Rolf Hachmann


Rolf Hachmann

Rolf Hachmann (* 19. Juni 1917 in Blankenese) ist ein deutscher Prähistoriker.

Inhaltsverzeichnis

Leben

Er besuchte das Reformrealgymnasium in Blankenese, wo er von Peter Zylmann, einem Kenner der friesischen Vorgeschichte, unterrichtet wurde und im Jahre 1937 das Abitur ablegte. Nach Arbeits-, Wehr- und Kriegsdienst und der Flucht aus englischer Gefangenschaft begann er im Jahre 1945 an der Universität Hamburg ein Studium mit dem Hauptfach Vor- und Frühgeschichte bei Hans Jürgen Eggers sowie den Nebenfächern Alte Geschichte, Altgermanistik, Volkskunde, Ethnologie und Geografie. Mitte 1949 promovierte er nach sieben Semestern mit "Untersuchungen zur Eisenzeit in Mitteldeutschland". In den Jahren 1952–53 hatte er ein Reisestipendium des Deutschen Archäologischen Instituts.

Nach der Habilitation im Jahre 1955 war er Privatdozent für Vor- und Frühgeschichte an der Universität Hamburg. Im Jahre 1959 übernahm er als Nachfolger von Vladimir Milojčić die Professur für Vor- und Frühgeschichte an der Universität des Saarlandes in Saarbrücken. Hachmann leitete das Institut von 1959 bis 1985. Auf seine Initiative wurde es umbenannt in Institut (später: Fachrichtung) für Vor- und Frühgeschichte und Vorderasiatische Archäologie. Im Jahre 1986 wurde er emeritiert. Er ist bis heute wissenschaftlich tätig.

Wirken

Er nahm an verschiedenen Grabungen in der Türkei (Boğazkale) und in Syrien (Tell Chuera) teil. Im Jahre 1963 begann er zusammen mit Arnulf Kuschke, Professor für Alttestamentliche Wissenschaft der Universität Mainz, Grabungen auf dem Siedlungshügel (Tell) Kāmid el-Lōz im Libanon. Diese Grabung leitete er von 1966 bis 1981. Im Jahre 1982 initiierte er gemeinsam mit Jan Lichardus und Alexandar Fol die Ausgrabungen in der Umgebung des südostbulgarischen Dorfes Drama, die er bis zu seiner Emeritierung leitete.

Seine Forschungen umfassen ein umfangreiches zeitliches und räumliches Spektrum. Er verfasste wichtige Arbeiten unter anderem zur mitteleuropäischen Bronzezeit und zur Archäologie und Geschichte der Germanen. So veröffentlichte er beispielsweise im Jahre 1962 gemeinsam mit Georg Kossack und Hans Kuhn eine Studie zum so genannten Nordwestblock ("Völker zwischen Germanen und Kelten") und befasste sich im Jahre 1970 mit der Herkunft der Goten und ihrer angeblichen Urheimat in Skandinavien. Auch nach seiner Emeritierung setzte er seine Studien fort. Im Jahre 1991 veröffentlichte er seine Untersuchungen zur Herkunft und Entstehung des Kessels von Gundestrup. Die Grabungsergebnisse von Kāmid el-Lōz sind unter seiner Leitung in mehr als 20 Bänden innerhalb der Reihe Saarbrücker Beiträge zur Altertumskunde veröffentlicht. Zu seinen früheren Doktoranden zählen der ehemalige Landeskonservator des Saarlandes Alfons Kolling und François Bertemes, Professor für Prähistorische Archäologie an der Martin-Luther-Universität Halle-Wittenberg in Halle (Saale).

Hachmann ist ordentliches Mitglied des Deutschen Archäologischen Instituts und seit 1993 Ehrenmitglied der Rumänischen Akademie. Die Universität des Saarlandes hielt am 30. Juni 2007 ein Festkolloquium anlässlich seines 90. Geburtstags ab.[1]

Schriften (Auswahl)

  • Die Goten und Skandinavien (Quellen und Forschungen zur Sprach- und Kulturgeschichte der germanischen Völker, Neue Folge 34). Berlin 1970.
  • Die Germanen. München 1978.
  • (Hrsg.), Ausgewählte Bibliographie zur Vorgeschichte von Mitteleuropa. Römisch-Germanische Kommission des Deutschen Archäologischen Instituts. Stuttgart 1984.
  • (Hrsg.), Frühe Phöniker im Libanon: 20 Jahre deutsche Ausgrabungen in Kāmid el-Lōz. Mainz 1983.
  • (Hrsg.), Studien zum Kulturbegriff in der Vor- und Frühgeschichtsforschung (Saarbrücker Beiträge zur Altertumskunde Band 48). Bonn 1987.
  • Gundestrup-Studien. Untersuchungen zu den spätkeltischen Grundlagen der frühgermanischen Kunst. Bericht der Römisch-Germanischen Kommission 71, 1991, 568–903.

Fußnoten

  1. Festkolloquium zum 90. Geburtstag

Literatur

  • Jan Filip: Enzyklopädisches Handbuch der Ur- und Frühgeschichte Europas. Band 1: A – K. Academia - Verlag der Tschechoslowakischen Akademie, Prag 1966, S. 448.

Weblinks


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