Redoute (Bonn)


Redoute (Bonn)
Die Redoute aus Richtung Kurpark gesehen

Die Redoute in Bonn-Bad Godesberg ist ein Ballhaus aus kurfürstlicher Zeit, das bis Dezember 2010 für Veranstaltungen genutzt wurde. Zum architektonischen Ensemble der Redoute gehören das „Haus an der Redoute“, das „Redüttchen“ und die kurfürstlichen Logierhäuser entlang der Kurfürstenallee.

Inhaltsverzeichnis

Lage

Die Redoute liegt an der Ecke von Brunnenallee und Kurfürstenallee gegenüber dem Bad Godesberger Kurpark, südlich der Innenstadt. Sie ist umgeben von einem eigenen Parkgelände, dem sogenannten Redoutenpark.

Geschichte

Redoute und Kurfürstenallee 1792 (Kupferstich von Johann Ziegler nach Aquarell von Laurenz Janscha)

Errichtet wurde die Redoute im spätklassizistischen Stil von 1790 bis 1792 unter Kurfürst Max Franz; Architekten waren Vater und Sohn Michael Leydel. Sie sollte für Bälle und andere Vergnügungen des Hofes genutzt werden – der Name Redoute ist eine alte Bezeichnung für einen Kostümball. Das ursprünglich dreiflügelige Gebäude wurde später um den ovalen Gartensaal zwischen den beiden Flügeln ergänzt. Das nebenstehende Haus an der Redoute, dessen Bau ebenfalls 1790 begann, diente bis 1860 ergänzend als Hof- und Kammertheater, anschließend als Wohnhaus. Das Redüttchen war ursprünglich das Gärtnerhaus der Anlage.

1792 spielte in der Redoute Ludwig van Beethoven vor Joseph Haydn. Dort verabredeten sie, dass Beethoven eine zweite Studienreise nach Wien unternehmen solle, um Meisterschüler von Haydn zu werden.[1] 1793 fand hier eine Aufführung der Zauberflöte statt (Uraufführung 1791 in Wien). 1794 wurde Bonn französisch besetzt. Die Kulturveranstaltungen in der Redoute endeten, bis zum Verbot durch die preußische Regierung 1819 diente sie dem Glücksspiel. In den folgenden Jahrzehnten fand die Redoute Nutzung als Gemäldegalerie und Mädchenpensionat, bis sie 1856 in Privatbesitz des Kölner Bankiers Victor Wendelstadt gelangte. 1920 kaufte die selbstständige Gemeinde Godesberg das Gebäude und den anschließenden Park, nach der Erweiterung durch den Gartensaal konnten wieder kulturelle Nutzungen stattfinden.

Das Haus an der Redoute wurde als Bürgermeisterhaus genutzt. 1860 wurde es zum Privatbesitz der Wuppertaler Familie von August von der Heydt. Nach dem Zweiten Weltkrieg wurde es städtisches Eigentum. Das Redüttchen diente zwischenzeitlich als Kurapotheke.

Würdigung

„Der Übergang der Redoute in den öffentlichen Besitz der Gemeinde ist als dauernde Sicherstellung des wichtigsten Denkmals aus der späteren Glanzzeit Godesbergs freudigst zu begrüßen, wie ja überhaupt die Godesberger Redoute das einzige interessante Bauwerk aus der Regierungszeit des letzten Kölnischen Kurfürsten, des liebenswürdigen Max Franz, ist.“[2]

Nach Gründung der Bundesrepublik

Die Redoute und das dazugehörige Gebäudeensemble sind seit 1920 in städtischem Besitz. Die damals selbstständige Stadt Bad Godesberg kaufte die Gebäude für 1,15 Millionen Mark. 1975 wurde die Redoute umfangreich saniert und modernisiert. Von den Kosten in Höhe von rund 7,5 Millionen DM übernahm der Bund 70 Prozent. Das Redüttchen baute die Firma Günnewig für etwa 900.000 DM um. Seit 1975 wurde die Redoute vom Tochterunternehmen Günnewig Hotels & Restaurants betrieben. Im Dezember 2010 endete der Pachtvertrag zwischen der Stadt Bonn und Günnewig. Die Säle und Salons unterschiedlicher Größe standen für private Feiern, Konferenzen und Bankette zur Verfügung. Im „Redüttchen“ befand sich ein dazugehöriges Restaurant. Bund und Botschaften luden zur Zeit Bonns als Regierungssitz (bis 1999) zu repräsentativen Empfängen und Veranstaltungen. Zur glanzvollen Ausstattung steuerte der Bund mit verschiedenen Leihgaben wie Stilmöbeln oder Teppichen bei. Das Bonner Kulturamt hatte verschiedene Bilder zur Verfügung gestellt.

Seit Anfang 2011 wird die Redoute umfangreichen Sanierungsmaßnahmen unterzogen, die auf insgesamt rund 1,8 Millionen Euro geschätzt werden und für eine Neuverpachtung der Gebäude notwendig sind. Diese Arbeiten sollen voraussichtlich zum 15. Juli 2011 beendet sein.

