Reichstag (Heiliges Römisches Reich)


Reichstag (Heiliges Römisches Reich)
Sitzung des Reichstags in Regensburg im Jahr 1640 (nach einem Stich von Matthäus Merian)

Der Begriff Reichstag bezeichnet ursprünglich die Versammlung der Reichsstände des Heiligen Römischen Reiches. Die neben dem König/Kaiser stehende Körperschaft entwickelte sich seit dem 12. Jahrhundert aus den formlosen Hoftagen und wurde 1495 mittels eines Vertrages zwischen dem Kaiser und den Ständen zu einer festen Institution der Reichsverfassung.

Der Reichstag wurde bis zum 16. Jahrhundert in unregelmäßigen Abständen jeweils in eine Bischofs- oder Reichsstadt einberufen und war das maßgebliche Gegengewicht der Stände gegenüber der kaiserlichen Zentralgewalt. Seit 1663 tagte der Immerwährende Reichstag als ständiger Gesandtenkongress in Regensburg.

Inhaltsverzeichnis

Ursprünge als Reichsversammlung

Die Reichstage waren ursprünglich eine Art Heerschau, bei der der König (bzw. der Hausmeier) seine Adligen und deren Gefolgsleute musterte. Diese Reichsversammlungen wurden bereits in den frühen Zeiten des Frankenreiches abgehalten und fanden jeweils im März, später im Mai (daher auch „Maifeld“ genannt), also vor den Kriegszügen des anschließenden Sommers, statt.

Unter Karl dem Großen fand 777 erstmals eine Reichsversammlung inmitten des Landes der Sachsen (in Paderborn) statt, der sein Rivale Herzog Widukind allerdings fern blieb.[1]

Geschichte

Der Reichstag trat bis 1663 etwa 40- bis 45-mal zusammen und konnte einige Wochen, aber auch mehrere Monate dauern. Der Reichstag begann – zumindest in seiner nicht-permanenten Zeit – neben zeremoniellen Akten mit der Verlesung der kaiserlichen Proposition, der vom Kaiser vorab festgelegten Tagesordnung, im sog. Reichsrat und endete mit der Verlesung und Beurkundung der Beschlüsse des Reichstages, dem Reichsabschied. Der letzte dieser Reichsabschiede war der Jüngste Reichsabschied (recessus imperii novissimus) aus dem Jahre 1653/54. Dieser Reichstag in Regensburg hatte die Aufgabe, die bei den Friedensverhandlungen von 1648 zur Beendigung des Dreißigjährigen Krieges nicht behandelten Themen zu beraten.

Die Permanenz des Immerwährenden Reichstags nach 1663 wurde nie formell beschlossen, war aber in den Beschlüssen des Westfälischen Friedens angelegt, woraus sich allmählich die Permanenz des Reichstages entwickelte. Dieser Reichstag entwickelte sich aber nach Meinung heutiger Historiker niemals zu einem Parlament oder einer ständischen Volksvertretung. Stattdessen war und blieb er immer die Vertretungsinstitution der Kurfürsten, der fürstlichen und nicht-fürstlichen Reichsstände. Der Immerwährende Reichstag entwickelte sich aufgrund seiner Permanenz recht schnell zu einem reinen Gesandtenkongress, auf dem die Reichsstände nur sehr selten erschienen.

Der Reichstag existierte bis zur Auflösung des Heiligen Römischen Reiches Deutscher Nation im Jahr 1806.

Die Bezeichnung Reichstag trugen nach 1866 auch das Parlament des Norddeutschen Bundes und ab 1871 das Parlament des Deutschen Reiches.

