Richard A. Musgrave


Richard A. Musgrave

Richard Abel Musgrave (* 14. Dezember 1910 in Königstein (Deutschland); † 15. Januar 2007 in Santa Cruz (Kalifornien)) war ein deutsch-US-amerikanischer Ökonom.

In München studierte er von 1930 bis 1931 das Fach Volkswirtschaft. In Heidelberg setzte er sein Studium anschließend bei Alfred Weber fort. Als er ein Stipendium für die USA erhält, verlegt er dorthin nach der NS-Machtergreifung im Jahre 1933 seinen Lebensmittelpunkt. An der Harvard University erlangt er die Promotion.

Abschließend arbeitete er bei der Federal Reserve Bank in Washington D.C.. Weiterhin nahm er in der Folgezeit mehrere Lehrangebote an Universitäten wahr, so an der Michigan University, der Princeton University und der Johns Hopkins University. In den Jahren 1965 bis 1981 kehrte er wieder an die Harvard Universität zurück.

Für mehrere US-Regierungen stand er als Berater zur Verfügung, vor allem in der Zeit der US-Präsidenten John F. Kennedy und Lyndon B. Johnson. Mit seinem Lehrbuch Finanztheorie aus dem Jahre 1958 erwarb er große Anerkennung, da er hier eine Symbiose der Marktlehre und der Thesen von John Maynard Keynes versuchte.

Von der Universität München erhielt er die Ehrendoktorwürde. Er beeinflusste auch die Gründung des International Institute of Public Finance (IIPF) und half beim Aufbau des Münchner Center for Economic Studies.

Musgrave prägte den Begriff meritorisches Gut, worunter er ein Gut versteht, welches einen größeren Nutzen stiften könnte, als sich in der in freier Marktwirtschaft bestehenden Nachfrage widerspiegelt. Damit wird dessen Förderung durch staatliche Subventionen begründet.

Er beschäftigte sich auch mit Marktversagen.

Musgrave erkannte drei Kernaufgaben eines Staates:

  1. Stabilisierung der Konjunktur: Der Staat übt aktiv Einfluss auf die gesamtwirtschaftliche Nachfrage aus. Hohe Steuern hemmen Konsum und somit auch die Investitionstätigkeit von Unternehmen. Niedrige Steuern regen den Konsum an, sofern der Staat die Steuerausfälle nicht durch Verschuldung ausgleicht.
  2. Korrektur der Verteilung (Distribution) des Einkommens: Der Staat muss sich für die Ausgaben im Rahmen der Sozialleistungssysteme verantwortlich zeigen, die eine Verteilungsgerechtigkeit hervorrufen. Hierzu zählen z. B. Sozialhilfe, Wohngeld, universitäre Leistungen. In der Regel wird hierunter eine gleichmäßigere Verteilung verstanden.
  3. Allokation meritorischer und sozialer Güter. Bei privaten Gütern ging Musgrave hingegen davon aus, dass sie über den Markt besser verteilt werden.

Referenzen

  • Nikolaus Piper: Ökonom aus Königstein. Artikel in der Süddeutschen Zeitung vom 19. Januar 2007
  • Dieter Brümmerhoff: Finanzwissenschaft, 8. Auflage, S. 7f.

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