Robert Spämann


Robert Spämann

Robert Spaemann (* 5. Mai 1927 in Berlin) ist ein deutscher Philosoph.

Robert Spaemann 2006

Inhaltsverzeichnis

Familie

Robert Spaemanns Vater, Heinrich Spaemann (1904–2001), kam aus einem protestantischen Elternhaus. In den 1920er Jahren wurde er radikaler Atheist und gehörte zur Redaktion der SPD-nahen Sozialistischen Monatshefte. Aus seiner Ehe mit der Tänzerin und Mary Wigman-Schülerin Ruth Krämer ging der Sohn Robert hervor. In den 1930er Jahren wandte er sich wieder dem christlichen Glauben zu und trat in die katholische Kirche ein. Nach dem Tode seiner Frau 1936 studierte er Theologie in Münster und wurde 1942 von Bischof Clemens August Graf von Galen zum Priester geweiht. Nach dem Krieg wirkte er zunächst als Pfarrer in Dorsten, später war er als Kirchenzeitungsredakteur und Religionslehrer tätig. Seit 1969 betreute er als Seelsorger psychisch kranke und behinderte Menschen im Vianney-Hospital in Überlingen und war darüber hinaus bis zu seinem Tod ein gefragter Exerzitienbegleiter und geistlicher Ratgeber. Er hat rund 50 Bücher zu geistlichen Themen verfasst.

Sein Sohn Robert Spaemann studierte Philosophie, Geschichte, Theologie und Romanistik an den Universitäten Münster, München, Fribourg (Schweiz) und Paris.[1] Er promovierte 1952 an der Westfälischen Wilhelms-Universität in Münster, war vier Jahre Lektor im Kohlhammer-Verlag, danach Assistent in Münster und habilitierte sich 1962 dort in Philosophie und Pädagogik. Als wissenschaftlicher Assistent in Münster nahm er an den Seminaren des „Collegium Philosophicum“ Joachim Ritters teil. An diesen Seminaren beteiligten sich auch die Philosophen Hermann Lübbe und Odo Marquard sowie der spätere Bundesverfassungsrichter Ernst-Wolfgang Böckenförde, die man später der sogenannten „Ritterschule“ zuordnete. Nach Auskunft Spaemanns war diese keine Schule, sondern „eher ein Kreis von Freunden, die an gewissen Sachfragen immer ein gemeinsames Interesse hatten und die vielleicht stärker als die verwandte Gadamer-Schule das Politische als philosophisch relevant ernst genommen hat“.[2]

Nach eigener Auskunft hat sich Spaemann nach dem Krieg für „kurze Zeit der Faszination der Lektüre von Marx und Lenin hingegeben, bis er, „im Rahmen von Aktivitäten, die heute verfassungsschutzrelevant wären“, den „realen Sozialismus“ kennen gelernt und so auch die Wahrheit über den kommunistischen Terror in Russland erfahren habe.[2] In den 50er Jahren kritisierte er Pläne der damaligen Bundesregierung zur atomaren Aufrüstung der Bundeswehr. Zu dieser Zeit wurde er „gelegentlich als Linkskatholik apostrophiert“.[3]

Ethik, Vernunft und christliches Menschenbild

Spaemann gilt als Vertreter einer aristotelisch geprägten Naturphilosophie.[4] In seinen Beiträgen zur Rechtsphilosophie betont er die „Aktualität des Naturrechts“. In dem Streit um das Naturrecht erkennt er kein Argument gegen, sondern eines für dieses Recht. Denn „gäbe es kein von Natur Rechtes, so ließe sich über Fragen der Gerechtigkeit gar nicht sinnvoll streiten“. Die Existenz dieses Rechts bedeute nicht, dass es für jedermann offensichtlich ist, sondern „dass in der Richtung, die dieser Name bezeichnet, sinnvollerweise etwas zu suchen sei“. Das Naturrecht lasse sich nicht mehr als ein Normenkatalog beziehungsweise eine Art Metaverfassung verstehen. Eher sei es eine Denkweise, die „alle rechtlichen Handlungslegitimationen noch einmal kritisch“ prüfe.[5]