Wichtige Beschlüsse und Kommentare aus dem Zeitgeschehen

Der Reichsdeputationshauptschluss von 1803 zählt zu den tiefgreifendsten Beschlüssen des Reichstags und gilt als ein zentrales Element aus der Niedergangsphase des Heiligen Römischen Reichs während der Zeit der Napoleonischen Kriege (1800–1814/15). Eine Äußerung Napoleons aus dieser Zeit, die er gegenüber seinem Außenminister Talleyrand machte, ist wie folgt dokumentiert:

Es wird keinen Reichstag mehr geben; denn Regensburg soll Bayern gehören; es wird auch kein Deutsches Reich mehr geben.[2]

Zusammensetzung und Organisation

Seit 1489 umfasste der Reichstag drei Kollegien:

  1. Kurfürstenrat: Er stand unter Führung des Kurerzkanzlers, der immer der Erzbischof von Mainz war. Die Zahl der Kurfürsten betrug seit 1356 aufgrund der Bestimmungen der Goldenen Bulle sieben, wurde 1648 (Westfälischer Friede) auf acht und 1692 auf neun erweitert. 1777 sank sie durch Vereinigung zweier Kurfürstentümer wieder auf acht. Eine durch die linksrheinischen Territorialverluste des Reichs zu Beginn des 19. Jahrhunderts erfolgte grundlegende Umgestaltung (Wegfall der vier linksrheinischen Kurfürstentümer, Neuschaffung von fünf neuen Kurwürden) hatte wegen ihrer Kurzlebigkeit keine Auswirkung mehr.
  2. Reichsfürstenrat: Ihm gehörten die übrigen weltlichen und geistlichen Fürsten an sowie Reichsgrafen, Reichsfreiherren und Reichsprälaten. Die Führung wechselte zwischen dem Erzbischof von Salzburg und dem Erzherzog von Österreich. Um 1800 hatte das Reichsfürstenkollegium 100 Sitze, die sich auf eine geistliche (37 Mitglieder) und eine weltliche Bank (63 Mitglieder) verteilten. Neben den sogenannten Virilstimmen, die von einzelnen Reichsfürsten geführt wurden, gab es zwei geistliche (rheinisches und schwäbisches Reichsprälatenkollegium) und vier weltliche (niederrheinisch-westfälisches, schwäbisches, fränkisches und wetterauerisches Reichsgrafenkollegium) sogenannte Kuriatstimmen, die sich jeweils mehrere Grafen oder Prälaten teilten.
  3. Städterat: Er stand unter dem Direktorium der gastgebenden Stadt des Reichstags, seit 1594 immer Regensburg, und umfasste 51 Sitze für die Reichsstädte, die sich in eine rheinische (hierin auch die Reichsstädte Nord- und Mitteldeutschlands) und eine schwäbische Bank (auch für andere süddeutsche Reichsstädte) gliederten.

Der Reichstag durfte nur vom Kaiser einberufen werden, der aber seit der Wahlkapitulation Karls V. aus dem Jahre 1519 verpflichtet war, vor Versendung der „Ausschreiben“ genannten Einladungsschreiben die Kurfürsten um Zustimmung zu bitten. Der Kaiser hatte ebenfalls das Recht, die Tagesordnung festzulegen. Dabei hatte er aber nur einen geringen Einfluss auf die tatsächlich diskutierten Themen. Die Leitung des Reichstages hatte der Kurfürst von Mainz inne, der auch gleichzeitig den Kurfürstenrat leitete. Der Reichsfürstenrat wurde abwechselnd durch den Erzherzog von Österreich und den Erzbischof von Salzburg geleitet, die Leitung des Reichsstädterates lag jeweils in der Hand der Stadt, in der der Reichstag stattfand.

Da der Immerwährende Reichstag seit 1663 nicht formell beendet wurde, konnten seine Beschlüsse auch nicht als Reichsabschied erarbeitet werden. Die Beschlüsse wurden deshalb in Form sogenannter Reichsschlüsse niedergelegt. Die Ratifizierung dieser Beschlüsse wurde meist durch den Prinzipalkommissar, den Vertreter des Kaisers beim Reichstag, in Form eines „Kaiserlichen Commissions-Decrets“ durchgeführt.

