Reussenköge


Reussenköge
Wappen Deutschlandkarte
Wappen der Gemeinde Reußenköge
Reußenköge
Deutschlandkarte, Position der Gemeinde Reußenköge hervorgehoben
54.6091666666678.90444444444441Koordinaten: 54° 37′ N, 8° 54′ O
Basisdaten
Bundesland: Schleswig-Holstein
Kreis: Nordfriesland
Höhe: 1 m ü. NN
Fläche: 45,91 km²
Einwohner: 332 (31. Dez. 2007)
Bevölkerungsdichte: 7 Einwohner je km²
Postleitzahl: 25821
Vorwahlen: 04671, 04674
Kfz-Kennzeichen: NF
Gemeindeschlüssel: 01 0 54 108
Adresse der Gemeindeverwaltung: Theodor-Storm-Straße 2
25821 Bredstedt
Webpräsenz:
Bürgermeister: Johannes Volquardsen
Lage der Gemeinde Reußenköge im Kreis Nordfriesland
Karte

Reußenköge (dänisch: Reussenkog) ist eine amtsfreie Gemeinde bei Bredstedt im Kreis Nordfriesland. Zu der Gemeinde gehören ein Teil vom Beltringharder Koog, der Cecilienkoog, der Desmerciereskoog, der Louisen-Reußen-Koog, der Reußenkoog, der Sönke-Nissen-Koog, der Sophien-Magdalenen-Koog, der durch den Ausbau der Alten Schule zum Gemeindehaus und durch die Errichtung der Koogshalle zum Zentrum der Gemeinde Reußenköge wurde, und die Hamburger Hallig, die vor dem Sönke-Nissen-Koog liegt und mit diesem durch einen Damm verbunden ist. Ein Großteil der Köge wird landwirtschaftlich genutzt.[1]

Inhaltsverzeichnis

Köge im Gemeindegebiet

Beltringharder Koog

Der 3541 ha große Beltringharder Koog wurde 1987 fertiggestellt und ist ein Speicherkoog zur Entwässerung der Arlau-Niederung und des Hauptsielverbandes Sönke-Nissen-Koog-Schleuse. Seit seiner Unterschutzstellung ist es das größte Naturschutzgebiet auf dem schleswig-holsteinischen Festland. Eine Teilfläche von 931 ha gehört zur Gemeinde Reußenköge. Der Koog ist nicht bewohnt.

Am Lüttmoorsiel befindet sich eine Badestelle. Sie ist sehr gut geeignet für Kinder. Daneben findet sich der Endpunkt der Halligbahn Lüttmoorsiel–Nordstrandischmoor, die aus einer Feldbahn auf einer Pfahlstrecke durch das Watt zur Hallig Nordstrandischmoor besteht.

Cecilienkoog

Der etwa 400 ha große Cecilienkoog wurde von 1903 bis 1905 eingedeicht und ist nach der Kronprinzessin Cecilie benannt und wurde je zur Hälfte privat und öffentlich finanziert.[2] Der Koog ist bewohnt und wird landwirtschaftlich genutzt. Einige landwirtschaftliche Betriebe bieten auch Ferienwohnungen an. Außerdem prägen Windkraft, Solaranlagen und eine Biogasanlage diesen Koog.

Desmerciereskoog

Der etwa 360 ha große Desmerciereskoog wurde 1767 eingedeicht und nach Jean Henri Desmercières benannt, der die erste Bank in Kopenhagen gegründet hat und sowohl am Desmerciereskoog als auch am Sophie-Magdalenen-Koog maßgeblich beteiligt war. Es war der erste Deich mit einem zur Seeseite hin flachen Profil.[3] Der Ort, an dem der neue Deich an die älteren Deiche mit steileren Profilen stößt, soll einer der Schauplätze in der Novelle Schimmelreiter von Theodor Storm sein.

Vier der sieben Windkraftanlagen im Desmerciereskoog

Der Koog ist auch heute bewohnt und wird landwirtschaftlich genutzt. Außerdem gibt es im Koog sieben Windkraftanlagen.

