Republik Tschad


Republik Tschad
جمهوريّة تشاد
Dschumhūriyyat Taschād
(arab.)

République du Tchad (frz.)
Republik Tschad

Flagge des Tschad
Flagge Wappen
Wahlspruch: « Unité, Travail, Progrès »
frz., „Einigkeit, Arbeit, Fortschritt“
Amtssprache Französisch, Arabisch
Hauptstadt N'Djamena
Staatsform Präsidialrepublik
Staatsoberhaupt Präsident Idriss Déby
Regierungschef Premierminister Youssouf Saleh Abbas
Fläche 1.284.000 km²
Einwohnerzahl ca. 7,6 Mio. (Stand März 2007)
Bevölkerungsdichte 5,9 Einwohner pro km²
BIP nominal (2007)[1] 7.095 Mio. US$ (127.)
BIP/Einwohner 747 US$ (143.)
HDI 0,388 (170.)
Währung CFA-Franc BEAC
Unabhängigkeit 11. August 1960 (von Frankreich)
Nationalhymne La Tchadienne
Zeitzone UTC +1
Kfz-Kennzeichen TD
Internet-TLD .td
Telefonvorwahl + 235

Die Republik Tschad ([tʃat, tʃaːt] (arabischجمهوريّة تشاد‎; franz.: République du Tchad [tʃad]) ist ein Staat in Zentralafrika. Sie grenzt an Libyen im Norden, Sudan im Osten, im Süden an die Zentralafrikanische Republik und im Westen an Kamerun, Niger und Nigeria.

Inhaltsverzeichnis

Geographie

Tschad ist in drei ausgeprägte Zonen unterteilt, von der Sudanesischen Savanne im Süden bis zur Sahara im Norden.

Tschad schließt den östlichen Teil des Tschadbeckens mit dem größten Teil des Tschadsees ein. Das Becken (inkl. des Sees) nimmt einen Großteil der Landesfläche ein. Über das Tschadbecken erheben sich im Osten das Hochland von Ennedi (1.450 m) und Wadai, im Norden das Tibestigebirge mit 3.415 m im Emi Koussi. Hauptflüsse sind Schari und Logone.

Tschad erstreckt sich von der trockenen Wüste Sahara im Norden (Tibesti, 3.415 m über NN) über die Klima- und Vegetationszonen (Dornstrauch- und Trockensavannen, an den Flüssen auch Überschwemmungssavannen und Galeriewälder) des Sahels und des Sudans bis zum Bereich der Trockenwälder im äußersten Süden.

Im Süden des Landes herrscht ein nahezu tropisches, wechselfeuchtes Klima mit bis über 1.100 mm Niederschlag. Im Norden herrscht Wüstenklima mit großen täglichen Temperaturunterschieden und extrem seltenen Niederschlägen mit 20–40 mm Niederschlag im Jahr vor. Im Gebirge gibt es ca. 1.000 mm Niederschlag jährlich.

Bevölkerung

Bevölkerungsentwicklung x1000

Die Bevölkerungszahl des Tschad hat sich seit der Vollendung der Kolonialisierung 1910-12 etwa verzehnfacht. Unter französischer Herrschaft betrug sie 1930 973600.[2] In der Hauptstadt Ft. Lamy lebten 1961 94000 Menschen, im Lande 2,675 Mio. Menschen, die 4,5 Mio Schafe und 4 Mio. Rinder hielten.[3]. Die Fortschreibung für 2003 schätzte 8,58 Mio Einwohner (letzte Zählung 1993: 6,28 Mio., davon in der Hauptstadt 530000).[4]

Die Säuglingssterblichkeit liegt bei 11,7 %, Kindersterblichkeit bei 20 %. Auf jeweils etwa 50.000 Menschen kommt ein Arzt. Insbesondere die medizinische Unterversorgung ist ein Grund dafür, dass vor allem Malaria, aber auch Meningitis-, Cholera- und Masern-Epidemien jährlich tausende Todesopfer fordern. Hilfe leisten hier zu Beginn der 2000er Jahre insbesondere die Ärzte ohne Grenzen.

Die Bevölkerung Tschads setzt sich aus fast 200 verschiedenen Ethnien zusammen, von denen die meisten auch eigene Sprachen oder Dialekte sprechen. Etwa 9 % der Gesamtbevölkerung sind Araber.