Für Spaemann bildet die Vernünftigkeit des Glaubens an Gott den Mittelpunkt seiner Philosophie. Er erläutert die traditionellen philosophischen Gottesbeweise und weist darauf hin, dass diese Gottesbeweise auch im 20. Jahrhundert noch philosophische Bewunderer gefunden haben. Er setzt einen Kontrapunkt zu Philosophen wie Ernst Tugendhat, die meinen, dass die Haltung der Religion „mit der intellektuellen Redlichkeit heute nicht mehr vereinbar“ sei. Mit seiner eigenen Argumentation zur Gottesfrage schließt Spaemann an Nietzsche an, der einmal schrieb: „Ich fürchte, wir werden Gott nicht los, weil wir noch an die Grammatik glauben“.

Seiner Meinung nach hat die Aufklärung ihr Werk getan und ist im Moment in Gefahr, sich wieder selbst abzuschaffen. Wir müssen lernen, ohne Wahrheit zu leben, so sagte einmal Friedrich Nietzsche. Die Frage stellt sich nun, mit welcher Lüge man am besten lebt. Was bleibt, ist dann nur noch Kampf gegen den banalen Nihilismus einer Spaßgesellschaft. Für Spaemann ist die Spur Gottes in der Welt der Mensch, der nach seinem Ebenbilde geschaffen wurde, im Gegensatz zu Nietzsches Menschenbild vom findigen Tier. Gottesebenbildlichkeit des Menschen bedeutet, dass der Mensch als freies, endliches, aber wahrheitsfähiges Wesen geschaffen wurde.[6]

Schon vor fünfzehn oder zwanzig Jahren machte er sich Gedanken über religiöse Fragen. Als derlei nicht nur aus der Mode gekommen, sondern sogar anstößig war – zumindest für diejenigen, denen diese Fragen als vorgestrig und Antworten auf sie als vernunftwidrig erschienen, so dass sich eine philosophische Beschäftigung mit ihnen erübrige. Dass die Frage nach Gott eine heutige sei, dass ihre Erörterung durchaus der Vernunft bedürfe und sich für die Philosophie verlohne, betonte Spaemann schon immer.[7] Spaemann hat keinen Respekt vor „geistlosen“ Menschen, welche die Antwort auf die Frage nach Gott als nicht so wichtig und Zeitverschwendung abtun. Schließlich glaubten die moslemischen Selbstmordattentäter auch an Gott, ja gerade dieser Glaube motiviere sie zu ihren Verbrechen.[8]

Der Gottesglaube hat für Spaemann Bestand. Er nennt ihn deshalb das „unsterbliche Gerücht“. Universalistische Religionen wie das Christentum könnten auf Mission nicht verzichten. Sie müssten ihre Standpunkte in den allgemeinen Diskurs einbringen. Er ist davon überzeugt, dass zwischen verschiedenen religiösen Standpunkten eine fruchtbare Auseinandersetzung möglich ist.[9]

Fragen der Erziehung stehen nach Spaemanns Auffassung „am Anfang aller Ethik“.[10] In den 70er Jahren nahm er Stellung zu den Ideen einer „emanzipatorischen Erziehung“. Sinnvoll sei die Idee der Emanzipation dort, „wo Menschen hinsichtlich der Organisation der Rahmenbedingungen ihres Handelns von fremder Vormundschaft befreit werden“. Dieser Begriff von Emanzipation bezeichne „einen Vorgang, der jedesmal einen Anfang und ein Ende“ habe, das als Mündigkeit bezeichnet werde. Die Idee der „emanzipatorischen“ Erziehung, die er Emanzipationsideologie nennt, meinte dagegen „einen unendlichen und zudem als universal gedachten Prozess“ als Erziehungsideal. Er diene dazu, den Kreis derjenigen zu erweitern, die „als unmündig erklärt werden“ und legitimiere eine „massive Herrschaftsideologie der Pädagogen“. Die Emanzipationsideologie verwehre dem Kind das Recht auf Möglichkeiten zur Identifikation und Persönlichkeitsentfaltung.[11] Er gehörte 1978 zu den Veranstaltern des Kongresses „Mut zur Erziehung“, der sich gegen emanzipatorische Bildungsexperimente mit Kindern richtete.[12] Aufgabe der Erzieher ist es Spaemann zufolge, das Kind „an die eigenständige und widerständige Wirklichkeit heranzuführen“. Das Kind müsse zunächst aus „seiner subjektiven Empfindungswelt behutsam und zielstrebig an die Realität“ geführt werden. Entscheidend sei, dass „die Wirklichkeit zunächst als hilfreich und freundlich erfahren“ werde. Die Stiftung dieser Grunderfahrung – die Psychologie spricht vom Urvertrauen – sei das Wichtigste, „was Erziehung überhaupt zu leisten vermag“. Denn wer sich an seine Kindheit als eine „heile Welt“ erinnern könne, werde „leichter mit der unheilen fertig“.[13]

