Robert von Ungern-Sternberg

Robert von Ungern-Sternberg
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Robert von Ungern-Sternberg

Baron Robert Nikolai Maximilian Ungern von Sternberg (russisch Барон Роберт-Николай-Максимилиан Унгерн фон Штернберг, wiss. Transliteration Baron Robert-Nikolaj-Maksimilian Ungern fon Shternberg; auch Roman Fjodorowitsch Ungern von Sternberg/Роман Фёдорович Унгерн фон Штернберг; * 22. Januar 1886 in Graz, Österreich; † hingerichtet 15. September 1921 in Nowonikolajewsk, Russland) war ein Baron deutschbaltischer Herkunft in zaristischen Diensten.

Obwohl mit dem Namen Nikolai Robert Max Baron von Ungern-Sternberg[1] geboren, nannte er sich selber „Ungern von Sternberg“ und wurde zu seiner Lebenszeit auch unter letzterem Namen bekannt. Er war auch unter den Beinamen Roter Baron, Blutiger Baron, Weißer Baron oder Schwarzer Baron bekannt.

Er schwang sich 1921 mit seinem Kosaken-Regiment für etwa 6 Monate zum blutigen und legendenumwobenen Diktator der Mongolei auf. Seine Truppen konnten anfangs die chinesische Armee vertreiben, wurden aber später von der Roten Armee geschlagen. Der Baron wurde gefangen und hingerichtet.

Inhaltsverzeichnis

Leben

Anfänge

Von Ungern-Sternberg wurde in Graz in Österreich in eine deutschbaltische Familie geboren, und wuchs in Reval, damals Teil des Russischen Reiches, bei seinem Stiefvater Oscar von Hoyningen-Huene auf. Nach dem Abschluss der Pawlowsk-Militärakademie der russischen Armee in Sankt Petersburg leistete er in Sibirien Dienst und lernte dort den nomadischen Lebensstil der Mongolen und Burjaten kennen.

Während des ersten Weltkrieges kämpfte von Ungern-Sternberg auf russischer Seite in Galizien. Sein Ruf zu dieser Zeit war der eines sehr mutigen, aber auch draufgängerischen und unberechenbaren Offiziers. General Wrangel notierte in seinen Memoiren, dass er davor zurückschreckte, von Ungern-Sternberg zu befördern. Nach der Februarrevolution 1917 wurde er von der Provisorischen Regierung in den fernen Osten Russlands geschickt, um dort unter General Semjonow eine loyale Militärpräsenz aufzubauen.

Nach der Revolution

Nach der Oktoberrevolution der Bolschewiki 1917 erhoben sich Semjonow und von Ungern-Sternberg gegen diese. In den darauffolgenden Monaten erwarb sich von Ungern-Sternberg bei der örtlichen Bevölkerung und bei seinen Untergebenen den Ruf äußerster Grausamkeit, was ihm den Übernamen „Schwarzer Baron“ eintrug. Wegen seines exzentrischen Benehmens wurde er auch „Verrückter Baron“ genannt. Trotz ihrer antibolschewistischen Einstellung waren Semjonow und von Ungern-Sternberg nicht Teil der Weißen Armee und weigerten sich die Autorität von deren Anführer Admiral Koltschak anzuerkennen. Stattdessen ließen sie sich von den Japanern mit Geld und Waffen unterstützen. Diese verfolgten dabei das Ziel, einen fernöstlichen Vasallenstaat unter der Führung Semjonows zu etablieren. Die Führer der Weißen Armee, die an ein „starkes und unteilbares Russland“ glaubten, betrachteten diese Kollaboration als Hochverrat.

Die Streitkräfte der Abtrünnigen setzten sich aus russischen Truppen, ortsansässigen Transbaikal-Kosaken sowie burjatischen Stammesleuten zusammen und plünderten die Versorgungszüge der Weißen ähnlich häufig wie diejenigen der Roten Armee. Da Admiral Koltschak seine Operationsbasis in Zentralsibirien hatte, war er zur Durchführung seiner Operationen im Ural auf eine zuverlässige Versorgung aus dem Osten angewiesen. Die Überfälle auf Züge der Transsibirischen Eisenbahn stellten darum für ihn ein großes Problem dar.

