Quartier (Archäologie)


Quartier (Archäologie)

Als Quartiere bezeichnete der Archäologe Ewald Schuldt die Unterteilungen des Kammerbodens einer Megalithanlage durch (zumeist) senkrecht aufgestellte Steinplatten. Nur im Dolmen von Süderende war eine Quartiereinteilung als winzige Mauer ausgeführt. In Schweden wird statt Quartieren von Sektionen gesprochen.

Inhaltsverzeichnis

Beschreibung

Durch Quartiere besonders stark gegliedert sind die Kammerdielen in den Anlagen von Mecklenburg-Vorpommern und Schweden (dort wie im hercynischen Raum auch bei Steinkisten). Viele Kammern haben ungeteilte Dielen. Bei anderen (insbesondere in Dänemark vereinzelt auch in Schleswig-Holstein) sind nur die Enden abgeteilt, so dass sich ein dreigeteilter Boden ergibt. Das Ganggrab im Rævehøj bei Slots Bjergby, nahe Slagelse auf Seeland ist beidseitig, der Denghoog auf Sylt und das Ganggrab von Busdorf, nur an der Ostseite abgeteilt.

links unten - Ganggrab mit Quartieren

Deutschland

Schleswig-Holstein

In Schleswig-Holstein sind Ganggräber und der Polygonaldolmen von Süderende mit Quartieren ausgestattet (J. Roß). In seiner Abhandlung von 1938 stellt Ernst Sprockhoff bereits fest, dass die Toten nicht immer frei in den Raum gelegt wurden, sondern dass man denselben durch kleine Platten in Quartiere einteilte. Als Beispiel führt er die Megalithanlage (Grab III) bei Hemmelmark, Kr. Eckernförde in Schleswig-Holstein an. Diese Anordnungen stimmen am ehesten mit denen in Dänemark überein. Im Denghoog war der Ostteil der ovalen Kammer vom übrigen Raum durch fünf hochkant gestellte Steinplatten abgetrennt, die 25 cm über die Bodenebene aufragen. Neben ihnen lag eine Reihe von kleineren Steinen. Dasselbe gilt für ein Megalithgrab bei Flehm, Kreis Plön in Ostholstein, wo in den schmalen Enden der Kammer Trennwände aus 30-40 cm großen, dünnen Fliesen von annähernd quadratischer Form gefunden wurden. Im Ganggrab von Kosel-Missunde, Kreis Eckernförde war der Westteil der Kammer in einer Breite von 60 cm durch hochkant stehende, 30 cm hohe Platten abgetrennt". In Grammdorf, Kr. Oldenburg in Holstein stieß man im Nordteil der Kammer auf eine ähnliche Abtrennung. Die Kammer von Bunsoh bei Albersdorf, Kr. Süderdithmarschen war die Kammer symmetrischer aufgeteilt durch drei Wände aus 9 dünnen Steinplatten, die 20-25 cm über die Bodenfläche reichten.

Mecklenburg

In Mecklenburg wurden Quartiere von Ewald Schuldt sowohl als primäre als auch sekundäre Installationen erkannt, so dass am Anfang der Entwicklung offenbar die quartierlosen Dielen standen. Der Zeitraum während dem die Trennwände entstanden, ist jedoch nur ungenau eingrenzbar. Da Nachnutzungen (z. B. durch die Träger der KAK) auch in ausgeräumte, unparzellierte Anlagen erfolgten, fallen Trenneinbauten eher in die Nutzungsmitte. Die zwischen 0,3 m² und über 1,5 m² großen Bereiche kommen pro Anlage zwischen einem und neun Mal vor. In 27 der 106 ausgegrabenen Anlagen fand er Quartiere.

Schweden

Auch bei schwedischen Ganggräbern und megalithischen Steinkisten sowie bei hessisch-westfälischen Galerien ist die Parzellierung vertreten beziehungsweise obligatorisch. Im Gebiet von Hagestad im Südosten der schwedischen Provinz Schonen besitzt das Ganggrab von Carlshögen zwei übereinander liegende Dielen. Die obere, etwa um 2100 v. Chr. erstellte Diele weist keine Parzellierung auf. Sie wird nicht mehr der Trichterbecherkultur zugeschrieben. Einige Dezimeter darunter liegt die neunfach unterteilte etwa 3000 v. Chr. entstandene Primärdiele. Da die Dielen innerhalb der neun Sektionen von Carlshögen aus uneinheitlichem Material bestehen, liegt es nahe, dass sie sukzessiv entstanden bzw. in dieser Weise mit ihrer Dielung versehen wurden. Die fragmentarische Quartiereinteilung von Katelbogen bei Bützow stützt die Vermutung einer sukzessiven Dielengestaltung. Aber nicht nur geschlossene Abteilungen, mitunter sogar von oben abgedeckt entstanden. Im Ganggrab von Vetterlingsgården bei Falköping waren 18 Nischen nur durch seitliche Platten markiert. [1]