Louisen-Reußen-Koog

Der etwa 400 ha große Koog wurde 1799 durch Graf Heinrich XLIII Reuß-Schleiz-Köstritz errichtet und nach seiner Frau benannt. Der Koog ist bewohnt und wird landwirtschaftlich genutzt. Von ursprünglich fünf Höfen werden jedoch nur noch zwei bewirtschaftet. Solaranlagen und Windkraft sorgen für erneuerbare Energie.

Reußenkoog

Der knapp 500 ha große Koog wurde durch Heinrich XLIII Graf Reuß-Schleiz-Köstritz gebaut. Der Deichbau wurde 1789 abgeschlossen.[4] Der Koog ist bewohnt und wird landwirtschaftlich von Betrieben außerhalb des Kooges genutzt. Im Koog selbst ist kein Landwirt ansässig. Drei Windkraftanlagen erzeugen umweltfreundlichen Strom.

Sönke-Nissen-Koog

Der etwa 1200 ha große Sönke-Nissen-Koog ist der neueste der bewohnten Köge im Gemeindegebiet (nur der unbewohnte Beltringharder Koog ist neuer). Er entstand am 1875 gebauten Damm zur Hamburger Hallig und wurde auf private Initiative lokaler Landwirte durch die dafür gegründete Deichbaugenossenschaft von 1924 bis 1926 eingedeicht.[5] Er ist nach dem nordfriesischen Eisenbahningenieur Sönke Nissen benannt, der in Deutsch-Südwestafrika tätig gewesen war und als Mitglied der Genossenschaft den Deichbau finanziell unterstützt hat. Die Namen von sieben Höfen, die als Entschädigung für den finanziellen Einsatz in das Eigentum der Familie Nissen gingen, erinnern an Bahnstationen zwischen Lüderitzbucht und Keetmanshoop. Heute hat die Familie Sönke Nissens kein Eigentum mehr im Sönke-Nissen-Koog. Die Geschichte des Sönke-Nissen-Kooges ist Thema einer Fernsehdokumentation von Mario Damolin: „Die Straße der Deichgrafen. Ein Diamantenfund und seine Folgen“ (2003).

Die 28 Höfe im Koog sind nach Entwürfen des Architekten Heinrich Stav gebaut worden und haben trotz unterschiedlicher Größe einen ähnlichen Grundriss, weiße Außenwände und grüne Dächer. Der Koog ist bewohnt und wird landwirtschaftlich genutzt. Einige Betriebe bieten auch Ferienwohnungen an. 2005 wurden 24 Gebäude unter Denkmalschutz gestellt. 20 Windkraftanlagen modernster Bauart parallel zur zweiten Deichlinie erzeugen umweltfreundliche Energie. Darüber hinaus befindet sich das sogenannte 'Amsinck-Haus', ein Informationszentrum über die Gemeinden des Mittleren Nordfrieslands, direkt an der Deichüberfahrt zur Hamburger Hallig im Sönke-Nissen-Koog.

Sophien-Magdalenen-Koog

Der Sophien-Magdalenen-Koog war der erste Schritt zur endgültigen Bedeichung der Bredstedter Bucht und wurde von 1741 bis 1743 in einer Größe von 608 ha eingedeicht. Er wurde nach der Gemahlin des dänischen Königs Christian VI, Königin Sophie Magdalene, geb. Prinzessin von Brandenburg-Bayreuth, benannt.[6]

Statistische Daten zu den einzelnen Kögen

In der nachstehenden Tabelle sind Bevölkerung und Haushalte aus der Volkszählung vom 25. Mai 1987 nachgewiesen, da diese Zahlen nur auf Gemeindeebene fortgeschrieben werden.