Die Reichsabschiede und Reichsschlüsse behandelten eine große Bandbreite von Themen, bei denen es zu einem Konsens zwischen dem Kaiser und den verschieden Ständen kommen musste. So wurden Fragen des Auf- und Ausbaus der Regierung, Verwaltung, Justiz und des Militärs auf Reichsebene behandelt. Weiterhin wurden Themen behandelt wie die Erhaltung und Wiederherstellung des Landfriedens, die Regelung des friedlichen Nebeneinanders der verschiedenen christlichen Konfessionen, die Erklärung von Krieg und Frieden, die Finanzierung von Reichsinstitutionen und Reichsunternehmungen und die Gestaltung der Wirtschaft im Reich.

Die Entscheidungen wurden in einem langwierigen und komplizierten Entscheidungs- und Beratungsverfahren getroffen. Wenn durch Mehrheits- oder einstimmigen Beschluss Entscheidungen in den jeweiligen Ständeräte getroffen waren, wurden die Beratungsergebnisse ausgetauscht und versucht, dem Kaiser einen gemeinsamen Beschluss der Reichsstände vorzulegen. Wichtig waren dabei die Entscheidungen des Kurfürsten- und Reichsfürstenrates, das Votum des Reichsstädterates war meist von untergeordneter Bedeutung, wenn es überhaupt zur Kenntnis genommen wurde. Die Beratungen selbst fanden in nach den Kollegien getrennten Räumlichkeiten statt. Bei diesen Beratungen galt normalerweise im Gegensatz zum Gesamtgremium das Mehrheitsprinzip.

Auf Grund der immer schwerer werdenden Entscheidungsprozesse wurde auch versucht, die Entscheidung mittels verschiedener Ausschüsse zu erleichtern. In diese Ausschüsse wurden meist Fachleute und Gesandte der Reichsstände entsandt. Daraus entwickelte sich seit dem 16. Jahrhundert eine Elite von Fachleuten und Politikern, die besonders vertraut waren mit den auf den Reichstagen behandelten Themen und Reichsangelegenheiten und über alle Stände hinweg Ansehen genossen.

Nach der Reformation und dem Dreißigjährigen Krieg bildeten sich in Folge der Glaubensspaltung im Jahre 1653 das Corpus Evangelicorum und später das Corpus Catholicorum. Diese versammelten die Reichsstände der beiden Konfessionen und berieten getrennt die Reichsangelegenheiten. Der Westfälische Frieden bestimmte nämlich, dass in Religionsangelegenheiten, aber auch auf anderen politischen Gebieten nicht mehr das Mehrheitsprinzip, sondern das Konsensprinzip gelten sollte.

Die Überlieferung der Reichstage vermitteln die Reichstagsakten, welche seit 1858 auf Anregung von Leopold von Ranke von der Historische Kommission bei der Bayerischen Akademie der Wissenschaften herausgegeben werden.

Sitzordnung des Reichstages bei dessen feierlicher Eröffnung


An der Stirnseite sitzt der Kaiser bzw. dessen Prinzipalkommissar und verliest die kaiserliche Proposition, die Tagesordnung des Reichstages. Hinter dem Kaiser war die Kurfürstenbank auf der die Kurfürsten bzw. deren Gesandten Platz nahmen. An der linken Längsseite saßen die weltlichen Reichsfürsten. Deren genaue Sitzordnung war vielfach umstritten.

Kurien des reichstages des Hieiligen Römischen Reiches.jpg


Die geistlichen Reichsfürsten saßen auf der rechten Längsseite des Saales. Die Vertreter der Reichsstädte verteilten sich über die zwölf im Vordergrund zu sehenden Bänke. Vor den Reichsstädten war der Platz der Reichstagsschreiber.

