Rinaldo


Rinaldo

Rinaldo (HWV 7a/7b) ist eine Oper in drei Akten von Georg Friedrich Händel.

Inhaltsverzeichnis

Entstehung

Rinaldo ist die erste Oper, die Händel in London schrieb. Zwar war der Komponist am 16. Juni 1710 zum Kapellmeister am Hofe von Hannover des Kurfürsten Georg Ludwig ernannt worden, doch schon im August 1710 reiste Händel über Düsseldorf nach London, wo er im November 1710 eintraf. Zu der Zeit hatte der Dramatiker Aaron Hill (1685 - 1750) im Alter von 24 Jahren die Direktion des Queen's Theatre am Haymarket übernommen. Zugleich war dem Theater das Monopol für die Opernproduktion zugesprochen worden.

In dieser Situation entstand das Libretto in zwei Schritten: Zunächst erstellte Aaron Hill eine englischsprachige Skizze, die sich Torquato Tassos Epos Gerusalemme liberata (Das befreite Jerusalem) als Grundlage bediente. (Im vierten Gesang der Dichtung erzählte Tasso von der Liebe der sarazenischen Zauberin Armida zu dem Kreuzritter Rinaldo.) Das Textbuch schrieb der Theaterlibrettist Giacomo Rossi in Windeseile auf Italienisch. Im Vorwort berichtete er von seiner Zusammenarbeit mit dem Komponisten:

Mr. Hendel, the Orpheus of our century, while composing the music, scarcely gave me the time to write, and to my great wonder I saw an entire opera put to music by that surprising genius, with the greatest degree of perfection, in only two weeks.

Freilich übernahm Händel etwa fünfzehn Nummern - vollständig oder teilweise - aus den Partituren früherer Werke, insbesondere aus:

Die übernommenen Nummern passte Händel jeweils an den neuen Text an, was Rossi vielleicht nicht wusste. Eingefügt hat Händel auch aus der Oper Almira die Sarabande Lascia ch´io pianga, die nun im 2. Akt der Oper Rinaldo von Almirena gesungen wird. Für die Komposition brauchte Händel nur die Zeit von Dezember 1710 bis Januar 1711. Die Uraufführung erfolgte am 24. Februar 1711 im Queen's Theatre mit Nicolò Grimaldi in der Titelrolle.

Zweite Fassung

Für die 1731er Saison erstellte Händel eine stark überarbeitete neue Fassung des Rinaldo, die im Werke-Verzeichnis als HWV 7b verzeichnet ist. Neben mehreren Wechseln der Stimmlagen, die im Abschnitt Personen zu sehen sind, wurde das Werk auch dramaturgisch verändert. Eine tabellarische Übersicht über die Arien, die hinzukamen bzw. weggelassen wurden, findet sich in der angegebenen Literatur.

Die zweite Fassung kam erstmals am 6. April 1731 am King's Theatre (seit der Thronfolge 1714 der neue Name des Queen's Theatre) auf die Bühne und hatte sechs Aufführungen.

Personen

An der Besetzung der Uraufführungsfassung und der zweiten Fassung kann man sehen, wie Händel die Stimmlagen für die ihm später zur Verfügung stehenden Sänger anpasste:

Rolle 1711 1731
Goffredo, Generalkapitän des christlichen Heers (Gottfried) Francesca Vanini-Boschi (Alt) Annibale Pio Fabri, genannt „Balino“ (Tenor)
Almirena, seine Tochter Isabella Girardeau (Sopran) Anna Maria Strada (Sopran)
Rinaldo, ein Ritter Nicolo Grimaldi, genannt „Nicolini“ (Altkastrat) Senesino (Altkastrat)
Eustazio, Goffredos Bruder und Botschafter Valentino Urbani, genannt „Valentini“ (Altkastrat)
Argante, König von Jerusalem Giuseppe Maria Boschi (Bass) Francesca Bertolli (Alt)
Armida, Königin von Damaskus und Zauberin Elisabetta Pilotti-Schiavonetti, genannt „Pilotti“ (Sopran) Antonia Maria Merighi (Alt)
Mago, christlicher Magier Giuseppe Cassani (Altkastrat) Giovanni Giuseppe Commano (Bass)
Aroldo Mr. Lawrence (Tenor)  ? (Bass)

Handlung

Im Mittelpunkt der Handlung steht der Ritter Rinaldo. Ihm hat Goffredo, General des christlichen Heeres, die Hand seiner Tochter Almirena versprochen - als Lohn für einen Sieg gegen die feindlichen Sarazenen. Deren König Argante plant die Entführung der Almirena, und er nimmt für die Tat die Hilfe seiner Geliebten Armida in Anspruch, die über magische Kräfte verfügt. Durch die Entführung wollen sie auch Rinaldo in ihre Gewalt bekommen.

