Reduplikation (Sprache)


Reduplikation (Sprache)

Die Reduplikation ist ein morphologischer Prozess, bei dem Laute, Silben, Wörter oder Wortteile wiederholt werden, indem man einen bestimmten Teil bzw. eine Lautkette des Basiswortes kopiert, dieses Reduplikat wieder mit der Basis verbindet und somit die abgeleitete Form der Basis bildet. Man unterscheidet zwischen partieller und totaler Reduplikation, je nachdem, ob nur ein Teil der Basis oder das komplette Wort verdoppelt wird. In den meisten Sprachen der Welt ist diese Methodik gebräuchlich, unter anderem um Formen der Vergangenheit, des Plurals, des Diminutivs etc. zu bilden (Flexion). Sie wird aber auch in der Wortbildung für die Entwicklung neuer Wörter genutzt.

„Nothing is more natural than the prevalence of reduplication, in other words, the repetition of all or part of the radical element.“[1]

Inhaltsverzeichnis

Beispiele

Fidschi: bota – „reifen“ → bo~bota – „beginnen zu reifen“
Georgisch: lamaz- – „hübsch“ → lamaz~lamaz- – „ganz hübsch“
Kiribati: burae – „Haar“ → burae~rae – „haarig“
Japanisch: hito (人) - „Mensch“ → hito~bito (人人 oder 人) - „Volk, Menschheit“[2]
Mandarin: rén – „Person“ → rén~rén – „jeder“
Papiamentu: ketu – „still“ → ketu~ketu – „sehr still“[3]
Italienisch: piano – hier: „langsam“ → piano piano – „sehr langsam, allmählich, auch: so langsam werde ich sauer!“ (im Italienischen stets eine Steigerung; vgl. forte (stark) und "bello" (schön))

Reduplikation im Deutschen

Im Deutschen kommt die Reduplikation selten vor. Auch Präfixe können redupliziert bzw. iteriert werden: Urur…großmutter, vorvorvor…gestern. In der Kindersprache sind solche Wörter häufiger anzutreffen, man denke an Papa, Mama, Wauwau.

Die Präteritalform tat (älter: tät/tet) zu tun enthält mit dem zweifachen ‚t‘ einen Überrest der alten indogermanischen Perfektreduplikation. Diese ist etwa im Altgriechischen, im Sanskrit sowie in Resten im Lateinischen erhalten. So bildet das griechische Verb παιδεύω paideuō das Perfekt πεπαίδευκα pepaideuka, zu lateinisch tango lautet die Perfektform tetigī (sog. Reduplikationsperfekt).

Bei jenen deutschen Verben, deren Stammvokal im Infinitiv und im Partizip II derselbe ist, in deren Präteritum jedoch -ie- steht (vgl.: starke Verben), geht selbiges ebenfalls auf die Perfektreduplikation zurück, wobei diese hier synchron nicht mehr als solche zu erkennen ist und auch die historische Entwicklung dieser Formen einer vollständigen Klärung noch harrt.

Reduplikationswörter (ugs. auch: „Doppelmoppel“) sind oft aus fremden Sprachen eingebürgert, etwa Bonbon oder Tamtam.

Der Begriff Reduplikation ist nicht immer ganz eindeutig. So werden Wörter, die mit sich selbst ein Kompositum bilden (Autokomposita), oft nicht als solche betrachtet. Kompetenz-Kompetenz z. B. wird bisweilen als das längste durch Reduplikation gebildete deutsche Wort bezeichnet. Tatsächlich handelt es sich hierbei jedoch um ein Determinativkompositum, das die Bedeutung der Kompetenz zur Schaffung von Kompetenzen betont (vgl. auch frz.: compétence de la compétence). bittebitte, klein-klein dagegen, die lediglich „Verstärkung“, „Intensivierung“ ausdrücken, sind Reduplikationen.

Reduplikation im Altgriechischen

Im Altgriechischen kommt die Reduplikation als Zeichen des Perfektstammes vor. Beginnt das Verb mit einem einfachen Konsonanten außer ρ, so wird dieser Konsonant mit dem Vokal ε vor das Verb redupliziert. Im Falle einer Aspirata steht die entsprechende Tenuis: λύω Perf. λελύκα aber θεάομαι Perf. τεθέαμαι. Beginnt das Verb mit muta cum liquida tritt nur die Muta mit ε vor das Verb: κλείω Perf. κέκλεικα. In allen anderen Fällen kommt es nicht zu Reduplikation, stattdessen wird das Perfekt mit Augment gebildet.