Sprachen

Gesprochen werden mehr als 100 Sprachen und Dialekte. Zum Teil spricht die Bevölkerung mehr als eine Sprache. Die wichtigsten Sprachen sind Arabisch (Sudanarabisch), das von mindestens 26 % der Gesamtbevölkerung als Mutter- oder Zweitsprache gesprochen wird und die Amtssprache Französisch, das nur von einer gebildeten Minderheit gesprochen wird. Etwa 62 % der Bevölkerung sprechen Sudansprachen (darunter 20% Sara sowie 5 % Bagirmi und Kraish zusammen), etwa 14 % tschadische Sprachen (unter anderem Kotoko), 6,5 % Saharanische Sprachen (Dazaga, Tedaga, Zaghawa) und 1,6 % das M'óum. Weitere Sprachen sind Maba (Wadai), Wabumba, Mbum, Matuszi und andere.

Religion

Über 55 % der Gesamtbevölkerung sind Muslime, hauptsächlich die der sunnitischen Richtung malekitischer Schule. 25 % der Bevölkerung hängen traditionellen afrikanischen Naturreligionen und ein weiteres Viertel dem Christentum an.[5]

Geschichte

Hauptartikel: Geschichte Tschads

Eine partielle Besiedlung fand bereits in prähistorischer Zeit statt. Ab dem zweiten vorchristlichen Jahrhundert setzt hier die Eisenzeit ein. Später entstehen größere islamische Reiche am Tschadsee, Baguirmi, Logone-Stadtstaaten, Sultanat Wadai. Erste genauere Kenntnisse der Region übermitteln die Forschungsreisenden des 19. Jahrhunderts: Friedrich Konrad Hornemann (1800); Dixon Denham (1823); Johann Heinrich Barth, Adolf Overweg (1850); Eduard Vogel, Gustav Nachtigal (1855).

1900 errichtet Frankreich nach dem Sieg über den afro-arabischen Usurpator Rabih b. Fadlallah in der Schlacht bei Kusseri das Militärterritorium der Länder und Protektorate Tschads. 1908 geht dieses im Verwaltungsgebiet Französisch-Äquatorialafrika mit der Kolonie Tschad auf. 1911 wird die Kolonie durch das deutsch-französische Marokko-Kongo-Abkommen (4. November 1911) um das Zwischenstromgebiet zwischen Schari und Ba-Ili mit dem Posten Bongor erweitert. Zwischen den Weltkriegen erhält die Kolonie Tschad dann ihre heutigen Grenzen.

1934 wird die Grenzziehung im Norden zur italienischen Kolonie Libyen von Italien nicht ratifiziert. Dies ist die Grundlage des späteren Konflikts um den Aouzou-Streifen.

1958 erhält Tschad seine erste Verfassung. Die Territoriale Versammlung billigt den autonomen Status des Landes als Mitglied der Communauté Française.

Unabhängigkeit

Am 11. August 1960 erhält das Land seine Unabhängigkeit. François Tombalbaye aus dem Süden wird erster Präsident. Allerdings dominiert der Nord-Süd-Gegensatz die Innenpolitik: Der Norden des Landes, der von islamisch-arabisch-berberischen Ethnien bewohnt wird, fühlte sich benachteiligt gegenüber dem schwarzafrikanisch-christlich-animistischen Süden, der seit der Kolonialzeit eine Vormachtstellung besaß.

1966 wird die muslimische FROLINAT – Front national de libération du Tchad („Nationale Befreiungsfront Tschads”) gegen die christlich-sudistische Dominanz gegründet, es kommt zum Beginn eines Bürgerkrieges. 1969 interveniert Frankreich auf Seiten Tombalbayes. Libyen, Algerien und Sudan dagegen unterstützen die FROLINAT. 1973 besetzt Libyen den Aouzou-Streifen.

1975 stürzt General Félix Malloum Tombalbaye und wird Präsident, Premierminister wird Hissène Habré. 1976 kommt es zum Bruch zwischen Muammar al-Gaddafi und Habré. Goukouni Weddeye kämpft mit Gaddafi gegen die Zentralregierung.

