Rheinlotse


Rheinlotse

Ein Rheinlotse ist ein Schiffsführer mit der Befähigung zum Führen eines Binnenschiffes mit eigener Triebkraft (Rheinschifferpatent) mit besonderen Streckenkenntnissen eines Abschnitts auf dem Rhein, für den er sein Lotsenpatent erworben hat. Lotsen auf dem Mittelrhein gab es bis zum Ende der 1980er Jahre, auf dem Oberrhein zwischen Iffezheim und Mannheim werden sie noch heute gelegentlich eingesetzt.

Signalstelle Bankeck mit Lotsenmuseum

Inhaltsverzeichnis

Allgemeines und Historisches

Binger Loch heute
Denkmal für die Verbreiterung von 1832
Burg Pfalzgrafenstein, Kaub (Lotsenhaus rechts neben Pegel und Fähre)
aufgewühltes Wasser an der Loreley
Sankt Goar (Ehemalige Wahrschau und Lotsen-Station

Da der Mittelrhein als Schifffahrtsstraße im Gegensatz etwa zur Mosel weitgehend natürlich belassen wurde, änderte sich das Fahrwasser ständig. In der Gebirgsstrecke mit dem größten Gefälle, stärkster Strömung und gefährlichen Klippen (an der Loreley wird der Fluss auf 113 m Breite und 25 m Tiefe verengt, eine Strecke bei Bacharach hieß "das wilde Gefähr") , waren genaue Ortskenntnisse für die Führung der Schiffe, Schlepper mit Schuten und Personenschiffe gefordert. Deshalb war der Einsatz von ortskundigen Lotsen üblich. So gab es 1950 noch Lotsenstationen in Bingen und Rüdesheim, Kaub, St. Goar (Wahrschauer und Lotsenmuseum), Oberspay, Koblenz, Urmitz und sogar Köln.[1]

Das änderte sich zunehmend mit dem Ausbau der Fahrrinnen durch vermehrtes Ausbaggern der eingetragenen Sande und Kiese und durch Sprengung der Felsbarrieren zum Beispiel am Binger Loch (bis 1974) aber auch durch die Steigerung der Motorleistung und moderne Schiffsführungstechnik zum Beispiel mit Radar, so dass der Einsatz von Lotsen nicht mehr erforderlich war. Lotsenpflicht herrschte nie, da viele kleinere Partikuliere, das sind selbstfahrende Schiffseigner, auch ortskundig waren. Wer einen Lotsen brauchte, zeigte dies durch Setzen der Lotsenflagge an. Wer am längsten noch zum Schutze von Schiff und Passagieren Lotsen einsetzte, waren die Köln-Düsseldorfer Fahrgastschiffe. Zuletzt gab es noch Stationen in Bingen , Kaub und St. Goar.

Die Kauber Lotsengenossenschaft war 1950 / 1960 mit über 100 Lotsen und vier Lotsenboten (je eines in Bingen und St. Goarshausen) die größte am Rhein. Am 31. Mai 1988 wurde mit Kaub die letzte Lotsenstation geschlossen. Der letzte Kauber Lotse, Karl Kilp, Jahrgang 1927, verfasste mit dem auch aus einer Schifferfamilie stammenden Willi Kimpel ein Buch über diese vergangene Zeit (Erstauflage 1993). Auch nach 1988 soll es bei extrem niedrigen Wasserständen noch zu gelegentlichen Anforderungen von Lotsen gekommen sein. Die Mehrzahl der Lotsen setzte sich zur Ruhe, wenn die Ersparnisse reichten, oder verdingte sich als Binnenschiffer oder musste versuchen, einen anderen Beruf zu finden.

Organisation

Die Lotsen waren selbständige in Genossenschaften zusammengeschlossene Unternehmer. Jeder Lotse bediente vorzugsweise seine Stammkunden, die er nach Abhören der "Schifffahrtsnachrichten" im Radio mit Fernglas am Fenster seines Hauses mit Rheinblick und dann in der Lotsenstation erwartete. Die jüngeren mussten nehmen, was übrig blieb. Die Genossenschaft bezahlte und organisierte das Lotsenversetzboot, das schnelle und starke Boot des Lotsendienstes, das den Lotsen zum Schiff und vom Schiff zurück brachte, und den Lotsenbus, der die Lotsen vom Ende der Lotsenstrecke wieder zur Lotsenstation zurückbrachte. Jede örtliche Genossenschaft hatte eine bestimmte traditionelle Strecke zu bedienen: Die Kauber lotsten von Kaub "zu Berg" bis Bingen und zu Tal bis St. Goarshausen. Die St. Goarer nur zu Berg von St. Goar ursprünglich bis Oberwesel und später bis Kaub und die Binger nur "zu Tal" bis Kaub. Das hatte nur Sinn, wenn man dem unterschiedlichen Fahrverhalten des Schiffes und dem unterschiedlichen Fließverhalten des Stromes Priorität vor dem freien Unternehmertum einräumt. Vor dem Zeitalter der schnellen Motorboote, musste jeder Lotse mit seiner Schaluppe der so genannten "Schlupp", einem kleinen "Ein-Mann-Boot", zum Schiff rudern und dann anschließend nach der Lotsenstrecke "im Schlepptau" eines Schiffes oder zu Tal mit eigener Kraft wieder zurück mit dem Boot.

