Regenwasserversickerung


Regenwasserversickerung
Mulden-Rigolensystem zur Versickerung in der EXPO-Siedlung am Kronsberg in Hannover
Regenwassersickerbecken

Versickerung bezeichnet in der Wassertechnik das Einbringen von Niederschlagswasser (Regen, Hagel, Schnee) über technische Versickerungsanlagen in den Untergrund. Hierbei kann das Wasser auch belastet sein. Die Einbringung von belastetem Niederschlagswasser kann auch als Verrieselung bezeichnen werden. Das Versickern von belastetem, zu behandelndem Wasser (meist vorbehandeltes Schmutzwasser) in den Untergrund erfolgt nach einer entsprechenden Reinigung in einer Rieselstrecke (Sickerstrecke).

Inhaltsverzeichnis

Beschreibung

Die Versickerung wird insbesondere zur Ableitung von Niederschlagswasser aus Siedlungsräumen und Verkehrsflächen verwendet, wenn keine geeignete Kanalisation oder Vorfluter vorhanden sind. In der Entsorgungstechnik wird dieses Verfahren auch deshalb eingesetzt, um der Verminderung der Grundwasserneubildung durch die Flächenversiegelungen entgegenzuwirken und den Wasserrückhalt zu erhöhen.

Niederschläge kann durch Abschwemmungen von belasteten Oberflächen (wie z. B. Radabrieb, Bremsstaub und Leckverlusten auf Straßen sowie Verschmutzungen in Industriegebieten) Schadstoffe mitführen. Vor der Versickerung ist das Wasser daher gegebenenfalls vorzureinigen bzw. die Versickerung durch eine bakterienreiche Humusschicht (belebte Bodenzone) zu führen. Die Anforderungen sind im Merkblatt DWA-M 153 (Handlungsempfehlungen zum Umgang mit Regenwasser) beschrieben. Dabei unterscheidet man zwischen Filteranlagen, Sedimentationsanlagen, Bodenpassage und chemisch-physikalische Verfahren.

Versickerungsanlagen

In Deutschland sind die Anforderungen an Versickerungsanlagen (für Niederschlagswasser) im DWA-Arbeitsblatt-A 138 Planung, Bau und Betrieb von Anlagen zur Versickerung von Niederschlagswasser der Deutsche Vereinigung für Wasserwirtschaft, Abwasser und Abfall e. V. (DWA) festgelegt. (ISBN 3-937758-66-6 Stand April 2005).

Das Arbeitsblatt A 138 unterscheidet

  • Flächen-Versickerung
  • Becken-Versickerung
  • Mulden-Versickerung
  • Mulden-Rigolen-Versickerung
  • Rigolen-Versickerung
  • Rohr-Rigolen-Versickerung
  • Rohr-Versickerung
  • Schacht-Versickerung

Zur Auslegung der Anlagen ist zu beachten, dass der Anfall des Niederschlagswassers diskontinuierlich ist und daher oft Speichereinrichtungen sinnvoll sind, um mit kleinen Versickerungsflächen auszukommen. Je nach Bodendurchlässigkeit muss mit 8-20 % Flächenbedarf für die Mulde im Verhältnis zur angeschlossenen Fläche gerechnet werden. Der maximale Wasserspiegel in einer nicht eingezäunten Mulde sollte 30 cm nicht überschreiten.

Die Versickerung kann auch bei der künstlichen Anreicherung des Grundwassers zur Nutz- und Trinkwassergewinnung angewandt werden.

In Nordrhein-Westfalen sowie einigen vor allem ländlichen Gegenden ist es gesetzlich vorgeschrieben, anfallendes Regenwasser im eigenen Garten versickern zu lassen. Einerseits soll dadurch der Grundwasserhaushalt erhalten werden, andererseits kann die Regenwasserkanalisation schwächer und damit billiger ausgeführt werden.

Errichtung

Vor dem Bau einer Versickerungsanlage sollte der anstehende Boden auf seine Versickerungsfähigkeit (Kf-Wert) untersucht werden. Sand gilt als sehr wasserdurchlässig, Schluff und Ton als stauend bzw. abdichtend. Vor dem Bau einer Versickerungsanlage muss ferner die Höhe des Grundwassers bekannt sein, da eine Versickerungsstrecke von mindestens 1 m bis zum höchsten Grundwasserspiegel gewährleistet sein muss.

Meistens sind Versickerungsanlagen auf privaten Wohngrundstücken genehmigungsfrei. In einigen Bundesländern ist eine Genehmigungsfreiheit dann gegeben, wenn eine Wassermenge von 8 m³ pro Tag nicht überschritten und die Versickerung über die belebte Bodenzone (Grasnarbe und Mutterboden von mindestens 10 cm) erfolgt. Für Versickerungsanlagen auf gewerblich genutzten Grundstücke und im öffentlichen Raum ist eine wasserrechtliche Erlaubnis der Unteren Wasserbehörde erforderlich.

Siehe auch

Weblinks


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