1979 kommt es zum Frontwechsel Habrés zu Weddeye. N’Djamena wird erobert und das Gouvernement d’Union Nationale de Transition unter Weddeye regiert. 1980 kommt es wiederum zum Bruch zwischen Habré und Weddeye („Zweite Schlacht um N’Djamena“). Daraufhin greift Libyen auf Bitten Weddeyes ein, Gaddafi zieht seine Truppen auf französischen Druck hin allerdings wieder zurück. Habré kann mit ägyptischer, sudanesischer und US-amerikanischer Hilfe Weddeye verdrängen.

1982 wird N’Djamena durch Habré erobert, es beginnt die sogenannte Zweite Republik (1982 bis 1990), während derer es zu schwersten Menschenrechtsverletzungen kommt. 1983 wird Tschad de facto am 16. Breitengrad zweigeteilt. Libysches Militär ist im Norden präsent, insbesondere im Aouzou-Streifen.

1986 bis 1987 gehen die tschadischen Regierungstruppen in die Offensive. Es beginnt die französische Militäroperation Épervier. Die libyschen Truppen werden, bis auf den Aouzou-Streifen, aus allen Stützpunkten verdrängt. 1989 wird der Vertrag von Algier über die friedliche Regelung des Aouzou-Grenzkonflikts unterzeichnet.

1990 beginnt eine Verhandlung über den Aouzou-Konflikt vor dem Internationalen Gerichtshof (IGH) in Den Haag. Habré wird durch die bewaffnete Opposition des Mouvement Patriotique du Salut von Idriss Déby gestürzt und in die Flucht getrieben, Déby nimmt N’Djamena ein.

1993 verabschiedet die Nationalkonferenz Übergangsverfassung, -parlament und -regierung. 1994 wird durch den Internationalen Gerichtshof der Aouzou-Streifen wieder Tschad zugesprochen.

Im Dezember 1994/Januar 1995 findet eine Wählerregistrierung statt, deren Durchführung und Ergebnisse beanstandet und vom Obersten Gerichtshof annulliert werden. Der bestehende Wahlkalender wird wieder obsolet, die Transitionsphase um ein weiteres Jahr bis zum 8. April 1996 verlängert.

1996 kommt es zudem zu einem Verfassungsreferendum, woraufhin die neue Verfassung in Kraft tritt.

Am 3. Juli 1996 finden Stichwahlen zwischen Déby und Wadal Abdelkader Kamougué statt. Die Feststellung des offiziellen Endergebnisses durch die Cour d’Appel am 14. Juli 1996 bescheinigt Déby 69 %, Kamougué 31 % der Stimmen. In den Parlamentswahlen von Anfang 1997 wird folgendes Endergebnis festgehalten: MPS 66 Sitze, URD 29, UNDR 14, UDR 4, RDP und PLD je 3, AND 2 sowie UNRT, CNDS, FAR, ACTUS je 1 Sitz.

Ende 1998 beginnen bewaffnete Auseinandersetzungen zwischen Regierungstruppen und Rebellen um Youssouf Togoimi (Tibesti-Konflikt).

Präsident Déby wird im Mai 2001 wiedergewählt. Im Dezember 2001 wird zwischen der Regierung und den Rebellen im Tibesti ein Friedensabkommen abgeschlossen.

Am 10. Oktober 2003 beginnt die Förderung von Erdöl unter der Führung von ExxonMobil und mit Unterstützung der Weltbank im Doba-Becken im Süden Tschads. Über eine 1.050 Kilometer lange Pipeline wird dieses an die Atlantikküste Kameruns befördert und dort verschifft. Dies wird vereinzelt als geopolitisch bedeutender Schachzug der USA gesehen und aus menschenrechtlicher und ökologischer Sicht kritisiert.

Bürgerkrieg

Seit 2003 fliehen sudanesische Flüchtlinge vor dem Konflikt in Darfur nach Tschad. Der Konflikt greift zusehends auf Tschad über, die Dschandschawid-Reitermilizen aus Darfur sind mittlerweile auch in den tschadischen Grenzgebieten aktiv.

