

Im Oman wird der Sultan weithin als homosexuell angesehen. Obwohl dies bisher im Oman nicht als Problem angesehen wird, sollte man bei einem Besuch im Lande dieses Thema tunlichst nicht anschneiden, da es sich hierbei um ein absolutes Tabu-Thema handelt.[8] Eine Diskussion über dieses Thema in der Öffentlichkeit führt unweigerlich zur Verhaftung und Verurteilung. Eine offizielle Stellungnahme seitens der Regierung scheint ausgeschlossen, da eine solche Lebensweise im offenen Widerspruch zum Islam steht und von der überwiegenden Mehrheit der Bevölkerung abgelehnt wird.

Paläste

Sultan Qabus benutzt derzeit in Oman folgende Paläste:

  • Al-Alam Palast in Maskat: Nachdem sein Vater sich nahezu 20 Jahre nicht in Muskat aufhielt, verfiel der alte Sultanspalast in Maskat zusehends. Nach der Machtübernahme durch seinen Sohn wurde der alte Palast abgerissen und durch einen repräsentativen Neubau ersetzt. Er wurde von indischen Baufirmen errichtet und in den letzten Jahren ständig erweitert. Die umfangreichen Bauarbeiten stießen bei der Bevölkerung nicht immer auf Zustimmung.
  • Palast in Barka
  • Wohnpalast in Seeb: Der Sultan hält sich überwiegend in diesem Wohnpalast auf.
  • Al-Hisn Palast in Salala: Während der Sommerzeit wohnt der Sultan wegen der großen Hitze in der Hauptstadt in seiner Geburtsstadt. Während des Charif sind die Temperaturen dort angenehm. Der Palast wurde 1981 umfassend renoviert.
  • Mamurah-Palast in der Nähe von Salala: Es handelt sich um den ehemaligen Garten des alten Sultans. Danach wurde das Gelände zum Wohnpalast seiner Mutter umgebaut. Derzeit (Dezember 2007) finden auf dem Gelände umfassende Bauarbeiten statt.
  • Palast in Sohar

Literatur über Sultan Qabus

  • John Peterson: Oman in the Twentieth Century. Croom Helm/Barnes & Noble, London, New York 1978.
  • Calvin H. Allan: Oman: Modernization of the Sultanate. Westview/Croom Helm, Boulder (CO), London 1987.
  • Jill Crystal: Oil and Politics in the Gulf: Rulers and Merchants in Kuwait and Qatar. Cambridge University Press, Cambridge 1990.
  • Ian Sket: Oman: Politics and Development. Macmillan, London 1992.
  • Gause III, F. Gregory: Oil Monarchies. Council on Foreign Relations Press, New York 1994.
  • Carol Riphenburg: Oman: Political Development in a Changing World. Praeger, Westport (CN), London 1998.
  • Calvin H. Allen, Rigsbee II, W. Lynn: Oman under Qaboos: From Coup to Constituion 1970–1996. Cass, London, Portland 2000, ISBN 0-7146-5001-3.
  • Sergey Plekhanov: A Reformer on the Throne: Sultan Qaboos bin Said Al Said. Trident Press, London 2004.

Fußnoten

  1. 1st Infantry Battalion des Scottish Cameronian Regiment der 11th Brigade.
  2. Vgl. Sergey Plekhanov: A Reformer on the Throne: Sultan Qaboos bin Said Al Said. Trident Press, London:2004, S. 82 ff.
  3. Vgl. Calvin H. Allen, Rigsbee II, W. Lynn: Oman under Qaboos: From Coup to Constituion 1970–1996. Cass, London, Portland (OR) 2000, ISBN 0-7146-5001-3.
  4. Vgl. Website des Außenministeriums mit der offiziellen Biographie des Sultans.
  5. Vgl. Tony Jeapes: SAS Secret War: Operation Storm in te Middle East. Grennhill Books/Stakpole Books, London/Pennsylvania 2005, ISBN 1-85367-567-9, S. 28.
  6. Andere Schreibweisen: Bareik bin Hamud oder Braik bin Hamoud; er wurde nach dem Staatsstreich zum Wali des Gouvernements Dhofar ernannt.
  7. Vgl. Tony Jeapes: SAS Secret War: Operation Storm in te Middle East. Grennhill Books/Stakpole Books, London/Pennsylvania 2005, ISBN 1-85367-567-9, S. 29.
  8. Mark Katz: Assessing the Political Stability of Oman. In: Middle East Review of International Affairs. Volume 8, No. 3, September 2004. (online),

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