Richard-Sorge-Straße


Richard-Sorge-Straße
Richard-Sorge-Straße

Die Richard-Sorge-Straße ist eine Straße im Berliner Stadtteil Friedrichshain. Sie führt von der Landsberger Allee bis zum Weidenweg und wurde nach dem Kommunisten Richard Sorge (1895–1944) benannt, der als Spion für die Sowjetunion in Japan tätig war.

Inhaltsverzeichnis

Namensgebung und Straßengeschichte

Die Straße erhielt den Namen Richard-Sorge-Straße am 17. September 1969, davor hieß sie seit dem 8. März 1883 Tilsiter Straße. An diesen Namen erinnert heute wieder das Kino „Tilsiter Lichtspiele“ im Haus Nr. 25A.

Besonderheiten

Gedenktafel am Haus Nr. 8

In der Richard-Sorge-Straße stehen mehrere Gebäude unter Denkmalschutz. Eines davon ist die ehemalige Bonbon-, Marzipan- und Schokoladenfabrik in den Häusern Nr. 21A/22, die heute als Ernst-Lemmer-Haus bekannt ist (siehe unten). Auch die in der Landsberger Allee 54 gelegene und entlang der Richard-Sorge-Straße verlaufende ehemalige Aktienbrauerei Friedrichshöhe (Patzenhofer Brauerei) ist geschützt. Ebenso geschützt sind die hölzerne Christuskirche in der Nr. 14/15 sowie die Häuser 7-9 und 83-84, die ein Teil des Denkmalbereiches Karl-Marx-Allee sind.

Am Haus Nr. 8 befindet sich eine Erinnerungstafel für Richard Sorge. Den beiden ehemaligen Mitgliedern der Sorge-Gruppe Anna Christiansen-Clausen und Max Christiansen-Clausen wird mit einer weiteren Gedenktafel am selben Haus gedacht. Sie haben nach dem Zweiten Weltkrieg in diesem Haus gewohnt. Weitere Gedenktafeln erinnerten an die NS-Widerstandskämpfer Eugen Neutert (Nr. 65) und Heinz Nawrot (Nr. 10); diese Tafeln wurden jedoch von Unbekannten demontiert.

Das Ernst-Lemmer-Haus

Das heutige Ernst-Lemmer-Haus in der Nr. 21A ist eine ehemalige Süßwarenfabrik. Es steht zusammen mit dem Wohnhaus Nr. 22 unter Denkmalschutz. Heute befindet sich in diesem Gebäude die Hauptverwaltung des Landesverbandes Berlin des Unionhilfswerkes. Das Ensemble aus Vorder- (Nr. 22) und Hinterhaus (Nr. 21A) mit den zwei Höfen wurde vom Architekten Reinhard Brehm als Wohnhaus mit Fabrikgebäude konstruiert und 1896/97 als eines der ersten Bauten im Südteil der damals noch als Tilsiter Straße bezeichneten Trasse erbaut. Bereits 1905 wurde das Gebäude durch eine Klinik bezogen und die Süßwarenproduktion wurde eingestellt. 1922/23 bezog die Firma Osram das Gebäude und 1926/27 die Norddeutsche Schriftgießerei.

Der Gebäudekomplex besteht aus zwei Teilen. Das Wohnhaus ist mit verschiedenen Verzierungen im Stil des Rokoko bestückt, das im Hof stehende Fabrikgebäude ist vierstöckig und mit gelben und roten Ziegeln verblendet sowie mit sehr großen Fenstern ausgestattet. Beide Teile gehören heute dem Unionhilfswerk, das Wohnhaus wurde vorher von der Wohnungsbaugesellschaft Friedrichshain (WBF) verwaltet, das Fabrikgebäude von der Treuhandanstalt. Mit Hilfe der Berliner Denkmalbehörden konnte das Unionhilfswerk beide Gebäude bis zum Jahr 2000 fachgerecht restaurieren, bereits 1997 verlegte es seinen Hauptsitz von Berlin-Dahlem in diese Gebäude. Es wurde benannt nach Ernst Lemmer (1898–1970), der in der Sowjetischen Besatzungszone (SBZ) zu den Gründern der CDU in der SBZ gehörte und später Bundesminister für gesamtdeutsche Fragen wurde.