In der sarazenischen Gefangenschaft muss sich Almirena allerdings den Zudringlichkeiten des Argantes erwehren. Ihre unglückliche Lage besingt sie mit der Arie Lascia ch´io pianga. Tatsächlich findet Rinaldo seine Braut Almirena in der Gefangenschaft. Eine Befreiung des christlichen Liebespaares gelingt erst Goffredo, der jedoch hierzu die magischen Kräfte von Mago bemühen muss. Ritter Rinaldo und seine Braut Almirena finden schließlich zusammen. In der Folge konvertieren Argante und Armida reumütig zum christlichen Glauben.

Rezeption

1. Aufführungen

Die Oper Rinaldo war ein ausgesprochener Erfolg: Sie wurde 1711 insgesamt fünfzehn Mal gespielt. Auch bei den Wiederaufnahmen 1712, 1713, 1714, 1717 – jeweils mit kleineren Bearbeitungen und einzelnen Änderungen der Stimmlagen – war sie wieder sehr beliebt. Rinaldo kam noch 1711 nach Dublin, 1715 nach Hamburg, 1718 nach Mailand und Neapel. Zu Händels Lebzeiten erreichte die Oper die Zahl von insgesamt 53 Aufführungen.

Dreihundert Jahre nach der Uraufführung hatte die Oper Rinaldo im Opernhaus Kiel im Herbst 2010 eine Premiere, die mit den aktuellen Diskussionen zwischen Gläubigen aus den beiden Religionen Christentum und Islam begründet wird. In der Regie von Thomas Enzinger bleibt dabei der Blick auf den nicht lösbaren Konflikt säkular und satirisch.[1]

2. Arie

Zum großen Erfolg der Oper hat vor allem die Arie der Almirena Lascia ch´io pianga mia cruda sorte (Lass mich beweinen mein grausames Schicksal) beigetragen. Der italienische Text von Giacomo Rossi lautet:

Lascia ch’io pianga
Mia cruda sorte,
E che sospiri
La libertà.
Il duolo infranga
Queste ritorte
De’ miei martiri
Sol per pietà.

Die Singstimme entfaltet in ihrer Schlichtheit eine anrührende Melodie. Die als Sarabande angelegte Arie wird von einem ruhig schreitenden, akkordischen Streichersatz begleitet. Das Stück ist vielfach von Musikern verschiedener Stilrichtungen adaptiert und bearbeitet worden. Der dänische Regisseur Lars von Trier verwendete das Lied für den Prolog und Epilog seines Films Antichrist.

3. Bühneneffekte

Der damals anhaltende Erfolg der Oper Rinaldo wurde nicht nur in ihrer überschaubaren Handlung sowie im Einsatz bereits erprobter Nummern gesehen, sondern auch in der Integration besonders wirksamer Bühneneffekte. Hierzu zählten die Auftritte der Zauberer und die jeweilige Mitwirkung eines Schwarms Sperlinge. Hinzu kamen als ein wirkungsvoller Effekt die Intermezzi, die der Komponist Händel auf dem Cembalo improvisierte.

Literatur

  • Silke Leopold: Händel. Die Opern. Bärenreiter 2009, ISBN 978-3-7618-1991-3.
  • Albert Scheibler: Sämtliche 53 Bühnenwerke des Georg Friedrich Händel.

Quellen

  • Christopher Hogwood: Georg Friedrich Händel. Eine Biographie. Aus dem Englischen von Bettina Obrecht. Insel, Frankfurt am Main u. Leipzig 2000 ISBN 978-3-458-34355-4
  • Michael Heinemann: Georg Friedrich Händel. Rowohlt, Reinbek bei Hamburg 2004 ISBN 3-499-50648-3

Weblinks

Einzelnachweise

  1. Beilage Theaterzeit. In: Kieler Nachrichten, Oktober 2010.

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