Residenzstadt


Residenzstadt
Roma aeterna, der Prototyp einer Residenzstadt, am Quirinal der päpstliche Sommerpalast (um 1493)
Beijing, mit der Purpurnen Verbotenen Stadt der Ming- und Qing-Kaiser

Eine Residenzstadt bezeichnet den städtischen Sitz eines weltlichen Herrschers, als Hauptstadt seines Reiches.

Inhaltsverzeichnis

Zum Begriff

Versailles, Residenzstadt der französischen Könige
Potsdam, Residenzstadt der preußischen Könige und deutschen Kaiser
Windsor Castle, Residenz der britischen Könige und Königinnen – Oberer Hof und Südflügel

Der Begriff leitet sich von Residenz, lateinisch Residentia, zu residere ‚sich setzen, niederlassen, wohnen‘, (englisch Residence, französisch Résidence) ab, dem Sitz des geistigen oder weltlichen Herrschers, ursprünglich der von einem Herrscher ausgewählte dauerhafte repräsentative Wohnsitz (Burg, Schloss, Palast).

Residenzstädte waren bzw. sind in allen Kulturen üblich, von Rom über Konstantinopel/Byzanz, Bagdad bis zu den Kaiserstädten Chinas und Edo und Tokio in Japan, und Städten wie Tenochtitlan in der neuen Welt. Diese waren meist Wohnsitz der Dynastie, wurden aber bei Übernahme oder Eroberung der Reiche vom neuen Machthaber übernommen, um Rechtmäßigkeit und Kontinuität auszudrücken, und auch einen neu erworbenen höheren Rang. Die Verlagerung der Residenzstadt eines Reiches war – außer im alten China, wo das religiöse Motivation hatte – meist eine Frage der herabstufenden Rangordnung der Territorien in einem Reich.

Im europäischen Mittelalter zieht ein Herrscher, primär je nach politischer oder wirtschaftlicher Notwendigkeit, von einem Ansitz (Burgen in strategisch günstiger landschaftlicher Lage) zum anderen, und hält vor Ort ‚Hof‘ (Pfalzwesen) – anfangs wortwörtlich im Burghof. Hier versammelt die Lehnsmänner und Stände der Region, nimmt Huldigungen und Abgaben (Zehent) entgegen, spricht Recht, bestätigt Verträge (Regalien) und tätigt andere Amtshandlungen, um dann weiterzuziehen. So hat etwa der römisch-deutsche Kaiser bis an das Ende des Mittelalters keinen „festen Wohnsitz“, sondern zieht permanent im Reich umher.

Mit dem Aufkommen der städtischen Kulturzentren, und dem Ausbilden der Hauptorte einer Region, verlagern die Adeligen ihren Sitz in die Städte (Stadtschloss, meist – je nach Klima – ‚Winterpalais‘), die alten Ansitze verbleiben als Sommerresidenz (Landsitz, Jagdschloss und ähnliches). Damit entstehen ab der beginnenden Neuzeit im nördlicheren Europa Hauptstädte der Territorien im Sinne des heutigen Begriffs, mit einer ständigen Hofhaltung.

Die neuen, städtischen Residenzen lagen meist in den alten mittelalterlichen Hauptburgen der Städte (Hl. Römisches Reich: Hradschin in Prag,Wiener (Hof-)Burg, Spanien: Escorial), oder den innerstädtischen Palais (Stadthäusern) der Renaissancezeit, seit dem Barock und dem zunehmenden Abkommen von den Stadtbefestigungen nach dem Dreißigjährigen Krieg herrschen aber, um der Enge und auch dem Schmutz der Städte zu entfliehen, Neugründungen außerhalb der Vorstädte vor, oder es werden vorstädtische Land- und Wirtschaftssitze zu Regierungs- und Repräsentationszentren umgebaut (Deutschland: Potsdam bei Berlin, Frankreich: Versailles bei Paris, Großbritannien: Windsor bei London).

In der klassischen Residenzstadt wurde auf Kosten des restlichen Adelsbesitzes das geistige und ökonomische Potenzial des Herrschaftsbereiches in der Residenzstadt geballt. Auch ist oftmals die Architektur ehemaliger Residenzstädte durch ihre Funktion als repräsentativer Wohnsitz des Herrschers geprägt (Repräsentationsarchitektur, Prunkbauten).

Liste bedeutender Residenzstädte

Deutschland

Österreich

Frankreich

Montenegro

  • Cetinje, die winzige Hauptstadt des Königreiches Montenegro (1878 bis 25. Januar 1916) war königliche Residenzstadt und Thronstadt.

Kamerun

Ägypten

Siehe auch

Anmerkungen

  1. Während der Personalunion zwischen Großbritannien und Hannover von 1714 bis 1837 residierten die Kurfürsten und Könige von Hannover in Großbritannien.

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