Austin 10/4

Austin 10/4
Austin 10/4 Limousine (1933)
Austin 10 Limousine (1946)

Der Austin 10 war ein Wagen der unteren Mittelklasse, den die Austin Motor Company 1932 herausbrachte. Es war Austins Bestseller in den 1930er-Jahren und wurde - mit Verbesserungen - bis 1947 hergestellt. In der Größe lag er zwischen dem Austin 7 und dem Austin 12, der 1931 in neuer Form herausgebracht wurde. Von 1932 bis 1936 hieß der Austin 10 auch Austin 10/4.

Austin 10/4 Limousine

Die Konstruktion des Fahrzeuges ist konservativ; es hat eine Preßstahlkarosserie, die auf einem X-Träger-Fahrgestell aufgebaut wurde. Das Fahrgestell ist zwischen den Achsen 70 mm abgesenkt. Dadurch ermöglicht es eine geringe Gesamthöhe des Fahrzeuges. Der seitengesteuerte 4-Zylinder-Reihenmotor mit 1125 ccm und einer Leistung von 21 bhp (15,5 kW) treibt über ein 4-Gang-Getriebe und eine offene Kardanwelle die Hinterräder an. Alle 4 Räder sind an Halbelliptikfedern aufgehängt und die Bremsen werden über Zugseile betätigt. Die Elektroanlage war mit 6 V ausgelegt. Nur im ersten Jahr wurde die 4-türige Limousine in zwei Versionen hergestellt: Das Grundmodell kostete GBP 155 und erreichte 88 km/h bei einem Verbrauch von ca. 8,25 ltr./ 100 km. Das "Sunshine"- oder "De Luxe"-Modell mit Rolldach und Lederausstattung kostete GBP 168.

1933 wurde das Angebot mit einem offenen Zweisitzer ("Open Road"), einem Cabriolet ("Colwyn") und einem Kombi ergänzt. Ein Sportmodell, der "Ripley" mit einer Leistung von 30 bhp (22 kW) und einer Höchstgeschwindigkeit von 104 km/h erweiterte 1934 die Auswahl. Die technischen Verbesserungen dieses Jahres umfassten ein stärkeres Fahrgestell, ein synchronisiertes Getriebe und eine 12 V - Elektroanlage.

Die erste Styling-Änderung erfolgte Ende 1934: Der vernickelte Kühlergrill wurde durch einen in Wagenfarbe ersetzt, der zudem leicht nach hinten geneigt war. Die Synchronisierung wurde auch für den 2. Gang eingeführt und die Wagen standardmäßig mit Winkern ausgestattet. Die Limousine erhielt den Beinamen "Lichfield" und bekam einen angebauten Kofferraum, der auch das Reserverad aufnimmt.

Eine neue Karosserieform gab es 1936 mit dem 6-Fenster-Modell "Sherbourne" (3 Fenster auf jeder Seite, eines hinter der Fondtüre), aber die große Änderung kam 1937 mit der fast stromlinienförmigen Limousine "Cambridge" und dem Cabriolet "Conway". Andere Änderungen umfassten die Girling-Stangenbremsen, 16-Stahlräder anstatt der 19-Speichenräder und mehr Platz für die Insassen durch Nachvornerücken des Motor um 100 mm. Die Höchstgeschwindigkeit stieg auf 96 km/h. Diese Änderungen gab es bei den offenen Wagen (ohne "Ripley") erst ab 1938. In diesem Jahr bekamen alle Fahrzeuge einen Zylinderkopf aus Aluminium.

Ein eigentlich ganz neues Auto kam 1939 heraus. Die Karosserie umfasste nun auch den Boden, sodass eine halb-selbsttragende Struktur entstand. Das Auto war von dem Argentinier Ricardo "Dick" Burzi entworfen worden, der 1929 von Lancia zu Austin kam. Die Motorhaube war hinten anstatt in der Mitte angeschlagen, der Kühlergrill fiel runder aus und es gab kein Cabriolet mehr. Trotz Ausbruch des zweiten Weltkrieges wurde die Produktion des Austin 10 in großer Stückzahl fortgesetzt. Es gab keinen Tourer mehr, aber einen Pick-up. Insgesamt wurden 53000 Limousinen, Pick-ups und Kombis hergestellt. Die letzteren hießen inoffiziell "Tillies".

Nach dem Friedensschluss 1945 wurde die Kriegsproduktion sofort auf zivile Produkte umgestellt, aber durch die Nachkriegs-Finanzkrise wurden fast alle Autos exportiert. Der erste Austin kam in den USA im Juli 1945 an. Der Austin 10 blieb bis Oktober 1947 in Produktion und wurde dann durch den Austin A40 ersetzt. Auch der Kombi erschien nach dem Krieg wieder, und zwar mit einem leicht auf 1237 ccm vergrößerten Motor.

Quellen


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