Wohn-
platz-
Nr.
Koog Ein-
deichung
Fläche
km²
Volkszählung 1987
Bevölkerung Haushalte
-1 Beltringharder Koog2 1987 9,31 - -
1 Cecilienkoog 1905 4,48 61 18
2 Desmerciereskoog 1767 3,60 49 14
3 Louisen-Reußen-Koog 1799 4,09 13 5
4 Reußenkoog 1789 5,11 15 6
5 Sönke-Nissen-Koog 1926 11,40 165 55
- Hamburger Hallig3 16284 1,73 - -
6 Sophien-Magdalenen-Koog5 1741 6,19 77 25
  Reußenköge   45,91 380 122
1 Der Beltringharder Koog taucht als unbewohnter, 1987 eben erst fertiggestellter, aber der Gemeinde offiziell erst am 1. Januar 2005 zugeteilter Koog nicht im amtlichen Wohnplatzverzeichnis auf.
2 Der Beltringharder Koog hat eine Gesamtfläche von 35,41 km², davon gehören jedoch nur 9,31 km² zur Gemeinde Reußenköge.
3 Hamburger Hallig einschl. Vorland mit dem Damm zum Sönke-Nissen-Koog. Die nur saisonal bewohnte Hallig hat keine eigene Wohnplatznummer.
4 Eindeichung von Alt-Nordstrand. Deiche gingen in der zweiten Hälfte des 17. Jahrhunderts weitgehend verloren, die Hallig entstand aus dem vormaligen Koog.
5 Gemeindezentrum (nicht Gemeindeverwaltung, diese befindet sich außerhalb der Gemeinde in der östlich angrenzenden Stadt Bredstedt)

Geschichte

Die großen Sturmfluten 1362 und 1634 veränderten die nordfriesische Küste derart, dass von den ehemals riesigen fruchtbaren Flächen nur noch kleine Inseln und Halligen übrigblieben und die Küste sich fast bis an den Geestrand verlagerte. Es war hier ein Einschnittin der Größe der heutigen Gemeinde Reußenköge entstanden, die Bredstedter Bucht.

König Christian IV. von Dänemark hatte den Plan gefasst, das Gebiet zwischen dem Hattstedter Koog und Ockholm auf einen Streich einzudeichen. Von ihm stammt auch der Name "Bredstedter Werk". Nach mehrmaligen Versuchen wurde dies Vorhaben durch die Eisflut vom 10. Januar 1625 endgültig zerstört. Auch das Herstellen von Schenkeldeichen um 1716/17 führte nicht zu dem erhofften Erfolg. Die Besitzer des Oktroys (verliehenes Privileg) boten jetzt ihren Besitz zum Verkauf an, um zu retten, was zu retten war. So kam es, dass der Geheimrat Jean Henri Huguetan Graf von Gyldensteen und sein Sohn, der Conferenzrat Jean Henri Desmercières, 1728 alle Rechte der früheren Besitzer und zusätzlich noch den Oktroy von Christian VI. im Jahre 1733 erwerben konnten. Schrittweise begann man in bemerkenswerter Einsicht, nicht das ganze Gebiet, sondern abschnittsweise nur das wirklich hoch genug aufgeschlickte Vorland einzudeichen. Als erster entstand der Sophien-Magdalenen-Koog. Graf Desmercières nahm das südlich angrenzende Wattland - den späteren Desmerciereskoog - nicht gleich mit dazu, weil es zur damaligen Zeit noch nicht reif für eine Eindeichung war.

Der Deichschluss des Sophien-Magdalenen-Kooges wurde 1741 vollzogen. 1742 wurde das Land bereits zum Verkauf gestellt. Nachdem Graf Gyldensteen und Graf Desmercières gemeinsam den Oktroy erhalten und die Eindeichung finanziert hatten, überließ Graf Güldensteen den neuen Koog seinem Sohn, der als Verwaltungsfachmann alles geplant und geleitet hatte, als Alleinbesitz. Der Koog wurde in sieben Hofstellen aufgeteilt und von dem Landmesser Heinrich Hemsen aus Niebüll vermessen. 1754 wurde eine Karte gezeichnet, die heute noch erhalten ist. So wurde also der Sophien-Magdalenen-Koog zur Keimzelle der späteren Gemeinde Reußenköge. Heute wird dem Urvater Graf Desmercieres vor Ort an der Koogshalle im Sophien-Magdalenen-Koog durch eine Gedenktafel gedacht.