Nach der Emeritierung

Papst Benedikt XVI. schätzt ihn als Berater und lud ihn im September 2006 nach Castel Gandolfo ein, um über das Verhältnis von Naturwissenschaft, Philosophie und Glauben zu referieren. Spaemann schreibt zeitkritische Beiträge zu ethischen, politischen und religiösen Fragen für überregionale Zeitungen. Seine Positionen, insbesondere zur Ökologie und zur Bioethik, werden über die Grenzen verschiedener Weltanschauungen und Parteien hinaus beachtet. Wegen seines Engagements für die Bewahrung der Schöpfung bezeichnete ihn die Berliner Tageszeitung als Ökophilosophen. Auf Einladung der Bundestagsfraktion der Grünen referierte er zur Debatte um die Stammzellenforschung.[14]

In seinen Reden und Veröffentlichungen setzt sich Spaemann für den Schutz des menschlichen Lebens von seinem Beginn bis zum natürlichen Tod ein. Er kritisierte deshalb Vorschläge zur – wenigstens teilweisen – Freigabe der Tötung auf Verlangen und zu einer „Liberalisierung“ der Sterbehilfe.[15] Er begründet dies mit einem Verständnis von Person und Menschenwürde, das jegliche Relativierung des Rechts auf Leben mit Zeitpunkten, Fristen und anderen Bedingungen zurückweist. Gemeinsam mit dem früheren Verfassungsrichter Ernst-Wolfgang Böckenförde formulierte er folgenden Grundsatz: „Wenn es überhaupt so etwas wie Rechte der Person geben soll, kann es sie nur geben unter der Voraussetzung, dass niemand befugt ist, darüber zu urteilen, wer Subjekt solcher Rechte ist.“ Die Menschenwürde kommt der Person nicht unter der Voraussetzung bestimmter Eigenschaften (z. B. des Selbstbewusstseins), sondern allein aufgrund ihrer biologischen Zugehörigkeit zur Spezies Mensch zu. Er weist nach, dass für die Aufklärung eben diese These, dass „Menschen vor ihrer Geburt Personenrechte“ haben, selbstverständlich gewesen ist. Es ist als Spaemanns Verdienst anzusehen, „die Debatte um Abtreibung und Euthanasie auf diese grundsätzliche Ebene gehoben zu haben“.[16]

Ihm wird bescheinigt, dass sein Engagement in zeitgenössischen Debatten seine philosophische Forschung nicht beeinträchtigt hat. Seine Hauptwerke – Glück und Wohlwollen (1989) und Personen (1996) – wären ohne „diese aktuellen Auseinandersetzungen kaum zu denken“. Die Verwicklung in solche Debatten sei „der Lesbarkeit und dem souveränen Gestus seiner Bücher“ zugute gekommen.[17]

In einem 1996 veröffentlichten Aufsatz[18] kritisierte Spaemann das Projekt Weltethos des Tübinger Theologen Hans Küng scharf.