Kinder in einem Flüchtlingslager

Am 23. Dezember 2005 stellte Tschad aufgrund der Konflikte in der westsudanesischen Provinz Darfur offiziell einen „Zustand der Feindseligkeit“ („état de belligerence“) mit Sudan fest. Dem war ein Angriff tschadischer Rebellen auf die Grenzstadt Adré mit mehr als 100 Toten vorausgegangen. Tschad wirft Sudan vor, die Rebellen zu unterstützen, legt jedoch Wert darauf, keine Kriegserklärung abgegeben zu haben.[6]

Mitte April 2006 kam es zum Bürgerkrieg. Frankreich beteiligt sich in – vorerst – geringem Ausmaß daran auf der Seite der Regierung Déby. Die Hauptstadt N'Djamena wurde von der Vorhut der Rebellen der Front für den Wandel (FUC) erreicht. Dieser erste Angriff wurde jedoch von den regulären Truppen mit Artillerie- und Panzerunterstützung abgewehrt. Innerhalb weniger Tage waren Hunderte Tote zu beklagen. Am 14. April 2006 brach Tschad seine diplomatischen Beziehungen zu Sudan ab. Zwei Tage später zog sich das Land aus den in Darfur unter der Leitung der Afrikanischen Union geführten Gesprächen zurück. Gleichzeitig forderte N'Djamena, dass für die mittlerweile rund 200.000 Flüchtlinge aus Darfur in Tschad ein neues Gastland gefunden werden müsse.

Im November 2006 wurde für weite Teile Tschads der Ausnahmezustand ausgerufen. Zwar wurde kurz darauf ein Friedensvertrag mit der FUC erzielt, doch andere Rebellengruppen gewannen zunehmend die Kontrolle über den Osten des Landes. Unter Vermittlung Libyens wurde am 26. Oktober 2007 ein Waffenstillstandsabkommen zwischen Präsident Déby und vier Rebellengruppen unterzeichnet.[7] Zum Schutz der Zivilbevölkerung und insbesondere der Flüchtlinge aus der Darfurregion wurde die Aufstellung einer Mission der Vereinten Nationen (MINURCAT) beschlossen, deren Aufgaben zunächst durch militärische Einheiten der Europäischen Union wahrgenommen werden sollten.

Nur wenige Wochen nach der Unterzeichnung des Waffenstillstands brachen erneut Kämpfe zwischen Regierungstruppen und den Rebellen in den östlichen Provinzen aus. Ende November 2007 erklärte die Rebellenorganisation UFDD den Kriegszustand gegen französische und sonstige ausländische Einheiten. Ungeachtet dieser Warnung billigte Ende Januar 2008 die EU den Einsatz einer multinationalen Militäreinheit, der EUFOR Tchad/RCA, im Tschad. Die Federführung übernahm Frankreich, das mehr als die Hälfte aller Soldaten stellte; Österreich hatte ein Kontingent von 160 Soldaten zugesagt.[8]

Kurz vor dem geplanten Beginn der EU-Mission, deren Umsetzung daraufhin erst einmal ausgesetzt wurde, starteten Rebellen eine neue Offensive, bei der sie in die Hauptstadt N'Djamena eindrangen.[9] Die Kampfhandlungen haben tausende Menschen zur Flucht in das Nachbarland Kamerun gezwungen. Gleichzeitig begann die Evakuierung ausländischer Bürger; die Vereinigten Staaten haben ihre Botschaft in N'Djamena geräumt.[10] Frankreich erwägt ein Eingreifen zugunsten der Regierung. Die Rebellen zogen sich aus der Hauptstadt vorläufig weitgehend wieder zurück.[11]

Am 15. März 2009 endete die Überbrückungsmission der EUFOR Tchad/RCA und die Verantwortung wurde MINURCAT übergeben.

Politik

Tschad wurde am 11. August 1960 als unabhängige Republik aus französischer Kolonialherrschaft entlassen.

Nach der Verfassung vom 14. April 1996 ist Tschad eine präsidiale Republik mit Mehrparteiensystem.

Die Legislative liegt beim Zweikammerparlament, das aus Nationalversammlung und Senat besteht. Die Nationalversammlung hat 125 für einen Zeitraum von vier Jahren gewählte Abgeordnete, die Mitglieder des Senats sind für sechs Jahre zu wählen, der Senat ist allerdings bisher noch nicht etabliert. Zu den wichtigsten Parteien gehört die Patriotische Wohlfahrtsbewegung (MPS), die Union für Erneuerung und Demokratie (URD) sowie die Nationale Union für Demokratie und Erneuerung (UNDR).