Kupferstich von Peter Troschel, 1675

Tagungsorte von Hof- und Reichstagen

Zu einzelnen Reichstagsorten und Reichstagen siehe auch Kategorie:Reichstag (Heiliges Römisches Reich)

Jahr Ort Vorsitz Ereignisse
754 Quierzy Pippin der Jüngere
764 Worms Pippin der Jüngere Einigung des Frankenreiches
772 Worms Karl der Große
776 Karl der Große
777 Paderborn Karl der Große
781 Karl der Große Der Bayernherzog Tassilo III. schwört Karl den Treueeid
782 Lippspringe Karl der Große Eingliederung Sachsens
784 Karl der Große
786 Worms Karl der Große Der Anführer der Bretonen wird zu Karl gebracht
787 Worms Karl der Große
788 Ingelheim am Rhein Karl der Große Absetzung Tassilos III.
790 Worms Karl der Große
799 Paderborn Karl der Große Karl der Große trifft mit Papst Leo III. die Vereinbarung über die Kaiserkrönung
806 Diedenhofen Karl der Große Divisio Regnorum (Reichsteilungsgesetz)
817 Aachen Ludwig der Fromme Nachfolgeregelung mit Reichsteilungsplan
819 Ingelheim Ludwig der Fromme
826 Ingelheim am Rhein Ludwig der Fromme Vorladung des Sorbenhäuptlings und Empfang fremder Gesandter
828 Ingelheim am Rhein Ludwig der Fromme
829 Worms Ludwig der Fromme Neuaufteilung des Reiches und Ausstattung Karls des Kahlen
830 Compiègne Lothar I. Schuldbekenntnis und (vorübergehende) Entmachtung Ludwigs des Frommen
830 Nimwegen Ludwig der Fromme Regelung des Konfliktes zwischen Kaiser Ludwigs des Frommen und seinen Söhnen Lothar, Ludwig dem Deutschen
831 Aachen Ludwig der Fromme Strafgericht über die Empörer des vorigen Jahres
833 Compiègne Lothar I. Verfahren gegen Ludwig den Frommen nach dessen zweiter Absetzung
835 Diedenhofen Ludwig der Fromme Absetzung Ebos von Reims
838 Speyer Ludwig der Fromme
838 Nimwegen Ludwig der Fromme
839 Ingelheim Ludwig der Fromme Ludwig teilt sein Erbe unter den Söhnen Ludwig Karl
845 Regensburg Ludwig der Fromme
857 Worms Ludwig der Fromme
862 Ludwig der Fromme
868 Worms Ludwig der Fromme Reichstag und Synode
872 Forchheim Ludwig der Deutsche
874 Forchheim Ludwig der Deutsche Erbfrage und Nachfolgeregelung
881 Karl III.
882 Worms Karl III.
884 Worms Karl III.
885 Karl III.
887 Tribur Karl III. 10.11. Karl III. flieht vom Reichstag nach Frankfurt als er erfährt, dass Arnulf von Kärnten auf dem Weg nach Tribur ist
889 Forchheim Arnulf von Kärnten
892 Forchheim Arnulf von Kärnten Vorbereitung eines Feldzuges gegen die Slawen
894 Regensburg Arnulf von Kärnten
895 Tribur Arnulf von Kärnten
896 Forchheim Arnulf von Kärnten
900 Forchheim Wahl von Ludwig dem Kind zum König
903 Forchheim Ludwig das Kind Verteilung der Besitztümer des hingerichteten Babenbergers Adalhard
906 Tribur Ludwig das Kind
907 Forchheim Ludwig das Kind Beratung über die Ungarneinfälle in Sachsen und Bayern
907 Fürth (?) [3] Ludwig das Kind 18. März 907 Ausstellung einer Schenkungsurkunde für des Königs Mutter Oda

und 19. März 907 Bestätigung eines Gütertausches zwischen Kloster Fulda und Kloster Echternach [4].