Im angrenzenden „Haus an der Redoute“ finden Kunstausstellungen, Kammermusikabende und andere kulturelle Veranstaltungen sowie Empfänge des Stadtbezirkes statt. Im Obergeschoss ist die Verwaltung der Deutschen Stiftung Denkmalschutz. In den „Logierhäusern“ entlang der Kurfürstenallee sind das Godesberger Rathaus und Büros der Bonner Stadtverwaltung untergebracht.

Bürgerbegehren

Eine erneute Sanierung der Redoute sollte nach einem Mehrheitsbeschluss der Bad Godesberger Bezirksvertretung vom 16. April 2008 mit Hilfe privater Investoren durchgeführt werden. Die Investoren wurden im Rahmen einer europäischen Ausschreibung gesucht. Im Anschluss an diese geplante private Sanierung sollte entsprechend diesem Beschluss die Stadtverwaltung aus der Redoute in andere Gebäude umziehen.

Für den Verbleib der historischen Gebäude in städtischem Besitz begann im April 2008 ein Bürgerbegehren mit dem Titel „Rettet das Rathaus und die Redoute“. Ende Januar 2009 überreichte die Bürgerinitiative, die das Bürgerbegehren durchgeführt hat, mehr als 11.000 gesammelte Unterschriften an die Stadt [3]. Aufgrund eines Gutachtens, das das Bürgerbegehren als „kassatorisch“ bezeichnete, beabsichtigte die Verwaltung eine Empfehlung an den Rat der Stadt Bonn, die Durchführung des Bürgerbegehrens als unzulässig abzulehnen.[4]

Eine weitere Auseinandersetzung um das Bürgerbegehren erübrigte sich jedoch, weil sich kein Interessent für die geplante Investition meldete. Das Bieterverfahren wurde deshalb am 17. Januar 2009 beendet.[5]

Stopp der europaweiten Ausschreibung

Im Februar 2010 hob der Rat der Stadt Bonn die europaweite Ausschreibung der städtischen Gebäude an der Kurfürstenallee auf. Damit wurde der Weg für eine Neuorientierung für das sanierungsbedürftige historische Ensemble frei gemacht. Auf den Verkauf der Liegenschaften an private Investoren soll „vorerst verzichtet“ werden.[6]

Zukunftsplanung

Anfang 2011 begann das Städtische Gebäudemanagement (SGB) der Stadt Bonn mit umfangreichen Sanierungsmaßnahmen, die auf insgesamt rund 1,8 Millionen Euro geschätzt werden und für eine Neuverpachtung der Gebäude notwendig sind. Diese Arbeiten sollen voraussichtlich Mitte September 2011 beendet sein. Im Mai 2011 schrieb das Liegenschaftsamt die Neuverpachtung ab Oktober 2011 aus. [7] Nach Abschluss der Ausschreibung wurde die Verwaltung der Stadt Bonn im Juli 2011 beauftragt, Vertragsverhandlungen mit dem im Beschluss genannten Bewerber zu führen und einen entsprechenden Vertragsschluss herbei zu führen. [8]

Sanierung der Technik

Anfang 2011 begann die Sanierung der beiden Gebäude, die sich in erster Linie auf die Technik beschränkt. Das SGB geht bei der Redoute von etwa 1,629 Million Euro für das Redüttchen von 143.000 Euro aus. Bei der Redoute geht es unter anderem um die Dachsanierung sowie die Erneuerung der Heizungszentrale, der Lüftung, Aufzüge, Grundleitungen und der Elektroeinrichtungen. Im Redüttchen ist eine allgemeine Instandhaltung sowie die Erneuerung von Sanitär, Heizung, Lüftung und Elektro vorgesehen, um auch hier den „Charme der 70er-Jahre“ auszutreiben. Die Arbeiten sollen Mitte Juli 2011 abgeschlossen sein, um dann die Gebäude wieder einer gastronomischen Nutzung zuzuführen.

Foto-Galerie

Einzelnachweise

  1. Beethovens Lehrer/Kurzbiografie auf beethovenfest.de
  2. Auszug aus einem Brief des früheren Provinzialkonservators und Kultusministers der Rheinprovinz, Prof. Edmund Renard, an Prof. Dr. med. Hermann Wendelstadt, stellv. Bürgermeister von Godesberg, von ca. 1920. Erstmals veröffentlicht 1920 in der Godesberger Volkszeitung, zitiert Nachdruck in Godesberger Heimatblätter, Nr. 22, S. 22 f. Bad Godesberg, 1984
  3. 11 500 Unterschriften gegen Rathaus-Verkauf
  4. Stadt: Bürgerbegehren in Bad Godesberg ist unzulässig
  5. Bericht auf „nrw.mehr-demokratie.de“
  6. Rat stoppt die Ausschreibung Kurfürstenallee, Bonn.de, 22. Februar 2010
  7. Stadt Bonn: „Pachtvertrag Redoute und Redüttchen läuft Silvester aus“
  8. Stadt Bonn: "Neuer Pächter für Redoute und Redüttchen"

Literatur

Weblinks

 Commons: Redoute Bad Godesberg – Sammlung von Bildern, Videos und Audiodateien
50.6813416666677.15315

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