Ralph Waldo Emerson


Ralph Waldo Emerson
Ralph Waldo Emerson, Daguerreotypie von Southworth & Hawes (um 1857)

Ralph Waldo Emerson (* 25. Mai 1803 in Boston, Massachusetts; † 27. April 1882 in Concord, Massachusetts) war ein US-amerikanischer Philosoph, einflussreicher Unitarier und Schriftsteller.

Inhaltsverzeichnis

Jugend

Ralph Waldo Emerson wurde als Sohn von William Emerson (1769–1811) und Ruth Haskins (1768–1853) geboren. Emersons Vater war unitarischer Pastor und starb, als Emerson acht Jahre alt war. Nach dem Tod des Vaters oblag die intellektuelle Bildung Emersons seiner Tante Mary Moody Emerson. 1825 graduierte er in Harvard und bekam 1826 seine Lizenz, die ihm erlaubte, als unitarischer Pastor zu arbeiten. Drei Jahre später wurde er als Assistent von Henry Ware an die Unitarian Second Church of Boston berufen. Am 30. September 1829 heiratete er Ellen Louisa Tucker, die am 8. Februar 1831 im Alter von 19 Jahren starb.

Europareise

Nach dem Tod seiner Frau begab er sich auf eine Europareise, auf welcher er zwischen 1832 und 1833 Bekanntschaft mit Thomas Carlyle, William Wordsworth und Samuel Taylor Coleridge machte. Auf dieser Reise lernte Emerson auch den deutschen Idealismus und indische Philosophien kennen, was später in seinem Werk Spuren hinterlassen sollte. Nach seiner Rückkehr heiratete er 1835 Lydia Jackson (1802–1892) und zog mit ihr nach Concord in Massachusetts. Sie hatten vier gemeinsame Kinder: Waldo Emerson (1836–1842), Ellen Tucker Emerson (1839–1909), Edith Emerson (1841–1929) und Edward Waldo Emerson (1844–1930).

Literarisches Leben

Brief Emersons an Walt Whitman

Sein erstes Buch, Nature, veröffentlichte er im Alter von 33 Jahren. In dieser Sammlung von Essays tritt er für seinen Glauben ein, dass Menschen in einfacher Art und Weise mit der Natur und natürlich mit sich selbst leben sollen. Seine Vorlesungen The American Scholar (1837) und Address at Divinity College (1838) führten 1838 zu seiner Suspendierung von der Harvard Universität. Trotzdem brachten sie ihm viel Anerkennung unter den jüngeren Studenten, welche dann dem Transcendental Club beitraten. Dies machte ihn zum Führer der amerikanischen Transzendentalisten. Zusammen mit Amos Bronson Alcott, Margaret Fuller, und Henry David Thoreau gründete er 1840 die Zeitschrift The Dial (1840–44), die als „Medium für neue Ideen und Äußerungen, die ernsthafte Denker in jeder Gesellschaft interessieren“ gedacht war.

Ab 1850 begannen seine Werke erfolgreicher zu werden, darunter beispielsweise: Conduct Of Life (1860) und Society And Solitude (1870). Sein Gespür für literarische Talente bewies er, als er auf ein von Walt Whitman 1855 zugesandtes Exemplar der Leaves of Grass Whitman eine große Karriere prophezeite. Wiederholt wurde er zum Mentor junger literarischer Talente. Er ermutigte amerikanische Gelehrte, dem europäischen Einfluss zu entfliehen und hatte selbst einen großen Einfluss auf die Bildung einer neuen amerikanischen Kultur.

Emerson war überzeugter Vegetarier, was z. B. in folgendem Zitat zum Ausdruck kommt: „Sie haben soeben zu Mittag gegessen: und wie sorgfältig auch immer das Schlachthaus in einer taktvollen Entfernung von einigen oder vielen Kilometern verborgen sein mag – Sie sind mitschuldig.“

Abschied

Nach dem Brand seines Hauses 1872 begann Ralph Waldo Emerson sich immer mehr aus der Öffentlichkeit zurückzuziehen. Am 27. April 1882 starb er in Concord, Massachusetts.

Werke (Auswahl)

  • Nature (1836)
    • Erste Ausgabe in deutscher Sprache: Natur (Essays). Herausgegeben und übersetzt von Harald Kiczka, Novalis-Verlag, Schaffhausen, 1981 ISBN 3-7214-0077-1
    • Die Natur: ausgewählte Essays. Hrsg. von Manfred Pütz. Einl., Übers. u. Anm. von Manfred Pütz u. Gottfried Krieger, Reclam, Stuttgart 1982, ISBN 3-15-023702-5 (Reclams Universalbibliothek, Band 3702).
  • The American Scholar (1837)
    • deutsch in: Drei Ansprachen. Über Bildung, Religion und Henry David Thoreau, Einleitung von Dieter Schulz, Freiburg 2007, ISBN 978-3-938871-01-0
  • War (1838)
    • In deutscher Sprache: Über den Krieg. Deutsch von Sophie v. Harbou, Verlag Friedens-Warte , Berlin 1914
  • Self-Reliance (1848)
  • Conduct Of Life (1860).
    • auf deutsch unter den Titeln Lebensführung, Lebensgestaltung sowie Schicksal erschienen.
  • May-day and other pieces (1867)
  • Society And Solitude (1870)
  • Journals
    • in deutscher Sprache als: Die Tagebücher . Ausgew. von Bliss Perry. Übertr. von Franz Riederer. Mit Nachw. von Eduard Baumgarten, Kröner Verlag, Stuttgart 1954
  • Representative Men

Die zahlreichen Essays Emersons erschienen in Deutschland in sehr unterschiedlichen Zusammenstellungen unter verschiedensten Titeln.

Literatur

  • Beniamino Soressi: Ralph Waldo Emerson. Vorrede von Alessandro Ferrara, Armando, Rom 2004, ISBN 88-8358-585-2.
  • Dieter Schulz: Amerikanischer Transzendentalismus. Ralph Waldo Emerson, Henry David Thoreau, Margaret Fuller. WBG, Darmstadt 1997, ISBN 3-534-09407-7.
  • Thomas Krusche: R. W. Emersons Naturauffassung und ihre philosophischen Ursprünge. Eine Interpretation des Emersonschen Denkens aus dem Blickwinkel des deutschen Idealismus. Narr, Tübingen 1987, ISBN 3-87808-489-7 (Mannheimer Beiträge zur Sprach- und Literaturwissenschaft, Band 12; überarbeitete Dissertation aus dem Jahr 1985).
  • Manfred Thiel: Emerson oder die große Musik der Idee. Elpis-Verlag, Heidelberg 1982, ISBN 3-921806-08-9.
  • Edith Mettke: Der Dichter Ralph Waldo Emerson. Mystisches Denken und poetischer Ausdruck. Winter, Heidelberg 1963 (Jahrbuch für Amerikastudien, Heft 11; Dissertation).
  • Ralph L. Rusk: The life of Ralph Waldo Emerson. Scribner, New York 1957.
  • Rüdiger C. Schlicht: Die pädagogischen Ansätze amerikanischer Transzendentalisten. Erziehungswissenschaftliche Studien zu Amos Bronson Alcott, Ralph Waldo Emerson und Henry David Thoreau 1830 - 1840. Lang, Frankfurt am Main usw. 1977, ISBN 3-261-02392-9 (Anglo-American forum, Band 8; Dissertation).

Weblinks

 Commons: Ralph Waldo Emerson – Sammlung von Bildern, Videos und Audiodateien

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