911 Forchheim Wahl Konrad I. zum König
914 Forchheim Konrad I. Beschluss über Krieg gegen Bayernherzog Arnulf
919 Fritzlar Wahl von Heinrich I. zum König der Deutschen
926 Worms Heinrich I. Burgenerlass
938 Steele Otto I. der Große
952 auf dem Lechfeld bei Augsburg Otto I. der Große siehe Reichstage zu Augsburg
953 Aachen Otto I. der Große
954 Arnstadt Otto I. der Große Die aufständischen Herzöge Ludolf und Konrad unterwerfen sich Otto
961 Forchheim Otto I. der Große
967 Ravenna Otto II.
973 Quedlinburg Otto II.
975 Weimar Otto II.
976 Regensburg
978 Dortmund Otto II. Beschluss des Feldzugs gegen Frankreich im Herbst d.J.
980 Aachen Otto II.
983 Verona Wahl Ottos III.
29. Juni 984 Rara Kaiserin Theophanu Herzog Heinrich II. von Bayern wird zur Herausgabe Ottos III. gezwungen[5]Theophanu übernimmt Regierungsgeschäfte für den minderjährigen Königs.
985 Frankfurt Kaiserin Theophanu/Otto III. Heinrich von Bayern (der Zänker) erhält Herzogtum zurück
991 Quedlinburg Kaiserin Theophanu/Otto III.
993 Dortmund Adelheid/Otto III.
995 Sohlingen Otto III. Ende der vierjährigen Regentschaft Adelheids. Otto III. übernimmt mit 15 Jahren die Reichsgeschäfte
996 Nimwegen Otto III.
1007 Frankfurt Otto III.
1016 Frankfurt Heinrich II.
1017 Aachen Heinrich II.
1022 Aachen Heinrich II.
1024 Aachen Konrad II.
1028 Aachen Konrad II.
1053 Tribur Heinrich III. November, Festlegung des Sohnes als Nachfolger
1064 Aachen Heinrich IV.
1066 Tribur Heinrich IV. Januar, Heinrich IV. verweist Adalbert von Bremen, auf Drängen des Hofes
1076 Worms Heinrich IV. Heinrich erklärt Papst Gregor VII. für abgesetzt.
1077 Augsburg siehe Reichstage zu Augsburg
1084 Aachen Heinrich IV.
1098 Mainz Heinrich IV.
1099 Aachen Heinrich IV.
1105 Ingelheim Heinrich IV. Erzwungene Abdankung Heinrichs IV.
1119 Tribur Heinrich V. Ein von den Fürsten für Tribur anberaumter Reichstag wird durch Heinrich auf die Maaraue nach Mainz verlegt
1122 Worms Heinrich V.
1126 Speyer Heinrich V. Berufung des Norbert von Xanten zum Bischof von Magdeburg
1131 Aachen Lothar III.
1132 Aachen Lothar III.
1146 Speyer Konrad III. Ausgelöst durch die Predigten des Bernhard von Clairvaux an Weihnachten 1146 im Dom zu Speyer beschloss Konrad III. die Teilnahme am Zweiten Kreuzzug
1147 Frankfurt am Main Konrad III. Während des Reichstags erhob Heinrich der Löwe Klage und verlangte die Rückerstattung Bayerns.
1152 Dortmund/Merseburg Friedrich I. Barbarossa
1154 Goslar
1156 Regensburg Friedrich I. Barbarossa Erhebung der Mark Österreich zum Herzogtum mit besonderen Vorrechten
1157 Bisanz Friedrich I. Barbarossa Verlesung eines Schreibens des Papstes durch Kardinal Roland, dass die Kaiserkrone als päpstliches Beneficium bezeichnet. Empörung unter den deutschen Fürsten
1158 Augsburg Friedrich I. Barbarossa
1158 auf den Ronkalischen Feldern Friedrich I. Barbarossa Erstellung des Regalienkatalogs zur Wiederherstellung der kaiserlichen Rechte in Italien durch Bologneser Juristen
1165 Würzburg Friedrich I. Barbarossa Würzburger Eide des Kaisers und fast aller Fürsten, nie „Roland“ (Papst Alexander III.) anzuerkennen. Verlobung Heinrich d. Löwen mit der englischen Königstochter
1165 Aachen Friedrich I. Barbarossa
1168 Bamberg Friedrich I. Barbarossa
und Heinrich VI.
1173 Goslar Friedrich I. Barbarossa
1174 Aachen Friedrich I. Barbarossa
