R


R
Rr

R bzw. r ist der 18. Buchstabe des lateinischen Alphabets und in den meisten Sprachen ein Konsonant. Der Buchstabe R hat in deutschen Texten eine durchschnittliche Häufigkeit von 7 %. Er ist damit der fünfthäufigste Buchstabe in deutschen Texten.

Inhaltsverzeichnis

Aussprache

Nicht überall dort, wo der Buchstabe R in der Schrift erscheint, wird er auch tatsächlich als das Phonem /r/ ausgesprochen. Meist findet sich in Wörterbüchern, die sich an die sogenannte Standardlautung des Deutschen orientieren, die Empfehlung zur Aussprache des Buchstabens als /r/ unter anderem nach den kurzen Vokalen i, ä, a, ü, ö, u, o am Wortende oder vor einem Konsonanten, z. B. [vɪr] für „wirr“ und nicht [vɪɐ̯].[1] In anderen Fällen wird meist ein abgeschwächtes a [ɐ̯] angegeben, wie bei „Tür“, „wir“ oder „Mutter“.

Im Deutschen gibt es fünf verschiedene Möglichkeiten der Aussprache des /r/: Es kann mit der Zungenspitze oder dem Zäpfchen gerollt oder kurz angeschlagen sowie an diesem gerieben werden.[2] Heute wird /r/ meist als Zäpfchen-R [ʁ] (stimmhafter uvularer Frikativ oder Approximant) ausgesprochen. Ursprünglich wurde der Buchstabe als „gerollter“ Zungenspitzlaut [r] (stimmhafter alveolarer Vibrant) gesprochen.[3][4] In Bayern, in ländlichen Regionen Österreichs sowie in der westlichen Deutschschweiz überwiegt diese Aussprache immer noch, wie auch in übrigen europäischen Ländern (außer in Frankreich, Belgien und Dänemark sowie in Westnorwegen und im südschwedischen Schonen). Die Änderung der Aussprache erfolgte unter dem Einfluss des Französischen.

Noch zu Beginn des 20. Jahrhunderts herrschte das alveolare R in den meisten Teilen Deutschlands vor. Noch heute überwiegt es vielerorts in der Sprache der ältesten Generation ländlicher Sprecher, während jüngere Sprecher das uvulare R verwenden. Dies gilt unter anderem für weite Teile Norddeutschlands, Hessens und Westfalens.

Zu den Gebieten, in denen auch in der Sprache der ältesten Generation ländlicher Sprecher nur das uvulare R vorkommt, gehören die größten Teile von Sachsen, Thüringen, Baden-Württemberg und des Rheinlandes sowie der Großraum Berlin.

Ein retroflexes („englisches“) [ɻ] findet sich stellenweise in deutschen Dialekten, wird aber praktisch überall in der Sprache der jüngeren Generation heute durch das uvulare R ersetzt. Beispielhaft seien hier das westliche Mittelhessen, Teile des Siegerlandes und des Wittgensteiner Landes, der Oberharz und der durch die Vertreibung nach dem Zweiten Weltkrieg verlorengegangene schlesische Dialekt genannt.

Die meisten Sprachen kennen die uvulare Variante des R nicht. Folgende europäische Sprachen kennen das uvulare R entweder als eine von mehreren möglichen Realisationen des Phonems /r/ oder als die einzig mögliche Ausspracheweise: Französisch, Deutsch, Niederländisch, Luxemburgisch, Dänisch, Schwedisch. Im Englischen kam es bis vor einigen Jahrzehnten im Dialekt von Northumberland vor; diese Aussprache wurde als Northumbrian burr bezeichnet.

Das Portugiesische kennt zwei R-Phoneme /r/ und /rr/. /r/ ist ein einfach gerollter alveolarer Vibrant, /rr/ kann auf zwei Weisen realisiert werden: Als uvularer Vibrant/Frikativ oder als mehrfach gerollter alveolarer Vibrant.