Schwedische Anlagen mit Sektionen

(nach M. Strömberg)

  • Schonen:
    • Åsahögen, Gem. Kvistofta (zweigeteilt)
    • Carlshögen, Gem. Löderup
    • Fjälkinge Nr. 3, Gem. Fjälkinge (ungesichert)
    • Fjärestad Nr. 1, Gem. Fjärestad
    • Gantofta beställe, Gem. Kvistofta
    • Ingelstorp Nr. 25, Gem. Ingelstorp
    • Örenäs, Gem. Glumslöv (ungesichert)
    • Ramshög, Gem. Löderup
    • Storegården. Gem. Barsebäck
    • Tågarp Nr. 5, Gem. Ö. Tommarp
  • Halland:
    • Tolarp, Gem. Snöstorp
  • Västergätland:
    • Fiskaregården, Gem. Varnhem
    • Gem. Falköping-West Nr. 20
    • Klövagården, Gem. Karleby
    • Logården, Gem. Karleby
    • Mellomgården, Gem. N. Lundby
    • Nils Olofsgården, Gem. N. Lundby
    • Onskulle, Axevalla, Gem. Skärv
    • Prästgården, Gem. Hångsdala
    • Rössberga, Gem. Valtorp
    • Vetterlingsgården, Gem.Falköping
    • Vilhelmsberg, Gem.Falköping

Dänische Anlagen mit Quartieren

(nach M. Strömberg)

In Dänemark handelt es sich oftmals um Abtrennungen, die die Größe von Steinkisten erreichen. Die Quartiere sind den deutschen und schwedischen darin ähnlich, dass es sich um niedrige Wände handelt, die einen Raum lediglich markieren. Ansonsten unterscheiden sie sich von den deutschen und schwedischen, vor allem von den kleinen Quartieren in Västergötland, durch ihre Größe. Auch in Bezug auf ihre Anzahl pro Anlage ist der Unterschied erheblich, da es in Dänemark nur vereinzelt abgetrennte Räume gib, während in Mecklenburg und Schweden viele Quartiere vorkommen.

  • Seeland
    • Im Doppelganggrab Lodnehøj, Gem. Sneslev stieß man 1884 auf eine rechteckige Kiste von 1,8 m Länge und 60 cm Breite. Eine Platte war 30 cm hoch, die anderen niedriger.
    • Im Doppelganggrab Ormshøj, Gem. Årby, das 1879 untersuchte wurde, war eine quadratische Fläche von etwa 0,5 x 0,5 m abgeteilt. Im anderen Teil der Anlage erkennt man auf dem Plan eine ovale Umhegung von etwa 1,8 m Länge und 80 cm Breite.
    • Im benachbarten Doppelganggrab Hyldehøj, Gem. Rørby fand man 1887 gegenüber der Gangmündung in jeder Kammer, ein mittelgroßes Quartier aus Platten, die 15 cm über die Bodenebene hinauf reichten.
    • Im Ganggrab bei Egby, Gem. Rye fand man 1870 Platten, die etwa 30 cm hoch waren und eine Umhegung bildeten, die etwa 60 cm von der Längsseite in die Kammer hineinreichte.
    • Das Ganggrab Bavnehøj, Gem. Kirke Helsinge wurde 1924 untersucht. In der 6,45 m langen Kammer befanden zwei 10-20 cm hoch stehende Platten, die einen etwa 1,8 m langen und 80 cm breiten Raum abtrennten.
    • Im Ganggrab Rævehøj, Gem. Slots Bjergby, dessen Kammer 7,5 x 1,4-2,0 m groß ist, sind nahe den Enden zwei 1,0 bzw. 1,4 m lange Steinplatten in den Boden eingegraben. Hierdurch wird die Kammer in drei Quartiere aufgeteilt.
  • Jütland
    • Im 1960 untersuchten Ganggrab Dall II, Gem. Dall, südlich von Aalborg, deren Kammer etwa 6,5 x 3 m misst, fand man zwei Quartiere von 1,6 bzw. 2,0 m Länge und 60-70 cm Breite.
    • Im Ganggrab auf dem Tustruper Gräberfeld, Gem. Nørager, war ein Stück der 10 m langen Kammer durch eine lange Platte abgetrennt, die etwa 20 cm über den Bodenbelag herausragt. Hier deuten die Umstände darauf hin, dass die Trennwand zur ursprünglichen Konstruktion des Ganggrabes gehört.
    • Im Ganggrab von Hulbjerg, Gem. Magleby, auf Langeland fand H. Berg 1960-61 sechs (von ursprünglich sieben) eingegrabenen Platten, die das südliche Giebelende abteilten (d.h. 0,8 x 1,65 m).
    • Nordman erwähnt weitere jütländische Gräber mit Quartieren, wie das Ganggrab in Tolstrup, Gem. Aars und eines in der Gem. Pjellerup.