Im Jahr 1767 erfolgte die Eindeichung des nach seinem Erbauer benannten Desmerciereskooges. Im weiteren Verlauf kamen die beiden Reußischen Köge (1789 der Reußenkoog und 1799 der Louisen-Reußen-Koog) hinzu. Der Übergang des Deichbaurechts auf Graf Heinrich XLIII Reuß-Schleiz-Köstritz, den Sohn von Desmercières` Großnichte, erfolgte nach dem Tode des Grafen Desmercières per Fideikommiss.[7]

Wurden die anfangs noch vom Amt Bordelum verwalteten vier oktroyierten Reußischen Köge durch einen von den Landbesitzern gewählten Koogsinspektor betreut, wurden sie 1871 in den Stand einer eigenständigen „Land-Gemeinde“ mit dem Namen Reußenköge gehoben. Wie die Gemeindeprotokolle der Folgejahre zeigen, war bereits seit Gründung der Gemeinde die Sicherung der Eigenständigkeit ein immer wieder auftretendes Thema, mit der sich die politischen Vertreter beschäftigten mussten. So plante man bereits im Jahr 1889 die Zusammenlegung der Amtsbezirke Bordelum, Reußenköge, Vorufer und Hamburger Hallig, gegen die die Reußenköger sich allerdings erfolgreich zu Wehr setzten. Im Jahr 1890 erfolgt dann die Hinzulegung der Gutsbezirke Vorufer und Hamburger Hallig zum Amtsbezirks Reußenköge.[8]

Im Jahr 1903 erfolgte schließlich der Beginn der nächsten Eindeichungsreihe. Mit dem Cecilienkoog entstanden eingedeichte Ländereien, die zuvor Teil der Pieck-, Meed- und Jacobshallig waren. Die Namensgebung erfolgte nach einem traditionellen Muster. Namensgeberin war Cecilie zu Mecklenburg-Schwerin, die zu der Zeit gerade in den Hochzeitsvorbereitungen mit dem preußischen Kronprinzen Friedrich Wilhelm Viktor August Ernst von Preußen, dem Sohn des letzten deutschen Kaisers Wilhelms II., stand. Gleichzeitig war sie die Urenkelin eines Mitglieds des Hauses Reuß-Schleiß-Köstritz, welches mit der Eindeichung der beiden reußischen Köge in Verbindung stand.

1925 erfolgte die Eindeichung und Gemeindeeingliederung des neu entstanden Sönke-Nissen-Kooges. Er bildete die bis heute letzte im Gemeindegebiet erfolgte Eindeichung zum Zwecke der Landgewinnung.

In der Zeit nach dem Zweiten Weltkrieg kam es zu einem starken Flüchtlingszuzug. Die Gemeinde erhielt das Statut einer amtsfreien Kommune (mit einer kurzen Unterbrechung in den 1970er Jahren). Nach der Eindeichung des Beltringharder Kooges im Jahr 1987 erfolgte die Übertragung des nördlichen, vor dem Cecilien- und Sönke-Nissen-Koog liegenden, Teilgebietes im Jahr 1996.

Politik

Wappen

Blasonierung: „Von Grün und Silber im Wellenschnitt geteilt. Oben eine goldene, aus sechs Ähren bestehende Garbe, unten fünf blaue Wellenfäden, überdeckt mit einem schwarzen Dreieckschild, darin ein rot gekrönter und gezungter goldener Löwe.“[9]

Weblinks

Quellen

  1. Übersichtskarte: Reußenköge (2007), Abgerufen: 28.12.2008
  2. Reußenköge - Cecilienkoog
  3. Reußenköge - Desmerciereskoog
  4. Reußenköge - Reußenkoog
  5. Reußenköge - Sönke-Nissen-Koog
  6. Reußenköge - Sophien-Magdalenen-Koog
  7. [1]
  8. persönlich als Kopie vorliegende Gemeindeprotokolle
  9. Kommunale Wappenrolle Schleswig-Holstein

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