Im Arabischen, sowohl dem klassischen Arabisch als auch in den heutigen Volkssprachen, finden sich sowohl das alveolare /r/, das als das eigentliche /r/ anzusehen ist, als auch das uvulare /r/, meist als „gh“ transkribiert. Beides sind eigenständige Phoneme. In manchen Wörtern erscheinen beide, z. B. gharb – „Westen“ oder stoßen sogar direkt aufeinander, z. B. maghreb – „Marokko“, wörtlich „Land/Gebiet des Westens.“

Als Laut gehört das R mit dem L in die Klasse der Liquiden.

Herkunft

Proto-semitischer Menschenkopf Phönizisches Resch Griechisches Rho Etruskisches R Etruskisches R mit Ansatz Lateinisches R
Proto-semitischer
Menschenkopf
Phönizisches Resch Griechisches Rho Etruskisches R Etruskisches R
mit Ansatz
Lateinisches R

Im proto-semitischen Alphabet stellte der Buchstabe das Profil eines menschlichen Kopfes dar. Im phönizischen Alphabet wurde der Kopf stark stilisiert. Der Buchstabe bekam den Namen Resch (Kopf) und stand für den Lautwert [r].

In das griechische Alphabet wurde das Resch unter dem Namen Rho übernommen. Mit der Zeit wurde das Rho abgerundet und mit dem Wechsel der Schreibrichtung wechselte auch der Buchstabe die Orientierung. Manchmal wurde das Rho auch mit einem kurzem Ansatz unter der Rundung geschrieben, diese Modifikation wurde jedoch nicht in das griechische Alphabet aufgenommen.

In das etruskische Alphabet wurde das Rho als R übernommen. Auch die Etrusker schrieben den Buchstaben zum Teil mit, zum Teil ohne Ansatz. Als die Römer das etruskische Alphabet übernahmen, verwendeten sie die Version mit Ansatz, um es vom P unterscheiden zu können. Der Ansatz wuchs mit der Zeit und bis zur römischen Antike bis zur Grundlinie des Buchstabens. Auch wurde der Buchstabe wie im Griechischen gedreht, um ihn an die Schreibrichtung von links nach rechts anzupassen.

Im Mittelalter kannte man eine zweite Form des R, das sogenannte R rotunda. Es wurde nach runden Zeichen wie o, d, p usw. geschrieben.

Zitat

R […], mit l, m und n die gruppe der flüssigen (semivocales) ausmachend. […] sein laut ist mit dem knurren eines hundes verglichen und ihm der name des hundsbuchstaben gegeben worden, lat. litera canina, und danach bei ICKELSAMER: […] das r, ist ain hundts buchstab, wann er zornig die zene blickt und nerret, so die zung kraus zittert. […] damit im zusammenhange verstärktes r als zornreizender laut: das spott- und reizungszeichen rrr! […] “

Grimmsches Wörterbuch

Weblinks

Wiktionary Wiktionary: R – Bedeutungserklärungen, Wortherkunft, Synonyme, Übersetzungen
Wiktionary Wiktionary: r – Bedeutungserklärungen, Wortherkunft, Synonyme, Übersetzungen
 Commons: R – Album mit Bildern und/oder Videos und Audiodateien

Einzelnachweise

  1. Duden, Band 9: Richtiges und gutes Deutsch, Mannheim 2007, S. 129 („Die Aussprache von r“)
  2. Der kleine Duden, Band 4: Deutsche Grammatik, 3. überarbeitete Auflage, Mannheim 2004, S. 60, Randziffer 46 („Die Aussprache“)
  3. Siebs: Deutsche Hochsprache, Berlin 1961, S. 61: „Seit dem 17. Jahrhundert hat sich neben dem alten deutschen Zungen-r das Zäpfchen-r (ʀ) immer weiter verbreitet, so daß heute beide Formen in der Hochsprache als gleichberechtigt angesehen werden müssen ...“
  4. Johann Christoph Gottsched: Vollständigere und Neuerläuterte Deutsche Sprachkunst, Leipzig 1776, S. 34: „... wie das r der Lateiner: es wird aber nicht in der Gurgel, sondern mit einer zitternden Zungenspitze ausgesprochen ...“

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