Nachdem die Junge Freiheit auf der Leipziger Buchmesse nicht als Aussteller hatte zugelassen werden sollen, unterzeichnete Spaemann auch einen Solidaritätsaufruf der Zeitung. Spaemann hält es für gefährlich, wenn staatliche Institutionen aufgeboten werden, „um bestimmte verfassungskonforme politische Positionen öffentlich zu ächten“. In staatlich organisierten „Bündnissen gegen Rechts“ sieht er den Versuch, den Staat als eine „Wertegemeinschaft“ neu zu begründen. Der liberale Rechtsstaat sei – auch wegen des gesellschaftlichen Pluralismus – konstitutiv eine Rechtsgemeinschaft. Er erkennt die Rechte seiner Bürger – unabhängig von ihren weltanschaulichen Auffassungen – an, solange diese den Gesetzen gehorchen. Verstehe sich der demokratische Staat als Wertegemeinschaft, so berge dies die „Gefahr eines liberalen Totalitarismus“. Um die Gesetze des Staates zu akzeptieren, müsse man nicht unbedingt die Werte teilen, die diesen zugrunde liegen. Vielmehr genüge es den Gesetzen zu gehorchen, weil man den „Wert des inneren Friedens“ im Gemeinwesen kenne. Im Blick auf das zusammenwachsende Europa folgert er, dass die Europäische Union nur dann eine Rechtsgemeinschaft sein kann, „in der alle Bürger der Länder europäischer Tradition ein gemeinsames Dach finden“, wenn sie „Gemeinschaften mit gemeinsamen Wertschätzungen“ schützt, „selbst aber darauf verzichtet eine Wertegemeinschaft zu sein“.[19]

Spaemann ist Mitherausgeber des anonymen Hauptwerks des christlichen Hermetikers Valentin Tomberg mit dem Titel Die großen Arcana des Tarot. Meditationen.

Spaemann war ordentlicher Professor für Philosophie an den Universitäten Stuttgart (bis 1968), Heidelberg (bis 1972) und München, wo er 1992 emeritiert wurde. Spaemann erhielt im Jahr 2001 den Karl-Jaspers-Preis der Stadt und der Universität Heidelberg.

Seine Frau Cordelia (geb. Steiner; * 12. November 1925), die er 1950 geheiratet hatte, verstarb am 24. April 2003. Sie wurde vor allem als Übersetzerin des Langgedichts „Anathemata“ von David Jones bekannt. Sein Sohn Christian Spaemann ist Leiter der Klinik für Psychische Gesundheit am Krankenhaus St. Josef in Braunau am Inn. Seine Tochter Susanna Spaemann, Pianistin und Klavierpädagogin, lebt in Wien und ist mit dem Pianisten und Dirigenten Stephan Möller verheiratet; ihre Tochter Marie Spaemann hat als Cellistin bereits zahlreiche Preise gewonnen.

Werke

  • Rousseau - Mensch oder Bürger. Das Dilemma der Moderne. Stuttgart: Klett-Cotta, 2008. ISBN 978-3-608-94245-3
  • Das unsterbliche Gerücht. Die Frage nach Gott und der Aberglaube der Moderne. Klett-Cotta, Stuttgart 2007. ISBN 978-3-608-94452-5
  • Robert Spaemann, Rolf Schönberger: Der letzte Gottesbeweis. Pattloch, 2007. ISBN 3-629-02178-6
  • Robert Spaemann und Walter Schweidler (Hrsg.): Ethik – Lehr- und Lesebuch. Texte, Fragen, Antworten. Klett-Cotta, Stuttgart 2006. ISBN 978-3-608-94445-7
  • Grenzen. Zur ethischen Dimension des Handelns. Klett-Cotta, Stuttgart 2001. ISBN 3-608-91027-1
  • Robert Spaemann und Thomas Fuchs: Töten oder sterben lassen? Worum es in der Euthanasiedebatte geht. Freiburg: Herder, 1997. ISBN 9-783451-045714
  • Personen. Versuche über den Unterschied zwischen >etwas< und >jemand<. Klett-Cotta, Stuttgart 1996, ISBN 3-608-91813-2 [Rezension: Norbert Hoerster in: FAZ, 27.11.1997]
  • Robert Spaemann, Albert Görres und Christoph Schönborn: Zur kirchlichen Erbsündenlehre. Stellungnahmen zu einer brennenden Frage. Freiburg: Johannes Verlag Einsiedeln, 1994. ISBN 3-89411-303-0
  • Anonymus d'Outre Tombe [d. i. Valentin Tomberg]; Martin Kriele und Robert Spaemann (Hrsg.): Die großen Arcana des Tarot. Meditationen. 3. erweiterte Auflage. Herder, Basel 1993. ISBN 3-906371-05-0
  • Glück und Wohlwollen: Versuch über Ethik. Klett-Cotta, Stuttgart 1989. ISBN 3-608-91556-7
  • Das Natürliche und das Vernünftige. Essays zur Anthropologie. 1987
  • Robert Spaemann, Reinhard Löw, Peter Koslowski (Hrsg.): Evolutionismus und Christentum. (=Civitas Resultate Band 9) Weinheim: VCH, 1986. ISBN 3-527-17573-3
  • Moralische Grundbegriffe. München: Beck, 1982, 6. Aufl. 1999
  • Natürliche Ziele: Geschichte und Wiederentdeckung des teleologischen Denkens. Klett-Cotta, Stuttgart 2005. ISBN 3-608-94121-5 (Gemeinsam mit Reinhard Löw; zuerst 1981 veröffentlicht unter dem Titel "Die Frage Wozu." im Piper-Verlag, München)
  • Rousseau - Bürger ohne Vaterland. Von der Polis zur Natur. München: Piper, 1980; 2. Aufl. 1992. ISBN 9-783492-105798
  • Zur Kritik der politischen Utopie. Zehn Kapitel politischer Philosophie. Stuttgart: Ernst Klett Verlag, 1977. ISBN 3-12-910110-1
  • Einsprüche. Christliche Reden. (=Sammlung Horizonte, Neue Folge 12) Freiburg: Johannes Verlag Einsiedeln, 1977. ISBN 3-265-10195-9
  • Reflexion und Spontanität. Studien über Fénelon. Stuttgart: Klett-Cotta, 1990; zuerst Stuttgart: Kohlhammer, 1963. (Habilitationsschrift) ISBN 3-608-91334-3
  • Der Ursprung der Soziologie aus dem Geist der Restauration. Studien über L. G. A. Bonald. Stuttgart: Klett-Cotta, 1998; zuerst München: Kösel Verlag, 1959. ISBN 3-608-91921-X