Ausbildung

Jeder Bewerber für den Lotsenberuf musste zuerst Schiffer werden, das heißt, er fuhr zuerst als Schiffsjunge , nach bestandener Bootsmannsprüfung als Matrose auf einem Binnenschiff auf dem Rhein und seinen Nebenflüssen. Mit frühestens 23 Jahren konnte er sich als Anwärter zur staatlichen Prüfung für das Rheinschifferpatent zum Führen von Schiffen mit eigener Triebkraft melden. Nach diesem Examen begann die eigentliche Ausbildung zum Lotsen. Sie dauerte zirka ein Jahr, umfasste mindestens 200 Lehrfahrten als Lotsenkandidat an der Seite eines "erfahrenen" Lehrlotsen auf seiner Strecke. Die Prüfung zum Lotsenpatent für die Strecke, auf der er gelernt hatte, wurde vor einem Beamten des Wasser- und Schifffahrtsamtes Bingen und zwei beisitzenden Lotsenprüfmeistern der örtlichen Lotsengenossenschaft abgelegt. Selbstverständlich musste der Lotsenkandidat auch unbescholten sein.

Rechtliche Lotsenstellung und Einsatzgebiete auf dem Oberrhein.

Auf dem Oberrhein bedient sich die Schifffahrt auf der nicht kanalisierten Strecke zwischen Iffezheim und Mannheim noch gelegentlich fahrstreckenkundiger Lotsen. Gesetzlich werden sie "Hilfsschiffsführer" benannt.

  • Ein Lotsenzwang besteht nicht.
  • Auf dem Oberrhein gilt die Lotsenordnung für den Rhein zwischen Basel und Mannheim / Ludwigshafen vom 15. Juni 1956 (BGBl. II S 703), in der Fassung vom 27. August 1968 (BGBl. II S. 813)[2] sowie die Verordnung über die Entgelte für die Leistungen der Binnenlotsen auf der Bundeswasserstraße Rhein zwischen Iffezheim und Mannheim vom 1. Juni 2001 (VkBl.2001, Seite 310)
  • Auf den Strecken oberhalb Iffezheim bis Basel und unterhalb der genannten Strecke sowie "im Gebirge" (Mittelrhein) werden keine Lotsen mehr benötigt.
  • Von den freiberuflich zur Unterstützung des Schiffsführers oder als Ersatzschiffsführer tätigen Lotsen sind unständig beschäftigte Binnenschiffer zu unterscheiden, wenn sie ein Rheinschifferpatent besitzen, als Matrosen zur Vervollständigung der Bemannung an Bord genommen werden (Hilfsleute). Diese Binnenschiffer sind keine Lotsen im Sinne der Lotsenbestimmungen, sie besitzen keine Lotsenpatente.

Da auch hier die Lotserei keine rechte Zukunft hat, fehlt der Nachwuchs. So wurde am 21. März 2009 berichtet, dass ein 79-jähriger Lotse am Oberrhein beim Zugang aufs Schiff ins Wasser gefallen ist.[3]

Lotsen in der Schweiz

Auf dem Schweizer Rheinabschnitt Basel Birsfelden gab es 2008 noch fünf Lotsen. Sie wohnten alle in Kleinhüningen und wechseln sich in Bereitschaft ab. Das Rheinschifferpatent gilt nicht in der Schweiz. Entsprechende Schiffsführer dürfen nur bis zur Dreirosenbrücke in Basel fahren und müssen für die weitere Strecke einen Lotsen an Bord nehmen.[4]

Einzelnachweise

  1. Karl Baedeker: Köln und das Rheinland, Reisehandbuch, Hamburg 1953, S. 26
  2. Lotsenordnung Oberrhein (Mit Ausbildungsordnung) (Zugriff Dez. 2010
  3. Bericht Blausand (Arbeitsgruppe zur Badesicherheit) (Zugriff Dez. 2010)
  4. Jugendseite zu den Basler Lotsen, Basler Zeitung vom 1. August 2008 (Zugriff Dez. 2010)

Literatur

  • Kimpel, Wilhelm: Die Steuerleute und Lotsen auf der Gebirgstrecke des Mittelrheins mit ihren Stationen in Bingen, Kaub und St. Goar, 2. erw. Aufl. Kaub, 1999, ISBN 3-929866-04-8

Siehe auch

  • Lotse, der hauptsächlich die Seelotsen behandelt
  • Pilot (Seefahrt), der auch internationale Bezüge aufweist. Jeweils mit Weblinks

Weblinks

 Wikiquote: Lotse – Zitate

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