1178 Speyer Friedrich I. Barbarossa Die deutschen Fürsten klagen gegen Heinrich den Löwen.
1179 Worms Friedrich I. Barbarossa Verhandlung über den Streitfall Heinrich des Löwen; dieser erscheint jedoch nicht.
1179 Magdeburg Friedrich I. Barbarossa Über Heinrich den Löwen wird wegen Nichterscheinens vor Gericht (Kontumaz) die Acht verhängt.
1180 Würzburg Friedrich I. Barbarossa Heinrich dem Löwen werden beide Herzogtümer aberkannt
1180 Gelnhausen Friedrich I. Barbarossa Aufteilung des Herzogtums Sachsen unter den Kölner Erzbischof, Graf Bernhard von Anhalt und den Landgrafen von Thüringen (siehe Gelnhäuser Urkunde)
1181 Erfurt Heinrich VI. Belehnung Landgraf Hermann I. von Thüringen mit der Pfalzgrafschaft Sachsen
1183 Worms Friedrich I. Barbarossa
1183 Erfurt Friedrich I. Barbarossa Der morsche Boden bricht unter der Last zusammen und drei Fürsten, fünf Grafen und zahlreiche Ritter kommen in der darunterliegenden Fäkalgrube um. Friedrich I. kann sich durch einen Sprung in eine Fensternische retten.[6][7]
1184 Mainz Friedrich I. Barbarossa siehe Mainzer Hoftag von 1184
1186 Gelnhausen Friedrich I. Barbarossa Information über den Konflikt mit Urban III. und Isolation von Philipp von Heinsberg
1187 Worms Friedrich I. Barbarossa
1188 Mainz Heinrich VI.
1193 Speyer Heinrich VI. Der in der Nähe von Wien gefangen genommene Englische König Richard I. Löwenherz wird an Heinrich übergeben und auf der Burg Trifels festgesetzt
1195 Gelnhausen Heinrich VI. Kardinallegat Johannes von Salerno wirbt für den Kreuzzug des Kaisers
1196 Frankfurt am Main Heinrich VI.
1204 Aachen Philipp von Schwaben
1205 Speyer Philipp von Schwaben
1209 Würzburg Otto IV.
1213 Speyer Friedrich II. Beisetzung des 1208 in Bamberg ermordeten Onkels, Philipp von Schwaben, im Dom zu Speyer
1213 Eger Friedrich II. Verzicht auf alle königlichen Rechte gegenüber der Kirche
1222 Aachen Friedrich II.
1227 Aachen Friedrich II.
1231 Worms Heinrich (VII.) Heinrich überlässt im Statutum in favorem principum den deutschen Fürsten die meisten der Regalien
1232 Aquileja Heinrich (VII.)
1234 Frankfurt am Main Heinrich (VII.) Heinrich (VII.) ruft die Ketzerrichter deutlich zur Mäßigung bei ihrem Vorgehen gegen Häretiker auf und verurteilt damit indirekt auch das Vorgehen Konrads von Marburg der kurz zuvor ermordet worden war[8]
1235 Mainz Friedrich II.
1273 Speyer Rudolf I. von Habsburg Rudolf erneuerte seinen Bürgern von Speyer das Privileg Friedrich Barbarossas von 1182
1287 Würzburg Adolf von Nassau
1309 Speyer Heinrich VII. Heinrich VII. lässt Adolf von Nassau und Albrecht von Habsburg, die sich 1298 in der Schlacht bei Göllheim als Feinde gegenüber gestanden hatten, am 29. August feierlich nebeneinander im Dom beisetzen.
1323 Nürnberg Ludwig der Bayer Nach dem Aussterben der Askanier belehnt Ludwig der Bayer seinen Sohn Ludwig V. mit der Markgrafschaft Brandenburg.
1338 Frankfurt am Main Ludwig der Bayer Ludwig der Bayer verkündet das Mandat Licet iuris, das festhält, dass schon mit der rechtmäßigen Königswahl durch die Mehrheit der Kurfürsten ein Anspruch auf die Kaiserkrönung ohne päpstliche Approbation besteht.
1338 Koblenz Ludwig der Bayer Ludwig und Eduard von England bekräftigen ihr 1337 geschlossenes Bündnis. Ludwig ernennt Eduard zum linksrheinischen Reichsvikar und erkennt ihn als König von Frankreich an.