Zitate

  • Das Gerücht von Gott liegt überall, wo Menschen sind, in wie deformierter Gestalt auch immer, in der Luft.[8]
  • Die Aufdringlichkeit von Werten steht fast immer in einem umgekehrten Verhältnis zu ihrer Höhe.[20]
  • Jeder Mensch ist selbst der Beweis, daß es eine absolute, nicht relativierbare Wahrheit tatsächlich gibt - diese lautet: Ich bin.[21]
  • Antike Ethik ist Kunstlehre des Lebens.[22]
  • Man kann nicht Gründe hören wollen dafür, daß man auf Gründe hören soll.[23]
  • Es gibt keine Ethik ohne Metaphysik.[24]
  • Ein Gelingen des Lebens ist nicht einfach eine Funktion der Erreichung von Handlungszielen, sondern es verleiht den Handlungen selbst eine Bedeutung, die sie in der unmittelbaren Einstellung des Handelnden, in seiner Intention zunächst gar nicht haben.[25]
  • Ohne Beschämung den Grad unserer Gleichgültigkeit gegen die Wirklichkeit des Anderen eingestehen ist das Kennzeichen des Zynismus.[26]
  • Überhaupt ist das Phänomen der Aufmerksamkeit und Unaufmerksamkeit vielleicht das beste Paradigma für das, was wir gut und böse nennen.[27]
  • Religion ist die Hoffnung, daß der Zweite Hauptsatz der Thermodynamik nicht das letzte Wort über die Wirklichkeit ist.[28]
  • Nur Personen geht es um Sein oder Nichtsein. Personen wissen, rückblickend oder vorausblickend, von einer Welt, in der sie selbst noch nicht waren oder nicht mehr sein werden.[29]
  • Wahrheit in einem nicht trivialen Sinn beruht immer auf einem "Sich-Verlassen" auf etwas, auf jemanden oder auf sich selbst.[30]
  • Die Beziehung zwischen Personen auf der elementarsten Stufe ist die Anerkennung, auf der im höchsten Sinne personalen die der Liebe.[31]
  • Eine Verantwortung vor sich selbst kann es im eigentlichen Sinn nicht geben, weil man sich selbst in diesem Fall immer dispensieren kann.[32]
  • Es gibt keine potentiellen Personen. Personen besitzen Fähigkeiten, Potenzen. Personen können sich entwickeln. Aber es kann sich nicht etwas zur Person entwickeln. Aus etwas wird nicht jemand.[33]