Quartierähnliche Unterteilungen des Innenraumes von Megalithanlagen finden sich auch außerhalb der nordischen Megalitharchitektur.

Großbritannien, Irland, Kanalinseln

Auf den Britischen Inseln kommen verschiedene Formen der Aufteilung von Megalithanlagen vor. Abgesehen davon, dass die Steinplatten der Stalled Cairns jedoch erheblich höher sind, findet sich hier nur ein Equivalent zu den dänischen "internen Kisten ". In der Megalithanlage bei Unival, einem Ganggrab im Westen der Hebrideninsel North Uist in Schottland, fand man in einer Kammerhälfte eine aus dünnen Platten gebaute Kiste. Es gibt es aber auf den Britischen Inseln keine Anlagen mit niedrigen Trennwänden.

In Irland fand O'Kelly im Wedge tomb von Baurnadomeeny, im County Tipperary ebenfalls eine kleine „interne Kiste“ aus niedrigen Platten.

Das Ganggrab von „Mont Ube“ auf der Insel Jersey hat in seiner Kammer abgeteilte Räume. Hier scheinen die Trennwände an den Seiten jedoch höher gewesen zu sein und nur zur Kammermitte aus niedrigen Platten bestanden zu haben. Eine verlegte Megalithanlage bei „Mont de la Ville“, auf Jersey hat fünf oder sechs Nischen, die wenigstens einen Meter breit waren. Auf jeder lag ein Deckstein. Ihre Höhe betrug etwa 1,2 m.

Frankreich und die Iberische Halbinsel

Verschiedentlich wurde ein Zusammenhang zwischen Frankreich und Västergötland betont (L. Kaelas). In einem Doppelgrab bei Kerléven, im Finistère fanden sich in der einen Kammer kleine Querwände, die Ähnlichkeit mit denen in den Ganggräbern Västergötlands haben, zum anderen stehen in der Verlängerung des Ganges Steine in der Kammer (was auch in anderen französischen Gräbern vorkommt, aber für Schwellensteine anzusehen ist), wodurch eine Kammeraufteilung entsteht, die sich formal mit den Verhältnissen im Rævehøj auf Seeland aber auch mit dem Ganggrab in Rössberga, Gem. Valtorp in Vastergötland vergleichen lässt. Wie L. Kaelas betont, gibt es in Frankreich auch die Aufteilurig der Kammer durch eine quer verlaufende Wand, die auch in einigen dänischen und deutschen Anlagen und im Asahögen in Schonen vorkommt. Eine eigenartige Kammer bei Penar-ar-Menez, im Finistère enthielt mehrere kleine Kisten von Dimensionen, die denen von Carlshögen ähneln.

Kammeraufteilungen auf der Iberischen Halbinsel haben G. und V. Leisner in einer Reihe von Fällen festgestellt. Es kommen durch niedrige Steine abgetrennte Räume vor, die Übereinstimmungen mit Verhältnissen in Schonen aufweisen; doch gibt es auch interne Kisten von dem in Dänemark, Deutschland und auf den Britischen Inseln vorkommenden Typ. z. B. in der Anta von Pavia in Portugal.

Siehe auch

Literatur

  • Jutta Roß: Megalithgräber in Schleswig-Holstein 1992
  • Ewald Schuldt: Die mecklenburgischen Megalithgräber. Untersuchungen zu ihrer Architektur und Funktion, In: Ewald Schuldt: Beiträge zur Ur- und Frühgeschichte der Bezirke Rostock, Schwerin und Neubrandenburg, Band 6, VEB Deutscher Verlag der Wissenschaften, Berlin 1972.
  • Märta Strömberg: Die Megalithgräber von Hagestad. Zur Problematik von Grabbauten und Grabriten. Acta Archaeologica Lundensia Band 8. Bonn und Lund 1971.
  • Jürgen E. Walkowitz: Das Megalithsyndrom. Band 36 in Beiträge zur Ur- und Frühgeschichte Mitteleuropas, 2003. ISBN 3-930036-70-3

Einzelnachweis

  1. Lili Kaelas "Dolmen und Ganggräber in Schweden" In: Offa Bd. 15 1956 s. 22

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