In der Mongolei

1920 trennte sich von Ungern-Sternberg von Semjonow und etablierte sich als selbstständiger Kriegsherr. Er glaubte, dass die Monarchie das einzige Regierungssystem wäre, welche die westliche Zivilisation vor Korruption und Selbstzerstörung zu schützen vermochte. Er entwickelte die Idee, die Qing-Dynastie in China wieder zu etablieren, und die fernöstlichen Nationen darunter zu vereinen. Als fanatischer Antisemit proklamierte er in einem Manifest von 1918 seine Absicht, „...alle Juden und Volkskommissare in Russland auszulöschen“ und den Großfürsten Michail Romanow, den jüngeren Bruder von Nikolaus II. auf den russischen Thron zu setzen. Wegen der Wirren des ersten Weltkriegs flohen viele Juden aus dem Westen Russlands, wo sie vor dem Krieg gezwungen worden waren, sich niederzulassen, in Richtung Osten, um den Kämpfen zu entgehen. Von Ungern-Sternbergs Truppen ermordeten alle Juden, derer sie habhaft werden konnten, häufig auf äußerst grausame Weise.[2]

Die Mongolei war seit 1919 von Truppen der Republik China besetzt. Zwischen 1920 und 1921 marschierten von Ungern-Sternbergs Truppen in die Mongolei ein. Im Januar 1921 erfolgten mehrere Angriffe auf die Hauptstadt Örgöö/Urga, welche aber unter hohen Verlusten scheiterten. Im Februar gelang es ihm dennoch, die Stadt einzunehmen.

Am 13. März 1921 wurde in der Mongolei eine unabhängige Monarchie ausgerufen, mit von Ungern-Sternberg als alleinigem Herrscher. Der achte Jebtsundamba Khutukhtu (gest. 1924), geistliches Oberhaupt der Mongolei, wurde durch Ungern-Sternberg - zumindest nominell - auf den Herrscherthron zurückgebracht. Der Jebtsundamba Khutughtu betitelte ihn im Gegenzug als Inkarnation der zornigen Schutzgottheit Jamsarang (tib. Begtse). Ungern-Sternberg war fasziniert von fernöstlichen Religionen wie dem Buddhismus. Seine Philosophie war eine äußerst wirre Mischung von russischem Nationalismus mit chinesischen und mongolischen Glaubenssystemen. Im Alltag war seine kurze Regentschaft vor allem durch Mord und Plünderungen seiner Armee geprägt. Er ließ alle Juden, derer er habhaft werden konnte, umbringen, gleichfalls alle Russen, die nicht voll und ganz politisch mit ihm übereinstimmten. Die Terrorherrschaft seiner Armee, Requirierungen und Zwangsaushebungen kosteten ihn auch unter den Mongolen, die ihn zunächst als Befreier von den Chinesen angesehen hatten, schnell alle Sympathien.[3]

Niederlage und Tod

Der Baron versuchte im Mai, in Burjatien sowjetisches Territorium anzugreifen. Nach anfänglichen Erfolgen im Mai und Juni wurde er aber in einer Gegenoffensive geschlagen. In der Zwischenzeit hatten Anfang Juli mongolische (unter Damdin Süchbaatar) und sowjetische Verbände Urga besetzt. Ungern-Sternbergs eigene Leute lieferten ihn am 21. August 1921 an die Rote Armee aus.

Ein militärisches Eiltribunal durch eine Tscheka-Troika verurteilte ihn zum Tode, und er wurde in Nowonikolajewsk in Russland erschossen. Angeblich soll er vor seinem Tod noch seine Medaille des St. Georgs Ordens heruntergeschluckt haben, um zu verhindern, dass sie in gotteslästerliche kommunistische Hände falle.

Einzelnachweise

  1. William Addams Reitwiesner Genealogical Services
  2. Simon Sebag Montefiore: Baron Ungern-Sternberg, meteoric nutter. 23. März 2008. Abgerufen am 5. November 2008.
  3. C.R. Bawden, The Modern History of Mongolia, London 1968, S. 216, 232f

Literatur

  • Theophile von Bodisco, Alexander Dugin, Julius Evola, Markus Fernbach, York Freitag, Alexander W. Greiner, Claudio Mutti, Arsenij Nesmelow, Roman Ungern von Sternberg: Baron Ungern von Sternberg - der letzte Kriegsgott, Straelen, Regin-Verlag, 2007, ISBN 978-3-937129-32-7
  • Berndt Krauthoff: Ich befehle! Kampf und Tragödie des Barons Ungern-Sternberg, Bremen, Carl Schünemann, 1938
  • Jean Mabire: Ungern, le dieu de la guerre, 1987 ISBN 2-906026-10-7 (Jean Mabire entstammt dem neofaschistischen Spektrum.)
  • Nick Middleton: The Bloody Baron: Wicked Dictator Of The East, London, Short Books, 2001 ISBN 1-9040-9587-9
  • James Palmer: The Bloody White Baron: The Extraordinary Story of the Russian Nobleman Who Became the Last Khan of Mongolia, London, Faber & Faber, 2008 ISBN 0-571-23023-7
  • Vladimir Pozner: Der Weiße Baron, Berlin, Verlag Volk und Welt Berlin (DDR), 1966 (Biographie/Roman)
  • Ferdynand Ossendowski: Tiere, Menschen und Götter, Originaltitel: Beasts, Men and Gods, 1923, Strange Verlag 10810, beschreibt die Flucht des Autors aus Russland nach Tibet und in die Mongolei sowie die Begegnung mit dem Baron. ISBN 3-89064-810-X

Weblinks


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