1356 Nürnberg Karl IV. Goldene Bulle (1. Teil)
1356 Metz Karl IV. Goldene Bulle (2. Teil)
1379 Frankfurt am Main Wenzel Beratung mit den vier rheinischen Kurfürsten bezüglich des Abendländischen Schismas und Gründung des Urbansbundes
1380 Aachen Wenzel
1384 Speyer
1389 Eger Wenzel von Luxemburg Landfrieden von Eger
1408 Konstanz?
1414 Speyer Sigismund von Luxemburg
1415 Konstanz Albrecht II.
1420 Breslau Sigismund von Luxemburg
1431 Nürnberg Sigismund von Luxemburg
1444 Speyer Friedrich III. Thema sind die seit einiger Zeit marodierenden Armagnaken, die sich jedoch nach Lothringen zurückzogen.
1453 Regensburg
1454 Frankfurt am Main Friedrich III. Enea Silvio ruft als kaiserlicher Kommissar auf Reichstag zum Kreuzzug gegen die Türken auf und führte den Begriff: „Europa“ seit der Karolinger Zeit wieder ein.[9]
1460 Wien
1466 Nürnberg
1467 Nürnberg
1469 Regensburg
1470 Nürnberg
1471 Regensburg
1474 Augsburg
1486 Frankfurt am Main
1487 Speyer Friedrich III. 26. Januar - 7. Februar
1487 Nürnberg Friedrich III.
1488 Esslingen am Neckar Friedrich III. 14. Februar 1488 Verkündung des Schwäbischen Bundes
1491 Nürnberg Maximilian I. 6. Juli 1491 Bestätigung des Löwlerbundes
1495 Worms Maximilian I. siehe Reichstag zu Worms (1495); Ewiger Landfriede; Reichskammergericht; Gemeiner Pfennig
In der Folge: Schwabenkrieg
1496/97 Lindau (Bodensee) Einberufen von Maximilian I., wegen Krieg in Italien vertreten durch seinen Sohn Phlipp; Tagungsort: Großer Saal im Lindauer Rathaus (heute Altes Rathaus)
1497/98 Freiburg
1500 Augsburg siehe Reichstage zu Augsburg
1505 Köln Schiedsspruch im Landshuter Erbfolgekrieg
1507 Konstanz
1509 Worms Maximilian I. (HRR)
1512 Trier/Köln 10 Reichskreise
1518 Augsburg siehe Reichstage zu Augsburg
1521 Worms Karl V. siehe Reichstag zu Worms (1521); Befragung Martin Luthers, Wormser Edikt
1522 Nürnberg I
1522/23 Nürnberg II
1524 Nürnberg III
1525 Augsburg
1526 Speyer I siehe Reichstage zu Speyer
1529 Speyer II siehe Reichstage zu Speyer, Wiedertäufermandat
1530 Augsburg siehe Reichstage zu Augsburg
1532 Regensburg König Ferdinand I. Constitutio Criminalis Carolina
1541 Regensburg
1542 Speyer siehe Reichstage zu Speyer
1542 Nürnberg
1543 Nürnberg
1544 Speyer siehe Reichstage zu Speyer
1545 Worms
1546 Regensburg Karl V. lernt während des Reichstages Barbara Blomberg kennen, gemeinsames Kind Don Juan D'Austria, welcher 1571 die Seeschlacht von Lepanto gegen die Türken gewinnt
1547/48 Augsburg Augsburger Interim
1550/51 Augsburg siehe Reichstage zu Augsburg
1555 Augsburg siehe Reichstage zu Augsburg
1557 Regensburg
1559 Augsburg siehe Reichstage zu Augsburg
1566 Augsburg siehe Reichstage zu Augsburg
1567 Regensburg
1570 Speyer Maximilian II. siehe Reichstage zu Speyer
1576 Regensburg
1582 Augsburg siehe Reichstage zu Augsburg
1594 Regensburg erneuter Beschluss zur Reichstürkenhilfe
1597/98 Regensburg
1603 Regensburg
1608 Regensburg
1613 Regensburg
1640/41 Regensburg Erwerb der Reichsstandschaft bedurfte seitdem der Zustimmung des Reichstages, der Kaiser konnte über das Recht auf Sitz und Stimme im Reichstag nicht mehr alleine bestimmen
1653/54 Regensburg Ferdinand III. Jüngster Reichsabschied
1663–1806 im Reichssaal des Regensburger Rathauses
als Immerwährender Reichstag
Pausen: während der Pest 1713 Reichstag in Augsburg, später noch einmal kurz in Frankfurt