Weblinks

Quellen

  1. Robert Spaemann Philosophische Essays, Stuttgart 1983, S. 187
  2. a b Claus Leggewie: Der Geist steht rechts. Ausflüge in die Denkfabriken der Wende. Berlin 1987, S. 154 u. 158
  3. ebd. S. 165
  4. vgl.: Konrad Adam: Robert Spaemann: ein konsequent unabhängiger Denker. In: Die Welt vom 30. Mai 2001
  5. Vgl.: Adolf Laufs: Laudatio auf Robert Spaemann, Rede in der alten Aula der Ruprecht-Karls-Universität Heidelberg anlässlich der Verleihung des Karl Jaspers-Preises am 28. November 2001. (online)
  6. Vortrag in der Katholischen Akademie in Bayern am 14. Oktober 2006
  7. NZZ: Eine Antwort finden – Robert Spaemann über die Frage nach Gott 5. Mai 2007
  8. a b Die Welt: Der Gottesbeweis 26. März 2005
  9. (vgl.: Thomas Groß: Der Gott der Denker. Philosophie: Robert Spaemann liefert einen neuen Beweis für die Existenz des Schöpfers, in: Rheinischer Merkur, vom 3. Mai 2007, S. 17).
  10. Vgl.: Robert Spaemann: Erziehung oder Lustprinzip und Realitätsprinzip. in Ders.: Moralische Grundbegriffe. München 1982, Siebte Auflage 2004, S. 34.
  11. Vgl: Robert Spaemann: Emanzipation – ein Bildungsziel, in: Ders.: Zur Kritik der politischen Utopie. Stuttgart 1977, S. 143-154.
  12. Vgl.: Die Linke, die Rechte, das Richtige (Gespräch mit Robert Spaemann). In: Claus Leggewie: Der Geist steht rechts. Ausflüge in die Denkfabriken der Wende. Berlin 1987, S. 160-161.
  13. Vgl.: Robert Spaemann: Erziehung oder Lustprinzip und Realitätsprinzip. In Ders.: Moralische Grundbegriffe. München 1982, Siebte Auflage 2004, S. 34-35.
  14. Konrad Adam: Robert Spaemann: ein konsequent unabhängiger Denker. In: Die Welt vom 30. Mai 2001
  15. Robert Spaemann: Sterbehilfe ist nur ein anderes Wort für Töten. In: Stuttgarter Zeitung vom 26.10.2005
  16. Vgl.: Henning Ritter: Zeitgenössisch. Philosoph der Person: Robert Spaemann zum Achtzigsten. In: Frankfurter Allgemeine Zeitung vom 5. Mai 2007, S. 39).
  17. Vgl. ebd.
  18. Merkur. Zeitschrift für europäisches Denken, Heft 9/10, S. 891-904
  19. Vgl: Robert Spaemann: Europa ist kein Werteverbund, in: CICERO vom April 2004, http://www.cicero.de/page_print.php?ress_id=1&item=240.
  20. Moralische Grundbegriffe 3. Kap. Bildung oder: Eigeninteresse und Wertgefühl, München 1999, S.42
  21. Zitat, Die Birke e.V., 19. Mai 2003
  22. Glück und Wohlwollen. Stuttgart: Klett-Cotta 1989, S. 9
  23. Glück und Wohlwollen. Stuttgart: Klett-Cotta 1989, S. 11
  24. Glück und Wohlwollen. Stuttgart: Klett-Cotta 1989, S. 11
  25. Glück und Wohlwollen. Stuttgart: Klett-Cotta 1989, S. 41
  26. Glück und Wohlwollen. Stuttgart: Klett-Cotta 1989, S. 240
  27. Glück und Wohlwollen. Stuttgart: Klett-Cotta 1989, S. 243
  28. Personen. Stuttgart: Klett-Cotta 1996, S. 110
  29. Personen. Stuttgart: Klett-Cotta 1996, S. 124
  30. Personen. Stuttgart: Klett-Cotta 1996, S. 157
  31. Personen. Stuttgart: Klett-Cotta 1996, S. 173
  32. Personen. Stuttgart: Klett-Cotta 1996, S. 176
  33. Personen. Stuttgart: Klett-Cotta 1996, S. 261

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