Die hölzerne Christuskirche

Hölzerne Christuskirche

Die Christuskirche ist eine methodistische Kirche in der Richard-Sorge-Straße 14/15. Der erste Kirchenbau an dieser Stelle, ein neugotischer Bau ohne Turm, wurde 1895 für die bereits 1888 gegründete Elim-Gemeinde errichtet. Diese Kirche wurde 1945 am Ende des Zweiten Weltkriegs zerstört. Durch Spenden amerikanischer Methodisten konnte eine Notkirche aus Holz gebaut werden, die von der schwedischen Baufirma WST Blockhus gebaut wurde. Kurz nach der Fertigstellung gingen allerdings Teile der Kirche in Feuer auf, worauf eine Erneuerung mit besseren Sicherheitsvorkehrungen erfolgte.

Die mit einem flachen Satteldach und einem sehr kleinen Glockenturm ausgestattete Holzkirche wurde für etwa 400 Personen gebaut. Sie sollte in den 1990er Jahren durch einen Neubau ersetzt werden. Stattdessen wurde sie unter Denkmalschutz gestellt und dient heute neben Gottesdiensten auch als Raum für Konzerte.

Die Tilsiter Lichtspiele

Das Kino Tilsiter Lichtspiele wurde 1908 als kleines Kino im Erdgeschoss des Wohnhauses in der Richard-Sorge-Straße 25A gegründet und blieb bis 1961 in Betrieb, danach wurde es geschlossen. Nach der Wende wurde das Kino zusammen mit einem Lokal im Jahr 1994 wiedereröffnet und von einem Verein betrieben. Später wurde dieser in eine GbR, die heutige Betreiberin, umgewandelt. Durch den Einbau des Lokals im Eingangsbereich wurde der Zuschauerraum etwas verkürzt; er bietet heute etwa 60 Besuchern Platz.

Die Aktienbrauerei Friedrichshöhe

Gebäudetrakt der Aktienbrauerei Friedrichshöhe in der Richard-Sorge-Straße
Reste der Aktienbrauerei Friedrichshöhe, die drei Giebel im Vordergrund wurden 2007 abgerissen

Auf dem Gelände der Aktienbrauerei Friedrichshöhe, das die Grundstücke Tilsiter Straße (heute Richard-Sorge-Straße) 51–62 einnahm, legte Georg Patzenhofer Anfang der 1860er-Jahre den ersten Bier-Lagerkeller für seine Brauerei in der Papenstraße an.

Zwischen 1877 und 1886 entstanden dann die meisten Gebäude der nun Aktienbrauerei-Gesellschaft Friedrichshöhe, vorm. Patzenhofer genannten Brauerei, die sich ab 1886 komplett am neuen Standort befand. Die Brauerei war bis 1990 in Betrieb, zuletzt als Teil des VEB Getränkekombinat Berlin.[1]

Von der ehemaligen Bebauung sind heute lediglich drei Gebäude erhalten. Direkt an der Ecke Landsberger Allee/Richard-Sorge-Straße steht ein nahezu würfelförmiger zweieinhalbgeschossiger, reich mit Terrakotten und Bemalungen verzierter Bau, das ehemalige Comptoir und Wohnhaus. In der Richard-Sorge-Straße folgt dann ein langgestrecktes viergeschossiges Produktionsgebäude mit erhöhtem Mittelteil. Drei Giebel eines weiteren Gebäudes, die jahrelang als Rest erhalten geblieben waren, wurden im Dezember 2007 abgerissen. Auf der dadurch noch größer gewordenen Brachfläche begann 2008 der Bau von Wohnungen.

Weblinks

 Commons: Richard-Sorge-Straße (Berlin) – Album mit Bildern und/oder Videos und Audiodateien

Literatur

  • Dagmar Girra: Berlins Straßennamen – Friedrichshain. Edition Luisenstadt 1996 ISBN 3-89542-084-0
  • Hans-Jürgen Mende und Kurt Wernicke (Hrsg.): Berliner Bezirkslexikon Friedrichshain-Kreuzberg. Haude & Spener Berlin 2003 ISBN 3-77590-474-3

Belege

  1. Eintrag in der Berliner Landesdenkmalliste mit weiteren Informationen zur Aktienbrauerei Friedrichshöhe
52.52111111111113.446666666667

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