Literatur

  • Peter Claus Hartmann: Das Heilige Römische Reich deutscher Nation in der Neuzeit 1486–1806. Stuttgart 2005, ISBN 3-15-017045-1. (Sehr informativer Kurzüberblick über das Reich und seine Institutionen)
  • Axel Gotthard: Das Alte Reich 1495–1806. Darmstadt 2003, ISBN 3-534-15118-6
  • Edgar Liebmann: Reichstag. In: Friedrich Jaeger (Hrsg.): Enzyklopädie der Neuzeit, Bd. 10: Physiologie-Religiöses Epos. Stuttgart 2009, Sp. 948-953, ISBN 3-534-17605-7
  • Barbara Stollberg-Rilinger: Des Kaisers alte Kleider. Verfassungsgeschichte und Symbolsprache des Alten Reiches. München 2008, ISBN 978-3-406-57074-2
  • Helmut Neuhaus: Das Reich in der frühen Neuzeit (Enzyklopädie Deutscher Geschichte, Band 42). München 2003, ISBN 3-486-56729-2. (Enzyklopädischer Teil und zusätzlich ausführlicher Überblick über die aktuelle Forschung)
  • Heinz Angermeier: Das alte Reich in der deutschen Geschichte. Studien über Kontinuitäten und Zäsuren. München 1998, ISBN 3-486-55897-8

Einzelnachweise

  1. Reinhard Schmoeckel: Bevor es Deutschland gab. Gustav Lübbe Verlag, 2004, ISBN 3404641884
  2. zitiert nach Kubin, S. 131
  3. Der Ausstellort ist am ehesten, wenn auch keineswegs mit unbedingter Sicherheit, auf Fürth an der Rednitz (bei Nürnberg) zu deuten; vgl. Erich Freiherr von Guttenberg: Das mittelalterliche Fürth im Spiegel der Reichs- und Territorialgeschichte. In: Zeitschrift für bayerische Landesgeschichte, Band 6, 1933, Seite 370, Anmerkung 2
  4. Hessisches Staatsarchiv Marburg: Urkunde vom 19. März 907
  5. Manfred Höfer: Die Kaiser und Könige der Deutschen. 6. Auflage, Bechtle Verlag, München und Esslingen 2003 (Sonderausgabe), ISBN 3-7628-0524-5
  6. Urlich Baron Auf meinem Thron, da bin ich Kaiser Die Welt, 7. August 2004
  7. St. Winkle: Die Verseuchung der mittelalterlichen Städte, Hamburger Ärzteblatt 5/1982
  8. Bestimmungen des Frankfurter Hoftages zur Inquisition
  9. R. H. Foerster: Europa - Geschichte einer politischen Idee. Nymphenburger Verlagshandlung Nr. 785 von 1967, Seite 86–87

Weblinks

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