Einige wenige Verben besitzen eine Präsensreduplikation mit dem Vokal ι, mit der sie sich vom eigentlichen Verbalstamm unterscheiden: δίδωμι Verbalstamm: δω

Klassen

Man unterscheidet verschiedene Formen von Reduplikationen/Iterationen:

  • exakte Reduplikation (einfache Doppelung): pap.: ketu~ketu „sehr still“, deutsch: klein-klein
  • Echowortbildung (Reimbildung, Reimdoppelung): bik.: harap-hasap „rauh“, english: party-shmarty, Deutsch: Heckmeck
  • Ablautbildungen (Ablautdoppelung)[4].
    Bei der Reduplikation mit Ablaut findet im Deutschen meist ein Wechsel von i zu a statt: z.B. Singsang, Wirrwarr, zickzack, ritsch-ratsch, schnipp-schnapp, tick-tack.
    Im Englischen findet sich meist ein Wechsel von i zu o: z.B. Flip-flop, Hip-hop, Pingpong, Tip-top.[5]
  • selten: Triplikation

Siehe auch

Literatur

  • Jacques André: Les mots a redoublement en latin. In: Études et commentaires. 90. Klincksieck, Paris 1978.
  • Andrzej Zdzisław Bzdęga: Reduplizierte Wortbildung im Deutschen. Praca Wydana z Zasiłku Polskiej Akademii Nauk, Poznań 1965.
  • Bernhard Hurch (ed.): Studies on Reduplication. In: Empirical Approaches to Language Typology. 28. Mouton de Gruyter, Berlin 2005.
  • Edith Moravcsik: Reduplicative Constructions. In: Joseph Greenberg (ed.) Universals of Human Language. Vol. 3, Word Structure. Stanford University Press 1978. S. 297–334.
  • August Pott: Doppelung (Reduplikation, Gemination) als eines der wichtigsten Bildungsmittel der Sprache, beleuchtet aus Sprachen aller Welttheile. Meyer, Lemgo, Detmold 1862. (Institut für Sprachwissenschaft, Geisteswissenschaftliche Fakultät der Karl-Franzens-Universität Graz)
  • Peter Rühmkorf: agar agar – zaurzaurim. Zur Naturgeschichte des Reims und der menschlichen Anklangsnerven. Suhrkamp, Frankfurt 1985. ISBN 3-518-11307-0.
  • Wolfgang Schindler: Reduplizierende Wortbildung im Deutschen. In: Zeitschrift für Phonetik, Sprachwissenschaft und Kommunikationsforschung. 44, 1991. S. 597–613.
  • Françoise Skoda: Le redoublement expressif: un universal linguistique. Analyse du procédé en grec ancien et en d’autres langues. 15, numéro spécial. Société d’études linguistiques et anthropologiques de France, Paris 1982.
  • Richard Wiese: Über die Interaktion von Morphologie und Phonologie – Reduplikation im Deutschen. In: Zeitschrift für Phonetik, Sprachwissenschaft und Kommunikationsforschung. 43, 1990. S. 603–624.
  • Jinyang Zhu, Christine Culp, Karl-Heinz Best: Formen und Funktionen der Doppelungen im Chinesischen im Vergleich zum Deutschen. In: Oriens Extremus. 38, H. 1/2, 1995. S. 183–208.

Weblinks

Einzelnachweise

  1. Edward Sapir: Language. An Introduction to the study of Speech. Harcourt Brace & Company, San Diego, New York, London 1921. S. 76.
  2. [1], siehe englischer Wiktionary-Artikel
  3. The Graz Database on Reduplication, Universität Graz.
  4. Die Bezeichnungen „einfache Doppelung“, „Reimdoppelung“, und „Ablautdoppelung“ werden von Wolfgang Fleischer, Irmhild Barz, unter Mitarbeit von Marianne Schröder: Wortbildung der deutschen Gegenwartssprache. 2., durchgesehene und ergänzte Auflage. Niemeyer, Tübingen 1995, ISBN 3-484-10682-4, S. 48 und von Duden. Die Grammatik. 7., völlig neu erarbeitete und erweiterte Auflage. Dudenverlag: Mannheim/ Leipzig/ Wien/ Zürich 2005, S. 453f. ISBN 3-411-04047-5, S. 680 verwendet.
  5. DUDEN-Newsletter vom 26. November 2010 [2]

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