Die Exekutive wird vom Ministerrat unter der Leitung des vom Präsidenten ernannten Ministerpräsidenten ausgeübt.

Staatliche Einrichtungen wie Verwaltung, Bildungs- und Gesundheitswesen sind kaum entwickelt. Vor zusätzliche und für das Land nicht ohne internationale Hilfe zu bewältigende Probleme stellen Tschad die seit 2003 aus der Region Darfur des östlichen Nachbarlandes Sudan kommenden Flüchtlinge. Ihre Zahl betrug zu Beginn des Jahres 2004 bereits etwa 130.000.

Präsident

Staatsoberhaupt und Oberbefehlshaber der Armee ist der mit weitreichenden exekutiven Vollmachten ausgestattete Präsident, der auf fünf Jahre direkt gewählt wird.

Präsidenten:

Korruption

Korruption ist in Tschad verbreitet. Nach dem Korruptionsindex 2006 der Organisation Transparency International (TI) liegt Tschad auf dem 156. Platz.[12] Die Privatwirtschaft wird u. a. durch Korruption behindert.

Verwaltungsgliederung

Regionen Tschads

Hauptartikel: Verwaltungsgliederung Tschads

Seit 2002 ist Tschad in 18 Regionen eingeteilt.

  1. Batha
  2. Borkou-Ennedi-Tibesti
  3. Chari-Baguirmi
  4. Guéra
  5. Hadjer-Lamis
  6. Kanem
  7. Lac
  8. Logone Occidental
  9. Logone Oriental
  10. Mandoul
  11. Mayo-Kebbi Est
  12. Mayo-Kebbi Ouest
  13. Moyen-Chari
  14. Wadai
  15. Salamat
  16. Tandjilé
  17. Wadi Fira
  18. Ville de N’Djamena
Siehe auch: Liste der Städte in Tschad

Wirtschaft

Aufgrund des Bürgerkriegs und wegen längerer Dürreperioden gehört Tschad zu den ärmsten Ländern der Welt. 80 % der Bevölkerung leben in absoluter Armut. Die Bevölkerung kann nur durch Subsistenzwirtschaft überleben – die wenigen wirtschaftlich entwickelten Elemente werden nur vom Staat organisiert.

Auf dem Human Development Index der UNO liegt er unter insgesamt 177 Staaten an 171. Stelle (Liste des Jahres 2006). 80 % der Bevölkerung leben unterhalb der Armutsgrenze.

Währung

Afrikanische Staaten mit dem CFA-Franc als Währung.

Tschad ist Mitglied der CFA- Franc Zone und hat als Währung den CFA-Franc, speziell den CFA-Franc BEAC.

Landwirtschaft

Rund 90% der Bevölkerung leben von der Landwirtschaft, also dem Ackerbau und der Viehzucht. Allerdings ist Tschad auch auf internationale Unterstützung (z. B. in Form von Lebensmitteln) angewiesen. Es werden auch Erdnüsse, Getreide und anderes Gemüse angebaut. Einige weitere Anbauprodukte sind Baumwolle, Reis und Tabak.

Rohstoffe

Das Land galt lange als arm an Bodenschätzen, abgebaut wurden vor allem Stein- und Natronsalz. Im Jahr 2003 konnte mit der Förderung von Erdöl aus einem erst Ende der 1990er Jahre entdeckten Ölfeld bei Doba begonnen werden. Die Einnahmen aus der Förderung des Erdöls sollen, gemäß einer Vereinbarung der Regierung mit der Weltbank, zu 80 % für Projekte im Bereich des Sozialen und der Infrastruktur verwendet werden und somit der gesamten Bevölkerung zugute kommen.[13] Dafür wurden im Juli 2004 zum ersten Mal 31 Millionen Euro an die Weltbank überwiesen, die diese Gelder wiederum für konkrete Projekte im Land ausschüttet. 10 % der Einnahmen sollen in einen Fonds für zukünftige Generationen eingezahlt werden. Insgesamt werden bis 2023 (20 Jahre) Einnahmen von rund 1,6 Milliarden Euro prognostiziert. Ende Dezember 2005 beschloss jedoch das tschadische Parlament die Auflösung des Fonds für zukünftige Generationen, um ausstehende Beamtengehälter zu bezahlen. Außerdem wurde durch eine Gesetzesänderung ermöglicht, dass auch die Bereiche Sicherheit und Justiz Geld aus den Öleinnahmen erhalten können.[14] Der Einsatz der Gelder wird durch ein eigens hierfür geschaffenes Komitee aus Parlamentariern, Juristen und Vertretern der Zivilgesellschaft überwacht. Allerdings ist dieses Komitee nicht mit Sanktionsgewalt ausgestattet, so dass aufgrund von Korruption große Teile der Investitionsmittel versickern und eine effiziente Bekämpfung der Armut bisher ausbleibt. [15]

Außenhandel

Haupthandelspartner sind Frankreich, Kamerun und Nigeria. Wichtigste Exportgüter sind Baumwolle (mit einem Exportanteil von 40 %) und seit 2003 Erdöl. Importgüter sind unter anderem Brennstoffe, Fahrzeuge, Zucker, Getreide und Textilien. Die Erdnüsse machen etwa 1–2 % des Welthandels aus.

Infrastruktur

Die Infrastruktur ist nur wenig entwickelt. Bei einer Größe von 1.284.000 km² – der Größe nach liegt Tschad weltweit an 20. Stelle, ist etwa 3,5 mal so groß wie Deutschland – gibt es nur 267 km befestigte Straßen[16]. Nach offiziellen Zahlen aus dem Jahr 2006 hat das Öl-Konsortium um die Firma ExxonMobil seit 2003 537 Millionen US-Dollar als Lizenzen und Gebühren an die Regierung Tschads überwiesen. Davon wurden ca. 300 Millionen Dollar oder 55 % für die Verbesserung der Infrastruktur ausgegeben.

Kultur

Im Großen lässt sich das Land kulturell in einen vorwiegend arabisch-islamischen Bereich im Norden und einen schwarzafrikanisch-animistischen, teils auch christlichen, im Süden einteilen. Während die arabische Bevölkerung meist halbnomadische Viehzucht betreibt, betreiben die Bewohner des Südens überwiegend Ackerbau.

Film

Tschad hat nur eine sehr kleine Filmszene. Es gibt nur wenige Kinos und keine professionellen Schauspieler. Aufmerksamkeit hat Mahamat-Saleh Haroun mit seinen beiden auf mehreren internationalen Filmfestivals und in Programmkinos gezeigten Filmen Abouna – Der Vater (2002) und Daratt (2006) erregt. Darin beschreibt er das Leben in Tschad in den 2000ern. Während Abouna – Der Vater von zwei Jugendlichen handelt, die ihren plötzlich verschwundenen Vater suchen, beschreibt Daratt einen Sohn, der den Mörder seines Vaters sucht.

Quellen

  1. International Monetary Fund, World Economic Outlook Database, April 2008
  2. Von A-Z: Das Konversationslexikon; Berlin 1932; Sp. 670
  3. Meyer's Duden Weltatlas; Mannheim 1962; S 64, 86
  4. Fischer Weltalmanach 2006; Frankfurt 2005, ISBN 3-596-72006-0; S 454
  5. Auswärtiges Amt – Tschad
  6. Thomas Schmidinger: Tschad vs. Sudan: Plündern und Herrschen. Blätter für deutsche und internationale Politik 3/2006, S. 285–288, Schmidinger PDF
  7. BBC News: Libya seals peace deal for Chad vom 26. Oktober 2007.
  8. Die Presse: „Österreichs Soldaten müssen im Tschad neutral bleiben“ vom 17. Januar 2008.
  9. Die Presse: Rebellen im Tschad starten Offensive vom 31. Januar 2008.
  10. Die Presse: Tschad: Massenflucht aus N'Djamena vom 5. Februar 2008.
  11. Die Zeit: „Tschad: Frankreich will in Bürgerkrieg eingreifen“, 4. Februar 2008
  12. Transparency International's Annual Report 2006: S. 21
  13. Weltbank: Verteilung der Öleinnahmen (engl.)
  14. Bericht der Neuen Zürcher Zeitung zur Neuverteilung der Öleinnahmen, 31. Dezember 2005
  15. Publik-Forum Nr. 6 v. 23. März 2007, S. 16
  16. CIA The World Fact Book: Chad/Transportation

Weblinks

15.46666666666719.47Koordinaten: 15° N, 19° O


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